Titel: Gebrüder Naglo's Telephonsystem.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1886, Band 259 (S. 501–504)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj259/ar259175

Gebrüder Naglo's Telephonsystem.

Mit Abbildungen im Texte und auf Tafel 33.

Bei dem von Gebrüder Naglo in Berlin neuerdings in Vorschlag gebrachten Telephonsystem erhält nach der Elektrotechnischen Zeitschrift, 1886 * S. 28 jeder Theilnehmer das umstehend abgebildete Kästchen mit den beiden Hörtelephonen F und F1, einem starken Doppeltelephon, zu welchem das ovale Mundstück u führt, einem gewöhnlichen Rasselwecker W, Umschalter und Blitzableiter, sowie zum Rufen einen eigenthümlichen Wechselstromgeber. In diesem Telephonsysteme werden nicht, wie bei einem älteren (daselbst 1885 * S. 95) beschriebenen, von einem Magnetinductor gelieferte Wechselströme, sondern galvanische Ströme benutzt. Beim Anrufe wird die Kurbel k nach rechts gedreht, wobei gleichzeitig der Buchstabe A verschwindet und der Buchstabe S sichtbar wird. Es wird dadurch ein positiver Strom in die Leitung geschickt und derselbe macht in dem zugehörigen Umschalter- oder Centralapparate eine weiſse Scheibe sichtbar. Ist das Gespräch beendet, so |502| wird die Kurbel k wieder nach links zurückgedreht, ein negativer Strom tritt in die Leitung, S verschwindet und A kommt wieder zum Vorscheine. Gleichzeitig verschwindet die weiſse Scheibe in dem Centralapparate und zeigt dem Beamten an, daſs das Gespräch beendet ist. Die beiden Buchstaben A („Anruf“) und S („Schluſs“) zeigen dem Theilnehmer, ob die Signale richtig entsendet worden sind.

Textabbildung Bd. 259, S. 502
Den Wechselstromgeber erläutern Fig. 1 und 2 Taf. 33. Die runde Scheibe l aus isolirendem Material trägt zwei von einander getrennte Messingplatten r und o, welche bei Drehung der Kurbel k den Stromübergang nach der Leitung L sowie nach der Erde E von den im Winkel gebogenen Schleiffedern f1 und f2 vermitteln. Die Federn f1 sind mit dem negativen, die Federn f2 mit dem positven Pole der Batterie verbunden. Die Feder f3 bildet den Erdcontact.

Wird nun z.B. die Kurbel k in der Textfigur nach rechts (in Fig. 1 Taf. 33 nach links) gedreht, so tritt der negative Strom von der Contactfeder f1 in die Platte r, dann durch die Hebelarme h1 und h2 sowie durch die Spiralfedern x in die über den selbstthätigen Umschalter nach der anderen Station führende Leitung L und dort zur Erde. Aus dieser tritt der Strom bei E über die Feder f3 in die Platte o und durch die Contactfeder f2 zum positiven Pole der Batterie zurück. Gleichzeitig hat die Erdcontactfeder f3 die kleine Rolle verlassen und schleift auf dem Rande der Messingplatte o selbst, womit die Erdverbindung des eigenen Weckers zwischen f1 und f3 unterbrochen ist und dieser nicht mit läutet. Der Wecker ist zwischen L und der Klemme W (Fig. 1) eingeschaltet. Die Deckscheibe U wird von dem aus l vortretenden Stifte i mitgenommen und verdeckt jetzt den Buchstaben A, zum Zeichen, daſs später das Schluſssignal noch zu geben ist. Die sich an die beiden Hebel h1 und h2 anheftenden Spiralfedern x führen die Kurbel in die senkrechte Stellung zurück, da sich dieselben unabhängig von einander auf der Achse h bewegen und nur jede von einem Stifte, welcher auf der Platte r befestigt ist, mitgenommen wird. Im Ruhezustande liegen die Schleiffedern f1 und f2 an der Isolirmasse der Scheibe l und die Batterie ist ausgeschaltet.

Die Centralapparate sind für 50 Leitungen eingerichtet; sie haben auſser den hierzu nöthigen, in 5 wagerechten Reihen zu je 10 angeordneten Stöpfellöchern g (vgl. Fig. 3 und 4 Taf. 33) in je einer lothrechten Reihe links und rechts von jenen 5 Reihen noch so viel seitliche Stöpsellöcher, als Leitungen vorhanden sind, durch welche Löcher die Elektromagnete |503| ausgeschlossen, d.h. die Leitungen unmittelbar verbunden werden können, was stets bezüglich der angerufenen Station zu erfolgen hat, um den Widerstand im Stromkreise zu verringern.

In Fig. 3 und 4 ist einer der 50 zu den 50 Leitungen gehörigen polarisirten Apparate aus dem Centralapparate herausgenommen dargestellt. Auf der Achse a, welche sich zwischen zwei Spitzen bewegt, befindet sich die bereits erwähnte weiſse Signalscheibe b und hinter derselben der Magnet c. Die Achse läuft parallel mit den Kernen der an der Platte P befestigten und von ihr getragenen Elektromagnete m, m und gestattet dem Magnete c, sich nach beiden Seiten den Polschuhen der Elektromagnete m, m zu nähern. Die eigenthümliche Ausgleichung der Signalscheibe mittels des Gegengewichtes e und des Stiftes d ermöglicht, daſs die Scheibe auf der einen oder anderen Seite verbleibt, ohne hierdurch an Empfindlichkeit des Ansprechens einzubüſsen.

Die beiden Stellungen der Scheibe b sind aus den Fig. 4 und 5 zu entnehmen, welche eine Ansicht von vorn nach Wegnahme der Platte P bieten. Bei der in Fig. 4 gezeichneten, durch den positiven Rufstrom herbeigeführten ersten Stellung der Scheibe b ruht das Gegengewicht in senkrechter Lage auf der Achse und gibt der Stift d das Uebergewicht, wodurch die Scheibe b in der eingenommenen Stellung verharrt, mithin dem Beamten durch die Oeffnung N sichtbar wird und bleibt. Ein entgegengesetzter Strom bringt die Signalscheibe in die zweite Stellung Fig. 5; jetzt ist dieselbe von der Oeffnung N zurückgetreten und für den Beamten unsichtbar geworden. Bei dieser Stellung kommt das Gewicht e zur Geltung und der Stift d steht senkrecht auf der Achse, ist in Folge dessen wirkungslos.

Damit die Farbenunterschiede beim Anrufen oder Abläuten für den umschaltenden Beamten recht grell erscheinen, ist die Signalscheibe weiſs, der Hintergrund schwarz gewählt. Es ist ferner eine Vorrichtung hinter der Stöpselöffnung angebracht, welche dem Beamten, wenn hehrere neben einander liegende Signalscheiben gleichzeitig sichtbar werden, eine bessere Uebersicht der schon verbundenen Leitungen gewährt, so daſs ein Versehen bezieh. Vergessen nicht leicht vorkommen kann. Es hebt nämlich der in das Stöpselloch g gebrachte Stöpsel den an der Platte P befestigten Winkelhebel n, wodurch die rothe Markirscheibe s vor die Oeffnung N tritt und ⅓ der weiſsen Scheibe b deckt; em Zurücktreten der weiſsen Scheibe kann dabei noch gut beobachtet werden. Mit dem Herausziehen des Stöpsels verschwindet auch die Markirscheibe wieder. Die verschiedenen Farben haben nun folgende Bedeutung:

Schwarzes Feld = Ruhestellung. Weiſsrothes Feld = Verbunden.
Weiſses Feld = Angerufen. Schwarzrothes Feld = Zu unterbrechen.

Die Obliegenheiten des Beamten auf der Centrale beschränken sich daher bei diesem Systeme auf die Herstellung der Verbindungen in dem |504| Umschalteapparate. Das so lästige öftere Fallen der Klappen, welches bei den meisten bisherigen Centralapparaten eintritt, wenn ein rufender Theilnehmer gezwungen ist, mehrere Male die andere Station anzurufen, und leicht bei dem Beamten in der Centrale den Irrthum hervorruft, daſs abgeläutet worden sei, fällt bei dieser neuen Construction ganz fort, weil ja ein wiederholtes Läuten in der Centrale ganz unbemerkt bleibt. Die vordere Platte P mit den daran befestigten Theilen kann, wie bei anderen Apparaten, für jede Leitung besonders abgenommen werden und hierbei bleiben die an der Holzleiste H befestigten Theile im Umschalter zurück; die Verbindung der Elektromagnete m, m mit der Leitung wird durch die Messingfedern f (Fig. 3) hergestellt.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Tafeln


Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: