Titel: Ueber Neuerungen an Regulatoren für Dampfmaschinen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1886, Band 261 (S. 185–192)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj261/ar261063

Ueber Neuerungen an Regulatoren für Dampfmaschinen.

(Patentklasse 60. Fortsetzung des Berichtes Bd. 259 S. 433.)

Mit Abbildungen auf Tafel 12.

Um den Raumbedarf der Theile eines Centrifugalregulators möglichst zu vermindern, wollen Wm. Platz Söhne in Weinheim i. B. (* D. R. P. Nr. 33473 vom 16. Juni 1885) die Schwunggewichte so gestalten, daſs sie, wie aus Fig. 1 Taf. 12 zu entnehmen, um eine im Kopfe der Regulatorspindel angebrachte Achse sich drehen können und im zusammengeklappten Zustande eine zweitheilige Kapsel von der Form eines Drehkörpers bilden, in dessen Innerem das Belastungsgewicht und die Gelenke, welche dieses mit den Schwunggewichten verbinden, untergebracht sind.

Steph. Quast in M.-Gladbach (* D. R. P. Nr. 33449 vom 27. Mai 1885) will bei seinem Centrifugalregulator mit indirekter Uebertragung auf die innere Steuerung (vgl. 1883 247 * 234) durch die in Fig. 2 Taf. 12 ersichtliche Verbindung des Belastungsgewichtes a mit dem Muffe b bezwecken, daſs beim Stillstellen der Dampfmaschine die Steuerung stets auf den gröſstmöglichen Füllungsgrad durch den Regulator gestellt wird, hierbei aber der Muff von dem Gewichte a nicht belastet ist, so daſs das Anlassen der Maschine bei dem gröſsten Füllungsgrade leicht erfolgen kann; der Regulator stellt sich dann aber sofort auf eine kleinere, der Belastung der Maschine entsprechende Füllung ein. Hierzu ist das Gewicht a auf dem Muffe b verschiebbar angeordnet und ruht auf diesem, bis beim Stillstehen der Maschine die Kugeln in die punktirt angegebene tiefste Lage sinken; dann setzt sich das Gewicht a auf den Ansätze der Regulatorspindel und die Feder e drückt den Muff b noch weiter abwärts, so daſs die gröſste Füllung eingestellt wird. Beim Anlassen der Maschine wird der entlastete Muff sofort wieder in die Höhe steigen.

Zur Verstärkung der Wirkung eines auf eine Drosselklappe unmittelbar einwirkenden Centrifugalregulators bringen W. Collamore in Warren und W. Ackroyd in Bradford (* D. R. P. Nr. 34985 vom 14. Oktober 1885) ein Hilfsgewicht g (Fig. 7 Taf. 12) mit dem Gewichtsmuffe b in Verbindung. Hierzu ist mit letzterem eine abwärts gerichtete Zahnstange z verbunden, welche in einen am Gestelle des Regulators drehbar gelagerten Zahnbogen z1 eingreift. Auf der Achse desselben sitzt ein Hebel, der an seinem Ende das Gewicht g trägt. In der Mittellage des Muffes b steht der Hebel lothrecht, das Gewicht g übt also keine Wirkung aus; heben oder senken sich die Schwungkugeln und damit der Muff b aus der Mittellage, so wird der Zahnbogen z1 bewegt und entsprechend dreht sich der belastete Hebel nach links oder rechts, so daſs das Hilfsgewicht mit wachsendem Hebelarme im ersten Falle dem Belastungsgewichte entgegen wirkt, im zweiten Falle dasselbe verstärkt. Diese Einrichtung wird von Pollit und Wigzell in Sowerby Bridge, England, ausgeführt.

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Damit bei einem Reiſsen des die Regulatorspindel treibenden Riemens oder bei einem Bruche in dem dieselbe bewegenden Getriebe der Centrifugalregulator sofort das Drosselventil schlieſst und diese Wirkung nicht durch Reibung in Stopfbüchsen und zahlreichen Gelenken gehemmt wird, legt Mac Farlane nach Engineering, 1885 Bd. 40 * S. 514 den Regulator in die Dampfleitung. Fig. 8 Taf. 12 zeigt eine diesbezügliche, von Mathew Taylor Brown in Glasgow in den Handel gebrachte Anordnung. Die Schwunggewichte A bewegen sich in dem Gehäuse B, durch welches der Dampf zur Maschine strömt. Die treibende Riemenscheibe X bewegt die hohle Welle I, welche mit Armen versehen ist, in denen die Gelenkachsen E liegen. Die Schwunggewichte A gehen in Winkelhebel über, deren andere Enden den Muff F und damit die kurze Stange G des Drosselventiles bewegen. Dem Ausfliegen der Schwunggewichte wirkt die Feder H entgegen. Das Drosselventil bewegt sich als Cylinderschieber C in der Glocke L des Absperrventiles K, dessen von Hand bewirkte Einstellung durch den Zeiger R an dem mit Marken versehenen Umfange des Handrades Q angegeben wird. Die Cylindertheile C und L sind mit ringsum laufenden Löchern versehen, welche je nach der Stellung der Schwungkugeln sich mehr oder weniger decken, also den durchströmenden Dampf mehr oder weniger drosseln. Das Absperrventil K darf bei dieser Vorrichtung sich nur in den Endlagen befinden, wobei es also entweder geschlossen, oder vollständig geöffnet ist.

R. Proell in Dresden hat für seinen Centrifugalregulator, welcher die Aufgabe hat, die Voreilung und den Hub eines Schieberexcenters zu verstellen, eine weitere Verbesserung (* D. R. P. Nr. 33338 vom 8. März 1885, II. Zusatz zu * Nr. 29730, vgl. 1885 256 * 14. 1886 259 435) angegeben. Im Hauptpatente ist die Anordnung derart, daſs bei der Verstellung des Excenters nach beiden Richtungen hin die Centralcurve im Zeuner'schen Diagramm eine archimedische Spirale wird. Bei der neuen Excenterverstellung ist diese durch einen Kreisbogen ersetzt, indem mit der Schwungrad welle ein Excenter fest verbunden und um dieses ein zweites Excenter, welches die Schieberbewegung bewirkt, drehbar ist und durch den Ausschlag der Schwungkugeln verstellt wird. (Vgl. hierzu die a. f. S. beschriebene Einrichtung von Heslop.)

Für schnell laufende Dampfmaschinen ist ein von Arth. Mehlhorn in Dresden (* D. R. P. Kl. 14 Nr. 33215 vom 23. April 1885) angebener Centrifugalregulator bestimmt, welcher wie der Regulator von Lecouteux und Garnier (vgl. 1886 259 * 436) im Schwungrade der Dampfmaschine untergebracht ist und unmittelbar das Schieber excenter nach Hub und Voreilung verstellt. An dem mit einem Schlitzloche versehenen Excenter E (Fig. 3 Taf. 12) sind zwei gegenüber stehende Stangen s befestigt, welche am Kranze des Schwungrades geführt werden. Auf der einen Stange s sitzt die Schwungkugel G, auf die andere Stange s ist die Feder F aufgeschoben, welche der Centrifugalkraft der ersteren entgegenwirkt. Die |187| Anordnung besitzt groſse Einfachheit und soll sich für Umlaufszahlen bis zu 1000 bewähren.

Um ein Schieberexcenter nach Hub und Voreilung durch eine entlang der Achse gerichtete, vom Regulator beeinfluſste Bewegung zu verstellen, hat Mathew Heslop in London (* D. R. P. Kl. 47 Nr. 34763 vom 21. Mai 1885) die in Fig. 11 und 12 Taf. 12 dargestellte Anordnung getroffen. Das den Dampfmaschinenschieber o. dgl. bewegende Excenter a ist auf dem fest auf der Welle e sitzenden Excenter g drehbar, so daſs sich bei Verdrehung von a die beiden Excentricitäten gegenseitig verringern oder vermehren. Die Drehung des Excenters a vermitteln die Stangen w, welche mit einem Ende fest in der auf der Welle e lose drehbaren Scheibe q befestigt sind und mit dem anderen Ende in Schlitze r und s am Excenter a (vgl. Fig. 11) greifen. Wenn die Stangen n um die Welle e gedreht werden, gleiten die Enden in den Schlitzen r und s und dadurch erfolgt die Verstellung von a auf g. Die Stangen n reichen durch die Scheibe l, welche längs der auf der Welle e festen Hülse d verschiebbar ist, dabei aber, indem eine Feder an der Scheibe l in einer Schraubennuth p an der Hülse gleitet, gedreht wird und somit auch die Stangen n verdreht.

Für Centrifugalregulatoren mit unmittelbarer Uebertragung ist noch ein Vorschlag von Ludw. Becker in Offenbach a. M. (* D. R. P. Nr. 33466 vom 12. April 1885) anzuführen, welcher die Benutzung des Drosselventiles als Absperrventil ermöglicht, ohne daſs hierbei der Regulator in Mitleidenschaft gezogen wird (vgl. Schaff er und Budenberg 1886 259 * 433). Hierzu wird von dem Regulatormuffe nach der Stange des Drosselventiles eine Hebelverbindung mit eingeschalteter Zugstange angeordnet. Dieselbe besteht aus zwei Theilen, welche durch eine Mutterhülse in feste Verbindung mit einander gebracht werden. Diese Hülse wird durch ein Handrad bethätigt, so daſs bei einem Drehen desselben nach der einen Richtung die Verbindung gelöst und der Stangentheil, welcher mit dem Drosselventile verbunden ist, bewegt, letzteres also geschlossen wird. Hierbei kann sich der obere, mit dem Muffe in Verbindung stehende Theil der Stange gegen den unteren Theil durch einen in einem Schlitze spielenden Querstift frei bewegen, ohne von diesem beeinfluſst zu werden.

Für indirekt wirkende Centrifugalregulatoren sind folgende Neuerungen zu erwähnen.

Eugen Klein in St. Petersburg (* D. R. P. Nr. 33817 vom 24. April 1885) verwendet bei einem indirekten Uebertrager das bekannte Wendegetriebe mit Reibungskegelrädern, wobei der gebräuchlichen Anordnung mit lothrechter Regulatorwelle gegenüber diese wagerecht auf dem Schieberkasten gelagert ist, so daſs das je nach dem Wechsel der Maschinengeschwindigkeit nach der einen oder anderen Richtung gedrehte getriebene Reibungsrad lothrecht steht. Die Achse des letzteren |188| trägt an ihrem unteren Ende eine Sehraube, die in ein unmittelbar auf der Spindel des Expansionsschiebers sitzendes Schneckenrad eingreift, so daſs durch dessen Verdrehung die Expansionsschieber verstellt werden, wie es z.B. bei der Meyer'schen Steuerung erfolgen kann.

Bei der von Berth. Zimmer in Berlin (* D. R. P. Nr. 33786 vom 28. Juni 1885) entworfenen Stell- und Sicherheitsvorrichtung für indirekt wirkende Centrifugalregulatoren ist ebenfalls ein Reibungswendegetriebe verwendet und das getriebene Rad, welches je nach dem Ausschlage der Schwungkugeln mit dem einen oder dem anderen treibenden Rade in Berührung kommt, also entsprechend die innere Steuerung nach der einen oder anderen Richtung verstellt, auf einer Welle befestigt, deren Lager in Gleitschienen durch einen Handhebel verstellt werden können. Wird hierdurch das getriebene Rad bei lothrechter Aufstellung des Regulators gehoben, so bleibt das Rad in Eingriff mit dem oberen treibenden Rade, auch wenn die mittlere Geschwindigkeit der Maschine überschritten ist; es wird also die vom Regulator bethätigte innere Steuerung noch weiter so verstellt, daſs die Dampffüllung vergröſsert wird. Somit kann durch Heben der getriebenen Achse die Geschwindigkeit der Maschine vergröſsert werden; der gröſseren Geschwindigkeit entspricht dann eine derart höhere Lage des treibenden oberen Rades, daſs dasselbe sich mit dem getriebenen Rade nicht mehr in Eingriff befindet. In gleicher Weise kann die gewöhnliche Geschwindigkeit durch Senken der getriebenen Achse verkleinert werden. Von dieser wird durch Riemenübertragung ein kleines Zahnrad bewegt, welches in eine Zahnstange greift, von der aus die innere Steuerung der Maschine unmittelbar beeinfluſst wird. Damit nun ein Ueberreguliren nicht stattfinden kann, also der Füllungsgrad nicht über eine gegebene obere bezieh. untere Grenze verändert wird, ist die erwähnte Zahnstange an den betreffenden Stellen mit je einem beweglichen Zahne versehen, der nach einer Richtung ausweicht, so daſs das Zahnrad die Stange nicht mehr vorwärts bewegen kann. Dieses Ausweichen findet jedoch erst statt, wenn der Zahn sich mitten unter dem Getriebe befindet, indem vorher ein in seitlichen Gleitbahnen sich führender Riegel den Zahn festhält und erst in der bezeichneten Lage des Zahnes denselben freiläſst. Um die Grenzen des Füllungsgrades auch ändern zu können, sollen einige solcher falschen Zähne in die Stange eingeschaltet werden, von welchen dann nur einer ausweichen kann, während die anderen durch eingesteckte Stifte festgestellt werden.

Eine zeitweise Bremsung der Schwungkugeln wollen A. Therkelsen und Jul. Bruun in Kopenhagen (* D. R. P. Nr. 33335 vom 27. Januar 1885) bei einem indirekt wirkenden Centrifugalregulator anwenden. Die Riemenscheibe N (Fig. 5 Taf. 12) treibt mittels der Kegelräderpaare a, c und b, h in entgegengesetzter Richtung, aber mit gleicher Geschwindigkeit, die beiden Hohlspindeln r3 und r4, in welchen die vollen Spindeln r1 |189| und r2 lose drehbar sind. Die Spindel r1 trägt den Schwungkugelregulator mit der durch die Schraube S regelbaren Belastungsfeder r5; unten sitzt fest auf r1 das Kegelrad g. Die Spindel r2 trägt oben das Umlaufrad k, welches in die Räder g und i eingreift, von denen letzteres das Ende der Spindel r4 bildet; unten sitzt auf r2 ein Stirnrad, das in eine Zahnstange l2 greift, welche die innere Steuerung des Motors bethätigt. Die Hohlspindel r3 ist oben als Planscheibe d ausgebildet, gegen welche bei mittlerer Geschwindigkeit die auf r1 verschiebbare Scheibe e unter dem Drucke der Feder r5 sich preſst. So lange dies geschieht, werden durch die Reibung die Spindeln r1 und r3 wie ein Stück, also g und i mit gleicher Geschwindigkeit gedreht, so daſs das Rad k an seinem Platze bleibt und sich nur um seine Achse dreht, ohne daſs die Spindel r2 eine Bewegung erhält. Wächst jedoch die Maschinengeschwindigkeit, so ziehen die ausfliegenden Kugeln s die Scheibe e aufwärts gegen eine durch den Arm n am Gestelle m befestigte Bremsscheibe f, oder die Kugelns treffen gegen einen Bremsring F; die Kuppelung zwischen d und e ist dann gelöst, die Spindel r1 wird gebremst und ihre Geschwindigkeit vermindert sich bis zum völligen Stillstande. Damit aber eilt das Rad g dem Rade i nach und bleibt schlieſslich gänzlich stehen, so daſs nunmehr das Umlaufrad k sich auf den Rädern i und g entsprechend abrollt und die Spindel r2, damit also die innere Steuerung bewegt wird.

In dieser Anordnung liegt aber ein Fehler. In der Patentschrift scheint nämlich angenommen zu sein, daſs die Spindel r1 sich auch schneller als die Spindel r4 drehen könne, so daſs das Rad g gegen das Rad i voreilt und hierdurch das Rad k wieder zurückrollt. Diese Annahme ist jedoch unmöglich: die Spindel r1 kann nur langsamer als r4 oder gleich schnell mit dieser laufen; dadurch aber wird das Umlaufrad k nur nach einer Richtung sich abrollen, also auch die Spindel r2 sich nur nach einer Richtung drehen können. Hieraus folgt aber, daſs die Zahnstange immer nur vorwärts und nie wieder zurück sich bewegen wird, was selbstverständlich unbrauchbar ist.

Auch die durch Fig. 6 Taf. 12 veranschaulichte, in der Patentschrift noch angegebene Anordnung zeigt denselben Fehler. Hier werden die Spindeln r3 und r4 in gleicher Richtung gedreht und ist r4 in der Nabe des Rades h verschiebbar, muſs sich jedoch mit dieser drehen. Die Spindel r1 ist mit Schraubengewinde v versehen, dessen Mutter in der Hülse r4 sich befindet, welche mit dem Muffe v3 versehen ist, von dem aus die innere Steuerung verstellt wird. Wenn die Patentschrift hierfür ausspricht, daſs r4 sich schneller oder langsamer als r1 drehen wird, so ist dies wiederum falsch; nur das erstere kann eintreten, also wird auch die Hülse r4 sich bloſs nach einer Richtung verschieben und damit die innere Steuerung nur entsprechend derselben verstellt werden.

Eine von P. W. Willems in Thames Ditton, England (* D. R. P. |190| Nr. 33462 vom 3. Januar 1885) vorgeschlagene Neuerung an Regelungsvorrichtungen, welche durch den elektrischen Strom einer Dynamomaschine in Thätigkeit gesetzt werden, betrifft die Construction des Drosselventiles. Der Regulator besteht aus einem Solenoid, durch dessen Windungen der elektrische Strom flieſst. Das Solenoid steuert das Drosselventil, welches die Form eines Doppelkolbenschiebers besitzt. Der Dampf kann durch das Schiebergehäuse zwischen die beiden Kolben treten und durch diese nach der Maschine strömen; hierbei regelt der eine Kolben den Zutritt des Dampfes und der andere sperrt denselben vollständig ab, wenn der elektrische Strom durch Zufall unterbrochen werden sollte. (Vgl. Neville und Richardson 1886 260 * 119.)

Für Regulatoren mit indirekter Uebertragung durch Dampf kraft (vgl. Guhrauer und C. Wagner 1884 251 200. C. v. Lüde 1884 251 201) will H. F. Fricke in Magdeburg (* D. R. P. Nr. 34570 vom 25. Juli 1885) eine Doppelkolbenschieber-Steuerung von der in Fig. 9 Taf. 12 dargestellten Construction für die kleine Dampfmaschine, welche die innere Steuerung einer zu regulirenden Dampfmaschine bethätigt, anwenden. Der Regulatormuff b bewegt durch einen Hebel e einen durchbohrten Kolbenschieber c, der von einem zweiten Kolbenschieber d umgeben ist, welch letzterer mittels einer Stange l an den zwischen Kolbenstange und innere Steuerung geschalteten Hebel k gehängt ist. Die beiden Schieber c und d liegen in einem Gehäuse, an das die Dampfzu- und Ableitung n und h, sowie die zum Cylinder der Hilfsmaschine führenden Kanäle g und m anschlieſsen. Der innere Kolbenschieber c gestattet somit, je nach der Stellung des Regulatormuffes, dem Dampfe über oder unter den Kolben a zu strömen, so daſs eine entsprechende Bewegung desselben eintritt, welche durch den Hebel k auf die innere Steuerung übertragen wird. Der äuſsere Kolbenschieber d bewegt sich gleichartig mit dem Kolben a der Hilfsmaschine; durch die gegenseitige Bewegung der beiden Schieber wird nun das rechtzeitige Einströmen des Dampfes und das Abschlieſsen desselben erreicht. Zur Aufhebung des todten Ganges in den Gelenken ist eine einseitige Belastung der beiden Schieber dadurch erreicht, daſs der innere Schieber c an seinem unteren Ende im Durchmesser etwas kleiner als auf der übrigen Länge genommen ist; entsprechend ist die Bohrung im äuſseren Schieber d unten und oben etwas verschieden. Hierdurch drückt der Dampf den Schieber c stets nach unten und den äuſseren Schieber d stets nach oben.

Die indirekte Uebertragung kann bei Regulatoren auch mit Hilfe des von Ernst Kuhlo in Stettin (* D. R. P. Kl. 47 Nr. 33896 vom 8. April 1885) angegebenen elektrisch gesteuerten Wendegetriebes erfolgen. Auf der angetriebenen Welle w (Fig. 10 Taf. 12) sitzen fest zwei Paar Elektromagnete m und m1 und lose zwei am Kranze, den Kernen der Elektromagnete gegenüber, mit Löchern versehene Scheiben s und s1, welch letztere mittels eines offenen bezieh. geschränkten Riemens auf die |191| Welle w1 treiben. Die Zuleitung des Stromes in die Umwickelungen der Elektromagnete erfolgt durch Schleiffedern e und e1. Sobald nun das Ende des von der Regulatorhülse geführten Hebels z einen der Contacte c und c1 berührt, wird der elektrische Strom in das entsprechende Elektromagnetpaar geleitet, dadurch von dessen Kernen die zugehörige Scheibe s bezieh. s1 angezogen und durch Eintreten der Kerne in die Löcher der Scheibe gekuppelt; die Welle w1 wird dann entsprechend rechts oder links gedreht.

Es ist noch die Regulireinrichtung der Elektrotechnischen Fabrik Cannstatt und der Maschinenfabrik Eſslingen (* D. R. P. Nr. 34232 vom 27. Januar 1885) zu erwähnen, welche allerdings nicht dazu bestimmt ist, den Füllungsgrad einer Dampfmaschine zu regeln, sondern dem Zwecke dienen soll, bei wechselnder Geschwindigkeit einer treibenden Welle innerhalb bestimmter Grenzen eine gleichmäſsige Geschwindigkeit der getriebenen Welle zu erhalten und beim Ueberschreiten dieser Grenzen ein sofortiges Auslösen der mit der getriebenen Welle verbundenen Maschinen oder Apparate zu bewirken. Hierzu ist auf beiden Wellen je ein Riemenkegel angebracht; der um diese gelegte Riemen wird durch einen Centrifugalregulator mit indirekter Uebertragung durch Kegelräderwendegetriebe mit Reibungskuppelung mittels eines Riemenführers verstellt, welcher auf einer in Drehung versetzten Schraube mit Muttergewinde aufgesetzt ist. Hierbei ist die Anordnung des Regulators so getroffen, daſs, sobald die getriebene Welle wieder die richtige Geschwindigkeit angenommen hat, die Reibungskuppelung ausgelöst wird, also ein Ueberreguliren vermieden ist. Die Regulatorwelle wird von der getriebenen Welle durch Riemen in Drehung versetzt. Damit nun, sobald die Geschwindigkeit der getriebenen Welle ihr zulässig gröſstes oder kleinstes Maſs erreicht hat, sofort eine Auslösung der zu treibenden Maschinen erfolgt, sind zwei Klinkenapparate angeordnet, von welchen je einer durch den Riemenführer ausgelöst wird, sobald derselbe den Riemen in die äuſserste Stellung rechts bezieh. links geschoben hat. Die Auslösung erfolgt durch die Wirkung einer Feder und wird dabei eine Stange, welche die Kuppelung bethätigt, aufwärts geschnellt.

Die von W. Mason in Boston (* D. R. P. Nr. 32438 vom 11. Februar 1885) angegebene Regulirvorrichtung ist im Besonderen für Dampfpumpen berechnet und befindet sich, wie Fig. 4 Taf. 12 zeigt, in einem verschlossenen Gehäuse. Von der Kolbenstange der Maschine aus wird durch einen schwingenden Hebel l die im Gehäuse, dessen unterer Theil b mit passender Flüssigkeit gefüllt wird, angeordnete doppelt wirkende Plungerpumpe a bewegt, so daſs von der in b vorhandenen Flüssigkeit durch Seitenkanäle eine gewisse Menge nach dem Sammelbehälter f gedrückt wird, um von hier aus wieder nach b zurückzuflieſsen. Zufluſs wie Rückfluſs sind durch Ventile regelbar, so daſs bei gewöhnlichem Gange der Maschine die gleich groſse Menge Flüssigkeit durch die Regulatorpumpe |192| nach f gedrückt wird und wieder zurückflieſst, also der in f befindliche Kolben h in seiner mittleren Lage bleibt. Wird dagegen der Gang der Maschine, also auch derjenige der Pumpe schneller oder langsamer, so wird die Menge der nach f gedrückten Flüssigkeit gröſser oder kleiner als die Menge der fortdauernd zurückflieſsenden und damit hebt bezieh. senkt sich der Kolben h, wodurch die Drosselklappe der Dampfmaschine mittels Gestänges t entsprechend verstellt wird. Zur Verhütung plötzlicher Bewegungen ist der Kolben h noch mit einer Flüssigkeitsbremse n versehen. – Den Mason'schen Regulator, welcher bereits bei groſsen Pumpwerken in Amerika Anwendung gefunden, bringen in Europa Haskins, Davis und Comp. in London in den Handel.

Zum Schlusse möge auf eine Abhandlung von Prof. Gust. Herrmann in der Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure, 1886 * S. 253, betitelt „Die graphische Untersuchung der Centrifugalregulatoren“ aufmerksam gemacht werden, welche darlegt, wie auf zeichnerischem Wege eine genaue Bestimmung der Tachometer verschiedener Construction möglich ist.

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