Titel: Lestelle's Schutz der Weingärten gegen Fröste mittels Elektricität.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1886, Band 259/Miszelle 5 (S. 380)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj259/mi259mi08_5

Lestelle's Schutz der Weingärten gegen Fröste mittels Elektricität.

Die Verheerungen, welche nächtliche Fröste im April und Mai in Obst- und Weingärten anzurichten pflegen, bekämpft man seit einigen Jahren durch künstliche Erzeugung von Wolken behufs Verminderung der Wärmeausstrahlung (vgl. 1874 214 498. 1878 229 566). Man verbrennt dazu Theersubstanzen auf den zu schützenden Feldern. Um diesen Schutz zuverlässiger und minder kostspielig zu machen, benutzt der Telegrapheninspector Lestelle in Mont de Marsan eine seit 1882 in den Weingärten Laudes und in der Gironde eingeführte elektrische Anordnung. Wie die Zeitschrift für Elektrotechnik, 1885 S. 746 nach dem Bulletin de la Compagnie internationale des téléphones berichtet, bringt er inmitten des Weinberges oder Feldes ein Thermometer an, welches, wenn die Temperatur auf 2° über Null sinkt, den Stromkreis eines galvanischen Elementes schlieſst. Dadurch kommt ein von einem Triebwerke bewegter Commutator in Thätigkeit, welcher nach und nach den Strom eines kleinen Rühmkorff'schen Inductors durch eine Reihe von Stromkreisen sendet. In jedem Stromkreise befindet sich ein Zünder, welchen der elektrische Strom entzündet, worauf eine Zündschnur ein Büschel Schieſswolle und durch diese das Zündpulver auf einem benachbarten Feuerherde in Brand setzt. Die Feuerherde, aus Laub, Kräutern u. dgl. gebildet, sind in etwa 40m Entfernung von einander und werden sämmtlich in weniger als 1 Secunde entzündet. Gegen Unregelmäſsigkeiten wird der Herd dadurch geschützt, daſs man denselben mit in Oel und Harz getränkten Sägespänen bedeckt, welche zugleich die Raucherzeugung vermehren. Die Entzündung der von den Zündern ausgehenden Schieſswollfäden wird dadurch erleichtert, daſs man auf ihre Unterlage in geschmolzenes Pech eingetauchtes Stroh oder andere recht leicht entzündliche Stoffe auflegt. Die Kosten der ersten Anlage werden auf 88 bis 90 M. für 1ha geschätzt, für welche Fläche 7 Feuerherde ausreichen, um eine zusammenhängende Rauchwolke zu erzeugen.

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