Titel: Zucker als Viehfutter.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1886, Band 259/Miszelle 10 (S. 291–292)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj259/mi259mi06_10

Zucker als Viehfutter.

Die niedrigen Zuckerpreise haben den Gedanken angeregt, Zucker als Futter für landwirthschaftliche Hausthiere zu verwenden. Schweine erhalten vielfach Traubenzucker, um die Freſslust des völlig ausgemästeten Viehes anzuregen. (Nach der Hannoverschen Landwirthschaftlichen Zeitung, 1885 Bd. 37 S. 657.)

Melasse ist bereits mehrfach mit Erfolg als Futter für Ochsen angewendet, indem man das sonst übliche Futter mit 2 bis 5k Melasse versetzt. Bei einem Heupreise von 6 M. ergibt sich nach Kirchner (Landwirthschaftliche Post, 1884 Nr. 53) für 100k Melasse folgender Nährwerth:

2,5k Proteïn 1,30 M.
50 Zucker 5,00
17,5 Kohlehydrate 1,50
–––––
7,80 M.

Bei einem Heupreise von 5 M. ergibt sich entsprechend 6,50 M.

Versuche von Lawes (Sugar cane, Juni 1885) über Fütterung von Schweinen mit Rohzucker ergaben, daſs Zucker keinen höheren Nährwerth hat als Stärke. Hiernach ist der Zucker als Nahrungsmittel für gesundes Vieh nicht vortheilhaft zu verwenden.

Nach Versuchen von Werner (Deutsche landwirthschaftliche Presse, 1885 S. 455) ist die Fütterung von Rohzucker bei Schafen durchaus unvortheilhaft, selbst wenn die Zuckersteuer vergütet würde. Runkelrüben und Getreideschrot erwiesen sich besser und billiger als Rohzucker oder Zuckerrüben.

Versuche von G. Zimmermann (Neue Zeitschrift für Rübenzucker-Industrie, 1885 |292| Bd. 15 S. 1) ergaben ebenfalls, daſs das Füttern von Rohzucker bei Mastschafen sehr unvortheilhaft ist. Bei Schweinen wurden dagegen 100k Rohzucker mit 72 M. verwerthet, als dieselben täglich 2k Kleie, 1k Gerstenschrot, 1k Kartoffeln, 3 bis 4l Molken und 0,25 bis 0k,5 Zucker erhielten. Diese Verwendung des Zuckers verdient daher weitere Prüfung. Mastkälber konnten Zucker nicht vertragen.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: