Titel: Kick, über Neuerungen im Mühlenwesen.
Autor: Kick, Fr.
Fundstelle: 1886, Band 259 (S. 197–211)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj259/ar259076

Ueber Neuerungen im Mühlenwesen; von Prof. Fr. Kick.

(Patentklasse 50. Fortsetzung des Berichtes Bd. 250 S. 237 u. 477.)

Mit Abbildungen im Texte und auf Tafel 13.

In den zwei Jahren, welche seit dem letzten Berichte verflossen sind, wurden in jedem Zweige der Müllerei kleine, theilweise wertvolle Neuerungen eingeführt, welche sich zumeist auf die Verbesserung einzelner Mechanismen beziehen. Bezüglich des Müllereibetriebes ist hervorzuheben, daſs dort, wo die Marktverhältnisse es noch gestatten, auf wenige Mehlnummern hinzuarbeiten, sowie in der Roggenmüllerei, die bedienungslose Müllerei – d.h. jene, bei welcher die gesammte Bewegung des Getreides wie der Zwischenproducte bis zur Versackung von Mehl und Kleie selbstthätig durch Elevatoren, Fallröhren und Getreide bezieh. Mehlschrauben besorgt wird – immer mehr Boden gewinnt. Wo aber die Hochmüllerei mit ihrem umständlichen Griesprozesse gepflegt wird, da trachtet man diesen auf Grund der von Carl Haggenmacher gegebenen Anregung und nach seinem Vorbilde zu vereinfachen.1) In diesen Richtungen waren erfolgreich thätig: A. Besser in Wien, A. Fischer in Pest, A. Millot in Zürich, Nagel und Kaemp in Hamburg, Gebrüder Seck in Bockenheim, H. Simon in Manchester u.a.

Der Dismembrator (vgl. 1883 250 * 477) hat sich zur Erlangung sehr reiner, mehlfreier Kleien auch in der Hochmüllerei mit Erfolg eingeführt, während derselbe bei der Vermahlung guter Dunste zwar weiſsere Mehle als der Stein (Mahlgang) lieferte, jedoch nicht mit jenem gelblichen Stiche und jenem eigenthümlichen „Feuer,“ welches gewünscht wird und gewöhnlich als ein Zeichen des Kleberreichthums gilt. Die Frage nach der Ursache des auffälligen Farbenunterschiedes führte den Referenten zu einer Reihe von Untersuchungen, welche am Schlusse dieses Berichtes in Kürze mitgetheilt werden; hier sei nur das Ergebniſs vorweg angeführt, welches darin besteht, daſs das vom Mahlgange stammende Mehl einen höheren Dextringehalt aufweist, als das aus dem gleichen Dunste vom Dismembrator ermahlene Mehl. Ein merklicher Unterschied im Klebergehalte, im Verhalten des Klebers und in der Backfähigkeit ist nicht vorhanden. Der gelbliche Stich, welcher kleberreichen Weizenmehlen zugeschrieben wird, hängt theilweise nur indirekt mit dem Klebergehalte zusammen.

Bei den unterläufigen Mahlgängen, welche bekanntlich den oberläufigen durch erhöhte Leistung deshalb bedeutend überlegen sind, weil die am Untersteine liegenden feinen Mahlguttheilchen unmittelbar durch die Rotation des Untersteines ausgeworfen werden, stellt sich leicht ein Heiſslaufen des Spurlagers ein. Es ist dies natürlich; denn die Pressung |198| des Spurzapfens ist gleich der Summe aus dem Gewichte von Stein und Mühlspindel mehr den zwischen den Mahlflächen auftretenden lothrechten Pressungen; während bei dem oberläufigen Gange der Spurzapfendruck gleich dem Gewichte von Stein und Spindel weniger jenen lothrechten Pressungen ist. Der Spurzapfendruck muſs daher beim Oberläufer um die doppelte auf das Mahlgut ausgeübte Pressung kleiner ausfallen als beim Unterläufer. Aus diesem Grunde erfordern die Unterläufer eine besonders sorgfältige Ausführung des Spurlagers mit bester Schmierung.

Die Mahlgangventilation nach Jaacks und Behrns in Lübek (1877 225 * 430) hat sich in vielen Weizenmühlen sowie namentlich in den Roggenmühlen Deutschlands und eines Theiles von Oesterreich fast allgemein eingeführt und arbeitet zur vollsten Zufriedenheit. In den Pester Mühlen will man aber in Erinnerung an die Feuergefährlichkeit anderer aufgelassener Ventilationssysteme noch immer nicht an ihre Einführung gehen; doch hat man diesbezüglich Unrecht. Das erwähnte System, welches gegenwärtig auch von vielen anderen Firmen gebaut wird, ist durchaus nicht feuergefährlich. Bei Anwendung desselben auf die Dunste des harten ungarischen Weizens dürfte sich in Folge des viel kühleren Ganges der gelüfteten Mahlgänge wahrscheinlich auch ein Mehl von weniger gelblichem Stiche ergeben, ähnlich wie dies oben vom Dismembrator bemerkt wurde.

Nach diesen Bemerkungen gehen wir zu den einzelnen Abschnitten über, in welche dieser Bericht sich gliedert.

1) Aufbewahrung des Getreides.1) Unter den hierher gehörigen Neuerungen verdient die Construction von Getreide-Silos von Carl Hein. Schlobach in Rochlitz (* D. R. P. Nr. 28421 vom 27. November 1883) Erwähnung. Es sind 0,6 bis 0m,8 hohe Holz- oder Eisenkästen über einander angebracht, welche durch Säulen getragen werden. An den Säulen sind Tragstücke c (Fig. 1 Taf. 13) angegossen oder angeschraubt, an den Kastenwänden Vorsprünge v, welche sich auf die Tragstücke stützen und so die Kasten tragen. Der Boden jedes Kastens ist aus im Winkel gebogenen Blechen oder im Winkel gestellten Brettern, wie dies. Fig. 1 zeigt, gebildet, wodurch über dem Getreide jedes Kastens Lufträume i entstehen, welche durch in den Seitenwänden angebrachte Ausschnitte mit der Auſsenluft in Verbindung gebracht werden können. Jeder Kasten trägt das in demselben befindliche Getreide und ist seinerseits wieder von den Säulen getragen und über dem Getreide jedes Kastens befinden sich Lufträume, welche zur Lüftung dienen und ein Dumpfigwerden verhüten. Die Druckvertheilung ist eine günstige; doch ist die gleichmäſsige Füllung des obersten Kastens, von welchem aus das Getreide in die darunter befindlichen abläuft, unbequem und erfordert Menschenarbeit oder eine in der Patentschrift nicht enthaltene Vorrichtung.

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Erwähnung verdient auch das Zellenrad zum Messen und Abschlieſsen des Getreides bei Ausläufen von Silos von Gebrüder Burberg in Mettmann, Rheinprovinz (* D. R. P. Nr. 30441 vom 8. April 1884). Unter dem kegelförmigen Auslaufe dreht sich langsam – nach Angabe der Mühle, 1885 S. 623 mit ungefähr 15 Umdrehungen in der Minute – ein Zellenrad mit 5 Zellen. Jede Zelle läſst sich durch einen Schieber, welcher der cylindrischen Umfangsfläche des Rades angepaſst ist, verschlieſsen. Hat man nun unter den Silos einer Mühle solche Zellenräder angebracht, so kann man leicht die einzelnen Weizensorten, welche die Silos füllen, in einem bestimmten Verhältnisse mischen. Man wird zu diesem Zwecke, wenn zwei Sorten im Verhältnisse 1 : 2 zu mischen sind, das Zellenrad des einen Silo mit 2 Zellen, jenes des zweiten mit 4 Zellen arbeiten lassen, bezieh. 3 Zellen und beim anderen Rade 1 Zelle mittels der Schieber abgeschlossen haben.

2) Reinigen und Schälen des Getreides. Zu den Getreidereinigungsmaschinen mit cannelirten Arbeitstheilen ist die Schälmaschine von Jul. Schulz in Hamburg (* D. R. P. Nr. 30053 vom 6. Juni 1884) zu zählen. Diese Maschine ist durch einen senkrechten Schnitt in Fig. 2 Taf. 13 dargestellt. Das zu putzende Getreide gelangt vom Einlaufe e auf den Streuteller t und wird hierauf zwischen dem aus acht stellbaren Schlagleisten l bestehenden Kegel und dem cannelirten Mantel m bearbeitet, um schlieſslich durch die Arme a dem Auslaufe z zugeführt zu werden und die Maschine zu verlassen. Der Mantel m ist von einem äuſseren Gehäuse m1 umgeben. Das Flügelrad V bewirkt eine Luftbewegung im Sinne der Pfeile, wodurch die abgestoſsenen Schalentheilchen zwischen m und m1 gelangen, nach aufwärts gehoben und durch das Flügelrad V in die Staubkammer geblasen werden. Der Mantel m besteht aus gebuckelten und zugleich gelochten Blechen, wie solche in Fig. 3 und 4 Taf. 13 veranschaulicht sind. Durch Vermittelung des Handrades h, der Schraube s, der Mutter n und des Hebels i werden die mit der Achse A sich drehenden Hülsen e und e1 gehoben oder gesenkt. Diese Bewegung überträgt sich auf die Hebel d und bewirkt eine Verstellung der Schlagleisten l. Durch diese Aenderung der Winkelstellung der Schlagleisten kann die Wirkung der Maschine auf das Getreide etwas abgeändert werden, ebenso auch durch Hebung der Achse A und des auf ihr sitzenden Schlägerkegels mittels der Stellvorrichtung bei S.

Eigenartig ist die Schälmaschine von F. W. Dreier in Hastedt bei Bremen (* D. R. P. Nr. 30373 vom 11. April 1884), welche aus einem Achteckigen niederen Kasten besteht, dessen Boden und Decke mit geriffelten Platten belegt sind. Zwischen den geriffelten Platten führen in entgegengesetzter Richtung zwei Gitter (Roste) wagerechte Rückkehrbewegungen aus und bestehen die Gitter aus zahlreichen Eisenstäben von quadratischem Querschnitte, welche auf die Diagonale (◆) gestellt sind. Der ganze Kastenraum ist mit Getreide gefüllt, welches durch |200| einen in der Mitte aufgesetzten Einlauf in der ganzen Kastenbreite zugeführt wird. An den Längsseiten des Kastens ist der Abschluſs durch volle Wände bewirkt, an den Schmalseiten sind die Wände (Stirnwände) nur in so fern durchbrochen, als sie den Rahmenstäben des Reibgitters den Durchgang gestatten und zugleich als Führungen für dieselben dienen. Der geriffelte Boden läſst zwischen den Stirnwänden einen Spalt, dessen Breite durch einen Schieber regelbar ist und durch welchen das geschälte Getreide in einen Ablauftrichter fällt. Indem sich so die Reibgitter im Inneren der Getreidemasse hin- und herschieben, bewirken sie ein Reiben der Getreidekörner unter einander und an den geriffelten Platten. Daſs die Wirkung ziemlich kräftig sein kann und daſs sie sich durch Regelung des Ablaufes wesentlich beeinflussen läſst, unterliegt wohl keinem Zweifel. Aber dem entgegen steht der ziemlich groſse Raumbedarf, die geringe Leistung und der wesentliche Umstand, daſs die abgeriebenen Hülsenstückchen in die Spalte eingerieben werden und sich aus dieser schwer entfernen lassen, auch wenn man darauf Bürstmaschinen anwendet.

In der Wirkungsweise verwandt, aber für gröſsere Leistung ist die Schälmaschine von Ad. Brzesky in Preſsburg (* D. R. P. Nr. 28477 vom 18. December 1883). Dieselbe besteht aus einem wagerecht oder senkrecht angeordneten, feststehenden Siebcylinder, der mit Getreide angefüllt wird und in welchem sich eine mit zahlreichen Armen besetzte Achse dreht; letztere bewirkt, daſs die Getreidekörner unter einander einer kräftigen Reibung unterliegen. Der gegen Dreier's Maschine gemachte Einwand, daſs die Spalte mit Staub und Schalentheilchen angefüllt wird, gilt hier in etwas geringerem Maſse, weil der Siebcylinder durch einen äuſseren Mantel umschlossen ist und aus dem so gebildeten Zwischenräume die Luft durch einen Sauger entfernt wird; doch dürfte sich jener Uebelstand dennoch deshalb fühlbar machen, weil die Luftbewegung durch das den Siebcylinder füllende Getreide wesentlich gehemmt und in ihrer Wirkung beeinträchtigt wird.

Auf gleichartiger Wirkungsweise beruht die Malzentkeimungsmaschine von F. G. Sommer in Landshut (* D. R. P. Nr. 32341 vom 17. Januar 1885). In einem der Hauptsache nach cylindrischen Gehäuse, welches nach unten in einen zur Staubkammer führenden Kanal übergeht, befindet sich eine festliegende cylindrische Siebtrommel. Die Länge derselben ist geringer als der Trommeldurchmesser. Oben ist auf diese Siebtrommel ihrer ganzen Länge nach ein Aufsatz aus Blech angebracht, welcher auch das äuſsere Gehäuse durchbricht, und soll dieser Aufsatz, an einer Seitenwand mit einem stellbaren Schieber versehen, als Auslauf dienen. Im Inneren der Siebtrommel bewegt sich rasch ein System von Flügeln, welche in Bezug auf die Bewegungsrichtung gegen rückwärts gekrümmt sind und den doppelten Zweck erfüllen sollen, sowohl das Malz an der Innenseite der Siebtrommel hinzutreiben, als auch lüftend zu wirken.

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Um das Abreiben der Körner an einander zu verstärken, ist die untere Hälfte der Siebtrommel aus cannelirtem und gelochtem Bleche. Die Zuführung des Malzes erfolgt an der Achse; dasselbe wird an der Innenwand der Siebtrommel herumgeführt, steigt hierbei allmählich in dem am Scheitel angebrachten Auslaufe und tritt dort über den stellbaren Schieber aus. Je nach Stellung des Schiebers läſst sich die Höhe der Körnerschicht im Auslaufe und daher der Druck, unter welchem das Malz austritt, ändern und hierdurch die Güte der Arbeit regeln.

Die Getreideputzmaschine (auch Malzputzmaschine) von Hilmar Bock in Apolda (* D. R. P. Nr. 32188 vom 19. November 1884) besteht nach Fig. 5 Taf. 13 aus einer wagerecht gelagerten, rasch kreisenden Trommel t von cylindrischer Form, deren Umfläche mit Winkeleisen besetzt ist, welche als Schläger wirken und vermöge ihrer von der Achsenrichtung abweichenden schraubenförmigen Form auch die allmähliche Weiterförderung des Getreides vom Einlaufe zum Auslaufe bewirken. Die Trommel ist von einem langsam in derselben Richtung sich drehenden Mantel M umgeben, welcher nicht cylindrisch ist, sondern die in Fig. 5 dargestellte Querschnittsform besitzt. Die Flächen m n sind aus Stahldrahtgewebe und die Stufen bei m bewirken ein Heben des Getreides, welches beim Fallen der Wirkung der Flügel ausgesetzt wird. Ein Theil der Kleie fällt bereits durch die Maschen des Mantels, der Rest wird beim Auslaufe durch ein Flügelrad aus dem fallenden Getreide abgesaugt. Die Form des Mantels ist eine günstige, sowohl deshalb, weil durch sie der Winkel, unter welchem das Getreide gegen denselben geworfen wird, minder spitz ausfällt, als auch wegen des günstig wirkenden hohen Hebens der niedergefallenen Körner.

Textabbildung Bd. 259, S. 201
Zu den Putzmaschinen, welche nur durch Reibung der Getreidekörner an einander wirken und bei denen gefeuchtetes Getreide der Bearbeitung unterworfen wird, gehört die Schälmaschine mit Schnecken und Zwischenwänden von Georg Doré in St. Maurice, Seine, Frankreich (* D. R. P. Nr. 32345 vom 5. Februar 1885). Die Maschine besteht aus einem Kasten rechteckigen Querschnittes, welcher durch eine wagerechte und eine senkrechte Zwischenwand in vier gleich groſse Abtheilungen getheilt ist, deren jede etwas höher als breit ist. Jede dieser Abtheilungen steht mit einer der anderen nahe an einem Ende in Verbindung und in jeder liegt eine Schraube, welche das Getreide bewegt, so zwar, daſs das Getreide gezwungen ist, aus der Abtheilung a1 nachdem es dieselbe durchwandert hat, nach a2 zu treten. Am Ende von a2 gelangt dasselbe nach a3, dann nach a4, wie dies das nebenstehende Schema andeutet. Damit die Reibung der Körner unter einander recht kräftig ausfalle, befindet sich in der Mitte jeder Abtheilung eine Zwischenwand, deiche vom Boden bis nahe zur Decke ansteigt, oben also einen Spalt |202| läſst. Die Schnecke oder Getreideschraube ist an dieser Zwischenwand natürlich unterbrochen, nur die Spindel reicht durch dieselbe. Ueber diese Zwischenwand muſs das Getreide herüber, es staut sich, durch die Schraube geschoben, an derselben auf und gelangt endlich über die Wand in die zweite Kammer der Abtheilung. Der Bewegung des Getreides entgegen wird durch ein Druckgebläse ein Luftstrom getrieben; doch halten wir die angebliche Wirkung: Mitnahme aller vom feuchten Getreide abgeriebener Hülsentheilchen, für sehr fraglich. Doré scheint dieser Wirkung übrigens selbst nicht vertraut zu haben; denn er läſst das Getreide, nachdem es obige Maschine verlassen hat, in eine Bürstmaschine treten, nach welcher es sofort der Wirkung eines zweiten Ventilators ausgesetzt wird.3)

Bürstmaschinen. Unter den neuerlich vorliegenden Constructionen verdient die Maschine von L. Dietz in Buckower Schneidemühle, Kreis Lebus (* D. R. P. Nr. 28375 vom 12. Januar 1884) ihrer praktischen Einrichtung wegen hervorgehoben zu werden. Fig. 8 Taf. 13 zeigt diese Maschine im senkrechten Durchschnitte. Das durch E zugeführte Getreide gelangt über den Streuteller t zwischen die Bürsten b und das gelochte Blech s, hierauf in die untere Abtheilung, wo sich das Spiel wiederholt, und endlich zum Auslaufrohre Z. Die senkrechte Achse A kann durch das Hebezeug H gehoben und hierdurch können die Bürsten, auch wenn sie abgenutzt sind, doch im richtigen Arbeitsabstande vom Bleche s erhalten werden. Für die Abführung des Staubes ist dadurch Sorge getragen, daſs nahe an den durchlochten Blechen s die Saugrohre r liegen, aus welchen das Flügelrad V die Luft ansaugt. Es muſs daher in der ganzen Maschine eine von unten gegen die Saugrohre gerichtete Luftbewegung stattfinden. Damit das Flügelrad V den Hub der Achse nicht hindert, befindet sich über den Flügeln im Gehäuse desselben eine verstellbare Platte p.

Die Getreideschälmaschine (Bürstmaschine) von J. Zinnall in Stolp i. Po. (* D. R. P. Nr. 27 715 vom 16, December 1884) hat gleichfalls senkrechte Anordnung; oben ist das Flügelrad, darunter kreist in einem festen cylindrischen Mantel eine cylindrische Trommel, in deren oberer Fläche sowohl, als im Mantel Bürsten eingesetzt sind, die dadurch stellbar sind, daſs eine auf der Drehachse aufgeschobene Hülse, welche mittels Armen auf die Bürsten einwirkt, durch Schrauben entsprechend gestellt wird. Die im Getreide enthaltenen Spreu- und Kleietheilchen werden sowohl beim Einlaufe, als in der Bürstentrommel und beim Auslaufe durch eine gut angelegte Lüftung entfernt und wird zum Zwecke der Förderung derselben, der Getreidestrom sowohl beim Einlaufe, als beim Auslaufe über einen cannelirten, kegelförmigen Schirm geleitet, welcher |203| den Getreidestrom fächerförmig erweitert. Die diesbezügliche Anordnung ist in Fig. 7 Taf. 13 angedeutet. Zum Bespannen des Mantels kann ein Stahldrahtgewebe verwendet werden, wie Fig. 6 Taf. 13 in n. Gr. zeigt- doch können nach der Patentschrift einzelne Mantelsegmente auch mit Stein oder Bürsten gefüllt sein. Bei einer Bürstmaschine im Mantel Steinfüllungen anzuwenden, würde sich jedoch kaum empfehlen, weil die Bürstmaschine wesentlich reinigend, nicht gleichzeitig schälend wirken soll.

Die in Deutschland unter dem Namen Economica durch Eugen Kreiſs in Hamburg eingeführte amerikanische Getreidereinigungsmaschine (Cockrell-Brush-Scourer) ist in ihrer Hauptanordnung der bekannten, gleichfalls amerikanischen Eureka sehr ähnlich; doch kreisen in einem aufrechten Siebcylinder sechs radial verstellbare Bürstenstäbe, welche so breit gehalten sind, daſs zwischen denselben nur ein Raum von etwa ⅓ der Breite der Bürsten bleibt. Auf die breiten Stäbe, welche auſsen der Krümmung des Cylinders angepaſst sind, ist Leder gezogen, in welchem U-förmige Drähte eingestochen sind. Diese Bezüge haben daher Aehnlichkeit mit jenen Kratzen, welche als Beschläge der sogen. Flügel walze (Volant) bei Streichgarnkrempeln Anwendung finden. Ueber Länge und Dicke der verwendeten Drähte fehlt weitere Angabe. Die nähere Beschreibung dieser Maschine findet sich in der Mühle, 1885 * S. 804 und sei aus derselben nur noch entnommen, daſs das zum Siebmantel verwendete Drahtgewebe durch Walzen ebener gemacht ist und die Convexitäten der Drähte abgeflacht sind. Die Bürstendrähte sollen so dicht stehen, daſs die Getreidekörner nicht zwischen sie gelangen können.

Erwähnung verdient auch eine von Emil Fritsch in Leipzig auf den Markt gebrachte Reinigungsmaschine, bei welcher Drahtbürsten, mit nach abwärts gerichteten Drähten, an der äuſseren Fläche eines feststehenden Hohlkegels angebracht sind. Diese Bürsten arbeiten gegen einen rotirenden, kegelförmig ausgearbeiteten Stein, welcher mit der senkrechten Spindel gehoben werden kann. Die Getreidezufuhr erfolgt durch den Hohlkegel; das Getreide gelangt auf den rotirenden Stein und wird, indem es auswärts zu eilen sucht, zwischen Bürste und Stein gerieben. Der hierbei entstehende Schälstaub wird durch einen Ventilator o. dgl. entfernt. Eine Abbildung dieser Maschine ist in der Mühle, 1885 S. 707 gegeben.

Zu den ähnlich den Tarars oder Aspiratoren wirkenden Putz-Maschinen gehört die von L. J. Charpentier in Paris (* D. R. P. Nr. 31523 vom 19. September 1884) angegebene Maschine, welche in Fig. 9 Taf. 13 veranschaulicht ist. Das Getreide gelangt durch den Einlauf E in das Rohr r, welches sich im Inneren der angetriebenen Hohlachse H befindet; es fällt aus r auf den mit H sich drehenden Teller T, welcher es gegen die mit Winkeleisen besetzte Wand w schleudert, an welcher es niederfallend durch den ringsum angebrachten Spalt s in den Raum |204| zwischen dem Mantel m und der Wand w1 gelangt. Durch diesen engen Raum strömt die vom Flügelrad V angesaugte Luft aufwärts und reiſst das Getreide sowie alle leichteren Theilchen mit, zunächst in den Raum O. Hier nimmt in Folge des groſsen Querschnittes dieses Raumes die Luftgeschwindigkeit ab und die guten Getreidekörner fallen nach K, von hier auf die Platte P, von welcher sie durch den mit der Achse H kreisenden Räumer R zum Ablaufrohre a gelangen. Die schwereren Stückchen, Steine u. dgl., überwinden den Luftwiderstand im Zwischenräume mw1 und fallen in das ringförmige Gefäſs G; die leichtesten Theilchen, Spreu und Staub, werden gegen W, zur Windkammer, abgeführt; leichte Körner u. dgl. gelangen nach c und kommen durch das Rohr b, in welchem eine Klappe eingesetzt ist, zur Ableitung. Zur guten Wirkung der Maschine gehört eine kräftige Wirkung des Flügelgebläses V, welche durch mit Gewichten q belastete Klappen k geregelt werden kann.

Gegen diese Maschine läſst sich einwenden, daſs ihre Construction mit Rücksicht auf den erreichten Erfolg umständlich ist. Bei sehr kräftigem Ventilator kann die Trennung der Steine wohl gut gelangen; aber in diesem Falle muſs die Hohlachse H und daher auch der Räumer R eine hohe Umlaufszahl besitzen, der Räumer R wird das auf P gesammelte Getreide gegen den Mantel w2 schleudern, es werden sich neuerlich Splitterchen der Hüllen ablösen und diese werden nicht mehr abgeführt, sondern gelangen mit dem Getreide nach dem Ablaufe a.

Das eigentliche Schälen des Weizens und Roggens, d.h. jenes Entfernen der Frucht- und Samenhaut (ausgenommen aus der Spalte), wodurch diese Getreidearten ein beinahe dem geschälten Reise ähnliches Aussehen erlangen, sucht V. Till in Brück a. d. Mur in Steiermark auf trockenem Wege zu erreichen und sind dem Verfasser Proben geschälten Weizens und Roggens in neuester Zeit zugekommen, welche von überraschender Schönheit waren. Es unterliegt keinem Zweifel, daſs die Schrotmehle aus solch geschälter Frucht weit schöner als aus ungeschälter sein müssen; aber ebenso wenig zweifelhaft ist es, daſs auch solche Frucht nicht flach zu wirklich weiſsen Mehlen vermählen werden kann, weil die Hautschichten in der Spalte hierbei mit verrieben würden. Derart behandelte, dem Anscheine nach weiſse Frucht, würde rasch niedergemahlen etwa Mehl 6 oder 7 der Pester Numerirung geben. Man müſste daher auch solche Frucht mehrmals schroten und den Grieſsprozeſs mit ihr durchführen. Es bleibt fraglich, ob der unausbleiblich groſse Schälabgang (etwa 25 bis 30 Proc.) nicht mehr in die Wage fällt, als der Gewinn an den schöneren Schrotmehlen beträgt. Wenn Till's Maschine dauerhaft und genügend leistungsfähig wäre, dann würde erst zu entscheiden sein, ob die besseren Schrotmehle, vielleicht auch die Verkürzung des Griesprozesses, den Schälabgang aufwiegen. Die Maschine arbeitete früher mit Schmirgelscheiben, welche durch |205| Belegung eiserner Scheiben mit Schmirgel hergestellt wurden4); jetzt soll ein dauerhafteres Mittel in Anwendung stehen. Als Leistung gibt Till 4000 bis 4200k in 24 Stunden, bei einem Kraftverbrauche von 5 Pferdestärken an. Die Abnutzung der Arbeitscheiben soll bei obiger Leistung einem Aufwände von 30 bis 40 Kreuzer täglich entsprechen. Till behauptet, daſs die Ausbeute an Mehl auf 80 Proc. und darüber zu bringen sei; dies muſs aber auf einem argen Rechnungsfehler beruhen: denn eingesendete Proben geschälten Weizens und Rohweizens ergaben, je 1000 Körner gewogen, einen Schälverlust von 30 Proc. und bei Roggen wurde zwar bei einer ersten Probe der Schälabgang nur zu 12 Proc. angegeben; darin waren aber verschiedene Verluste nicht einbezogen und bei einer späteren Sendung wurde der Schälabfall von Till selbst zu 25 Proc. angegeben. So viel ist aus den vorliegenden Proben ersichtlich, daſs seine Maschine derart zart arbeitet, daſs selbst ausgefressene Körner von der Frucht- und Samenhaut und theilweise sogar der Kleberzellschicht an den zugänglichen Stellen befreit werden und doch ganz bleiben. Aber vorzügliches Schälen ist nichts wesentlich Neues, denn Melchior Nolden s. Z. in Frankfurt a. M. und Moritz Martin in Bitterfeld haben ganz ähnliche Erfolge erzielt. Ohne groſsen Schälabfall sind dieselben aber unerreichbar und dieser stellt den Nutzen sehr in Frage.

Spitzgänge für Weizen und Schälgänge für andere Getreide fruchte, als Reis., Hirse u.s.w. Der Spitzgang mit saugendem Schlägermantel von Joh. Kubon in Dresden (* D. R. P. Nr. 33372 vom 17. December 1884) besteht bei aufrechter Anordnung der ganzen Maschine aus einem unter-läufigen, oben an der Maschine angeordnetem Spitzgange, bezüglich welchen zu bemerken ist, daſs der Unterstein (Läufer) fest mit der senkrechten, rotirenden Achse verbunden ist. Der Oberstein kann senkrecht verstellt werden. Mit dem Untersteine und durch Arme auch mit der Achse ist ein durchlochter Blechcylinder (Mantel) verbunden, welcher sich mit dreht und durch an seiner Auſsenfläche angebrachte Buckel (Schläger) auf das Getreide einwirkt. Dieser Blechcylinder ist von einem eigentlichen Mantel umgeben, in welchen Steinsegmente eingesetzt sind. Unter dem umlaufenden Blechcylinder ist ein Flügelrad derart angebracht, daſs dasselbe die Luft sowohl aus diesem Cylinder ansaugt, als auch aus jenem Rohre, durch welches das Schälgut abläuft. Durch diese Anordnung soll das Abziehen des Schälstaubes durch die Schlitze des Blechcylinders erfolgen, während der Rest der Schälkleie beim Auslaufe durch einen gleichfalls zum Flügelrade führenden Zweigluftstrom entfernt wird.

Der Schälgang von Diedrich Uhlhorn jr. in Grevenbroich (* D. R. P. Nr. 27984 vom 5. Januar 1884) zeichnet sich durch mehrere Eigenthümlichkeiten aus, welche denselben als beachtenswerth für das Schälen, |206| besonders jener Getreidearten erscheinen lassen, bei welchen wie bei Reis, Hirse u. dgl. von einem wirklichen Schälen der mangelnden Spalte wegen gesprochen werden kann. Die Anordnung der Maschine ist im Wesentlichen die des unterläufigen Mahlganges Uhlhorns (vgl. 1883 250 * 245). Der obere Stein (oder die Scheibe) ist fest mit dem massivem Gehäuse verbunden, hat ein weites Auge und ausgiebigen Schluck. Mit dem Steine sind spiralförmige Schienen verbunden, welche nahe dem Mittelpunkte des Obersteines beginnend bis in den Schluck reichen und das Einziehen des am Untersteine liegenden Schälgutes befördern. Das Schälgut erleidet bei seinem Durchgange zwischen den Mahlflächen eine Pressung, welche sich ändern läſst; ebenso ist der Abstand der Mahlflächen einstellbar. Zu ersterem Zwecke ist das Spurlager der Spindel auf Kautschuk- oder Schalen federn aufgesetzt, welche von unten gespannt (gehoben) werden können, wozu eine der gewöhnlichen Steinstellung verwandte Anordnung (Schnecke, Schraubenrad, Hohl- und Vollschraube) vorhanden ist. Der Abstand der Mahlflächen wird dadurch geregelt, daſs die Spindel auch oben in einer Pfanne läuft, welche mittels einer Stellschraube in ihrer Höhenlage bestimmt wird. Von dieser Lage ist der Abstand der Mahlflächen abhängig. Diese genaue Einstellung hat nur den Uebelstand, daſs zwei Spurlager erforderlich sind; übrigens ist die Pressung auf das obere Lager um das Gewicht des Untersteines sammt Spindel mehr der Pressung des Schälgutes geringer als jene auf die untere Pfanne.

Uhlhorn hat, wie aus Fig. 10 Taf. 13 zu entnehmen ist, mit dem Läufer oder rotirenden Untersteine einen Ring (ringförmige Zarge) y verbunden und läſst in den ringförmigen Raum zwischen Stein und Ring von oben einen zweiten Ring r treten, welcher durch sechs im Sechseck stehende Schrauben s mittels gleichzeitig bewegter Kettenräder gleichmäſsig senkrecht auf- oder abwärts verstellt werden kann. Das Schälgut muſs um r und y herum austreten; diese beiden Ringe hemmen daher den Austritt des Schälgutes je nach der Stellung von r mehr oder minder und dadurch kann man die Einwirkung regeln. Statt der Steine können auch Holzklötze in den Steinschalen befestigt werden und zwar mit ihren Hirnholzflächen gegen einander gekehrt.

Die Erbsenschälmaschine von C. Hedrich in Glauchau (* D. R. P. Nr. 28378 vom 2. Februar 1884) besteht aus einem Holzkegel, welcher in einem Kegelmantel kreist. Die Zufuhr der Erbsen findet unten statt und treibt der untere Theil des Holzkegels, welcher mit schraubenförmigen Vertiefungen versehen ist, die Erbsen allmählich in dem Raume zwischen Kegel und Mantel hinauf. Der obere Theil des Kegels, sowie die Innenfläche des Mantels ist mit Fruchtschälgewebe, dessen Beschaffenheit nicht näher bezeichnet ist, überzogen. Die durch das Gewebe geschälten Erbsen treten oben aus, gelangen über den Rand des Mantels in eine schräge Rinne und weiter in den Auslauf.

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Vorzüglich zum Schälen von Reis soll die Maschine von Jam. Hen. Channig Martin in The Drive Walthamstow, England (* D. R. P. Nr. 24090 vom 19. Januar 1883) dienen. In einem cylindrischen Raume mit trichterförmigem Boden bewegt sich eine ähnlich geformte, mit Reibblech überzogene Trommel. Der Raum zwischen Trommel und Mantel ist ganz mit Reis ausgefüllt. Entgegen der Trommel dreht sich langsam der cylindrische Theil des Mantels, mit welchen Rührleisten verbunden sind, die hart an dem festen, trichterförmigen Boden hinstreichen. Der Zulauf des Schälgutes erfolgt stetig, der Ablauf zeitweise und derart regelbar, daſs die Zeit der Einwirkung dem Bedarfe angepaſst werden kann. Dies wird dadurch erreicht, daſs der Halbmesser der Kurbel, welche den Auslaſsschieber bethätigt, verstellt werden kann, wonach sich auch die Weite der Eröffnung ändert.

Im Anschlusse an diese Maschine sei der Sortirmaschine für Reis von C. H. Beth in Wandsbeck (* D. R. P. Nr. 30960 vom 16. August 1884) Erwähnung gethan; sie bezweckt die Trennung der geschälten Reiskörner von den noch ungeschälten, der sogen. Paddy. Diese Maschine besteht aus einem oben offenen, cylindrischen, niederen Gefäſse mit schrägem Boden. An der tiefsten Stelle dieses Bodens sind die stellbaren Auslaſsöffnungen für die specifisch schwereren geschälten Reiskörner; entgegengesetzt diesem Auslaufe befindet sich an der Wand des Gefäſses oben ein Ausschnitt, welcher in ein Fallrohr übergeht, für den Abzug der leichteren ungeschälten Körner. Das Gefäſs ist während der Arbeit bis zu diesem Ausschnitte mit Reis gefüllt. Es ist auf drei Stangen aufgehängt und befindet sich unter dem Gefäſse, centrisch zu demselben, eine rotirende Achse, welche eine Kurbel trägt. Der Zapfen dieser Kurbel reicht in eine am Gefäſsboden befindliche Pfanne und nöthigt dieselbe, der Bewegung des Kurbelzapfens zu folgen. Hierdurch erlangt das Gefäſs eine schwingende, kreisende wagerechte Bewegung, Welche sich in Folge der Aufhängung auch in eine senkrechte Bewegung des Gefäſses umsetzt. Durch diese zusammengesetzte Bewegung vollzieht sich die Scheidung der Körner nach dem specifischen Gewichte. Der Zulauf des Getreides findet fortlaufend durch ein Rumpfzeug nahe der Gefäſsmitte statt. Dieses Prinzip könnte auch als Steinauslesemaschine verwerthet werden.

Die Schälmaschine von A. Behne und O. Schnelle in Harburg (* D. R. P. Nr. 28679 vom 13. September 1884) ist durch eine eigenthümliche Anordnung, welche Fig. 11 Taf. 13 erkennen läſst, ausgezeichnet und sie soll zum Schälen von Getreide, Hülsenfrüchten, öligen Samen, namentlich der Baumwollsaat, Erdnüssen u. dgl. dienen. Gegenstand des Patentes bildet die Anordnung von Paaren aus je einem Schälcylinder und einem Siebcylinder, welche behufs bequemer Speisung frei auf einer Lagerseite liegen, wobei der Antrieb sämmtlicher Schälcylinder durch einen einzigen Riemen erfolgt. In Fig. 11 sind die Schälcylinder mit a, die Siebcylinder |208| mit b bezeichnet. Die Schälcylinder dürften aus Stein oder Porzellan bestehen (hierüber spricht die Patentbeschreibung nicht) und sind in guſseiserne cylindrische Gehäuse eingeschlossen. Die aus Drahtsieb oder gelochtem Blech bestehenden Siebcylinder liegen zwischen jenen Gehäusen frei in dem das Ganze umschlieſsenden Holzkasten. Das oben einfallende, zu schälende Material durchläuft der Reihe nach a, b, a1, b1 u.s.w. E ist der Einlauf, Z der Auslauf.

Für die Enthülsung von Buchweizen wird a3 durch eine Bürstenwalze ersetzt und auch der Mantel hierzu innen mit Bürsten besetzt; für Hirse werden die Schälwalzen abwechselnd durch Stiftenwalzen ersetzt, welche gegen einen cannelirten oder gleichfalls mit Stiften besetzten Mantel arbeiten. Beim Schälen von Hülsenfrüchten werden die Siebcylinder ausgeschaltet. Bei der Verarbeitung von Baumwollsamen zum Zwecke der Abtrennung der noch daran befindlichen Härchen gehen die Samen durch alle Theile der Maschine; dabei tritt aber nur der kleinere Theil der abgelösten Härchen durch die Siebe, während der gröſsere Theil, in dichteren Flocken zusammengeballt, gemeinschaftlich mit den Kernen die Maschine verläſst und durch eine Windfege abgesondert wird.

Zum Schälen von Hirse verwendet Ant. Besser in Wien auſser der bereits in D. p. J. 1883 250 243 besprochenen Maschine einen Walzenstuhl (* D. R. P. Nr. 27 943 vom 11. November 1883), dessen eine Walze aus einem mäſsig rauhen, harten Materiale – Metall, Porzellan, Schmirgel o. dgl. – besteht, während die zweite Walze aus einem elastischen Stoffe hergestellt oder damit überzogen ist, als welches Kautschuk, Leder, Papier u. dgl. benannt erscheint. Zur Nacharbeit (Poliren) werden zwei elastische Walzen verwendet. Die Walzen arbeiten mit sogen. Differentialgeschwindigkeit und zwar bewegt sich die harte Walze ungefähr 4mal so schnell als die elastische. Ueber diese Maschine äuſsert sich übrigens Hr. Rappaport in der Mühle, 1884 S. 815 dahin, daſs er derselben Idee schon früher nachging, daſs durch die Firma Ganz und Comp. in ihrer Filiale zu Ratibor mehrfache Versuche angestellt wurden, welche anfänglich glänzende Ergebnisse brachten, aber bald den Beweis lieferten, daſs weder Kautschuk, noch Leder auf die Dauer den Einflüssen der mit dieser Arbeit verbundenen Einwirkungen widerstanden. Nach eingeholter Erkundigung steht d. Z. nur eine solche Maschine in Verwendung und soll sich bis jetzt bewähren.

Bei der Erbsenpolirmaschine von C. Hedrich in Glauchau (* D. R. P. Nr. 28377 vom 2. Februar 1884) fallen durch die centrische Höhlung eines von oben festgehaltenen, schwach kegelförmigen Kernes (Holzkegel) die zu polirenden Erbsen in die Maschine ein. Die Erbsen gelangen durch das Auge des festen Holzkegels auf eine sich drehende Scheibe, welche in einen den Holzkegel umhüllenden Blechmantel übergeht, der an seiner Innenseite, also auf der dem Holzkegel zugekehrten Seite, |209| mit Leder überzogen ist, unter welchem sich noch eine weiche Unterlage befindet. Einen gleichen Ueberzug besitzt der Holzkegel. Der rotirende Mantel veranlaſst die Erbsen zwischen sich und dem Holzkegel aufzusteigen, bis sie über den Mantelrand ausgeworfen werden und zum Ablaufe gelangen. Durch die Reibung am Leder und unter sich erhalten die Erbsen Glanz.

Eine der ganzen Anlage nach zu den Graupenmühlen mit schnell rotirendem Stein und langsam kreisender Bütte zu zählende Schälmaschine ist von Wiesche und Scharffe in Frankfurt a. M. (* D. R. P. Nr. 33181 vom 5. Februar 1885) vorgeschlagen. Die Speisung erfolgt dadurch, daſs an der Bütte angebrachte Becher das Schälgut aus einer halbkreisförmigen Rinne entnehmen und durch selbstthätig am Becherboden sich öffnende Klappen in den Innenraum der Bütte (Raum zwischen Mantel und Stein) gelangen lassen. Die Entleerung des Schälgutes erfolgt gleichfalls fortlaufend aus 6 Kammern, welche an der Auslaufseite in der Bütte sich finden; diese Kammern stehen durch Oeffnungen, welche nahe an der Achse, etwa im Abstande von ⅓ des Halbmessers, liegen, mit dem Schälraume in Verbindung und entleeren die geschälte Frucht durch ein die Achse einhüllendes Auslaufrohr. Dieses Schälmaschinensystem kann zwar recht gut schälen, d.h. Frucht- und Samenhaut entfernen – natürlich abgesehen von der Spalte –, die Lieferung ist aber zu gering und dürfte hier wohl das von Till's Verfahren oben Gesagte gleichfalls Geltung haben.

Schlieſslich sei noch der Graupenmühle von C. Hedrich in Glauchau (* D. R. P. Nr. 28919 vom 30. Oktober 1883) gedacht, welche sich von dem Martin'schen Graupengange (vgl. 1877 225 * 547) durch andere Construction des Speise- und Auslaſsmechanismus unterscheidet, deren Beschreibung aber wohl zu weit führen würde, da durch sie ohnedies nur dasselbe erreicht wird, wie durch die bekannte Martin'sche Anordnung.

3) Neuerungen an den Einlaufvorrichtungen für Mahlgänge, Walzenstühle, Sichtmaschinen u. dgl. Die hierher gehörigen Patente5) bezwecken entweder die Regelung der Zuführung in dem Sinne, daſs bei wachsender Materialzufuhr und demgemäſs gröſserer Füllung des Aufschüttetrichters (Rumpfes) auch eine reichlichere Speisung der Arbeitsmaschine platzgreife, oder sie suchen ein Steckenbleiben des Mahlgutes im Zuführungszeuge, wie dies bei feuchtem Mahlgut zuweilen vorkommt, zu hindern, °der sie bezwecken im Mahlgute vorhandene gröſsere oder schwerere Verunreinigungen zu entfernen und endlich sollen sie die Zuführung der Menge und der Vertheilung nach besonders gleichförmig machen. Mit Rücksicht auf bereits Bewährtes ist es überflüssig, alle diese theilweise recht untergeordneten Neuerungen zu besprechen und wird es vollständig |210| genügen, wenn der nachstehenden Vorschläge nähere Erwähnung geschieht.

Ferd. Kraus in Neuſs a. Rh. (* D. R. P. Nr. 29151 vom 4. December 1883) nahm sich ein Patent auf einen Fülltrichter mit auf- und abbewegten Inneren Seitenwänden. Der Zweck dieser Anordnung ist die Verhütung der Verstopfung im Speiseapparate. An einer oder mehreren Seiten des Einfülltrichters sind zu diesem Zwecke an der inneren Fläche desselben bewegliche Schieber angebracht, welche gleichsam innere Wände der Gosse bilden, die sich an der Auſsenwand auf- und abschieben lassen. Die Bewegung derselben, von der Speisewalze oder einem anderen Maschinentheile abgeleitet, bedingt zunächst die schwingende Bewegung eines Armes, hierdurch einer in der Gosse liegenden Spindel, von welcher Arme auf die Schieber einwirken, so daſs der eine sich hebt, wenn der andere niedergeht und umgekehrt. Dadurch erlangt das Getreide eine Bewegung, welche ein Versetzen desselben hindert.

Richard Smith in Stoke on Trent, England (* D. R. P. Nr. 32333 vom 9. December 1884) sucht das Versetzen der Speisevorrichtung dadurch zu verhindern, daſs er den Schieber s (Fig. 12 Taf. 13) ziemlich weit öffnet, hingegen, an die Speise walze w streifend, ein Lineal l vor der Ausfluſsöffnung anbringt, über dessen obere Fläche sich der Getreidestrom hinschieben muſs. Dieses Lineal kann um eine Achse gedreht werden, welche mit der Berührungslinie des Lineals mit der Speisewalze zusammenfällt dadurch läſst sich die bremsende Wirkung dieses Lineals auf den Zufluſs beliebig regeln; doch dürfte die Möglichkeit einer Versetzung gerade dadurch eher erhöht, als vermindert sein.

Hübsch ist die Anordnung der Speisevorrichtung von Ernst Wilh. Kauffmann in Straſsburg i. E. (* D. R. P. Nr. 33184 vom 20. Februar 1885), welche viel Aehnlichkeit mit jener Einrichtung besitzt, die Friedr. Wegmann an einem seiner Walzenstühle angebracht hat. Durch die in Fig. 13 Taf. 13 dargestellte Anordnung findet einerseits eine sehr gleichmäſsige Speisung, entsprechend der Umdrehungszahl und der Zellengröſse der Speisewalze w statt; andererseits werden sich schwere Beimengungen, Steine u. dgl. in dem tiefen Theile des um o drehbaren Behälters (Mulde) m ansammeln. Um den Behälter m zu entleeren, dreht man die Nase n vorwärts, wodurch derselbe um o frei drehbar wird. Bei der Drehung verschlieſst die Zarge z die Gosse gegen unten, indem sie sich an den Schieber legt.

Bei der Speisevorrichtung von Jos. Kuhnmünch in Rötungen a. T. (* D. R. P. Nr. 30094 vom 19. Juni 1884) bewirkt die langsame Umdrehung des schraubenförmig gebogenen Eisenstäbchens oder Schnecke s (Fig. 14 und 15 Taf. 13) in Verbindung mit der Wirkung des Rührers R, daſs ein Versetzen nicht erfolgen kann. Der rinnenförmig gebogene, auſsen mit einem Zahnbogen versehene Schieber z bestimmt die Weite des Auslaufes; falls im Mahlgute gröſsere Körper enthalten sind, welche |211| nicht durch den Auslauf austreten können, so werden sie durch die erwähnte Schnecke s am Schieber hingeschoben, bis dieselben in das Sammelgefäſs g gelangen, aus welchem sie zeitweise entfernt werden.

(Fortsetzung folgt.)

|197|

Siehe hierüber Friedr. Kick: Die neuesten Fortschritte der Mehlfabrikation. Supplement zum Lehrbuch des Mühlenbetriebes desselben Verfassers (Leipzig 1883. Arthur Felix) S. 62 und S. 76.

|198|

Vgl. J. und F. Howard 1885 258 285.

|202|

Besser als in der Patentbeschreibung ist die Doré'sche Anordnung in der Mühle, 1885 * S. 578 sowie im Génie civil, 1884/5 Bd. 6 * S. 353 beschrieben und es erscheinen dort statt einer Zwischenwand deren zwei in jeder Abtheilung.

|205|

Vgl. S. 17 des Supplements zu Kick's Lehrbuch des Mühlenbetriebes.

|209|

Vgl. * D. R. P. Nr. 28948 (W. Fischer), 29151 (F. Kraus), 29186 (Th. Mumford) 29184 (L. Mühlau), 30094 (J. Kuhnmünch), 31194 (W. Hartmann), 32333 (R. Smith), 33785 (W. Henneberg). 33184 (E. W. Kaufmann).

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