Titel: Neuere Maschinen für Färbereien von Geweben.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1886, Band 261 (S. 119–126)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj261/ar261043

Neuerungen an Apparaten und Maschinen zum Bleichen, Färben und Waschen von Geweben.

Patentklasse 8. Mit Abbildungen auf Tafel 8.

Der sogen. J. Thompson'sche Bleichprozeſs (vgl. 1884 253 * 428), bei welchem zur Beschleunigung der Wirkung des Bleichpulvers gasförmige Kohlensäure benutzt wird, ist durch das Eingreifen W. Mather's von der Firma Mather und Platt in Manchester für die fabrikmäſsige Anwendung ausgebildet worden. Nicht nur, daſs an Stelle der von J. Thompson und J. Rickman vorgeschlagenen Behandlung der Faserstoffe mit Cyansalzen bezieh. mit Thonerdehydrat und Soda oder Kaolin und Aetznatron (vgl. 1884 252 392 bezieh. 1885 256 240) vor der Tränkung mit dem Bleichmittel die jedenfalls besser entsprechende Einwirkung von Soda und darauf folgendes Dämpfen und Heiſswaschen gesetzt wurde, W. Mather hat auch für die Anwendung des neuen Bleichprozesses auf Gewebe und die ununterbrochene Ausführung desselben zweckentsprechende Einrichtungen (vgl. Englisches Patent 1884 Nr. 7909, 1885 Nr. 471, 1912, 3096, 3748, 8793, 8794) getroffen.1)

Die Ausführung des Mather-Thompson'schen Bleich Verfahrens kann hiernach bei Geweben in voller Breite oder im Strange vorgenommen werden, wobei die einzelnen Stücke in üblicher Weise an einander genäht sind. Die Ausführung selbst zerfällt in zwei Theile: das Entschlichten und das Bleichen. Zum Entschlichten wird das Gewebe mit einer Sodalösung getränkt, sowie in einem besonderen neuen Apparate gedämpft und gekocht; das Bleichen des Gewebes erfolgt alsdann in einer langen zusammengesetzten Maschine in einem Durchgange.

Während bei den gebräuchlichen Bleich verfahren die Gewebe für das Entschlichten meist genäſst und dann feucht einige Zeit liegen gelassen werden, um die Schlichte gewissermaſsen durch Gährung zu lösen, wird mit dem Malerischen Apparate ein solcher Zeitverlust vermieden. Die Gewebe werden in voller Breite liegend oder im Strange zuerst durch eine Sodalösung gezogen, wozu eine gewöhnliche in Bleichereien vorhandene Waschmaschine dient, und darauf in Korbwagen – bei breit liegenden Geweben gefaltet, oder bei Gewebesträngen deren zwei oder mehrere – einfach hin und her gelegt. Diese Korbwagen sind aus verzinktem Flacheisengeflecht, können Gewebe bis zu 1t Gewicht aufnehmen und laufen mit Rollen auf Schienenbahnen im Fabrikfuſsboden. Die gefüllten Korbwagen werden sofort in den neuen Mather'schen Beuchkessel geschoben. Dieser Kessel ist ein liegender, an seiner vorderen Stirnseite mit einer aushebbaren Thür verschlossener Cylinder, in welchen hinein sich die Schienenbahn fortsetzt und der bequem zwei solche Korbwagen hinter einander stehend aufnehmen kann. Die Thür |120| ist an einer Kette aufgehängt, welche über Rollen nach der hinteren Cylinderseite geführt und dort an einen mittels Dampf oder Preſswasser zu bewegenden Kolben angeschlossen ist. Beim Einlassen der Preſsflüssigkeit in den zugehörigen Cylinder wird die Thür schnell ausgehoben. Der dampfdichte Verschluſs der Thür wird nicht mittels Schraubenbolzen u. dgl. bewerkstelligt, sondern der Rahmen der Thür ist nach unten spitz auslaufend keilförmig und der vordere Rand des Kessels entsprechend ausgespart, so daſs sich die Thür durch ihr Eigengewicht fest und dicht einsetzt. Diese Einrichtungen ermöglichen die Raschheit des Beladens und Entladens des Beuchkessels.

Nach Einbringung zweier Wagen mit dem von der Sodalösung durchfeuchteten Gewebe wird Dampf von etwa 1at Spannung in den Beuchkessel gelassen. Dabei werden die Gewebe, um sie vor den schädlichen Einwirkungen trockener Hitze zu schützen, durch eine schwache Sodalösung beständig übergössen und damit feucht erhalten. Das beständige Uebergieſsen vermittelt eine Flügelpumpe, welche die Flüssigkeit an der tiefsten Stelle des Kessels ansaugt und dann oben in einem durchlochten Rohre wieder über den gefüllten Korbwagen ausspritzt. Es besteht also ein beständiger Kreislauf der Flüssigkeit wie bei neueren Apparaten zur chemischen Behandlung von Faserstoffen.2) Statt der Sodalösung wird darauf heiſses Wasser in den Kessel geführt und in gleicher Weise mit Flüssigkeitsumlauf gewaschen. Die so behandelte Waare wird dann aus dem Kessel gefahren und letzterer gleich wieder frisch beschickt, so daſs mit dem neuen Beuchkessel 6t Gewebe täglich zum Bleichen vorbereitet werden können. Die Wagen mit den entschlichteten Geweben werden zu der Bleichmaschine gefahren und die Gewebe sofort in dieselbe eingeführt, so daſs für die weitere Behandlung keine Unterbrechung eintritt.

Die von Mather und Platt in Manchester ausgeführte ununterbrochen arbeitende Bleichmaschine war auf der Erfindungsausstellung in London 1885 zu sehen und ist in Fig. 10 Taf. 8 in einer Durchschnittsskizze veranschaulicht. Die Maschine ist für eine zweckentsprechende Durchführung des Thompson'schen Bleichprozesses ein wesentliches Erforderniſs, da mit derselben die mehrfache Tränkung der Gewebe mit der Bleichflüssigkeit, der nachfolgenden Behandlung mit gasförmiger Kohlensäure und das wiederholte Waschen in einem Durchgange – ob das Gewebe dabei breit liegt oder einen Strang bildet – möglich ist; im letzteren Falle werden gleichzeitig mehrere Gewebestränge neben einander liegend behandelt. Die Geschwindigkeit des Gewebes beträgt dabei etwa 55m in der Minute.

Das Gewebe wird zuerst durch einen Waschbottich H mit heiſsem oder kaltem Wasser geleitet und gelangt nach dem Auspressen zwischen |121| zwei Walzen in den Bottich C, welcher die Bleichflüssigkeit enthält. Nach dem Verlassen des Preſswalzenpaares des Bottiches C wird das Gewebe ganz kurz in die Kohlensäurekammer K geführt. Die letztere ist ein einfacher Eisenblechkasten mit Leitwalzen für das Gewebe, welcher an den Schlitzöffnungen für den Ein- und Austritt des letzteren mit Gummistreifen versehen ist, die sich an das Gewebe legen und ein Entweichen des Gases hindern. Das Kohlensäuregas wird durch eine Leitung am Boden des Kastens zugeführt und eine einfache Vorrichtung läſst den Stand des Gases in der Kammer K leicht erkennen. An einer Seitenwand derselben ist ein oben und unten mit dem Inneren der Kammer verbundenes Glasrohr angebracht, in welchem eine mit Luft gefüllte dünne bunte Glaskugel den Stand des Kohlensäuregases angibt. Die Kohlensäure als von höherem specifischem Gewichte erhält die Glaskugel gemäſs ihres Höhenstandes in der Kammer K und also auch im Glasrohre in letzterem in der Schwebe und nach der jeweiligen Stellung wird der Zutritt von frischer Kohlensäure geregelt. Auf die Behandlung des Gewebes mit Kohlensäure folgt ein Waschen in den getrennten Bottichen W1, W2 und W3, dann ein Durchziehen im Bottiche S in heiſser Lösung und nachheriges wiederholtes Waschen. Das Schlagen des Gewebes in den Waschbottichen bewerkstelligen Walzen w; das Waschwasser wird durch Spritzrohre s immer zwischen die Preſswalzen an das Gewebe geleitet. Die nun etwas in der freien Luft geführte Waare gelangt dann zu wiederholter gleicher Behandlung und wird darauf für das Fertigwaschen einer gewöhnlichen Waschmaschine zugeleitet. Zum Waschen wird in den Bottichen eine schwache Salzsäurelösung verwendet.

Die Vorzüge des Mather-Thompson'schen Bleichverfahrens mit Benutzung der beschriebenen Einrichtungen liegen hauptsächlich in der Ersparniſs von Zeit und Waschwasser. Der ganze Bleichprozeſs kann nach den Angaben der Fabrik in 8 bis 10 Stunden durchgeführt, also ein Gewebestück bequem in einem Tage gebleicht werden. Der Verbrauch an Wasser für das Waschen und für die chemische Behandlung stellt sich auf etwa ⅕ der bisher benöthigten Menge, was namentlich dort, wo das Wasser städtischen Leitungen entnommen werden muſs, ins Gewicht fällt, Die Ersparniſs an Chemikalien soll sich auf ⅓ stellen und die Gewebe sollen weniger als bei den gewöhnlichen Bleichverfahren an Gewicht verlieren. Die Beschränkung der Handarbeit wird bei dem neuen Verfahren durch die beschriebenen Einrichtungen bis auf das thunlichst Möglichste gesichert. Der neue Beuchkessel ist natürlich auch bei jedem anderen Bleich verfahren gleich vortheilhaft zu benutzen.

Bei der Färberei von wollenen Geweben werden gewöhnlich einfache Kufen aus Holz oder Stein benutzt, in welchen die Farbeflüssigkeit durch ein am Boden liegendes, mit einem Holzgitter überdecktes, mit Kesseldampf gespeistes Schlangenrohr kochend erhalten wird. Das endlose |122| Gewebe wird dann durch eine über der Kufe gelagerte Haspeltrommel durch die Farbeflüssigkeit gezogen. Für den Antrieb der Trommel, welcher eine Drehung derselben in verschiedenen Geschwindigkeiten und in beiden Richtungen zu ermöglichen hat, werden gewöhnlich von einem Deckentriebwerke aus Riemen benutzt, welche jedoch durch die Feuchtigkeit und die verschiedenen Dämpfe schnell unbrauchbar werden und auch durch Rutschen auf den Scheiben Ungleichheiten in der Färbung hervorbringen können. R. Middleton in Leeds bringt deshalb nach dem Textile Manufacturer, 1884 * S. 473 einen Winkelantrieb mittels Reibungsscheiben für Haspel von Farbkufen zur Ausführung. Die Kufen müssen dabei an einer Wand des Färbereiraumes aufgestellt werden, an welcher auch die Triebwelle gelagert ist. Von der Triebwerkswelle zweigen, durch Winkelräder getrieben, schräg nach den Farbkufen zu gerichtete Wellen ab, welche zwei gegen einander stehende Reibungsscheiben tragen. Zwischen diese treten zu beiden Seiten der Welle die mit Reibungsrollen versehenen Endzapfen der Haspelachsen, so daſs also gleichzeitig zwei benachbarte Haspel von einer Zweigwelle aus getrieben werden. Die Lager der Endzapfen mit den Reibungsrollen sind in der Achsenrichtung der Zweigwelle verstellbar, so daſs jede Reibungsrolle mit der oberen oder unteren Reibungsscheibe in Berührung gebracht, also jede beliebige Drehungsrichtung erhalten werden kann. Durch ein Verschieben der Reibungsrollen auf den Haspelachsen läſst sich die Geschwindigkeit des Gewebedurchzuges ändern.

Noch weitergehend versehen Calvert und Comp. in Huddersfield (daselbst 1885 * S. 454), um die Bewegung der Farbkufenhaspel vollkommen unabhängig von einem Triebwerke im Färbereiraume zu machen, die Farbkufen mit besonderen kleinen Dampfmaschinen, wie dies ja in neuerer Zeit für Appreturmaschinen vielfach geschieht. Die Schwungradwelle der Dampfmaschine treibt mittels eines Zahnradvorgeleges auf die Haspelachse und die Dampfmaschine ist mit einer leicht zu handhabenden Umsteuerung versehen.

Das Färben der neuerdings sich gröſserer Beliebtheit erfreuenden gewirkten Stoffe kann auf einfachen, mit einem Haspel versehenen Färbekufen nicht vorgenommen werden. Es tritt hier die groſse Elasticität dieser Waaren und das Bestreben derselben, sich einzurollen, hindernd auf. Um dies zu vermeiden, ist die Waare gespannt gehalten durch das Farbebad zu führen. Eine in der Färberei von L. Hermsdorf in Chemnitz benutzte Maschine (* D. R. P. Nr. 33590 vom 11. Juni 1885) sucht dieser Anforderung nachzukommen.

In der mit einem hölzernen Siebboden R versehenen hölzernen Farbkufe A (Fig. 4 Taf. 8), in welcher das Farbebad durch eine Dampfschlange s kochend erhalten wird, liegt die von einem Wendegetriebe aus in Drehung zu versetzende volle Zugwalze C. An derselben wird die umgelegte Waare durch Druckwalzen D gehalten. Bei der abwechselnden |123| Hin- und Herdrehung der Walze C wickelt sich die Waare immer von der einen Rolle E ab und auf die andere Rolle E auf. Die Rollen E laufen mit ihren Endzapfen auf Bahnen am Gestelle und werden durch Gewichtshebel an die Walze C gedrückt.

Indem bei dieser Maschine die Waare an der vollen Walze C liegend, also nicht frei durch das Farbebad gezogen wird, kann die gute Durchfärbung beeinträchtigt werden. Dieser Uebelstand ist bei der von der Zittauer Maschinenfabrik und Eisengieſserei, Albert Kiesler und Comp. in Zittau (* D. R. P. Nr. 33923 vom 21. Juli 1885) ausgeführten Färbemaschine für gewirkte Stoffe vermieden. Wie aus Fig. 2 Taf. 8 zu entnehmen, wird der zu färbende Stoff in dem Farbebade um drei Rollenkreuze C liegend durch dieselben gespannt erhalten. Die Rollen r dieser Kreuze sind leicht drehbar und die Kreuze werden unter einander und von den Wickelwalzen E durch Räder entsprechend der Stoffgeschwindigkeit getrieben. Durch Verschieben der Kuppelmuffe K und K1 erhält die eine der beiden Walzen E von der Achse W aus Drehung und so wird wie vorhin der Stoff abwechselnd nach beiden Richtungen durch das Farbebad gezogen. Indem der Stoff hierbei durch die Drehung der Rollenkreuze sanft geschlagen wird, ohne seine Spannung zu verlieren, kann die gute Durchfärbung nur unterstützt werden.

Auf den beiden beschriebenen Maschinen können gewirkte Stoffe nach dem Färben natürlich auch ausgewaschen werden.

Sammetartige Gewebe benöthigen für das Waschen und Färben ebenfalls besondere Maschinen (vgl. Albert 1879 234 * 190). Es legt sich bei diesen Geweben die Haardecke durch die Flüssigkeitswirkung leicht nieder und um dies zu vermeiden, muſs die Waare während des Waschens und Färbens geschlagen werden. Eine Maschine zur Ausführung dieser Arbeit, bei welcher das Gewebe auf- und absteigend um eine senkrechte Reihe von Schlägerwellen geführt wird, hat J. Worrall in Ordsall bei Salford (Englisches Patent 1882 Nr. 3221, vgl. * D. R. P. Nr. 18971 vom 29. Januar 1882, ertheilt an M. Menger in Berlin) in Vorschlag gebracht. Bei einem neueren Vorschlage (* D. R. P. Nr. 32707 vom 24. December 1884) hat Worrall die Schlag er wellen im Kreise an einem achteckigen Rahmen angeordnet und dadurch die einzelnen Theile der Maschine leichter zugänglich gemacht.

Die in Lagern an dem Rahmen R (Fig. 7 Taf. 8) ruhenden Schläger S und S1 liegen in zwei verschiedenen Kreisen; die inneren Schläger werden von einem gemeinschaftlichen groſsen Zahnrade aus unmittelbar, die äuſseren Schläger von den inneren durch Zwischenräder betrieben. Das zu behandelnde Gewebe wird von oben über Führungswalzen w und zwischen den Schlägern um den Rahmen R über Walzen l herumgeführt und taucht dabei auf der unteren Hälfte des letzteren in die im Troge A befindliche Flüssigkeit. Die Zuleitung der Flüssigkeit erfolgt an das Gewebe durch die oberen äuſseren Schläger S1, welche die in Fig. 5 |124| und 6 Taf. 8 veranschaulichte Ausführung besitzen. Die Flüssigkeit tritt durch die hohle Achse C der Schläger und durch deren hohle Arme a in die rohrförmigen Schlagleisten L und aus denselben durch Schlitze an das Gewebe. Damit nur die gerade das Gewebe berührenden Schlagleisten Flüssigkeit abgeben, ein Umherspritzen derselben also vermieden wird, drehen sich die Hohlachsen C der Schläger auf festen Rohren r, welche nur auf der dem Gewebe zugekehrten Seite einen Schlitz besitzen.

Bei Benutzung dieser Maschine, in welcher das Gewebe mit der Haardecke nach auſsen zu läuft, soll durch die Wirkung der Schläger nicht bloſs ein Niederlegen der Haardecke verhindert, sondern es sollen auch die einzelnen Härchen derselben so von einander getrennt werden, daſs das sonst erfolgende nachherige Bürsten wegfallen kann.

Die gebräuchlichen Maschinen zum Auswaschen des Gewebes nach dem Färben, wo die Gewebe, wie bei Wollstoffen, in voller Breite liegend behandelt werden, besitzen gewöhnlich unter den Preſswalzen einen Trog von gekrümmter Bodenform. W. Kempe und Comp. in Leeds suchen nun die Uebelstände dieser Form, welche in einem ungleichen Abrutsche des gefalteten Gewebes und leichter Verwickelung desselben bestehen, durch eine stellbare Winkelform des Troges zu beseitigen. Wie aus Fig. 9 Taf. 8 ersichtlich ist, faltet sich das von der Zugwalze c abfallende Gewebe auf dem schrägen Boden B und rutscht auf demselben durch die gerade Form gleichmäſsig abwärts gegen die feste schräge Wand A, um auf dieser wieder aufwärts durch das Spannzeug t zu den Preſswalzen a, b gezogen zu werden. Der Boden B ist um Gelenke am unteren Ende drehbar und mittels Handrad h und Schraube s verschieden schräg einzustellen, um bei den verschiedenen Geweben immer gleichen Abrutsch zu erhalten. Der schräge Aufzug des Gewebes an der Wand A an Stelle des gewöhnlichen senkrecht erfolgenden Aufstieges vermeidet ein Zurückschlagen der unteren Gewebelagen in dem Troge und damit schädliche Verwickelungen. Der Boden B erhält noch Leisten f zur seitlichen Führung des Gewebes und ist mit verzinktem Blech belegt.

Auch die Preſswalzen a, b sind bei dieser in England patentirten Maschine (vgl. Textile Manufacturer, 1886 * S. 293) neuartig angeordnet. Die untere Walze a ist von Metall mit einem galvanischen Ueberzuge, welcher Säuren gut widersteht, Die obere Walze b besteht aus auf eine viereckige Achse gepreſsten Gewebescheiben von demselben Faserstoffe als die zu behandelnden Waaren, worauf die Erbauer besonders Werth legen.

Die beschriebene Maschine ist gleich gut auch als Breitwaschmaschine für zu walkende Stoffe verwendbar.

Eine vielfach namentlich in Bleichereien benutzte Waschmaschine ist die von Bridson in Bolton le Moors (Englisches Patent 1852 Nr. 96) angegebene, von Jackson in Bolton gebaute. Bei dieser Maschine wird das im Strange laufende Gewebe in der Waschflüssigkeit durch die Drehung |125| zweier Flügelwellen S (Fig. 1 Taf. 8) geschlagen, indem das um dieselben gelegte Gewebe immer gegen eine feste Wand R trifft. Die vom Gewebestrange aufgenommene Flüssigkeit wird dann durch ein über dem Troge T angeordnetes Walzenpaar A, B wieder ausgepreſst, worauf die Waare noch auf einer gewöhnlichen Walzenwaschmaschine zur Behandlung kommt. Um nun diese letztere Arbeit gleich auf der Bridson'schen Waschmaschine mit vorzunehmen, haben Davies und Eckersley nach dem Textile Manufacturer, 1884 * S. 469 unter dem Walzenpaare A, B noch einen Waschflüssigkeitstrog T1 mit Leitrollen angebracht. Der aus dem Troge T aufsteigende Gewebestrang wird nun mehrere Male um die Leitwalzen und die untere Walze B herumgeführt und dabei aus dem Rohre d immer bespritzt.

Auf der Erfindungsausstellung in London 1885 zeigten Mather und Platt in Salford auch eine Waschmaschine für bedruckte Gewebe, sogen. „Open Soaping Machine“. Dieselbe ist in Fig. 3 Taf. 8 veranschaulicht und besitzt hiernach 7 Bottiche B1 bis B7 und die ansehnliche Länge von 8m. Das in voller Breite laufende Gewebe erfährt folgende Behandlung: 1) Einweichen, 2) Kaltwaschen, 3) Heiſswaschen, 4) und 5) Einseifen, 6) Heiſswaschen und 7) Kaltwaschen. Das Einweichen und erste Kaltwaschen löst und entfernt einen groſsen Theil der Farben-verdickungsmittel und das darauf folgende Heiſswaschen erleichtert die Aufnahme der Seife. Der Bottich B5 erhält frische Seifenlösung und versorgt damit den Bottich B5. Das Kalt- und Heiſswaschen nach dem Seifen entfernt gründlich alle Verdickungsmittel und das Gewebe verläſst die Maschine durch ein Preſswalzenpaar aus einer Messing-Unterwalze und einer Hirnholz-Oberwalze. Das kalte Wasser tritt durch Spritzrohre s unmittelbar an das Gewebe; das warme Wasser gelangt durch die Rohre r am Boden der Bottiche in dieselben.

Wesentlich an dieser Maschine sind die Schläger S, von denen einer je im Kalt- und Warmbottiche B2 und B3 und zwei im Seifenbottiche B4 angebracht sind. Diese Schläger sind mit Gummistreifen besetzte Holzwalzen, welche so schnell umlaufen, daſs das Gewebe in der Minute etwa 2000 bis 3000 Schläge erhält. Dabei ist die Drehungsrichtung der Schläger gleich mit der Laufrichtung des Gewebes, welches mit einer Geschwindigkeit von etwa 70m in der Minute durch die Maschine gezogen wird. Die Leitwalzen für das Gewebe um die Schläger S sollen in besonderen Fällen auch aus gelochten Kupferrohren hergestellt werden. Walzen w von Kreuzquerschnitt in den übrigen Bottichen vermitteln eine schüttelnde Bewegung des Gewebes. Vor den üblichen Preſswalzen sind immer Breithalter b angebracht.

Aehnliche Maschinen zu gleichem Zwecke bauen auch J. Hawthorn und Comp. in Stockport.

Die Waschmaschine von O. Reilly in Westerly, Nordamerika, besitzt ähnliche Einrichtung zum Schlagen des Gewebes. In Fig. 8 Taf. 8 ist |126| eine solche Maschine mit 3 Bottichen A, B und C zum Einweichen, Seifen und Spülen veranschaulicht. Jeder Bottich besitzt ein Preſswalzenpaar und die beiden letzten Bottiche enthalten gegen das Gewebe laufende, mit Gummistreifen versehene Walzen w. Im Bottiche B3 spritzen Rohre s das Spülwasser gegen das laufende Gewebe.

G. Rohn.

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Vgl. auch * D. R. P. Kl. 8 Nr. 36404 vom 3. März 1885. Red.

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Vgl. Obermaier u.a. 1884 253 * 126. 254 * 205. 1885 257 * 319.

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