Titel: Ueber die Herstellung von Bleiweiſs in Japan.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1886, Band 261/Miszelle 10 (S. 228)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj261/mi261mi05_10

Ueber die Herstellung von Bleiweiſs in Japan.

Bleiweiſs wird in Japan als Verschönerungsmittel sehr allgemein und besonders von den Frauen verwendet. R. W. Atkinson hat eine japanische Bleiweiſsfabrik in Kiyoto besucht und macht darüber im Journal of the Society of Chemical Industry, 1886 S. 312 folgende Mittheilungen.

Auf senkrechten Mauern, welche etwa Im von einander entfernt sind, wird etwa 0m,3 über dem Boden eine Bühne aus Mauerwerk errichtet. Je in der Mitte zwischen zwei der Stützmauern wird in der Bühne ein Loch offen gelassen, in welches ein Thongefäſs dicht eingekittet wird. Darüber stellt man einen Theil eines in der Mitte durchsägten Fasses, welches etwa 0m,3 über dem Mauerboden mit einem Roste aus Bambusstäben versehen ist; auf diesen werden Rollen von dünnem Blei gepackt. Ueber dem Halbfasse werden vier weitere oben und unten offene Bottiche aufgestellt und mit Bleirollen gefüllt. Der oberste Bottich wird dicht verschlossen. Das Thongefäſs wird mit Essig gefüllt und dann beginnt man in den Zwischenräumen zwischen den Stützmauern Feuer anzulegen, um die Essigsäure zu verdampfen. Die Temperatur im unteren Theil der Apparate steigt auf 53 bis 65°. Nach etwa 20 Tagen werden die Thürme oben geöffnet und nach völligem Erkalten entleert. Das Bleiweiſs wird von dem unzersetzten Blei durch Abschlagen getrennt. Hierauf bringt man dasselbe in Wasser, in welchem es durch Rühren fein vertheilt wird, und läſst die milchige Flüssigkeit durch feine Siebe gehen. Zur Entfernung des Wassers benutzt man eine aus Bambus hergestellte, mit Tuch überzogene Trommel, welche in die Flüssigkeit eintaucht. Das in dieselbe filtrirende Wasser wird mit einem Heber abgezogen. Zuletzt wird das Bleiweiſs in flachen Schalen getrocknet. Die chemische Zusammensetzung desselben ist gleich wie die des nach dem holländischen und deutschen Verfahren hergestellten Bleiweiſs; der groſse Unterschied zwischen diesen Verfahren und dem japanesischen besteht aber darin, daſs bei den ersteren Kohlensäure künstlich zugefügt wird, bei dem letzteren aber Kohlensäureeintritt durch Dichthalten der Apparate möglichst vermieden wird. Nach Atkinson wird bei dem japanischen Verfahren aus einer bestimmten Menge Essigsäure bedeutend mehr Bleiweiſs erzeugt, als dies nach Ure's Theorie über die Bleiweiſsbildung möglich wäre.

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