Titel: Härten von Gypsabgüssen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1886, Band 259/Miszelle 5 (S. 334–335)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj259/mi259mi07_5

Härten von Gypsabgüssen.

Nach M. Dennstedt (Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft, 1885 S. 3314) ist das Härten von Gypsabgüssen mit Barytwasser (vgl. 1878 227 415. 228 191) noch immer am meisten zu empfehlen; man soll aber eine heiſse, vollkommen gesättigte Barytlösung verwenden und die Gypsstücke vorher auf 60 bis 80° erwärmen. Aus der tief eingedrungenen Lösung scheiden sich beim Erkalten Barytkrystalle ab, welche nicht, wie bei Verwendung verdünnter Lösungen, beim Trocknen an die Oberfläche geführt werden können, sondern im Inneren durch die atmosphärische Kohlensäure, durch den Gyps oder durch entsprechend |335| zugesetzte Stoffe in unlösliche Verbindungen übergehen. Zum Aufbringen der Lösung werden Pinsel aus Glasfäden verwendet, da Haarpinsel rasch zerstört werden. Zur Erzielung einer gröſseren Härte kann man dem Gypse vor dem formen bis 50 Proc. Kieselsäure zusetzen; oder man verwendet die Sulfate von Zink, Cadmium, Magnesium, Kupfer, Eisen, Thonerde, Chrom, Kobalt, Nickel. er Gyps wird entweder mit verdünnten Lösungen dieser Salze angerührt, oder die geformten Gegenstände werden nach dem Trocknen damit getränkt und endlich, nachdem sie wiederum vorsichtig getrocknet und dann auf 60 bis 70° erwärmt sind, mit der heiſsen Barytlösung behandelt.

Durch einige der angeführten Salze wird gleichzeitig eine Färbung der Gegenstände hervorgerufen. Diese Färbung ist zwar nicht ganz gleichmäſsig, kann jedoch vollkommen gleichartig erhalten werden, wenn man an Stelle des Bariumhydrates Kalk zur Verwendung bringt. Man setzt dann dem Gypse vor dem Anrühren bis zu 5 Proc. gebrannten Kalk zu, oder rührt diesen besser mit Kalkmilch an und tränkt die geformten Gegenstände nach dem Trocknen mit den angeführten Metallsalzlösungen.

Julhe (Comptes rendus, 1885 Bd. 100 S. 797) mischt 6 Th. gebrannten Gyps mit 1 Th. frisch gelöschten Kalk und formt wie gewöhnlich. Die getrockneten Stücke werden mit schwefelsaurem Zink oder Eisenvitriol getränkt, so daſs sich Gyps und Zinkoxyd oder Eisenoxyd in den Poren des geformten Stückes bilden und diese füllen. Die Stücke werden dadurch hart wie Marmor und erhalten groſse Festigkeit. Bei Verwendung von Eisenvitriol wird der Gyps gleichzeitig gefärbt. Werden Gypsfuſsböden mit Eisenvitriol getränkt und nach dem Trocknen mit Leinölfirniſs gestrichen, so sollen sie eichene Täfelung ersetzen können.

J. B. Mallion (Annales industrielles, 1885 Bd. 2 S. 122) mischt den Gyps mit 15 bis 30 Proc. gebrannten Magnesit, formt und tränkt mit einer Lösung von Zinksulfat. Eisenvitriol wird verwendet, wenn man gelblich braune Farben Wünscht.

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