Titel: Ueber das Sehen in die Ferne mittels Elektricität.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1886, Band 261 (S. 467–475)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj261/ar261159

Ueber das Sehen in die Ferne mittels Elektricität.

Patentklasse 21. Mit Abbildungen.

Die erfolgreiche Wiedererzeugung von Tönen und Sprachlauten in der Ferne mit Hilfe der Elektricität und des Lichtes muſste die Frage nahe legen, ob sich nicht Apparate herstellen lieſsen, welche für das Auge dasselbe zu leisten vermöchten, was Telephon und Photophon für das Ohr leisten. Daſs in der That A. G. Bell schon im Sommer 1880 daran gedacht hat, durch Umkehrung der Anordnung in seinem Photophon ein „elektrisches“ oder „telegraphisches Sehen“ zu ermöglichen, ist bereits in D. p. J. 1880 238 410 Anmerkung 2 mitgetheilt worden und es sei hervorgehoben, daſs der Vorgang dabei als ein elektrisch-telegraphischer aufzufassen ist, weil die Wirkung in die Ferne eine elektrische ist, während beim Photophon die Fernwirkung vom Lichte hervorgebracht und am Empfangsorte erst durch ein Selenstück in eine elektrische Wirkung umgesetzt werden sollte, der telegraphische Vorgang also ein optischer1) genannt werden müſste. Ebenda ist weiter erwähnt, daſs G. R. Carey in Boston im Scientific American, 1880 Bd. 42 * S. 355 zwei den Vorgängen bei den Copirtelegraphen nachgebildete Vorschläge veröffentlicht habe, und beim Eintreffen der Kunde von Bell's Erfindung in England wiesen J. Perry und W. E. Ayrton (vgl. Perry's Vortrag über Entwickelung der Elektricität, gehalten in der Society of Arts in London, ferner auch Journal of the Telegraph, 1880 Bd. 2 S. 162) darauf hin, daſs sie schon etwa 3 Jahre vorher den zur Ausführung nicht empfehlenswerthen Plan entworfen hätten, eine groſse Bildfläche in einzelne kleine Quadrate zu theilen, in jedem Quadrate Selen anzubringen und jedes Selenstück durch einen besonderen Draht mit der Empfangsstelle zu, verbinden und in dieser durch Magnetnadeln und mit denselben verbundene Schirmchen Lichtöffnungen entsprechend der Beleuchtung der Bildfläche im Geber schlieſsen und öffnen zu lassen (vgl. Lumière électrique, 1885 Bd. 18 * S. 434), oder besser – nach Prof. Kerr's Versuchen – der Bildfläche entsprechende Quadrate aus den versilberten Endflächen der weichen Eisenkerne von Elektromagneten herzustellen und mit einem Strahle polarisirten Lichtes |468| zu beleuchten (vgl. 1880 238 412). Wie bei diesem Vorschlage, so wird auch in einem Aufsatze im Telegraphic Journal, 1880 Bd. 8 S. 149 die Nothwendigkeit der die erfolgreiche Durchführung des Planes hindernden Benutzung einer groſsen Anzahl von Drähten angenommen und damit begründet, daſs es sehr schwer sein würde, auf einem Drahte gleichzeitig die Vorgänge in den verschiedenen Quadraten zu telegraphiren, was doch nothwendig geschehen müsse.

Ergänzend wäre weiter hinzuzufügen, daſs nach der Lumière électrique, 1880 Bd. 2 S. 140 bezieh. S. 398 und 447 auch Conolly und Mc Tighe in Pittsburg auf ähnliche Gedanken kamen, ferner bereits zu Anfang des J. 1877 der Franzose Senlecq d'Ardres und fast zu gleicher Zeit Prof. Adriano de Paїva in Oporto und Dr. Carlo Mario Pevorino in Mondovi.

Nach dem Electrician, 1881 Bd. 6 * S. 141 wollte Senlecq eine dicke Kupferplatte mit zahlreichen, dicht neben einander liegenden Löchern versehen, in deren jedes von der Rückseite aus ein Kupferdraht hereinragt, welcher seinerseits von der Kupfermasse der Platte durch ein den Zwischenraum zwischen Platte und Draht ausfüllendes Tröpfchen Selen getrennt ist. Die Platte ist nun mit dem einen Pole einer Batterie, ein über die entsprechend angeordneten Enden der Drähte schleifender Schlitten mit dem anderen Pole verbunden, in den Stromkreis auch der Empfänger eines Copirtelegraphen mit zubereitetem Papiere eingeschaltet. Alle Selentröpfchen, welche nun von Licht getroffen werden, wenn auf die Platte ein Bild projicirt wird, werden leitend und damit ist diese Aufgabe auf einen Copirtelegraphen zurückgeführt. Die Anordnung der einzelnen Theile in diesem Apparate kann als übermäſsig geschickt nicht gerade angesehen werden; eine praktische Ausführbarkeit desselben darf man deshalb billig bezweifeln; jedenfalls aber ist der Name „Telektroskop“, welchen Senlecq seiner Erfindung gegeben, durchaus unzutreffend.

Die zu lösende Aufgabe hat ja eine groſse Verwandtschaft mit der Aufgabe derjenigen Klasse von Copirtelegraphen, welche den Abklatsch der etwa mit nicht leitender Tinte auf einem leitenden Schreibmateriale geschriebenen Schriftzüge u. dgl. durch eng an einander stehende farbige Strichelchen auf weiſsem Grunde (oder umgekehrt weiſs auf eng gestricheltem farbigem Grunde) auf chemisch zubereitetem Papiere entstehen lassen. Mit einem solchen Copirtelegraphen läſst sich allerdings zwar ein unter gewissen Umständen gezeichnetes Bild in die Ferne übertragen, ja sogar an dem entfernten Orte bleibend aufzeichnen. Allein die Bedingungen einerseits, denen das zu übermittelnde Bild genügen muſs, sowie andererseits der Umstand, daſs nur immer gerade ein Bild, nicht etwa die Umrisse eines körperlichen Gegenstandes unmittelbar, geschweige denn etwaige Bewegungen desselben, übertragen werden können, lassen diese Apparate ihrem ganzen Wesen nach als unfertig erscheinen.

Behufs Weiterbildung dieser Copirtelegraphen in der Richtung eines elektrischen Sehrohres könnte man das mit nicht leitender Tinte gezeichnete Bild ersetzen wollen durch ein Lichtbild, wie es unmittelbar von einem Gegenstande mittels einer Linse oder eines Hohlspiegels auf einem Schirme entworfen wird; man könnte ferner ein mit nicht leitender Tinte gezeichnetes Bild in der Weise übermitteln wollen, daſs der Empfangsapparat eine Copie des Originales in Form eines Lichtbildes auf einen Schirm projicirt; oder man könnte endlich die beiden genannten Verbesserungen an demselben Apparate anbringen wollen und würde damit dann zu der vollendeten Form des Copirtelegraphen gelangt sein, welche man mit Recht mit dem Namen „elektrisches Teleskop“ belegen könnte.

Stellt man sich das wiederzugebende Bild als ein aus gleich groſsen Steinen zusammengesetztes Mosaik vor, so wird man naturgemäſs die Farbe der Steine im Originale der Reihe nach feststellen und ähnliche Steine in derselben Reihenfolge in einen für die Copie bestimmten Rahmen legen. Ist nun das wiederzugebende Mosaik bereits aus leitenden und nicht leitenden Feldern gebildet, so ist damit die bekannte Art und Weise der elektrischen Wiedererzeugung sofort an die Hand gegeben. Schwieriger gestaltet sich die Aufgabe, wenn die einzelnen Felder des Mosaiks sich nicht gleich von vornherein durch verschiedene elektrische Eigenschaften von einander unterscheiden, sondern nach Maſsgabe der ersten der drei angeführten Weiterbildungen Theile eines von |469| einer Linse auf einen Schirm projicirten Lichtbildes darstellen. Es muſs in diesem Falle ein Zwischenapparat zur Verwendung kommen, der die optischen Verschiedenheiten der einzelnen Felder elektrisch aufzufassen gestattet, und es ergibt sich alsbald das Selen als der hierzu geeignete Körper, da derselbe unter dem Einflüsse des Lichtes seinen elektrischen Widerstand ändert.

Mit besserem Erfolge als Senlecq hat dies Shelford Bidwell versucht in einem Apparate, welchen er unter der Bezeichnung „Telephotograph“ im Februar 1881 der Physical Society in London vorgeführt hat. Der Erfinder hat zunächst den Copirtelegraph von d'Arlincourt (vgl. 1874 212 * 295) als für seine Zwecke am geeignetsten erkannt; in demselben treiben zwei synchron laufende Apparate je einen Cylinder, welcher um seine Achse kreist, sich dabei aber langsam in Richtung der Achse verschiebt. Ein auf dem Mantel des Cylinders schleifender Stift beschreibt dabei eine enge Spirale auf demselben. Beide Cylinder liegen nun sammt den beiden Stiften hinter einander in einem Stromkreise, der jedesmal unterbrochen ist, wenn der Stift des Gebers auf die nicht leitende Tinte stöſst, mit welcher das wiederzugebende Bild auf den Cylinder gezeichnet wurde. Jede Stromunterbrechung wird durch das Ausbleiben der färbenden Wirkung des elektrischen Stromes auf dem über den Cylinder des Empfängers gerollten Papiere aufgezeichnet. Dieser Empfänger ist von Bidwell vollkommen unverändert gelassen (vgl. auch Lumière électrique, 1885 Bd. 18 * S. 436), in dem Geber dagegen ist wieder zum Zwecke der Umsetzung optischer Unterschiede in elektrische ein Selenpräparat angebracht, das aber nicht aus einer groſsen Anzahl einzelner kleiner Elemente besteht, wie in dem Apparate von Senlecq, sondern einfach nach dem Muster der bekannten Selenzellen gebaut, aber als Fläche ausgebildet ist.2) Auf diese empfindliche Selenfläche wird nun mittels einer Linse das zu übermittelnde Bild geworfen und zwar befindet sich dabei das Selenpräparat innerhalb des gebenden Cylinders, so daſs die Cylinderwand zwischen diesem und der Linse liegt. Es würde Licht auf das Selen gar nicht fallen können, wenn nicht in dem Cylindermantel ein kleines Fenster angeordnet wäre, welches bei Bewegung des Apparates eine Schraubenlinie um die Selenzelle herum beschreibt und so jedesmal, wenn es durch den Strahlenkegel der Linse streicht, einen Bildstreifen wirklich auf dem Selen entstehen läſst. Das Bild wird auf diese Weise auch gewissermaſsen in ein Mosaik zerlegt; in jedem Augenblicke wird ein Feld von der Gröſse des Fensters auf seine Beleuchtung bezieh. Leitungsfähigkeit durch das in den Stromkreis des Empfängers eingeschaltete Selen geprüft und der Befund im Empfänger aufgezeichnet. In diesem Falle ist das gewonnene Bild naturgemäſs negativ, wenn man weiſses Papier und einen Elektrolyten wählt, dessen Zersetzungsproducte farbig sind; um das Bild positiv zu erhalten, schaltet Bidwell deshalb in den Empfänger noch eine Lokalbatterie ein, die ihrerseits Strom durch das zubereitete Papier sendet, wenn die Selenzelle ihren gröſsten Widerstand hat. Die beistehende, der Lumière électrique, 1881 Bd. 3 * S. 210, entnommene Fig. 1 zeigt ein mittels dieses Apparates thatsächlich gewonnenes Photogramm, dessen Original Fig. 2 dabei durch eine Laterne auf das Selen geworfen wurde; der Synchronismus aber der beiden Cylinder war dadurch gesichert, daſs man dieselben einfach auf eine Achse steckte. Das Fenster in dem Cylinder hatte, beiläufig gesagt, 4mm im Quadrat; bei kleineren Abmessungen erwies sich das Selen als zu unempfindlich.

Fig. 1., Bd. 261, S. 469
Fig. 2., Bd. 261, S. 469

Bei der zweiten der oben angeführten Weiterbildungen des Copirtelegraphen würde es sich augenscheinlich zunächst darum handeln, durch den von dem Geber gelieferten absetzenden Strom auf ein Licht in der Weise einzuwirken, daſs die Stärke dieses Lichtes die Schwankungen des Stromes gleichzeitig mitmacht. Dies zu erreichen, ist nicht schwer: man kennt unmittelbare Wirkungen der Elektricität auf Lichtstrahlen und man hat Spiegel, die durch die Fernwirkung des Stromes gedreht werden können; aber es ist mit |470| der Lösung dieses ersten Erfordernisses die Lösung der Gesamrataufgabe noch wenig gefördert. Die Hauptschwierigkeit liegt in der Gestaltung eines einheitlichen Bildes aus diesem absetzenden Lichtstrahle. Wollte man die einzelnen Lichtstöſse photographiren und alsdann die Photogramme der Reihe nach zu einem Mosaik an einander legen, so hätte man doch weiter nichts als den einfachen Copirtelegraphen, welcher durch die Umsetzung von Stromschwankungen in Lichtschwankungen nur verwickelter geworden wäre. Und doch dürfte man ohne die Photographie zu einer Lösung dieser Aufgabe nicht gelangen; vortheilhafter würde es sein, als photographische Kammer in diesem Falle das Auge selbst in Anspruch zu nehmen und die einzelnen Lichtstöſse auf der Netzhaut zu photographiren. Der sogen. Sehpurpur ist ja ein lichtempfindliches Material, wie Brom- und Jodsilber auch, und er bietet noch den unschätzbaren Vortheil, daſs das Photogramm auf demselben nur eine sehr kurze Dauer hat und nach 0,1 bis 0,5 Secunden wieder verschwindet. Da nun das Vorhandensein dieses Photogrammes den Lichteindruck in uns zum Bewuſstsein bringt, derselbe auch während der ganzen Dauer des Photogrammes empfunden wird, so wird, wenn man in einem Zehntheile einer Secunde sämmtliche Felder des Originalmosaiks, natürlich jedes Feld an der ihm zukommenden Stelle, photographirt, das Bewuſstsein aus dieser Reihe von Photogrammen die Vorstellung eines einheitlichen Bildes gewinnen und man könnte weiter das Bild, sobald es vermöge der oben erwähnten Eigenschaft des Sehpurpurs anfängt, zu verschwinden, in derselben Weise von Neuem photographiren und so dem Beobachter die Vorstellung eines bleibenden Bildes erwecken, während man ihm doch nichts zuführt als wiederkehrende, nach derselben Formel absetzende Lichtstrahlen.

Der Geber des so entstehenden Telephotographen wäre so einzurichten, daſs er unmittelbar hinter einander beliebig viele Bilder in absetzende Ströme verarbeiten kann. Der Telephotograph liefert aber als ein Zwischenproduct solche Ströme, deren wir nach dem oben Gesagten nur bedürfen, um ein Lichtbild zu construiren. Damit wäre aber bereits das elektrische Teleskop fertig, weil es auch möglich sein würde, Bewegungen der gesehenen Gegenstände zu verfolgen; denn das zweite, dritte u.s.w. auf der Netzhaut photographirte Bild braucht dem ersten durchaus nicht zu gleichen. Eine Reihe von schnell auf einander folgenden Bildern aber, deren jedes dasselbe Object in etwas anderer Lage zeigt, erweckt dem Beobachter die Vorstellung, als sehe er eine dauernde Bewegung; auf demselben Prinzipe beruhen ja die stroboskopischen Scheiben.

Nach diesem Gedankengange hat P. Nipkow in Berlin (* D. R. P. Nr. 30105 vom 6. Januar 1884) die Lösung der Aufgabe unter Verwendung eines einzigen Leitungsdrahtes zwischen den beiden Stationen versucht und seitdem sein elektrisches Teleskop durch Mitbenutzung des phonischen Rades wesentlich verbessert. Die Einrichtung desselben ist folgende:

I) Die gesammte elektrische Anordnung zerfällt naturgemäſs in Vorkehrungen zur Erhaltung des Synchronismus der Mechanismen und in Vorkehrungen zur Umsetzung auf einander folgender Lichtwirkungen in absetzende Ströme und zur Rückbildung dieser Ströme in Licht.

Vorkehrungen zur Erhaltung des Synchronismus der Mechanismen: Auf den beiden in ihrer Einrichtung übereinstimmenden Aemtern I und II, von denen in Fig. 3 das erstere als Aufgebestelle gezeichnet ist, sollen die Achsen A vollkommen synchron sich drehen. Um dies zu erreichen, wird in ganz gleicher Weise, wie bei Delany's Vielfachtelegraphie (vgl. 1885 255 * 332, Fig. 3), auf jedem Amte zunächst ein Stimmgabelapparat B1 GF2 Wm (die Magnete sind der Uebersichtlichkeit der Figur wegen nur mit einem Schenkel gezeichnet) angewendet; sobald die |471| Gabel G angeschlagen wird, trifft die rechte Zinke bei jeder Schwingung einmal den Contactknopf der Feder F2 , wodurch der Stromkreis der Batterie B1, in welchem auch der Magnet m Fig. 3. und der Widerstand W liegt, geschlossen wird. Der in dieser Weise durch den Magnet m gehende Strom dient lediglich zur Aufrechterhaltung der sonst bald aufhörenden Bewegung der Gabel. Bei je einer Schwingung trifft nun aber auch die andere Zinke der Gabel auf den Contactknopf der Feder F1 und versorgt dadurch den Motormagnet M, welcher im Stromkreise der Batterie B2 liegt, ebenfalls mit absetzenden Strömen, die ihrerseits den nämlichen Takt haben wie die Stimmgabel und der durch m gehende Strom. Ist nun das auf die Achse A aufgesteckte phonische Rad R in Bewegung gesetzt, so wird dasselbe bald eine Geschwindigkeit annehmen, welche dem absetzenden Strome des Magnetes M entspricht und alsdann bei dieser Bewegung verbleiben.

Fig. 3., Bd. 261, S. 471

Die elektrische Berichtigung zur Erhaltung der beiden Räder R in übereinstimmender Bewegung vollzieht sich in folgender Weise. Ueber die fest auf einer unbeweglichen Platte angebrachten Contactpaare a und b schleift die Feder D; diese ist an dem von der Achse A ausgehenden metallenen Arme C befestigt, A aber steht durch eine Schleiffeder mit der Erde in Verbindung; auſserdem sind die beiden Contacte a durch die Batterie B3, die beiden b durch einen weiteren Magnet n mit dem Ende der Linie L verbunden. Die beiden Batterien B3 in Station I und 3 in Station II enthalten eine gleiche Anzahl von gleichartigen Elementen und sind mit gleichen Polen an die Linie gelegt. Laufen nun die beiden Räder R vollkommen synchron, so werden die beiden Federn D gleichzeitig auf a oder b stehen; im ersteren Falle gleichen sich die Ströme beider Batterien B3 aus, im zweiten ist keine Batterie B3 eingeschaltet. Eilt dagegen R in II vermöge einer beschleunigten Bewegung der Gabel G in II etwas voraus, so wird D in II schon auf einem Contacte b angelangt sein, während D in I noch auf a sich befindet; in diesem Falle sendet alsbald die Batterie B3 in I einen Strom einerseits durch a, D, C, A und andererseits durch die Linie L nach II und hier durch n, b, D, G, A zu den beiden Erdplatten; n in II wird also erregt, wird seinen Anker anziehen und dadurch den Widerstand W in II bei H kurz schlieſsen; der Magnet m in II wird jetzt stärker erregt, die Schwingungsdauer der Gabel G und damit die Bewegung des Hades R in II verzögert. Dasselbe findet in I statt, wenn R in I vorauseilt. Wenn beide Federn D auf den Contacten a stehen, kann ein Strom nicht entstehen, weil die Batterien mit gleichen Polen an der Linie liegen.

|472|

Vorkehrungen zur Umsetzung auf einander folgender Lichtstrahlen in absetzende Ströme und zur Rückbildung dieser Ströme in Licht. Anstatt des sich zur Umsetzung von Lichtschwingungen in elektrische Stromschwankungen sehr wohl eignenden Selens soll in der gebenden Station I (Fig. 4) eine „Ruſstrommel“ Q verwendet werden.

Fig. 4., Bd. 261, S. 472
Fig. 5., Bd. 261, S. 472

Dieselbe (vgl. 1881 241 * 315) ist ein einfaches Kästchen, das einerseits durch eine Glasplatte, andererseits durch eine Membran verschlossen und mit beruſster Drahtgaze gefüllt ist. Auf der Membran befindet sich dann noch ein Kohlencontact O. Fallen auf die Glasplatte absetzende Lichtstrahlen, so macht die Membran und also auch der Widerstand des Mikrophons O und der durch dasselbe und die primäre Spule des Inductionsapparates J gehende Strom der Batterie B4 diese Schwankungen mit; diese Stromschwankungen spiegeln sich wieder in den in der secundären Spule inducirten, in der Leitung L nach der empfangenden Station II (Fig. 5) und daselbst durch das Telephon T zu leitenden Strömen. Das Telephon T hat nun eine polirte spiegelnde Membran; läſst man von Y einen parallelen Lichtstrahl auf dieselbe fallen, so wird der zurückgeworfene Strahl in einer gewissen Entfernung vom Telephon einen bestimmten Durchmesser haben; bildet aber die Membran durch die Wirkung eines durch die Spule gehenden verstärkten Stromes einen Hohlspiegel, so wird der zurückgeworfene Strahl an der betreffenden Stelle einen kleineren Durchmesser haben als zuvor, was so viel heiſst, als daſs im letzteren Fall eine in den Strahl gehaltene Fläche stärker beleuchtet wird als im ersteren. Auf diese Weise kann man überaus kleine Stromschwankungen in ganz erhebliche Veränderungen in den Lichterscheinungen umsetzen; man braucht nur das Telephon möglichst weit von dem Beobachtungsorte zu entfernen und ein recht kräftiges Licht in Anwendung zu bringen.

Um nun die im Inductionsapparate J in I erregten Ströme auch dem Telephon T in II zuzuführen, sind neben a und b noch die Contactbögen c (Fig. 3 bis 5) angebracht, welche auf jedem Amte unter einander und in I durch die secundäre Spule von J, in II durch ein Telephon T mit den Enden der Leitung L verbunden sind. Kurz vor den Contacten a ist ein kleiner isolirender Raum freigelassen, damit, wenn etwa D in II schon auf a angelangt und D in I etwas zurückgeblieben |473| ist, die Batterie B3 in II nicht etwa Strom durch die Inductionsspule oder im anderen Falle B3 in I Strom durch das Telephon sende und diese Apparate verderbe.

II) Vorrichtungen zur Zerlegung der Lichtbilder in absetzendes Licht und Zusammensetzen von Bildern aus solchen Lichtstrahlen. Um das zu übermittelnde Lichtbild in ein Mosaik zerlegen und jedes Feld desselben einzeln auf seine Leuchtkraft prüfen zu können, ist auf der Achse A noch eine möglichst groſse Scheibe S angebracht, von der in Fig. 3 nur die gröſsere Hälfte gezeichnet ist. Von diesen Scheiben sind zunächst, entsprechend den zwischen den beiden Contactbögen c liegenden, für die Berichtigung des Synchronismus bestimmten Theilen, zwei Ausschnitte abgetheilt, welche für die Verarbeitung des Bildes nicht in Betracht kommen können. Der übrig bleibende Theil der Scheibe S erhält nun auf einem Spiralgange angeordnet Löcher, z.B. 24, so daſs, wenn man die Scheibe S sich vor einem weiſsen Schirme schnell drehen läſst, man einen hellen Ring sieht, dessen Breite gleich dem Unterschiede der Mittelpunktsentfernungen der Löcher 1 und 24 ist. Wirft man nun mittels einer etwa diesseits der Scheibe S liegenden Linse P (Fig. 4) auf diesen Ring ein Bild und blendet dasselbe durch einen Schirm in der Weise ab, daſs auf die Scheibe nur ein Bild von der Gröſse eines Ringausschnittes fällt, dessen äuſserer Bogen gleich der Entfernung von 1 bis 2 ist, so befindet sich im Bereiche dieses Bildes in jedem Augenblicke immer nur ein einziges von den Löchern. Dreht sich daher die Scheibe, so wird das Bild für den jenseits derselben stehenden Beobachter in auf einander folgende Streifen zerlegt, deren jeder aber auch seinerseits nach und nach entsteht. Es kann auf diese Weise jeder einzelne Bildpunkt auf seine Leuchtkraft geprüft und, was für das Teleskop eben von Wichtigkeit ist, auch eine beliebige Anzahl von Bildern unmittelbar hinter einander verarbeitet werden. Ein Bild, welches ja Schatten- und Lichtstellen hat, wird daher ein absetzendes Licht ergeben. Dasselbe wird nun aufgefangen durch die jenseits der Scheibe angebrachte Ruſstrommel O, welche ihrerseits diese Lichtschwankungen in durch die primäre Spule von J zu leitende Stromschwankungen umsetzt. Nun sitzt auch auf A in II eine Scheibe S (Fig. 5), die der beschriebenen vollkommen gleicht. Ist der Beobachter diesseits der Scheibe bei V gedacht, so ist das Beleuchtungstelephon T jenseits in geeigneter Entfernung anzubringen. Die von der Lichtquelle Y auf die Platte des Telephons T fallenden Lichtstrahlen werden von der Platte nach der Scheibe S hingeworfen. Der Beobachter faſst nun einen wieder durch einen Schirm abgegrenzten Ringausschnitt von der Gröſse des in I entworfenen Bildes ins Auge. Der Schirm ist so angebracht, daſs genau zu derselben Zeit immer die gleichnamigen Löcher der beiden Scheiben in die Ringausschnitte eintreten; im anderen Falle würden dem Beobachter die Bilder etwa als aus zwei falsch zusammengefaſsten Theilen bestehend |474| erscheinen. Das Beleuchtungstelephon muſs natürlich so gerichtet werden, daſs der zurückgeworfene Strahl von der anderen Seite auf den beobachteten Ausschnitt fällt. Die Löcher in der Scheibe S in II werden zweckmäſsig mit geöltem Papiere überzogen.

Da die beschriebene Ruſstrommel auch auf absetzende Strahlen des nicht mehr sichtbaren Spectrums anspricht, so ergibt sich, daſs man mit Hilfe dieses Apparates auch im Dunkel befindliche Gegenstände wahrnehmen kann, sofern dieselben nur etwa genügend erwärmt sind.

Der Apparat gestattet auſserdem, wie man alsbald erkannt haben wird, die Bewegungen des in I befindlichen Gegenstandes zu photographiren und alsdann wieder zu beliebiger Zeit bildlich darzustellen. Man stellt zu dem Zwecke in den zurückgeworfenen Strahl des Beleuchtungstelephons anstatt der Scheibe S eben nur einen photographischen Registrirapparat, wie diesen A. F. St. George (* D. R. P. Nr. 27231 vom 4. September 1883) für die Zwecke der photographischen Aufzeichnung telephonischer Ströme angegeben hat, um nachher dann die entwickelte photographische Platte zur Beleuchtung der Scheibe S zu benutzen. Dabei ist allerdings Isochronismus der Scheibe S und des Mechanismus des Registrirapparates unerläſsliches Erforderniſs.

Wenn man das Telephon T anstatt mit teleskopischen mit echten telephonischen Strömen beschickt, so muſs das Auge V für jeden Ton ein bei gleichbleibender Bewegung der Scheibe S sich gleichbleibendes Bild wahrnehmen. Das Gleiche ist der Fall, wenn man die Scheibe S einfach in den Lichtkegel irgend eines Photophongebers stellt. Es ist nicht gerade undenkbar, daſs man durch lange Uebung dahin gelangt, Töne, Laute, selbst Worte an diesen Bildern zu erkennen, zumal da man diese Bilder ja photographiren kann. Man könnte hier in der That von „Wortbildern“ und einer „Photographie der Töne“ sprechen.

Fig. 6., Bd. 261, S. 474

In Nipkow's deutschem Reichspatente * Nr. 30105 ist noch darauf hingewiesen, daſs man bei Anwendung zweier, unter einem gewissen Winkel gegen einander gestellter Apparatsätze in I und II binocular und stereoskopisch sehen würde, ferner daſs man anstatt der Selenzelle bezieh. Ruſstrommel auch eine Thermobatterie nehmen könnte. Auſserdem wird die in Fig. 5 skizzirte Anordnung des empfangenden Amtes nur als Ersatz für die in Fig. 6 dargestellte aufgeführt. In letzterer umschlieſst die von den durch die Selenzelle beeinfluſsten Strömen durchlaufene Spule N den Körper O, welcher die Polarisationsebene eines ihn durchlaufenden polarisirten Lichtstrahles unter dem Einflüsse des Stromes in der Spule3) zu |475| drehen vermag, z.B. einen Cylinder aus Faraday'schem schwerem Glase oder eine mit Schwefelkohlenstoff gefüllte und an beiden Enden durch ebene Glasplatten geschlossene Röhre. Y ist wieder die Lichtquelle, S die Scheibe, H eine Linse, J und J1 sind Nicol'sche Prismen; das dem Apparatsatze HJOJ1 auf der anderen Seite der Scheibe S gerade gegenüber stehende Rohr hat denselben Durchmesser, wie die auf des gebenden Amtes zu beiden Seiten der Scheibe angewendeten Rohre, so daſs also stets nur eines der Löcher in der Scheibe S dem beobachtenden Auge V sichtbar ist.

Im Anschlusse hieran sei noch bemerkt, daſs auch die Lumière électrique, 1885 Bd. 18 * S. 434 wieder auf die Angelegenheit zurückgekommen ist und ergänzend bemerkt, daſs bald nach Carey auch Sawyer im Scientific American einen Vorschlag gemacht habe, wobei er den Geber aus einer in einer Dunkelkammer untergebrachten ebenen Spirale aus feinem Selendrahte herstellen und auf diese das leuchtende Bild mittels einer in eine rasche Spiralbewegung versetzte Röhre von kleinem Durchmesser nach und nach werfen wollte, während im Empfänger Funken zwischen zwei in den secundären Stromkreis einer Inductionsrolle eingeschalteten feinen Platinspitzen überspringen sollten, die in ganz gleicher Weise bewegt werden müſsten.

Endlich berichtet F. Larroque in der Lumière électrique, 1885 Bd. 18 S. 532, daſs auch er im J. 1883 sich mit der Aufgabe beschäftigt habe und namentlich daſs er von der Eigenschaft des Palladiums, groſse Mengen Wasserstoff in sich aufzunehmen und sich dabei auszudehnen, weit weniger dicht und sehr magnetisch zu werden und einen weit höheren elektrischen Widerstand zu zeigen, Gebrauch habe machen wollen. Durch die Wirkung der Wärme trennt sich der Wasserstoff wieder vom Palladium und dieses nimmt seine früheren Eigenschaften wieder an. Die zu beleuchtenden Selendrähte im Empfänger wären durch ebenso viele Leitungsdrähte mit Palladiumdrähten zu verbinden und hinter diesen durch ein Voltameter hindurch zur Erde zu führen; die am hellsten beleuchteten Selendrähte würden zu Folge ihres verminderten Widerstandes von einer gemeinsamen Elektricitätsquelle die stärksten Ströme durch die zugehörigen Palladiumdrähte senden, letztere daher mehr Wasserstoff aufnehmen und sich stärker ausdehnen; so würde die Endfläche des Empfängers ihre Form entsprechend ändern und in ihren Erhabenheiten und Vertiefungen das auf die Selendrähte geworfene Bild wiedergeben. Da der Widerstand des Wasserstoff aufnehmenden Palladiumdrahtes nach Ausweis angestellter Versuche weit weniger rasch wächst, als der Widerstand des Selens durch die Beleuchtung abnimmt, so bleibt die letztere Wirkung deutlich ausgeprägt. Der Empfänger soll sogar zum Abdrucken des Bildes auf Papier oder zur Herstellung von Abgüssen benutzt werden können.

|467|

Daſs sich das Selen in dieser Weise zur Herstellung eines optischen Telegraphen eignen werde, war bereits S. 5 der Anfang 1876 erschienenen ersten Lieferung von Zetzsche: Handbuch der elektrischen Telegraphie Bd. 1 ausgesprochen. – Nach Iron, 1873 S. 667 wurde für van Chote in Boston ein Verfahren patentirt, mittels Licht auf chemisch zubereitetem Papier zu telegraphiren.

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Ueber Fritts' neuere Erfahrungen mit Selenzellen vgl. 1885 258 44. Ueber ähnliche Beobachtungen Bidwell's an Schwefelzellen vgl. 1886 259 331.

|474|

Die Wirkung des elektrischen Stromes auf das den Körper O durchstreichende Licht kann durch das von Faraday angewendete, in Poggendorff's Annalen, 1846 Bd. 68 S. 105 und 1847 Bd. 70 S. 24 und 283 beschriebene Verfahren verstärkt werden.

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