Titel: Elektrisches Bogenlicht und Glühlicht in Parallelschaltung.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1886, Band 259/Miszelle 1 (S. 519–520)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj259/mi259mi11_1

Elektrisches Bogenlicht und Glühlicht in Parallelschaltung.

Die Verschiedenheiten und wechselseitigen Vorzüge des Glühlichtes und des Bogenlichtes in Bezug auf ihre Eigenschaften und vortheilhafteste Erzeugungsweise (vgl. auch 1885 256 531) machen es oft wünschenswerth, beide Arten des elektrischen Lichtes in einer und derselben Anlage gleichzeitig zu benutzen, wie dies u.a. im Eldorado in Paris geschehen ist (vgl. 1886 259 * 170), und von derselben Maschine zu speisen. R. Gülcher hat zuerst mit Erfolg Bogenlicht und Glühlicht von derselben Maschine aus gespeist und zwar durch Parallelschaltung der Glühlampen und der Bogenlampen bezieh. Gruppen derselben. Da zum gleichmäſsigen Brennen von Bogenlampen ungefähr 40 bis 50 Volt erforderlich sind, so lassen sich Glühlampen von 50 Volt Spannung mit einzelnen Bogenlampen parallel schalten 5 Paare von 2 Bogenlampen hinter einander dagegen lassen sich parallel zu Glühlampen von 100 Volt schalten. Es geschieht das letztere namentlich bei den in D. p. J. 1885 256 533 Anmerkung 2 erwähnten, von der Deutschen Edison-Gesellschaft eingeführten kleinen Bogenlampen (H. Pieper * D. R. P. Kl. 21 Nr. 34231 vom 19. December 1884), deren Helligkeit sich mit der Stromstärke und dem entsprechend mit dem Kraftaufwande in weiten Grenzen regeln läſst.1) Eine gröſsere Anzahl von Bogenlampen lassen sich praktisch nicht parallel schalten, wenn der Widerstand der brennenden Lampe von dem der nicht brennenden stark verschieden ist, weil dabei zu befürchten steht, daſs die Stromstärke in einer einzelnen Lampe gelegentlich weit über die normale Gröſse anwächst. Dem begegnet man durch Vorschalten von geeigneten Widerständen vor die Bogenlampen, allerdings unter gleichzeitiger Vergröſserung der elektromotorischen Kraft der Maschine und unter Verlust eines ziemlichen Theiles der Energie, welcher nicht in Licht, sondern nutzlos in Wärme umgesetzt wird.

Wie R. Rühlmann in der Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure, 1885 S. 879 mittheilt, thut man am besten, wenn man für gleichzeitigen Betrieb von Bogen- und Glühlicht bei reiner Parallelschaltung eine Maschinenspannung von ungefähr 65 Volt wählt und somit ungefähr 20 Volt Spannung in den Zuleitungen zu den Bogenlampen oder in vorgeschaltetem Widerstand verbraucht; dabei wird man am besten Glühlampen von 65 Volt anwenden.

Ueber die Gröſse der vorzuschaltenden Widerstände geben nachstehende Tabellen Auskunft. Die erste derselben bezieht sich auf das System Gülcher (vgl. 1885 256 532); derselbe wendet durchaus reine Parallelschaltung an und läſst seine für Gleichstrom eingerichteten Dynamomaschinen mit einer Klemmenspannung von 65 Volt arbeiten:

Stromstärke der
Bogenlampe

Helligkeit
Vorzuschaltender
Widerstand
15 bis 16 Ampère 2500 N-K 1 Ohm
7,5 8 1100 2
3,5 4 500 4
2 2,5 200 8

Die Bogenlampen für Parallelschaltung von Siemens und Halske (1885 256 499), welche sich zufolge ihres äuſserst niedrigen Oberbaues auszeichnen, daher |520| auch in verhältniſsmäſsig niedrigen Räumen verwendet werden können, werden entweder in reiner Parallelschaltung neben Glühlampen von 65 Volt benutzt, oder es werden Gruppen von je zwei hinter einander geschalteten derartigen Lampen mit Glühlampen von 120 Volt parallel geschaltet. Die dabei vorzuschaltenden Widerstände betragen:


Stromstärke
der
Bogenlampen


Helligkeit
Für jeden 1 Lampe
enthaltenden Zweig
bei 65 Volt
Maschinenspannung
Für jeden 2 Lampen
enthaltenden Zweig
bei 120 Volt
Maschinenspannung
3 Amp. 300 N-K 7 Ohm 12 Ohm
4,5 500 4,5 7
6 900 3,2 4,7
9 1400 2 2,7

Nach diesen Tabellen bietet die Parallelschaltung den groſsen Vortheil, Bogenlampen von beliebiger Helligkeit neben Glühlampen von verschiedener Stromstärke verwenden und die Leuchtkraft der Lichtquelle dem jeweiligen Bedürfnisse vollständig anpassen zu können.

Die gröſsere Kostspieligkeit der Leitungen bei der Parallelschaltung kann dadurch ausgeglichen werden, daſs man für die Zuleitungen zu den Bogenlampen statt der Kupferdrähte die sehr viel billigeren Eisendrähte Wählt und auf diese Weise zugleich den vorzuschaltenden Widerstand einführt. Die Parallelschaltung gestattet ferner, zumal bei Gebrauch von Maschinen mit gemischter Schaltung für constante Klemmenspannung, daſs jeder einzelne Beleuchtungskörper beliebig aus- oder eingeschaltet werden kann, ohne daſs dadurch die Helligkeit der noch brennenden Lampen beeinfluſst oder Ersatzwiderstände erforderlich wären und daſs der Kraftbedarf der elektrischen Maschine sich nahezu proportional der jeweiligen Leistung ändert.

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Diese Lampen werden vorläufig in zwei Gröſsen ausgeführt, die eine für 300 bis 400 N-K Lichtstärke bei einem Stromverbrauche von 3,5 bis 4,5 Ampère, die andere von 800 bis 1000 Kerzen bei 8 bis 9 Ampère. Da immer zwei gleich gröſse Bogenlampen oder auch eine gröſsere mit je zwei kleineren Lampen hinter einander und dann parallel mit den Glühlampen in den Stromkreis geschaltet werden, so kann jedes Bogenlichtpaar unabhängig von den anderen durch Umschalter entzündet oder gelöscht werden; bei Anlagen mit einer gröſseren Zahl Bogenlampen ist sogar die In- und Auſserbetriebsetzung einer einzelnen Lampe ausführbar. Demnach vermag man mit dem von etwa drei 16 kerzigen Glühlampen verbrauchten Strome eine Bogenlampe zu speisen, also ein 8 mal stärkeres Licht lediglich durch Mehraufwand der aus den Kohlenstäben entstehenden Kosten zu erzielen. Diese betragen bei dem jetzigen Preise der Kohlenstäbe etwa 3 bis 4 Pf. in der Stunde bei den kleinen und etwa 5 bis 6 Pf. bei den groſsen Lampen.

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