Titel: Germanium, ein neues Element.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1886, Band 259/Miszelle 6 (S. 474)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj259/mi259mi10_6

Germanium, ein neues Element.

Im Sommer 1885 fand sich auf der „Himmelfürst Fundgrube“ bei Freiberg ein reiches Silbererz, welches Weisbach Argyrodit benannte. Dasselbe enthält 73 bis 75 Proc. Silber. 17 bis 18 Proc. Schwefel, etwas Quecksilber und auſserdem ein neues, dem Antimon ähnliches Element, welches Cl. Winkler nach den Berichten der deutschen chemischen Gesellschaft, 1886 S. 211 Germanium, Ge, nennt.

Der Argyrodit liefert beim Erhitzen unter Luftabschluſs, am besten im Wasserstoffstrome, ein schwarzes, krystallinisches, ziemlich leicht flüchtiges und zu braunrothen Tropfen schmelzbares Sublimat, welches auſser wenig Schwefelquecksilber hauptsächlich Germaniumsulfid enthält. Germaniumsulfid ist eine Sulfosäure; es löst sich leicht in Schwefelammonium und erscheint bei seiner Wiederabscheidung durch Salzsäure als ein in reinem Zustande schneeweiſser, in Ammoniak sofort löslicher Niederschlag, der bei Gegenwart von Arsen oder Antimon mehr oder minder gelb gefärbt aussieht.

Beim Erhitzen im Luftstrome oder beim Erwärmen mit Salpetersäure geht das Germaniumsulfid in ein weiſses, bei Rothglühhitze nicht flüchtiges, in Kalilauge lösliches Oxyd über; die alkalische Lösung gibt nach dem Ansäuern mit Schwefelwasserstoff die charakteristische weiſse Färbung. Starke Verdünnung verhindert oder verzögert die Ausfällung. Oxyd wie Sulfid sind, ersteres leidet, letzteres seiner Flüchtigkeit halber schwieriger, reducirbar durch Wasserstoff. Das Element besitzt, ähnlich dem Arsen, graue Farbe und mäſsigen Glanz, ist aber erst bei voller Rothglühhitze flüchtig und entschieden schwieriger verdampf bar als Antimon. Es legt sich bei der Verflüchtigung in kleinen, im Ansehen an abgedunstetes Jod erinnernden Krystallen an die Glaswandung an, welche keine Schmelzbarkeit bemerken lassen und mit Antimon gar nicht verwechselt werden können.

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