Titel: Jenkin's elektrische Seilbahn in Glynde.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1886, Band 259 (S. 410–412)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj259/ar259149

Jenkin's elektrische Seilbahn (Telpherage) in Glynde.

Mit Abbildung.

In Glynde, in der Grafschaft Sussex in England ist im Oktober 1885 nach dem Centralblatt für Elektrotechnik, 1885 * S. 649 auf dem Gute des Lord Hampden eine elektrische Seilbahn mit hängenden Wagen (Telpherage) nach den Vorschlägen von F. Jenkin (vgl. 1884 252 * 114) ausgeführt worden. Nach Jenkin's Tode hat Prof. Perry die Ausführung des Baues übernommen. Zum Betriebe der 1km,6 langen Bahnlinie wird eine Locomobile verwendet. Die Anlage kostete, da noch sehr viel Versuche gemacht werden muſsten, etwa 30000 M. Die Stromzuführung von der den Strom erzeugenden Dynamomaschine nach der den Strom empfangenden Dynamomaschine auf der Locomotive erfolgt nach dem sogen. Cross-over-Systeme (vgl. 1884 252 * 115), bei welchem zwei Tragseile aus Stahl vorhanden sind, die an jeder der Tragsäulen übers Kreuz leitend mit einander verbunden sind. Die Tragsäulen sind je 20m von einander entfernt; jeder Zug muſs daher diese Länge oder ein Vielfaches davon besitzen; ihr entsprechen die Locomotive und |411| 5 Tragkästen (trucks). In Glynde werden 10 Tragkästen benutzt, die zusammen 1400k Thonerde aufnehmen; die 10 Kästen wiegen 430k, die Locomotive 140k, so daſs das Gesammtgewicht eines Zuges 1970k beträgt. Zu deren Beförderung ist eine Leistung von 3 Pferd erforderlich. Die Kästen schwingen um wagrechte Zapfen und können durch bloſses Umkippen entleert werden. Die 19mm starken Stromleiter bestehen aus Bessemerstahl. Der Stromerzeuger ist von R. E. Crompton in London; die empfangende Maschine oder Locomotive, eine Reckenzaun'sche Dynamomaschine, besitzt eine selbstthätige regulirende Bremse, welche in Fig. 1 abgebildet ist. Die Schwungkörper W derselben legen sich bei einer bestimmten gröſsten Umdrehungszahl mit den Federn B gegen die innere Fläche einer Bremstrommel C, wobei höchstens 1 Pferd verbraucht werden soll. Die Tragsäulen bestehen aus doppelten kreosotirten Holzstämmen; für geringere Lasten genügen einfache Stämme. Die Linie läuft über einen Viehweideplatz und stört in keiner Weise, weshalb bloſs zu den beiden End- und Kehrstationen Land angekauft zu werden brauchte. Die ganze Anlage wurde von Tagelöhnern mit Hilfe eines einzigen Grobschmiedes ausgeführt.

Fig. 1., Bd. 259, S. 411
Fig. 2., Bd. 259, S. 411
Die Stromstärke beträgt 8 Ampère bei 200 Volt; die Dynamomaschine auf der Locomotive macht 1500 Umdrehungen. Der Arbeitsverlust durch Erwärmung ist unbedeutend. Der Stromerzeuger ist nahe in der Mitte aufgestellt. Der Widerstand der Leitung beträgt im ungünstigsten Falle, wenn die Locomotive an einem der beiden Enden der Linie anlangt, 1 Ohm und der Arbeitsverlust durch Erwärmung der Leitung berechnet sich hiernach zu (8 × 8 × 1) : 736 = 0,087 Pferd. Sollen gleichzeitig drei Züge laufen, so müfste die Stromstärke 24 Ampère sein und der Arbeitsverlust wäre (24 × 24 × 1) : 736 = 0,782 Pferd.

Ein besonderer, in Fig. 2 veranschaulichter Regulator soll die Schwankungen in der Zuggeschwindigkeit, also der Umlaufgeschwindigkeit der Locomotive, welche durch die Entfernung derselben von dem Stromerzeuger, noch mehr aber durch die Steigungen der Bahn hervorgerufen werden, ausgleichen. Die an Hebeln sitzenden Gewichte W, welche |412| durch eine kräftige Feder S zusammengehalten werden, schlagen, wenn ihre Umdrehung gröſser wird, aus und vergröſsern dadurch die elektromotorische Gegenkraft in der Zuleitung und unterbrechen schlieſslich bei zu groſser Geschwindigkeit den Strom. Damit dabei an der Contactstelle keine schädlichen Funken entstehen, ist die Anordnung so getroffen, daſs neben dem Schlusse durch die Feder C noch durch Kohlen B ein Schluſs hergestellt ist. Beim Ausschlagen der Gewichte W wird der Hebel A gedreht, der Strom bei C unterbrochen und es entsteht zwischen B ein Lichtbogen. Die Contactrollen der Locomotive sind schräg nach unten gestellt und fassen mit einem unten angesetzten Bundringe das Seil von beiden Seiten, so daſs von hier aus ein Uebertragen von Schmutz o. dgl. auf den oberen Bundring der Contactrolle, welcher mit der Zuleitung zur Locomotive in Berührung steht, nicht mehr stattfinden kann.

Jedes zwischen zwei Tragsäulen sich ausspannende Stahlseilstück ist gegen den guſseisernen Sattel an der Säule durch einen zwischen zwei Bleikappen ruhenden Kautschukdeckel isolirt. (Vgl. Chandler 1885 258 * 496.)

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