Titel: Zur Herstellung von Wagenfett.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1886, Band 259/Miszelle 10 (S. 103–104)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj259/mi259mi02_10

Zur Herstellung von Wagenfett.

Zur Herstellung der englischen Wagenfette wird nach A. Ihl (Chemikerzeitung, 1885 S. 1554) aus Harzöl zunächst der sogen. „Ansatz“ gekocht. Hierzu wird Harzöl mit Kalkhydrat 8 bis 12 Stunden lang gekocht, bis eine gleichförmige |104| chocoladefarbige Masse entsteht, welche dann im Stande ist, die 12 fache Menge Harzöl in salbenartiges Wagenfett zu verwandeln.

Ihl findet nun, daſs harzsaurer Kalk von warmem Harzöle gelöst wird und daſs dieses dann beim Abkühlen erstarrt. Er hält auch die Löslichkeit des harzsauren Kalkes im Harzöle als die Ursache des Erstarrens des letzteren. Wenn sich auch im Ansätze die im Harzöle vorhanden gewesenen Säuren in Form von harzsaurem Kalke vorfinden, so ist doch die gröſste Menge Calciumhydrat in fein vertheiltem Zustande zugegen, welcher Verbindung auch vornehmlich das Stocken zuzuschreiben sein wird, indem sich zuerst harzsaurer Kalk bildet, der sich in den flüssigen Kohlenwasserstoffen in theilweiser Lösung hält. Wendet man daher Calciumhydrat in fein vertheilter Form an, so wird die Erstarrung des Harzöles gerade so vor sich gehen wie mit dem Ansätze und man hat eine mühevolle Arbeit erspart.

H. Krätzer gibt in der Badischen Gewerbezeitung, 1885 S. 434 folgende Vorschriften zur Herstellung von Wagenfett: Man löscht 10k Kalk mit 3k,2 Wasser und erwärmt in einem eisernen Kessel 12k,5 Harzöl so lange, bis sich keine Dämpfe mehr entwickeln; ist dies der Fall, so gibt man nach und nach bei gelindem Feuer den gelöschten Kalk hinzu und rührt so lange Alles tüchtig, bis ein gleichmäſsiger knollenfreier Teig entstanden ist, der von einem hölzernen Rührscheit nur schwer abfällt. Auf diese Weise erhält man das sogen. „Mutterfett,“ aus welchem man die verschiedenen Wagenfette herstellt.

So mengt man 30k Harzöl mit 5k Mutterfett. Das so hergestellte blaue Wagenfett, welches gewöhnlich belgisches Patentfett genannt wird, verlangt man zu einem billigen Preise, weswegen die Unsitte herrscht, dasselbe zu „füllen,“ d.h. man krükt dem Fette 20 bis 50 Proc. Talk hinzu. Durch Färben mit einer alkalischen Curcumalösung erhält man daraus das sogen. gelbe Wagenfett.

In gleicher Weise können Paraffinöl und Theeröl behandelt werden.

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