Titel: F. Nötzli, über Untersuchung von Gerbstoffen.
Autor: Nötzli, F.
Fundstelle: 1886, Band 259 (S. 228–239)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj259/ar259088

Ueber Untersuchung von Gerbstoffen; von F. Nötzli.

(Fortsetzung der Abhandlung S. 177 d. Bd.)

III. Prüfung der Methoden von Pouchet, Perret und Löwenthal.

A. G. Pouchet gibt am Ende seines kritischen Referates (Moniteur scientifique, 1876 S. 1130) über die verschiedenen Arten der Gerbstoffbestimmung folgendes Verfahren an: Das Tannin wird in der Kälte in alkalischer Lösung mit Chamäleon oxydirt. Dabei hat man den Vortheil einer sehr raschen und sicheren Oxydation, wie auch eines sehr leicht faſsbaren Zeitpunktes der Farbenänderung, da die Farbe plötzlich aus einem mehr oder weniger starken Rosa in smaragdgrün übergeht. Pouchet hat sich überzeugt, daſs die Stoffe, welche am meisten in den Rinden neben dem Tannin vorkommen, das Chamäleon nicht sogleich reduciren, d.h. nur wenn die Lösungen hinreichend verdünnt sind. Im Gegensatze zu diesen Stoffen wird das Chamäleon durch Tannin oder die Tannate sogleich reducirt; die röthliche Farbe schlägt in grün um, sobald kein unverändertes Tannin mehr da ist. Indessen verschwindet die Farbe ziemlich schnell, besonders wenn die Lösung mit leicht oxydirbaren Stoffen beladen ist; gleichwohl erfordert das gänzliche Verschwinden der grünen Farbe einige Minuten, so daſs man leicht ablesen kann, wenn |229| der Versuch mit einiger Schnelligkeit ausgeführt wird. Die Concentration der Lösungen des Chamäleons sowie des Tannins haben groſsen Einfluſs auf die Genauigkeit. Die Tanninlösung soll mit dem 10 fachen Volumen einer 5grädigen Kalilauge verdünnt sein. Wegen der schnellen Oxydirbarkeit des Tannins in alkalischer Lösung an der Luft muſs man eine in der Kälte fast gesättigte Chamäleonlösung anwenden; auch läſst sich damit schneller titriren und der Farbenumschlag ist sicherer.

Pouchet macht sich eine in der Kälte gesättigte Chamäleonlösung und verdünnt mit Wasser, so daſs 2cc davon 10cc einer Tanninlösung entsprechen, welche 1g Tannin im Liter enthält. Das reine Tannin soll vor dem Gebrauche 12 Stunden bei 90° getrocknet werden. Um keine Fehler zu begehen, muſs man immer ein aus dem betreffenden Materiale dargestelltes Tannin zur Titerstellung des Chamäleons benutzen; dieselben müssen aber zuvor wiederholt aus Alkohol und Aether umkrystallisirt werden. Trocknen bei 100° ist nicht zu empfehlen, indem bei längerem Anhalten dieser Temperatur leicht eine Veränderung der Gerbsäuren vor sich geht.

Bei den wenigen von mir ausgeführten Versuchen, welche mir immerhin gleich aufs Deutlichste die Unbrauchbarkeit der Methode zeigten, brachte ich in eine Porzellanschale 20cc Tanninlösung (1g im Liter) sowie 200cc Kalilange, wodurch sich die Flüssigkeit bräunlich färbt. Auf Zusatz von Chamäleon tritt sogleich eine schöne Rosafärbung ein, welche bei fortgesetztem Zufügen von Chamäleon dunkler wird und ganz allmählich in braun, dann in smaragdgrün übergeht. Von einem plötzlichen faſsbaren Umschlage ist keine Spur. Einige Tropfen zu der dunkelrosa gefärbten Flüssigkeit flieſsen gelassen, bewirken sogleich das Hervortreten der prächtigen Grünfärbung, die aber beim Umrühren immer wieder verschwindet, ohne sich bei einem bestimmten Punkte auf die ganze Flüssigkeit zu übertragen. Die Grünfärbung wird schlieſslich so stark, daſs man sie nur noch am Saume der Flüssigkeit erkennen kann. Glaubte ich einmal einen Umschlag bemerkt zu haben und verzeichnete nach verschiedenen Titrationen die Menge des verbrauchten Chamäleons, so zeigte sich bei Wiederholung des Versuches ein Unterschied von ∓ 0,5 bis 1cc. Wie Pouchet eine solche Methode der Oeffentlichkeit übergeben und dabei noch von Genauigkeit sprechen kann, ist mir unbegreiflich. Es war mir nicht möglich, den Wirkungswerth des Chamäleons auf Tannin zu stellen; somit konnte ich an eine Titration von Lohauszügen gar nicht denken. Wenn man weiſs, was für eine heikle Sache das Titriren von Gerbstofflösungen mit Chamäleon ist (nach Löwenthal), so wird man leicht begreifen können, daſs auf diese Weise keine Erfolge zu erzielen sind.

Der Ausspruch Pouchet's, das Chamäleon müsse immer auf die in dem zu titrirenden Materiale enthaltene Gerbsäure gestellt sein, ist sehr gut gemeint, nach seinen kurzen Angaben aber undurchführbar, und |230| daſs Gerbstoffe bis jetzt nicht in krystallisirter Form bekannt sind, ist in der Einleitung gesagt worden. An krystallisirbaren Substanzen hat Etti bloſs Gallussäure und Ellagsäure aus dem Gerbstoffauszuge gewinnen können. Wenn Pouchet sich doch verschiedene Gerbsäuren dargestellt hat, warum hat er die Reductionsvermögen gegen Chamäleon nicht angegeben?

Nach E. Perret (Bulletin de la Société chimique, 1884 Bd. 41 S. 22, vgl. 1884 253 341) werden von den verschiedenen Gerbstoff haltigen Materialien 20 bis 100g zwei Mal mit destillirtem Wasser während je 15 Minuten ausgekocht, der Auszug wird so weit eingedampft, daſs man 100cc Flüssigkeit bekommt. Man läſst sodann auf 70° abkühlen und fügt in kleinen Posten, aber innerhalb 2 Minuten unter beständigem Umrühren eine Lösung von Eieralbumin (1 : 5) hinzu, so lange noch ein Niederschlag entsteht. Ohne sich um einen Albuminüberschuſs zu kümmern, erhitzt man zum Sieden, wodurch die Flüssigkeit fast farblos wird, indem sich das Albumintannat am Boden absetzt. Alsdann läſst man aus einer Bürette eine Aluminiumsulfatlösung (100g in 1l) zuflieſsen, bis daſs der Niederschlag körnig geworden ist. Nach dem Erkalten filtrirt man durch ein gewogenes Filter, wäscht gut mit Wasser aus und trocknet bis zur Gewichtsgleiche. Vom gefundenen Gewichte zieht man dasjenige des Albumins, des Aluminium Sulfates und das des Filters ab. Die bleibende Zahl gibt das Tanningewicht. Die Aluminiumsulfatlösung fällt das Albumintannat vollkommen und, indem die Schwefelsäure des Aluminiumsulfates die Kalk-Magnesia- und Alkalitannate zersetzt, vergröſsert sie gerade um ihr Gewicht die Menge des niedergeschlagenen Tannins, eine Reaction, welche sich langsam auch in den Lohgruben vollzieht, deren Inhalt von organischen Säuren her stets sauer reagirt.

Bei einiger Uebung soll dieses Verfahren weit genauere Werthe geben als alle anderen Methoden, obwohl es verhältniſsmäſsig einfach ist.

Etwas unklar war mir zum Voraus, wie das Aluminiumsulfat einerseits das Albumintannat fällen und andererseits dessen Schwefelsäure die Tannate des Calciums, Magnesiums u.s.w. zersetzen könne. In diesem Falle müſsten CaSO4 und MgSO4 entstehen, welche beim Abfiltriren in das Filtrat übergingen. Dann aber ist das Gewicht der Schwefelsäure des Al2(SO4)3 selbstredend nicht vom Gewichte des Niederschlages abzuziehen. Ich habe in dieser Beziehung keine Versuche angestellt, sondern prüfte die Methode nur hinsichtlich der mit derselben zu erhaltenden Ergebnisse.

Die jeweilen nöthige Albuminlösung stellte ich mir dar durch Auflösen von 20g trockenem reinem Eieralbumin in einem 100cc-Kölbchen. Die Herstellung einer so concentrirten Albuminlösung ist unangenehm und langwierig. Man mag es anstellen, wie man will, immer bildet das Albumin Klumpen, die fast nicht in Lösung zu bringen sind. Da das mir zur Verfügung stehende Aluminiumsulfat Wasser haltig war |231| und beim Auflösen etwas unlöslichen Rückstand hinterlieſs, so bestimmte ich den Gehalt an Al2(SO4)3 durch Ausfällen der Thonerde mit Ammoniak und löste entsprechend mehr von dem Salze auf, um die gewünschte Stärke 1 : 10 zu erhalten. Nach dem Filtriren enthielt 1cc der Lösung 0g,0983 Al2(SO4)3.

Zur Prüfung der Methoden wendete ich reinstes Tannin an, welches unter dem Namen Acidum tannicum levissimum purum käuflich ist. Ich trocknete es vor dem Abwägen bei 100° und stellte mir Lösungen von 10 und 20g Tannin im Liter dar, welche Abkochungen von 5 und 10procentigen Rinden entsprechen, wenn ich mir 20g Rinde auf 100cc abgekocht denke.

1. Versuch: 100cc Tanninlösung = 1g Tannin wurden auf 70° erwärmt und dann 5cc Eiweiſslösung mit Hilfe einer Pipette zugesetzt; es entsteht natürlich ein starker Niederschlag, indem neben dem gebildeten Albumintannat der gröſste Theil des unbenutzten Albumins coagulirt wird. Nachdem zum Sieden erhitzt worden ist, bildet der Niederschlag unansehnliche zähe Klumpen; die Flüssigkeit ist klar, immerhin aber gelblich gefärbt. Jetzt lieſs ich aus einer Bürette Aluminiumsulfatlösung zuflieſsen, bis kein Niederschlag mehr entstand, = 2cc. Der Niederschlag wurde auf ein bei 100° getrocknetes und gewogenes Filter gebracht und gut mit heiſsem Wasser ausgewaschen, dann im Trockenschranke bei 100° getrocknet und gewogen:

5cc Eiweiſs 1,0000g
2cc Al2(SO4)3 0,1966 Gefunden 2,0676g
Filter 0,7953 1,9919
––––– –––––
Zusammen 1,9919g Tannin 0,0757g,

statt wie angewendet 1g,0.

Bei diesem schlechten Ergebnisse glaubte ich darin einen Fehler begangen zu haben, daſs ich vielleicht zu wenig Albumin zugesetzt hatte.

2. Versuch: 100cc Tanninlösung = 2g Tannin.

15cc Eiweiſs 3,0000g
1,5cc Al2(SO4)3 0,1474
Filter 0,7834
–––––
Zusammen 3,9308g.

Da das Filtrat von diesem Niederschlage noch stark gelb gefärbt war, setzte ich etwas Eisenchlorid zu, was eine sehr starke Schwarzfärbung hervorrief, ein Zeichen, daſs nicht alles Tannin ausgefällt und somit die ganze Bestimmung werthlos sei. Ich unterlieſs deshalb das Trocknen und Wiegen.

3. Versuch: Bei der älteren Methode (vgl. 1878 229 400) wendet Perret zur Fällung eines Auszuges von 10g Rinde 5 bis 10g Albumin an, sowie 2 bis 5 Tropfen Aluminiumsulfatlösung. Durch Zusatz von recht viel Albuminlösung glaubte ich daher ein günstiges Ergebniſs zu erhalten:

100cc Tanninlösung = 2g Tannin
25cc Albumin 5,0000g
6cc Al2(SO4)3 0,5898 Gefunden 6,8285g
Filter 1,4468 7,0366
––––– –––––
Zusammen 7,0366g Tannin also negativ.

Das coagulirte Albumin verwandelte die Flüssigkeit in einen dicken Brei, so daſs der Zusatz von Al2(SO4)3 nicht aufs mindeste beschränkt werden konnte, indem es unmöglich war, zu entscheiden, ob überhaupt ein Niederschlag entstand oder nicht. Und wenn am Ende auch die Hälfte zuviel zugesetzt wurde, so dürfte mindestens keine negative Zahl entstehen. Ein Ueberschuſs war jedoch vorhanden, denn H2SO4 und Al2O3 lieſsen |232| sich im Filtrate nachweisen. Diese Ergebnisse schienen mir nichts weniger als genau und, da doch Perret angibt, die Methode sei durch Arbeiter leicht ausführbar, so konnte ich als Chemiker wohl kaum einen den erhaltenen Zahlen entsprechenden Fehler begangen haben.

Obschon jetzt ziemlich klar war, daſs die Methode nicht sehr zuverlässig ist, so führte ich dennoch die folgenden Versuche aus, um wo möglich ein Verhältniſs zwischen Albumin und Aluminiumsulfat zu finden, bei dessen Innehaltung bessere Erfolge zu erzielen wären.

4. Versuch: Diesmal setzte ich Aluminiumsulfat zu, bis ich glaubte, es möchte eben genügen; eine Reaction konnte nämlich nicht beobachtet werden, indem sich der Niederschlag fast gar nicht absetzte. Ich filtrirte daher; das Filtrat, nochmals zum Kochen erhitzt, gab wieder einen Niederschlag, der sich auf Zusatz von mehr Aluminiumsulfatlösung absetzte. Nach abermaligem Filtriren und Kochen während 5 Minuten setzte sich kein Niederschlag mehr ab, auch auf erneuten Zusatz von Sulfat nicht. Immerhin zeigte das Filtrat noch sehr starke Gerbsäurereaction beim Versetzen mit Eisenchlorid.

Angewendet 100cc Tanninlösung = 2g Tannin.
Filter mit dem gesammten
15cc Albumin 3,0000g Niederschlag
8,9cc Aluminiumsulfat 0,8348 5,3568
Filter 1,5367 – 5,3715
––––– –––––––
Zusammen 5,3715g Negativ.
5. Versuch: 100cc Tanninlösung = 2g Tannin.
4cc Albuminlösung 0,8000g
12cc Aluminiumsulfat 1,1796
Filter 0,8379
–––––
Zusammen 2,8175g.

Durch Anwendung von viel Aluminiumsulfat wurde an den früheren Ergebnissen nichts geändert; das Filtrat gab sehr starke Gerbsäurereaction, aus welchem Grunde ich den Niederschlag nicht wog.

Diese wenigen Versuche zeigen wohl genügend, daſs die Perret'sche Methode unbrauchbar ist. Es ist nur noch die Frage zu beantworten, wie solche Unterschiede entstehen können, welche nicht allein durch unvollständige Fällung des Tannins bedingt sind. Es lag nahe, daſs vielleicht das zugesetzte Albumin nicht quantitativ durch Kochen auszufällen sei. Der Versuch bestätigte die Vermuthung.

10cc Albuminlösung = 2g Trockensubstanz gab ich in 100cc Wasser von 70°, wobei schon ein dicker Brei von coagulirtem Albumin entstand. Bei dem hierauf folgenden Kochen ballte sich die Masse zu weiſsen Klumpen zusammen, welche sich beim Erkalten zu Boden setzten, während die überstehende Flüssigkeit gelblich gefärbt war; letztere wurde nach dem Filtriren wieder gekocht, ohne daſs sich jedoch noch Albumin ausschied.

Das gewaschene und getrocknete, durch Kochen ausgeschiedene Albumin wog 1g,39 und 0g,6 blieben somit in Lösung.

Auf Zusatz von Aluminiumsulfat zu dem Filtrate entstand beim Kochen ein schwacher Niederschlag, welcher in einem geringen Ueberschusse von Aluminiumsulfat wieder löslich ist. Ich setzte jeweilen 0cc,5 von der Lösung zu und beobachtete dann die Veränderung. Nachdem ich 1cc,5 zugesetzt hatte, vereinigte sich der Niederschlag und die überstehende Flüssigkeit war klar. Nach Zusatz von weiteren 1cc,5 war schon eine Verminderung des Niederschlages wahrnehmbar; bei 4cc,5 waren die Flocken ganz verschwunden. Ich wiederholte diesen Versuch, setzte aber der Lösung vor dem Abfiltriren des coagulirten Albumins Aluminiumsulfat zu, um zu erfahren, ob auf diese Weise |233| das Albumin vollständig ausfalle. Der vorige Versuch hatte mich gelehrt, daſs 1cc,5 Sulfat zur Ausfällung genügten.

Angewendet 2,00g Albumin
Durch Kochen gefällt 1,47
–––
In Lösung geblieben 0,53g

Der Zusatz von 1cc,5 Aluminiumsulfat hatte somit wenig geholfen. Ich überzeugte mich noch, daſs das Filtrat beim Kochen mit Aluminiumsulfat keinen Niederschlag mehr gab.

Die bei den 5 Versuchen erhaltenen Zahlen erklären sich somit aus unvollständiger Wiedergewinnung des zugesetzten Albumins und daraus, daſs Tannin durch Albuminlösung nur theilweise gefällt wird.

Zum Schlusse behandelte ich ganz genau nach Vorschrift eine Rinde von 13,16 Proc. Gerbstoff (bestimmt nach Löwenthal). Wie [nach dem Bisherigen zu erwarten war, trug das erhaltene Ergebniſs nur noch mehr dazu bei, das Verfahren als unbrauchbar zu erklären.

Durch Auskochen von 15g Rinde erhält man nach dem Eindampfen auf 100cc einen ganz dunkelbraunen Auszug. Zu der auf 70° abgekühlten Flüssigkeit setzte ich 10cc Albuminlösung und nach dem Kochen 5cc Aluminiumsulfat, wobei aber gar keine Aenderung zu bemerken war, indem die über dem Niederschlage stehende trübe braune Flüssigkeit dies verdeckte. Nach dem Erkalten ging letztere ebenfalls trübe und äuſserst langsam durchs Filter. Diese Trübung verschwand aber vollständig beim Kochen und auf Zusatz von mehr Aluminiumsulfat entstand doch kein Niederschlag. Wie vorgeschrieben, wurde dann gut gewaschen und längere Zeit getrocknet:

Filter und Niederschlag 3,07g
Albumin 2,00g
5cc Al2(SO4)3 0,49
Filter 0,66
–––
Zusammen 3,15g
–––––
Für Gerbstoff also negativ.

Ich wiederholte den Versuch mit 20g Fichtenrinde Nr. 28 von 11,50 Proc. Gerbstoffgehalt:

Filter und Niederschlag 3,19g
Albumin 2,00g
2cc Al2(SO4)3 0,25
Filter 0,65
––––
Zusammen 2,90g
––––
Für Gerbstoff 0,29g
oder 1,45%

Diese Versuche mit Rinden lieferten somit die gleichen Ergebnisse wie jene mit Tannin.

Nach der Methode von J. Löwenthal1) muſs zur Werthbestimmung einer Rinde dieselbe mit Wasser ausgekocht werden. Mit denjenigen Stoſsen, welche die thierische Haut in Leder verwandeln können, gehen auch noch andere Stoffe in Lösung, die alle unter dem Namen „Nichtgerbsäure“ zusammengefaſst werden. Bei der Feststellung des Gehaltes der Rinde an gerbenden Stoffen handelt es sich nun darum, daſs die Nichtgerbsäure die Reaction, worauf die Methode beruht, nicht beeinfluſst. Dieser Anforderung genügt mit wenigen Ausnahmen nur die Löwenthal'sche Methode.

|234|

Bald nachdem Monier das Chamäleon in die Gerbstoffanalyse eingeführt hatte, empfahl es auch Löwenthal zur Anwendung. Um aber den Endpunkt der Oxydation besser zu erkennen, setzte er eine gröſsere Menge einer Indigcarminlösung zu dem Rindenauszuge. In erster Linie werden die Gerbstoffe von dem Chamäleon oxydirt, sodann nimmt auch der Indigcarmin mehr und mehr an der Reaction Theil, die blaue Farbe verschwindet schlieſslich und macht einer goldgelben Platz. Dieser Farbenwechsel ist ein ziemlich scharfer, so daſs derselbe, namentlich bei einiger Uebung leicht bemerkt wird. Ist die rein gelbe Färbung da, so wird abgelesen und aus der verbrauchten Chamäleonmenge der Gerbstoffgehalt berechnet. So arbeitete Löwenthal anfänglich. Dieser Gang, obschon er genauere Zahlen lieferte als der Monier'sche, war nun noch mit dem schon oben berührten Fehler behaftet. Oxydirt man nämlich den mit Schwefelsäure versetzten Rindenauszug mit Chamäleonlösung unter Zugabe von Indigcarmin, so wird die Nichtgerbsäure bis auf einen gewissen Grad auch Permanganat zu Oxydationen beanspruchen, in Folge dessen der wirkliche Gerbstoffgehalt zu hoch ausfallen muſs. Die Menge Chamäleon, welche auf die Nichtgerbsäure entfällt, erfährt man aber, wenn man einer Probe des Auszuges die Gerbstoffe auf irgend welche Art entzieht und die nun von Gerbstoff freie Flüssigkeit titrirt. Der Chamäleonverbrauch hierfür ist gewöhnlich nicht groſs. Die gefundene Menge Chamäleon (erforderlich zur Oxydation der Nichtgerbsäure), abgezogen von der früher ermittelten Zahl (erforderlich zur Oxydation von Gerbsäure und Nichtgerbsäure) gibt die Chamäleonmenge, welche durch die Gerbsäure allein reducirt worden ist.

Löwenthal entzieht den Gerbstoff den rohen Auszügen durch Zusatz von Leimlösung, Kochsalz und Schwefelsäure; letztere beiden ersetzen einerseits theilweise den Leim, andererseits bezwecken sie das rasche und vollkommene Absetzen des gerbsauren Leimes, wobei aber, wie später Simand gezeigt hat, immer etwas Gerbstoff leim gelöst bleibt, welcher dann bei der Titration als Nichtgerbsäure in Rechnung gezogen, wodurch aber die Endzahl erniedrigt wird. Simand fällt die Gerbsäure durch extrahirte Knochen oder Hornschläuche, indem er diese längere Zeit mit der Gerbstofflösung in Berührung läſst. – Procter (1884 252 484) setzt etwas Kaolin zu, welcher den in Lösung gebliebenen gerbsauren Leim mit niederreiſst.

Ich gehe nun dazu über, die Löwenthal'sche Methode in ihren verschiedenen Aenderungen näher zu besprechen. Zur Ausführung sind erforderlich: 1) Eine schwache Chamäleonlösung. Man löst 1 bis 2g reines Kaliumpermanganat zu 1l in Wasser. 2) Eine Auflösung von Indigcarmin in Wasser, etwa 30g Paste auf 1l Wasser; um später nicht bei jeder Titration die nöthige Säure besonders zusetzen zu müssen, wird die Indiglösung gleich mit Schwefelsäure stark angesäuert. 3) Leimlösung (25g im Liter), extrahirte Knochen, Hornschläuche oder gereinigte Haut.

|235|

Da von der Indiglösung stets eine gröſsere Menge bei jeder Titration gebraucht wird, so muſs sein Chamäleonwerth bekannt sein. Bei allen Titrationen verwendet man zweckmäſsig eine gleiche Menge Indigcarmin, z.B. stets 20cc; somit titrirt man 20cc Indigcarmin allein mit Chamäleon auf gleiche Weise, wie Auszüge titrirt werden. 20cc Indig seien gleich 14cc,8 Chamäleon.

Nach Löwenthal's Angabe titrirt man folgendermaſsen: 25g ungetrocknete Rinde werden mit Wasser mehrmals ausgekocht. Nach dem Erkalten der Brühen wird ihr Volumen auf 2l gebracht. Von dieser Lösung werden 10cc nebst 20cc Indig mit 1l Wasser verdünnt und dann langsam mit der Chamäleonlösung titrirt, bis die Farbe rein gelb ist. Nach Abzug des Indigotiters ist die Gesammtmenge Chamäleon bekannt, welche auf die oxydirbaren Stoffe des Auszuges entfällt.

Zu 100cc der Abkochung = 1g,25 Rinde gibt man 100cc obiger Leimlösung, welchem Gemische dann noch 50cc Wasser zugesetzt werden, das 5cc Salzsäure von 1,12 sp. G. oder 2 bis 2g,5 concentrirte Schwefelsäure enthält. Bei Zusatz der verdünnten Säure wird die Flüssigkeit käsig und die Abscheidung des gerbsauren Leimes erfolgt. Nach dem Umrühren werden die Gläser mehrere Stunden der Ruhe überlassen; sodann filtrirt man in trockene Gefäſse. 25cc des Leimfiltrates, entsprechend 10cc ursprünglicher Abkochung, unter Zugabe von Indigcarmin mit Chamäleon titrirt, geben die Chamäleonmenge, welche von durch Leim nicht gefällten, aber doch oxydirbaren Stoffen verbraucht wurden.

Der Indigcarmin dient bei allen den Behandlungen nicht bloſs als Indicator, sondern auch als Regulator, d.h. bei Anwendung von diesem werden nur diejenigen Stoffe oxydirt, welche leichter oder doch ebenso leicht von Chamäleon angegriffen werden wie Indigcarmin, nicht aber solche Stoffe, welche schwerer oxydirbar sind als dieser. Ein Beweis für das Gesagte liegt in der genauen Uebereinstimmung der einzelnen Titrationen, sofern sie richtig ausgeführt werden.

Bei Anwendung von Indigcarmin kann von einer richtigen Titration gesprochen werden. Die Sache verhält sich gerade so, wie wenn man alkalimetrische Titrationen ausführt. Immer tritt ein Augenblick ein, wo ein bestimmter Umschlag der Farbe sich beobachten läſst, der immerhin nicht so deutlich ist wie der Farbenwechsel von Lackmus oder Methylorange. Ist die gelbe Farbe einmal erschienen, so können dennoch einige Cubikcentimeter Chamäleon zugesetzt werden, ohne daſs Rothfärbung eintritt. Es sind somit noch unzerstörte oxydirbare Stoffe in der Lösung vorhanden, welche aber durch den Indigocarmin als Regulator von der Oxydation ausgeschlossen worden sind. Was für Unterschiede im Chamäleonverbrauche eintreten, wenn man mit und ohne Indig titrirt, zeigte bereits Löwenthal.

Löwenthal setzte der Abkochung auch Gallussäure zu, welche immer in den Rinden vorkommt; das Ergebniſs wurde dadurch gar nicht geändert, |236| da die Säure durch Leim nicht ausgefällt und somit als Nichtgerbsäure in Rechnung gezogen wird. Löwenthal unterlieſs auch nicht, die Leimlösung auf ihr Verhalten gegen Chamäleon zu prüfen. Er titrirte nämlich 20cc derselben und fand, daſs sie 0cc,4 Chamäleon für sich beanspruchten. Es würde somit bei der Titration des Leimfiltrates das Ergebniſs etwas zu hoch und der daraus berechnete Gerbstoffgehalt zu niedrig ausfallen. Diesen geringen Mehrverbrauch vernachlässigt er darum, weil nach seiner Ansicht der reducirende Leimkörper höchst wahrscheinlich, wenigstens zum Theile, von dem niedergeschlagenen Leimtannat zurückgehalten wird und bei allen Bestimmungen derselbe ist. Wie wesentlich aber die Berücksichtigung eines Leimfehlers ist, zeigen die später zu besprechenden Untersuchungen von Simand.

Ich komme nun zur Besprechung einer Frage, die bis heute noch keine richtige Lösung gefunden hat, d. i. zur Umrechnung des zur Oxydation des Gerbstoffes verbrauchten Chamäleons auf Gewichtsprocent Gerbstoff. Da wir nicht wissen, wie viel Gerbstoff wir für 1cc Chamäleon in Rechnung bringen müssen, hat man sich auf andere Weise zu helfen gesucht. Nach Löwenthal fehlt zur richtigen Bestimmung des Gerbstoffes in den verschiedenen Gerbstoff haltigen Materialien nur noch die Darstellung des reinen Gerbstoffes aus jedem einzelnen Materiale. Mit diesen verschiedenen reinen Gerbstoffen wäre dann der Verbrauch an Chamäleon nach seinem Verfahren festzustellen; es läſst sich dann leicht der Gerbstoffgehalt eines jeden Materials angeben. Da es nicht gelang, reine Eichengerbsäure zu bereiten, so drückte er die Ergebnisse der Analysen in der Weise aus, daſs er berechnete, wie viel Procent der verbrauchten Chamäleonlösung auf durch Leim fällbaren Gerbstoff einerseits und wie viel Procent auf durch Leim nicht fällbare Stoffe andererseits kommen. Annehmbare Zahlen können auf diese Art ganz gut erhalten werden, wenn verschiedene Sorten ein und desselben Gerbematerials verglichen werden sollen. Passender und leichter verständlich ist es, wenn man den Gerbstoffgehalt in Gewichtsprocent von Tannin ausdrückt. Dazu aber muſs das Chamäleon auf möglichst reines Tannin gestellt sein.

Kathreiner (1878 228 61) hat bei seinen eingehenden Prüfungen der Gerbstoffbestimmungsmethoden die zur Erlangung guter Vergleichszahlen nöthigen Bedingungen angegeben.2) Hierzu ist Folgendes zu bemerken: |237| Die Chamäleonlösung muſs sehr verdünnt sein, damit dasselbe sich in der Titrationsflüssigkeit rasch vertheilt, was zu einer regelrecht verlaufenden Oxydation nöthig ist. Es ist eben nicht auſser Acht zu lassen, daſs sich in dem zu titrirenden Auszuge zweierlei oxydirbare Stoffe befinden, nämlich solche, welche leichter, und solche, die schwerer oxydirbar sind wie Indig. Ist daher die Chamäleonlösung concentrirt, so werden, mangels rascher Vertheilung auch Stoffe der letzteren Art oxydirt. Die zweite Bedingung stellt Kathreiner hauptsächlich darum auf, weil vielerorts die Bemerkung zu finden ist, die Indiglösung müsse nahezu gleichwerthig sein mit dem Chamäleon, so daſs also 20 Chamäleon gleich 20 Indig. Die Stärke des Indigs übt aber gar keinen Einfluſs auf das Ergebniſs aus; von Belang ist bloſs die Menge, die zu je einer Gerbstofftitration gegeben wird. Bei jeder Titration muſs ferner so viel Indig zugesetzt werden, daſs mindestens die 1½ fache Menge Chamäleon für denselben verbraucht wird, also 9 bezieh. 12cc. Verwendet man nun concentrirte Auszüge zur Titration, so entsteht durch die entsprechend gröſsere Zugabe von Indig eine zu dunkle Farbe, um die Endreaction mit genügender Schärfe beurtheilen zu können. Weiter hat die geringe Menge einer angewendeten Gerbstofflösung bei gefärbten Auszügen den Vortheil, daſs hierdurch die Farbe der zu titrirenden Flüssigkeit möglichst wenig beeinfluſst wird. Dies zu beobachten, habe ich oft Gelegenheit gehabt, namentlich bei tessinischen Rinden, wo der nach üblicher Verdünnung hergestellte Auszug immer noch so stark gefärbt war, daſs das Mehr an stärkerer Färbung die Endreaction merklich verundeutlichte.

Von sehr groſser Wichtigkeit ist die Dauer einer Titration. Will man gleichmäſsige Endzahlen erlangen, so muſs man die Chamäleonlösung sehr langsam, Tropfen für Tropfen, unter stetem Umrühren einflieſsen lassen. Das richtige Maſs ist vorhanden, wenn in 2 Secunden 3 Tropfen fallen. Bei schnellem Titriren werden nie gleiche Werthe erhalten- Unterschiede bis zu 1cc sind mir im Anfange oft vorgekommen. Mehr und mehr gewöhnt man sich an ein gleichmäſsiges Titriren und die Zahlen werden übereinstimmend.

Nach Kathreiner's Angabe titrirte ich in einer groſsen Porzellanschale; letztere ist einem Becherglase darum vorzuziehen, weil sich die Endreaction durch einen am Rande der Flüssigkeit auftretenden röthlichen Schimmer sehr leicht zu erkennen gibt, was am Becherglase sich nicht zeigt. Am besten kann man bei sehr hellem Wetter titriren, jedoch nicht im unmittelbaren Sonnenscheine, da dann eine thatsächlich noch grünlich gefärbte Flüssigkeit schon goldgelb erscheint.

|238|

Die Frage bezüglich des erwähnten Leimfehlers hat Simand (1882 244 391. 246 41) gelöst. Er zeigte nämlich, daſs gerbsaurer Leim in verdünnter Schwefelsäure, wie sie bei der Fällung mit Leimlösung angewendet wird, etwas löslich ist. Dieser gelöste Antheil einschlieſslich der oxydirbaren Substanzen des Leimes vergröſsert die Menge der Nichtgerbsäure. Dadurch aber fällt die Endzahl zu niedrig aus. Rechnet man jedoch den Fehler aus und zieht die entsprechende Ziffer von der für die Nichtgerbsäure gebrauchten Menge Chamäleon ab, so werden übereinstimmende Endzahlen erhalten.

Noch bevor die Ursache des Leimfehlers bekannt war, suchte Simand nach einem anderen Fällungsmittel für die Gerbsäure. Er kam auf die früher schon vereinzelt angewendete thierische Haut oder Blöſse und sodann auf das leimgebende Gewebe der Knochen und Hornschläuche (knochenartiger, Gefäſs führender Kern der Rindshörner).

Das schwierige Beschaffen und langweilige Zubereiten einer guten Blöſse im Vereine mit deren Eigenschaft, die Gerbstoffe aus verdünnten Lösungen nur sehr langsam aufzunehmen, stehen der Anwendung derselben im Wege, obschon sie zur Gerbstoffbestimmung eigentlich das einzig richtige Material ist. Den Gerbeprozeſs im Groſsen nachahmend, wird Alles als Gerbstoff gerechnet, was die Haut aufzunehmen vermag. Da nun aber die beiden anderen leichter zu beschaffenden Stoffe – leimgebendes Gewebe der Knochen und Hornschläuche – ganz gleiche Wirkung üben und Zahlen geben, welche mit den durch Haut erhaltenen vollkommen übereinstimmen, so hat der Vorschlag Simand's wohl allgemeinen Eingang gefunden.

Da nur der Kern des Hornes zur Verwendung kommt, wird derselbe durch heftiges Schlagen mit einem Hammer von der hornigen Hülle getrennt. Nach längerem Behandeln mit Sodalösung lassen sich Fleischbestandtheile, Blut, Fett u. dgl. durch Bürsten leicht entfernen; die Kernstücke werden dann mit einer Axt in kleinere Stücke gespalten und mit verdünnter Salzsäure behandelt, bis sie ganz weich sind. Nach mehreren Tagen erst können sie aus der Säure genommen, gewaschen und gemahlen werden, worauf noch öfteres Behandeln mit sehr verdünnter Säure folgt. Alles in Wasser Lösliche muſs nun durch fortgesetztes Waschen entfernt werden; das Waschwasser beseitigte ich durch sehr starkes Ausquetschen mit einer Presse. Durch längeres Liegen an der Luft müssen die Schläuche noch gänzlich getrocknet werden; dies wird wesentlich abgekürzt, wenn das Wasser möglichst durch Pressen entfernt worden ist. In die Wärme dürfen die Schläuche in feuchtem Zustande nicht gebracht werden, weil sie da in Leim übergehen.

Die Hornschläuche sollen beim Stehen mit Wasser möglichst wenig an dasselbe abgeben, namentlich aber gar keine Stoffe, welche durch Chamäleon oxydirt werden; sonst hätten sie ja vor dem Leime keine Vorzüge.

|239|

Meine so hergestellten Schläuche genügten den gestellten Bedingungen. 4mal je 5g Schläuche lieſs ich mit 100cc Wasser unter zeitweiligem Umschütteln während 24 Stunden in Berührung. Von jedem Filtrate wurden 20cc unter Zugabe von Indig und 1l Wasser titrirt. Es waren nur die dem Indig entsprechenden 14cc,8 erforderlich. Die Schlauchfiltrate waren somit frei von oxydirbaren Substanzen.

10g Schläuche, mit 200cc Wasser 48 Stunden in Berührung gelassen und vom Filtrate 100cc in einer Platinschale eingedampft, hinterlieſsen 5mg,7 Rückstand. Simand's Hornschläuche hinterlieſsen von 5g 4 bis 5mg, während Hautpulver 25mg Rückstand gab.

Bei den nachfolgenden Versuchen mit reinem Tannin zur Prüfung des Simand'schen Verfahrens brachte ich 5g Schläuche mit 50cc Wasser in ein Kölbchen. Wenn erstere völlig durchweicht waren, was in kurzer Zeit der Fall ist, so gab ich 50cc Tanninlösung (1g bei 100° getrocknetes Tannin in 1l) dazu, verschloſs mit einem Stöpsel und lieſs 24 Stunden in Berührung; dann wurde filtrirt.

Die Tanninlösung brauchte folgende Mengen Chamäleon:


20cc Indig
5cc Taninlösung
1l Wasser
19,05cc
18,90
18,90
18,80
Im Mittel
Für Indig

Für Tannin
18,90cc
14,80
–––––
4,10cc.

Die Schlauchfiltrate verbrauchten Chamäleon:


10cc Filtrat
20cc Indigo
1l Wasser
15,02cc
15,20
15,10
15,10
Im Mittel
Für Indig

10cc Filtrat
15,10cc
14,80
–––––
0,30cc.

Es wurde somit Chamäleon verbraucht:

Für Gesammttrockensubstanz 4,1cc
Nichtgerbsäure 0,3
wirkliches Tannin 3,8cc.

Für eine zweite neu bereitete Lösung ergab sich die gleiche Endzahl. In dem Hornschlauchfiltrate war durch Eisenlösung (1g Eisenchlorid und 1g Natriumacetat + 100cc Wasser) kaum mehr Tannin nachzuweisen.

Eine Lösung chemisch reinen Tannins müſste letzteres an Haut vollkommen abgeben, d.h. das Schlauchfiltrat dürfte kein Chamäleon mehr verbrauchen. Nun ist aber die Chamäleonmenge, welche die Verunreinigungen beanspruchen, sehr gering gegenüber dem ganzen Chamäleonverbrauche und beträgt 7,14 Proc.

Ich werde später auf das sogen. „Oxalsäureverhältniſs“ zu sprechen kommen. Jetzt sei nur bemerkt, daſs nach Neubauer 41g,57 Tannin so viel Chamäleon reduciren wie 63g Oxalsäure. Die Zusammensetzung des Tannins berechnet sich daher unter Zugrundelegung der gegebenen Gleichung:

1cc meiner Chamäleonlösung entsprach 1mg,71 Eisen und:

56 Eisen = 63 Oxalsäure = 41,57mg Tannin
daher 1cc Chamäleon 1,269
3,8cc 4,822

3cc,8 Chamäleon wurden aber verbraucht auf 5cc Tanninlösung, enthaltend 5mg Tannin. Es hat somit mein Tannin im getrockneten Zustande einen Gehalt von 96,44 Proc. wirkliches Tannin oder durch Haut fällbare Stoffe.

(Schluſs folgt.)

|233|

Vgl. 1878 227 490. 228 53. 1882 244 391. 246 252. 1884 251 471.

|236|

a) Die Chamäleonlösung soll nicht mehr wie 1g,0 Kaliumpermanganat im Liter enthalten, b) Die Concentration der Indigcarminlösung soll, um Fehler beim Pipettiren möglichst auszuschlieſsen, nicht stärker sein, als daſs 20cc Indigolösung 10cc Chamäleon entsprechen, c) Die Concentration bezieh. die Menge des zu jeder Titration zu verwendenden Gerbmaterialauszuges ist so zu wählen, daſs für den Auszug nicht mehr als 8cc Chamäleon verbraucht werden, d) Die Dauer einer Titration für die ursprüngliche Lösung soll nicht unter 4 Minuten, für das Leimfiltrat nicht unter 6 Minuten betragen, e) Es wäre wünschenswerth, bei der Titrirung des Filtrates mit dem für Indig verbrauchten Chamäleon auch das für oxydirbare Substanzen des Leimes abziehen zu können. Dies ist wohl annähernd durch vergleichende Versuche mit Hautpulver zu erreichen. |237| Wenn aber die oxydirbare Substanz des Leimes im gleichen Verhältnisse zur Menge des gefällten Leimes mitgefällt wird, so erhält man natürlich wieder nur Mittelwerthe, da nicht immer gleich viel Leim ausfällt. Anders liegt die Sache, wenn die oxydirbare Substanz des Leimes gar nicht oder ganz ausfällt. Bis zur endgültigen Entscheidung dieser Frage schlägt Kathreiner vor, den durch Titration gefundenen Leimfehler halb in Rechnung zu bringen.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: