Titel: Schwimmende Dampffeuerspritze.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1886, Band 261/Miszelle 2 (S. 272–273)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj261/mi261mi06_2

Schwimmende Dampffeuerspritze.

Von dem Bauamte Metropolitan Board of Works in London wurde vor Kurzem eine schwimmende Dampffeuerspritze geprüft, welche auf Bestellung der egyptischen Regierung für den Dienst im Hafen von Alexandrien von Merryweather und Söhne in London erbaut worden war. Eine solche schwimmende Dampffeuerspritze ist auch in London auf der Themse vorhanden, während daneben auch die gewöhnlichen Landspritzen verwendet werden, indem man dieselben in Barken stellt und von einem Bugsierdampfer ziehen läſst.

Das neue Dampfboot besitzt nach Engineering, 1886 Bd. 41 * S. 590 einen aus Eisen gebauten, durch Querwände verstärkten Rumpf; das Boot ist 15m,5 lang und 3m,6 breit und hat hinten 1m,2 und vorn 1m,07 Tiefgang. Da dasselbe in Nothfällen über die Barre und in die See gehen soll, so ist das Boot seetüchtig gebaut und mit einem Steuerrade, zwei Kajüten, Anker und Winde, sowie mit den vollständigen Ausrüstungsstücken eines Bugsierdampfers versehen.

|273|

Der Dampfkessel des Bootes ist im Stande, aus kaltem Wasser in 10 bis 14 Minuten Dampf zu erzeugen und das Boot kann mit 10 Meilen engl. (18km,5) Geschwindigkeit in der Stunde zum Feuer fahren.

Das Spritzenwerk ist eine doppelte, direkt wirkende Pumpe, mit 2 Dampfcylindern von 228mm und Pumpencylindern von 178mm Weite und 610mm Hub; dasselbe kann in der Minute 5225l Wasser liefern. Diese Pumpen sind von der bekannten Construction mit groſsen Ventilklappen und gewundener Stange zur Steuerung; dieselben sind im ausgedehntesten Maſse für Land- und Marinefeuerspritzen, zum Auspumpen auf Schleppdampfern u. dgl. im Gebrauche. Auf dem Windkessel der Maschine, welcher den Hauptwasserweg bildet, ist ein T-Stück aufgesetzt, dessen 7 Ausgüsse durch das Deck ragen und hier mit drehbaren kupfernen Krümmern zum Anschrauben von Schläuchen versehen sind; jeder solche Ausguſs kann durch einen besonderen Absperrschieber unter Deck geöffnet oder geschlossen werden. Der mittelste Ausguſs hat 89mm Weite und ist dazu, bestimmt, entweder einen starken Strahl abzugeben, oder beim Auspumpen von Schiffen als Ausfluſs für das Wasser zu dienen; die übrigen Ausgüsse sind zum Ansetzen von 70mm weiten Schläuchen eingerichtet. Gesaugt wird aus dem Seewasser; zu diesem Zwecke ist ein Kasten in den Rumpf des Bootes eingenietet, dessen äuſsere Platte als Sieb durchlöchert ist. Um Schiffe auszupumpen, oder Süſswasserbehälter auf solchen füllen zu können, ist auf dem Deck noch ein Verbindungsstück angebracht, an welches sich ein biegsamer Saugschlauch anschrauben läſst; natürlich muſs dabei die Saugöffnung nach der See abgesperrt werden.

Die Dampfmaschine des Bootes für den Betrieb der Schraube ist von dem gewöhnlichen Hammertypus und hat zwei Cylinder von 228mm Weite und 254mm Hub; die Schraube ist dreiflügelig. Der Kessel ist ein für rasche Dampferzeugung eingerichteter stehender Röhrenkessel und hat 1m,2 im Durchmesser und 25qm,5 Heizfläche; der Kessel ist mit einem auf 8at,44 eingestellten, sehr empfindlichen, doppelten Sicherheitsventile und allen nöthigen Ausrüstungen versehen. Gespeist wird der Kessel entweder durch die Speisepumpe der Schraubenmaschine, oder eine Dampfspeisepumpe, welche entweder aus der See oder aus einem besonderen Wasserbehälter saugen. Die Dampfspeisepumpe kann auch zum Auspumpen des Kielwassers, als sogen. Lenzpumpe, dienen; auſserdem ist für diesen Zweck noch ein Injector angebracht. Zwei groſse Schlauchtrommeln auf dem Deck tragen eine beträchtliche Menge Lederschlauch.

An dem Versuchstage dampfte der Merryweather, wie das Boot benannt ist, mit 18km,5 Geschwindigkeit in der Stunde von Greenwich nach Whitehall-Stairs am Victoria-Embankment, wo das Boot nach Vornahme der Proben auf seine Manövrirfähigkeit verankert und von den Mitgliedern des Bauamtes besichtigt wurde. Nunmehr begann die Spritze zu arbeiten und entsandte zuerst einen Strahl von 44mm,5 auf eine Höhe von annähernd 60m. Hierauf folgten zwei Strahlen von je 25mm,4, dann 4 Strahlen, von welchen zwei je 25mm,4, zwei je 22mm,2 Stärke hatten, während zum Beschlusse 6 Strahlen spielten und zwar zwei von je 25mm,4 und vier von je 22mm,2 Stärke. Allgemein war man von den Ergebnissen der Probe sehr befriedigt und einhellig wurde anerkannt, welchen hohen Werth ein derartiges Boot für Städte mit ausgedehnten Wasserseiten besitze.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: