Titel: Neuere chemische Apparate für Fabrikbetrieb.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1886, Band 261 (S. 258–260)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj261/ar261090

Neuere chemische Apparate für Fabrikbetrieb.

Patentklasse 12. Mit Abbildungen auf Tafel 17.

Zur Wiedergewinnung von Schwefelsäureanhydrid aus Gemengen organischer Farbstoffe und ähnlichen Gemischen will P. Schulze-Berge in Brooklyn (* D. R. P. Nr. 35620 vom 4. August 1885) diese Gemenge unter solcher Druckverminderung destilliren, daſs die organischen Stoffe dabei nicht zersetzt werden.

Der hierfür bestimmte, in Fig. 6 Taf. 17 veranschaulichte Apparat besteht aus einem liegenden langen runden Kessel, welcher durch eine Querwand C in zwei Abtheilungen A und B zerlegt wird, die durch eine Oeffnung o mit einander in Verbindung stehen. In der Abtheilung A stehen die Abdampfschalen n auf Dampfröhren b, während die in der Abtheilung B befindliche, mit Oeffnung v versehene Vorlage D von Kühlröhren e umgeben ist.

Bei Verwendung des Apparates löst man die Endplatten E, schiebt die Vorlage D ein und füllt die Pfannen n mit der Schwefelsäureanhydrid haltigen Mischung. Dann werden die Endplatten wieder luftdicht aufgeschraubt und der Cylinder AB wird durch die Röhre H mit dem stehenden Cylinder G verbunden. Der Hahn u wird geschlossen, die Hähne a, h und g geöffnet und trockene Kohlensäure durch beide Cylinder AB und G geleitet. Die Kohlensäure verdrängt die Luft im Cylinder AB und entweicht durch den Hahn g aus dem Behälter F. Ist die Luft verdrängt, so schlieſst man die Hähne a und g und füllt den Behälter F mit Natronlauge. Oeffnet man nun den Hahn g, so fällt die Lauge von |259| der Brause f in den Cylinder G nieder, löst begierig Kohlensäure und stellt so im Cylinder A und G eine Luftverdünnung her, deren Grad durch das Barometer J angegeben wird. Der Hahn h wird dann geschlossen. Nachdem so in den Kammern A und B Luftleere hergestellt ist, wird kaltes Wasser durch die Kühlröhren e und Dampf durch die Heizröhren b geführt. Nun destillirt Schwefelsäureanhydrid reichlich über aus einem Gemenge, in welchem überschüssiges Schwefelsäureanhydrid oder rauchende Schwefelsäure vorhanden ist, und verdichtet als ein krystallinisches Sublimat in der gekühlten Vorlage D.

R. Richter in Halle a. S. (* D. R. P. Nr. 35121 vom 30. Mai 1885) will bei Gasentwickelungsapparaten durch selbstthätigen Kreislauf der Säure eine bessere Ausnutzung derselben erzielen. Der verfügbare Druck wird durch das Verhältniſs zwischen dem Luftraume in dem Hute S (Fig. 1 und 2 Taf. 17) und dem über der Säure in dem mit Sicherheitsventil e versehenen Behälter A geregelt.

Das Gefäſs B wird so weit mit Wasser gefüllt, daſs dasselbe bis an den Schutzkorb q reicht. Das erforderliche Salz wird auf den Siebboden f gelegt, der Behälter A entsprechend der Marke am Standglase c mit Säure gefüllt und nach Verschluſs beider Gefäſse der bis dahin verschlossen gewesene Hahn o geöffnet. Die Säure wird dann durch ihr Eigengewicht aus dem Behälter A. das Ventil p emporhebend, mittels des Rohres i nach den Salzen auf dem Boden f abflieſsen und in Folge dessen sich das Mischgefäſs in seinem Raume über dem Siebboden f mit den sich entwickelnden Gasen erfüllen und letztere werden dann in kurzer Zeit im Inneren des Gefäſses B einen Druck ausüben. Dieser Druck wird zunächst verhindern, daſs Säure aus dem Rohre i ausflieſst; gleichzeitig wird die aus den Salzen abflieſsende Säure durch das Sieb f und mit ihr ein Theil des Wassers daselbst in den Hut S gedrückt. In Folge dessen wird sämmtliche in diesem Hute befindliche Luft durch das Rohr k, da dieses bis nahe unter den Deckel des Hutes S reicht, nach dem Luftraume über der Säure im Behälter A getrieben.

Ist nun der Luftstrom im Hute gleich groſs wie der Luftraum über der Säure in A, so ist nunmehr die Luft aus beiden Räumen in dem Behälter A auf die Hälfte ihres Volumens zusammengedrückt und übt in demselben einen Druck von 2at aus. Die Säure flieſst deshalb in Folge ihres wieder in Wirksamkeit tretenden Eigengewichtes von Neuem aus dem Rohre i in die Salze auf dem Siebboden f; es entstehen wieder neue Gase, welche nunmehr, nachdem die Luft aus dem Hute S entfernt ist, die Säureflüssigkeit aus dem Mischgefäſse B durch das Rohr k nach dem Behälter A drücken.

Dieser Vorgang dauert so lange, bis sich der Druck in dem Behälter A und dem Gefäſse B ausgeglichen hat, d.h. in dem vorliegenden Falle, bis auch in dem Gefäſse B ein Druck von reichlich 2at vorhanden ist; es wird alsdann der Säurezufluſs aus dem Rohre i abermals aufhören und es werden sich, von der unerheblichen Nachentwickelung abgesehen, nunmehr keine neuen Gase entwickeln, so lange, bis der zunehmende Druck in dem Gefäſse B hinreichend Säure nach dem Behälter A zurückgeschafft hat, oder bis durch das Rohr y Gas zum Waschapparate C abgelassen wird.

Zur Regelung des Druckes sowie zur Beseitigung etwaiger Störungen in dem Apparate läſst sich das Rohr l benutzen, indem man durch dasselbe mittels einer entsprechenden Drehung des Dreiwegehahnes v den Luftraum in dem Behälter A mit dem Gasentwickelungsraume in dem Gefäſse B in Verbindung setzen kann. Ebenso kann man auch die Gasentwickelung erforderlichenfalls besonders verstärken, indem man mittels einer weiteren entsprechenden Drehung des Dreiwegehahnes v den Salzen in dem Gefäſse B Säure aus dem Behälter A durch die Rohre m und l von oben her zuführt: damit dieselbe möglichst gleichmäſsig |260| zur Vertheilung und Wirksamkeit kommt, ist unter dem Ausflusse des Rohres l der Säurevertheiler h vorgesehen.

Vier kleine Oeffnungen b in der Scheidewand o vermitteln erforderlichenfalls, wenn die Säure in Folge falscher Handhabung des Apparates nicht mehr über die Oberkante der Scheidewand a ilieſsen würde, den Uebertritt derselben. Das Gas tritt durch Rohr y in den unten offenen Cylinder s, wird durch Rohr z unten in den Waschcylinder t und von hier aus durch Rohr n unten in den Cylinder u geführt, um so nach 3 maliger Waschung durch das Rohr g zu entweichen.

Der in Fig. 3 bis 5 Taf. 17 dargestellte Calcinirofen der Universal Concentrating Company in Camden, Nordamerika (* D. R. P. Nr. 32690 vom 26. April 1884) soll namentlich dazu dienen, die bei der Herstellung von Holzzellstoff erhaltenen Natronlaugen zu verarbeiten.

Zu beiden Seiten des Feuerraumes A befinden sich drei Kanäle b, welche durch Kanäle v und S mit dem Schornsteine in Verbindung stehen, um bei Beginn des Heizens die Gase abzuführen. Dann werden diese Kanäle geschlossen und der Schieber s wird ausgezogen, so daſs die Flamme durch die Oeffnung e in den Verbrennungsraum B schlägt. Die durch die Thür t eintretende Luft soll durch die eingemauerte Zunge d zum Kanäle c geleitet werden, um vorgewärmt in den Brennraum B zu gelangen. Die Lauge flieſst aus dem Behälter D durch das Rohr r über die Mulden a auf den Herd h. Die festen Salzmassen werden in den mit Laufkränzen L auf Rollen x drehbaren Cylinder C geworfen, welcher durch Roste u (Fig. 4) in 3 Abtheilungen zerlegt ist. Das durch diese Behandlung zerkleinerte Salz wird durch die Thüren z entleert.

Recht sonderbar ist der Vorschlag, in den Feuerraum A zur Beförderung der Verbrennung Wasserdampf einzuleiten. Wie die Reinigung der Mulden a ausgeführt werden soll, ist nicht angegeben.

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