Titel: Festigkeit von Hand- und Preſswassernietung.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1886, Band 261 (S. 14–16)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj261/ar261009

Zerreiſsversuche zur Vergleichung der Nietung mit Hand oder mit Preſswasserbetrieb.

Die Société de Sclessin hat vergleichende Zerreiſsversuche über die Festigkeit der Nietung mit Hand und Preſswasserbetrieb angestellt und die Ergebnisse im Genie civil, 1885/6 Bd. 8 S. 3 veröffentlicht.

Die Versuche sind folgendermaſsen durchgeführt worden: Es wurden zunächst Platten von 6, 12 und 18mm ausgewalzt und dieselben in Streifen zerschnitten. Der mittelste Streifen aus dem Walzstücke diente zur Anstellung der gewöhnlichen Versuche auf Zugfestigkeit und Dehnung. |15| Die anderen Stücke sind mit einander vernietet worden und zwar eine Hälfte mittels Handnietung, die andere mit der hydraulischen Nietmaschine der Gesellschaft, welche 45t,7 theoretischen Druck auf die Niete ausübte. Der Durchmesser der Niete betrug 19mm, woraus sich bei der hydraulischen Nietung ein theoretischer Druck von 161k/qmm ergibt. Zur Herstellung der Niete selbst sind Rundstangen gewalzt und je ein Stück jeder Stange ist wiederum auf Zugfestigkeit und Dehnung geprüft worden.

Um die Frage von verschiedenen Gesichtspunkten aus zu untersuchen, hat man unter Beibehaltung eines und desselben Nietdurchmessers die Versuche systematisch mit verschiedenen Blechstärken, mit verschiedenen Streifenbreiten und mit verschiedenen Randbreiten durchgeführt. Die Versuchsstreifen wurden packetweise auf gleiche Breite und gleiche Ueberlappung abgehobelt, die Nietlöcher mittels Durchschnittes hergestellt und dann auf 19mm aufgerieben. Die Stäbe sind in gewöhnlicher Weise ohne besondere Sorgfalt genietet worden, ein Theil durch Uebereinanderlegen von zwei Stäben (einschnittige Nietung), ein anderer Theil durch Verbindung dreier Stäbe über einander (zweischnittige Nietung).

Auſser diesen Versuchsreihen, welche zusammen 60 Zerreiſsversuche aufweisen, hat man weitere Streifen zu zweien und dreien vernietet, wobei die Löcher theils geschnitten und ausgerieben, theils geschnitten und nicht ausgerieben, theils gebohrt waren. Auſserdem hat man die Löcher zum Theile genau centrisch über einander gesetzt, zum Theile dieselben absichtlich gegen einander versetzt und dann in gleicher Weise theils mit der Hand, theils mit der Maschine genietet. Zur weiteren Beurtheilung hat man derartige Probestücke in der Nietnaht aufgeschnitten.

Als allgemeine Vorbetrachtung sei Folgendes angeführt. Bei dem verhältniſsmäſsig langsam und ruhig wirkenden Preſswasserdruck wird sich derselbe gleichmäſsig über die ganze Fläche der Niete vertheilen; es weicht das weiche Eisen aus, wo es kann; der Kopf bildet sich somit im Kopfsetzer vollständig aus, aber das Eisen dringt auch in alle sich demselben bietenden Zwischenräume ein, weshalb es ja hier, um eine dichte Nietung (z.B. für Dampfkessel) zu erzielen, nothwendig ist, die beiden zu vereinigenden Bleche vor Ausführung der Nietung scharf auf einander zu drücken. (Vgl. Uebersicht 1886 260 * 17. * 111.)

Bei den nur kurze Zeit wirkenden Hammerschlägen dagegen findet die Umbildung hauptsächlich in dem zu bildenden Kopfe statt (man denke z.B. auch an die Ausbildung der Barte bei Meiſseln u. s. w) und beim Erkalten werden dann die Blechstücke fest zusammen gezogen.

Dies haben auch die genannten Versuche wieder bewiesen: Die hydraulisch eingebrachte Niete füllt die Löcher besser aus, was besonders von Werth ist, wenn die Löcher nicht genau über einander liegen, |16| ein Fall, welcher in der Praxis häufiger vorkommt. Die Maschinennietung ist gegen Zug widerstandsfähiger als die Handnietung.

Die bei den Zerreiſsversuchen erhaltenen Zahlenwerthe sind u.a. auch im Wochenblatt für Baukunde, 1886 S. 55 vollständiger wiedergegeben. Als beachtenswerthe Ergebnisse fanden sich ferner: Bei einer Breite des überstehenden Randes, welcher, von der Nietachse gemessen, weniger als den 2¼ fachen Nietdurchmesser beträgt, reiſst das Blech der Länge nach auf, wenn die Festigkeit des Nietes ebenso groſs oder gröſser ist als die des Bleches. Der Einfluſs der Ueberlappung nimmt in dem Maſse ab, wie der nutzbare Querschnitt der Blechplatte von der Niete zunimmt. Bleche, deren Breite weniger als der dreifache Nietdurchmesser beträgt, brechen bei normaler Randbreite (2¼ d) der Quere nach und zwar ohne Längsrisse, so lange ihr Widerstand kleiner ist als jener der Niete. Bleche von einer Breite von mehr als dem dreifachen Nietdurchmesser reiſsen der Länge nach auf, wenn ihre Festigkeit geringer ist als die der Niete und zwar trotz der Vermehrung der Randbreite. Eine gröſsere Dicke der Bleche wirkt günstig für die Festigkeit der Niete. Die zweischnittige Nietung gibt eine doppelt so kräftige Verbindung als die einschnittige. Das mittlere Verhältniſs des Blechwiderstandes bei zweischnittiger Nietung zur ursprünglichen Zugfestigkeit desselben beträgt 0,75 bei Handnietung und 0,81 bei Maschinennietung. Bei einschnittiger Nietung genügen die vorliegenden Versuche nicht zur Ermittelung. Das mittlere Verhältniſs zwischen der Festigkeit der Niete zu der Zugfestigkeit des Nieteisens beträgt sowohl bei ein-, als zweischnittiger Nietung 0,71 bei Handnietung und 0,73 bei Preſswasserdruck. Wie man sieht, ist die Abnahme der Festigkeit für die Niete etwas gröſser als für die Bleche- bei gleichem nutzbarem Querschnitte empfiehlt es sich daher, für die Niete ein Metall von etwas gröſserer Festigkeit (15/14) zu verwenden. Die Belastung für die Flächeneinheit der Nietlochprojection kann sehr erheblich im Werthe schwanken, selbst bis zu 100k/qmm betragen, ohne den Bruch herbeizuführen. Bei zweischnittiger Nietung tritt das gleichzeitige Abscheren beider Nietquerschnitte nur bei Blechdicken ein, welche ⅔ Nietdurchmesser und mehr betragen. Das gleichzeitige Abscheren erfolgt bei Maschinennietung häufiger als bei der Handarbeit.

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