Titel: Ueber Rübenbau.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1886, Band 259/Miszelle 6 (S. 380–382)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj259/mi259mi08_6
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Ueber Rübenbau.

Rübenbauversuche unter Anwendung der Elektricität wurden von C. Braune (Deutsche Zuckerindustrie, 1885 S. 1614) ausgeführt. Als die Rübenpflanzen aufgegangen waren, wurde an einem Ende der 56m langen Reihen eine Kupfer-, am anderen eine Zinkplatte eingesenkt und diese oberirdisch durch einen Draht verbunden (A). Zwei andere Reihen erhielten an den Enden Kupferplatten, in deren oberirdische Verbindung eine Batterie von 14 Meidinger'schen Elementen eingeschaltet war (B). Der elektrische Strom war vom 3. Juni bis 7. August gleichmäſsig stark, nahm aber dann ab. Die am 26. Oktober geernteten Rüben ergaben das Gewichtsverhältniſs 230 und 235 zu 210 ohne Elektricität (C). Bei der Polarisation fand man:

Brix Zucker Nichtzucker Quotient
A 18,0 15,3 2,7 85,6
B 17,9 15,5 2,4 86,6
C 16,7 15,0 1,7 89,7.

Daraus ergibt sich, daſs die Vertheilung und Aufschlieſsung der Salze im Erdboden, wie sie durch die Wirkung des elektrischen Stromes bedingt ist, beim Zuckerrübenbau den Gewichtsertrag erheblich, den Zuckergehalt in etwas bereichert, dagegen den Reinheitsquotienten wesentlich herabmindert.

Umfassende Versuche über die Keimfähigkeitsdauer der Runkelrübenknäule wurden von G. Marek ausgeführt (Zeitschrift des deutschen Vereins für Rübenzucker-Industrie, 1885 S. 945). Hiernach war die einjährige Saat die beste, dieser folgten fast gleichwerthig die 3- und 4jährige Saat, dieser die frisch geerntete und die 2jährige Saat. Im Allgemeinen hat diese Untersuchung einen wesentlichen Unterschied in der Beschaffenheit zwischen den 5 letzten Ernten nicht ergeben; es hat sich sogar herausgestellt, daſs der 3- und 4jährige Samen vollwerthig dem frischen zur Seite steht. Mit dem Alter von 5 Jahren begannen merkliche Rückgänge in der Keimfähigkeit hervorzutreten, welche sich nach dem 6. und 7. Jahre allmählich steigerten und mit dem 9. Jahre ihre höchste Grenze erreichten.

Umfassende Versuche von G. Marek (daselbst S. 1073) lieferten das für Rüben Samenzüchter wichtige Ergebniſs, daſs der Zuckergehalt eine erbliche Eigenthümlichkeit der Rübe ist, bei welchem der Standort derselben nicht einen solchen Einfluſs zu üben scheint, daſs diese erbliche Eigenthümlichkeit hierdurch verdeckt wird. Fälle dieser Art dürften in normalen Verhältnissen nur die Ausnahme bilden. Es scheint sogar die Eigenschaft der Rübe, ihren Zuckergehalt auf ihre Nachkommen zu vererben, so stark zu sein, daſs sie Bodenarten, welche bisher als dem Rübenbau nicht günstig bezeichnet wurden, sich zu erschlieſsen vermag, und Düngungen, welche bisher als schädlich galten, in gewissen Fällen, ohne Einbuſse der Güte, zulässig erscheinen läſst.

Versuche von M. Hollrung (daselbst S. 297) bestätigen, daſs Frost namentlich den vorgequellten Rübensamen stark schädigen kann.

B. Corenwinder (Sucrerie indigène, 1885 Bd. 24 S. 630) bestätigt die schon von J. Liebig gemachten Angaben über den Einfluß der Aschenbestandtheile auf das Wachsthum der Zuckerrübe, daſs die übrigen Düngemittel nichts helfen, wenn der Boden nicht genug Kalk enthält.

E. Wollny (Fühling's landwirthschaftliche Zeitung, 1885 Nr. 10) zeigt, daſs die Behäufelungskultur nur auf bündigen, humosen, das Wasser gut anhaltenden Böden, sowie in einem feuchten Klima dem Ertragsvermögen der Pflanzen förderlich, auf allen leicht austrocknenden Böden und in einem trockenen Klima aber unzweckmäſsig ist, weil den Kulturpflanzen unter solchen Umständen die zur normalen Entwickelung nothwendigen Wassermengen nicht zur Verfügung stehen.

W. Rimpau (daselbst 1885 Nr. 12) führt aus, daſs aus den durch Polarisation ausgewählten Stammrüben immer einige ihre Vorzüge nicht vererben, so daſs nur eine mehrere Jahre hindurch ausgeführte Zuchtwahl sicheren Erfolg gibt.

Nach Versuchen von G. Marek (Der Landwirth, 1885 S. 521) haben Salzlösungen zur Bestimmung der specifischen Schwere ganzer Rüben nur sehr bedingten Werth, da die Gröſse des Kopftheiles, anhaftende Luft u. dgl. groſsen Einfluſs besitzen. Auch durch Einlegen kleiner Abschnitte in Salzlösungen von 1,06 ist eine Auswahl der an Zucker reichsten Rüben nicht zu erzielen.

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L. Malkhoff (Neue Zeitschrift für Rübenzucker-Industrie, 1885 Bd. 14 S. 313) findet, daſs die gleichzeitige Zuführung von Feuchtigkeit und Düngstoffen der Entwickelung des Keimes und der jungen Pflanzen sehr förderlich ist.

Nach A. Ladureau (Sucrerie belge, 1885 S. 314) wirkt die Phosphorsäure auf die Zuckerrübe als basisches, citratlösliches Phosphat ebenso vortheilhaft wie als Superphosphat. (Vgl. 1885 255 354. 256 374.)

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