Titel: Ueber das Chininsulfat des Handels.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1886, Band 261/Miszelle 7 (S. 275)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj261/mi261mi06_7

Ueber das Chininsulfat des Handels.

G. Vulpius bespricht in der Pharmaceutischen Centralhalle, 1886 S. 345 den Cinchonidingehalt des käuflichen Chininsulfates. E. de Vry (Chemist and Druggist vom 1. Mai 1886) hat in allen käuflichen Chininsulfatproben 5 bis 16 Proc. Cinchonidinsulfat gefunden. Er empfiehlt daher, statt des neutralen Sulfates das Bisulfat zu verwenden, welches frei ist von Cinchonidin, oder aber aus dem Bisulfate reines Sulfat herzustellen.

Weller (Pharmaceutische Zeitung, 1886 Nr. 44) rechnet die von de Vry angegebenen Analysen auf einen normalen Wassergehalt von 15 Proc. um, so daſs sich für die deutschen Fabrikate ein Durchschnittsgehalt von 78,78 Proc., für die englischen 77,40 Proc. und für die französischen von 75,99 Proc. Chininsulfat ergeben. Daneben hebt auch Weller nachdrücklich den Umstand hervor, daſs gerade die 9 bis 12 Proc. Cinchonidin enthaltenden französischen Marken ihres lockeren Aussehens wegen bisher die beliebtesten und theuersten waren. Mit Recht ist dieses Vorurtheil der Abnehmer zu tadeln, welche ein reines, von Cinchonidin freies und dann nur in dichten, schweren, bittersalzartigen Krystallen herzustellendes Chininsulfat eben dieser Form wegen zurückweisen, so daſs man auch in Deutschland sich immer mehr der Darstellung des lockeren, aber weniger reinen Präparates zugewendet hatte.

In einem am 22. Juni von Jungfleisch in der Pariser Académie de Médecine erstatteten Berichte zeigt derselbe, daſs die optische Untersuchung nach Oudemans die beste der bisher bekannten Prüfungsmethoden ist, daſs sie aber nur von sehr geübten Händen und mit groſser Vorsicht ausgeübt werden darf. Dieselbe besteht in der Behandlung einer bestimmten Menge des zu prüfenden Sulfates mit einem Alkalitartrat, wobei Chinin und Cinchonin als Tartrate niederfallen, während alle anderen Chinaalkaloide in Lösung bleiben. Von dem gewaschenen und getrockneten Niederschlage wird eine gewogene Menge in Lösung gebracht und das Drehungsvermögen dieser Lösung im Polarisationsapparate bestimmt.

Dagegen hat O. Hesse gefunden, daſs das im käuflichen Chininsulfat vorkommende Hydrochinin, C20H28N2O2, mit in den Tartratniederschlag übergeht und damit das von de Vry angewendete optische Verfahren unsicher macht, weil das Drehungsvermögen (aD) von Chinintartrat – 212,5°, von Hydrochinintartrat 176,9° und von Cinchonidintartrat 132,0° beträgt. Hesse gibt zu, daſs das Chininsulfat des Handels einen beträchtlichen Procentsatz von dem angeblich therapeutisch gleichwertigen Hydrochininsulfat enthalte. Da nun im Polarimeter die Wirkung von 1 Th. in Tartrat umgesetztem Hydrochininsulfat gleich ist derjenigen von 0,42 Th. Cinchonidinsulfat, so wird bei der optischen Methode das Hydrochinin in diesem Verhältnisse auch als Cinchonidin verrechnet und irrthümlich letzterem zugezählt; es kann also vorkommen, daſs man auf diese Weise mehrere Procent Cinchonidin in einem Chininsulfate gefunden zu haben glaubt, welches keine Spur davon enthält.

Bemerkenswerth ist, daſs das Hydrochinin sich ganz in derselben Weise wie das Cinchonidin aus dem Chininsulfate entfernen läſst, nämlich durch Umwandeln in das saure Salz, wo dann das Chininbisulfat durch Kristallisation rein erhalten werden kann, während die Bisulfate von Cinchonidin und Hydrochinin in der Mutterlauge bleiben.

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