Titel: Zur Herstellung von Vitriolöl.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1886, Band 259/Miszelle 13 (S. 55–56)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj259/mi259mi01_13

Zur Herstellung von Vitriolöl.

Nach einer Mittheilung von F. Stolba in den Sitzungsberichten der böhmischen Gesellschaft der Wissenschaften vom 16. Oktober 1885 wird der Rohstoff für die Herstellung der rauchenden Schwefelsäure, der sogen. Vitriolstein, hauptsächlich im Pilsener Kreise aus den Werken der Firma J. Starck gewonnen.

Man läſst groſse Massen von sogen. Vitriolschiefer verwittern und laugt das entstandene Produkt aus. Der Vitriolschiefer, welcher der Silurformation angehört, besteht aus einer quarzigen Masse, welche neben etwas Kohle und Thon fein eingesprengten Schwefelkies enthält. Dieser verwittert allmählich |56| und liefert die bekannten Oxydationsprodukte: Ferrosulfat bezieh. Ferrisulfat und Schwefelsäure, welche letztere auf den Thon einwirkt und Aluminiumsulfat neben anderen Sulfaten liefert. Nachdem der Verwitterungs- und Oxydationsproceſs des Vitriolschiefers 3 Jahre gedauert hat, laugt man aus, verdampft die Laugen in Flammöfen auf 400 B., dann in Pfannen, bis die Masse beim Erkalten zu Kuchen erstarrt. Der so erhaltene Vitriolstein wird in einem Flammofen entwässert und schlieſslich in feuerfesten Thonretorten bei Weiſsglühhitze geglüht, wobei er einerseits Schwefelsäureanhydrid und im Rückstande Caput mortuum liefert.

In welchem Umfange die Erzeugung von Vitriolstein stattfindet, ergibt sich daraus, daſs im J. 1884 im Pilsener Kreise in drei in Betrieb stehenden Unternehmungen mittels 38 Arbeitern 4349t,1 erzeugt wurden.

Vitriolstein von Kasnau hatte folgende Zusammensetzung:

Ferrisulfat Fe2(SO4)3 50,17
Aluminiumsulfat Al2(SO4)3 11,94
Ferrosulfat FeSO4 1,35
Magnesiumsulfat MgSO4 1,17
Calciumsulfat CaSO4 0,33
Kupfersulfat CuSO4 0,20
Kaliumsulfat K2SO4 0,13
Natriumsulfat Na2SO4 0,11
Schwefelsäure H2SO4 1,49
Manganoxydul, Arsen, Phosphorsäure Spur
Kieselsäure 9,10
Wasser 32,30
––––––
99,29.

Wie diese Zusammenstellung ergibt, besteht demnach schon der nichtcalcinirte Vitriolstein im Wesentlichen aus Ferrisulfat und Aluminiumsulfat, nebst unbeträchtlichen Mengen von Ferrosulfat. Durch das folgende Calciniren verliert er nahezu alles Wasser und wird der geringe Gehalt an Ferrosulfat zu Ferrisulfat.

Eine Probe Caput mortuum hatte folgende Zusammensetzung:

Eisenoxyd 74,62
Thonerde 12,53
Magnesia 3,23
Kalk 0,82
Schwefelsäure (SO3) 5,17
Kieselsäure 1,17
Kupferoxyd 0,20
Wasser 1,30
–––––
99,04.
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