Titel: Zur Untersuchung von Nahrungsmitteln.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1886, Band 259/Miszelle 9 (S. 474–475)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj259/mi259mi10_9

Zur Untersuchung von Nahrungsmitteln.

Nach A. Hilger (Archiv der Pharmacie, 1885 Bd. 223 S. 825) bestand sogen. Pfefferbruch aus etwa 50 Proc. Pfefferschalen, 30 Proc. Palmkernmehl, 15 Proc.Pfefferpulver, 1 Proc. Paprika und 4 Proc. Ziegelmehl.

Zinnfolie, welche zum Verschlusse der Mineralwasserflaschen von Vichy verwendet war, bestand aus 5 Proc. Zinn und 95 Proc. Blei, bildete dem entsprechend am Korke Bleiweiſs.

Der Aschengehalt von Ceylonzimmet betrug 3,4 bis 4,8 Proc.

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Zur Bestimmung des Theïns im Thee werden 10 bis 20g Thee 3mal mit siedendem Wasser ausgezogen. Die filtrirten Auszüge werden mit basischem Bleiacetat unter Vermeidung von groſsem Ueberschusse versetzt, die erhaltenen Niederschläge abfiltrirt, mit heiſsem Wasser ausgewaschen und hierauf mit Schwefelwasserstoff entbleit. Die vom erhaltenen Schwefelbleie abfiltrirte Flüssigkeit wird unter Zusatz von ausgewaschenem Sande und etwas Magnesia oder Kalk (auch grobkörnigem Marmor und Kalk oder Magnesia) zur Trockne gebracht, worauf dieser Rückstand vollkommen mit siedendem Chloroform ausgezogen wird. Der so erhaltene Chloroformauszug liefert, wenn vorsichtig gearbeitet wird, einen nur wenig gefärbten Rückstand, welcher nach 3stündigem Trocknen bei 100° gewogen, auch durch nochmaliges Umkrystallisiren aus Alkohol oder siedendem Wasser vollkommen farblos erhalten werden kann.

Zur Nachweisung von Mutterkorn im Mehle ist das Verfahren von Palm (1883 250 228) durch die schwere Filtrirbarkeit der Niederschläge zeitraubend; zudem lassen sich damit nur noch 0,05 Proc. Mutterkorn nachweisen. Bei spektralanalytischen Verfahren liegt die Grenze der Empfindlichkeit schon bei 0,5 Proc. Am empfehlenswerthesten ist das Verfahren von E. Hoffmann (Pharmaceutische Zeitung, 1879 S. 576), welches passend in folgender Weise ausgeführt wird: 10g Mehl werden mit 20g Aether, welchem 10 Tropfen verdünnte Schwefelsäure (1 : 5) zugesetzt sind, mehrere Stunden in einem verschlossenen Kölbchen oder Reagenzglase bei Zimmertemperatur unter öfterem Umschütteln stehen gelassen. Die Flüssigkeit wird filtrirt, durch Auswaschen mit Aether wieder auf 20g gebracht und hierauf mit 10 bis 15 Tropfen einer in der Kälte gesättigten wässerigen Lösung von doppelkohlensaurem Natrium versetzt. Nach wiederholtem Umschütteln tritt der Mutterkornfarbstoff mit schwach violetter, bis tief rothvioletter Farbe in die wässerige Lösung ein und wird deutlich sichtbar. Bei diesen Versuchen wurde die weitere Erfahrung gemacht, daſs die Erschöpfung des Mehles mit dem Schwefelsäure haltigen Aether noch rascher und vollständiger gelingt, wenn man die Mehlprobe zuerst mit einigen Tropfen Kalilauge befeuchtet (20 Proc.), 10 Minuten aufquellen läſst und hierauf die Behandlung vornimmt, wobei man selbstverständlich zum Zwecke der Beseitigung des Alkalis die Säuremenge etwas vermehrt.

Der mikroskopische Nachweis gelingt, wenn die Probe nach Steenbusch (1882 243 86) verzuckert wird. Man kann in dem hierbei gebliebenen Rückstande bei 0,1 und 0,01 Proc. Mutterkorn mit aller Schärfe das charakteristische, feinmaschige, unregelmäſsige Hyphengewebe des Mutterkornes nachweisen. Vorzügliche Dienste leistet hier die Cellulose-Reaction mit Jod und concentrirter Schwefelsäure. Die Pilzcellulose, demnach auch die Cellulose des Mutterkornes, wird bei diesen Reagentien nicht blau, sondern gelbbraun gefärbt.

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