Titel: Ueber die Lüftung und Heizung von Schulen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1886, Band 261/Miszelle 4 (S. 352)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj261/mi261mi08_4

Ueber die Lüftung und Heizung von Schulen.

Im amtlichen Auftrage hat Prof. H. Rietschel die Lüftungs- und Heizungsanlagen verschiedener höherer Lehranstalten Berlins einer Prüfung unterzogen und deren Ergebnisse in einer Schrift1) veröffentlicht.

Die Untersuchungen ergaben, daſs jede Anlage als verbesserungsbedürftig bezeichnet werden muſste. Die im Allgemeinen richtig angelegten Schöpfstellen für frische Luft waren häufig nicht gehörig gegen das Eindringen von Regen, Schnee, Blättern u.s.w. geschützt; die Heizkammern zeigten meist nicht den nothwendigen Rauminhalt und die erforderliche bequeme Zugänglichkeit. Bei Verwendung von Kachelöfen gaben dieselben meist in den ersten Stunden nicht die genügende Wärmemenge ab, während die letzten Vormittagsstunden eine äuſserst hohe Erwärmung zeigten. Die eisernen Lüftungsöfen haben sich nur zum Theile bewährt; häufig wird über ihre mangelhafte oder ungleichmäſsige Erwärmung sowie über zu groſse Wärmestrahlung geklagt. Ein Vortheil dieser Oefen ist, daſs bei richtiger Anlage derselben eine gute Lüftung erzielt werden kann. Die Heizapparate der vorgefundenen Luftheizungen entsprachen sämmtlich nicht allen Forderungen, welche an solche Oefen gestellt werden müssen. Recht häufig war allerdings die Mangelhaftigkeit der Leistung der Luftheizung einer nicht sachgemäſsen Bedienung zuzuschreiben, welche auf Ueberbürdung des Heizers, der zugleich auch Kastellan, Hausdiener o. dgl. ist, zurückzuführen war. Bei den Messungen der Luftbewegung in den Abluft- und Zuluftkanälen zeigte sich, daſs das Schlieſsen der Abluftkanalklappen von geringerem Einflüsse auf die Bewegung der Luft im Raume ist als das Schlieſsen der Zuluftkanalklappen. Bezüglich der Wärmevertheilung in den besetzten Klassenzimmern gestaltete sich der Temperaturunterschied zwischen Fuſsboden und Kopfhöhe günstiger als in unbesetzten Räumen, was wohl in der Wärmeabgabe der menschlichen Körper seinen Grund hat. Prof. Rietschel empfiehlt, auf eine gute Lüftungsanlage besonderen Werth zu legen und bei beschränkten Mitteln zuerst für eine solche zu sorgen und alsdann das System der Beheizung zu wählen.

Die Rietschel'sche Schrift gibt in ihrem ersten Theile ein durch zahlreiche Tabellen und graphische Darstellungen belegtes Bild der ausgedehnten Beobachtungen, welche sich auf Kohlensäure-Ermittelungen, sowie Messungen der Geschwindigkeit der Luft in den Kanälen und Schulräumen, der Temperatur und Feuchtigkeit erstrecken; hieran schlieſst sich eine Darlegung der. bei der Besichtigung der Anlagen gewonnenen Ergebnisse. Der zweite Theil enthält eingehende Mittheilungen über den erforderlichen stündlichen Luftwechsel und Wärmebedarf in den Schulräumen. Im dritten Theile legt der Verfasser seine Ansichten über die Wahl, Anordnung und Ausführung von Lüftungs- und Heizungsanlagen für Schulen dar; eine werthvolle Vervollständigung dieses letzten Abschnittes bilden Vorschläge für die Ausschreibung solcher Anlagen, ferner Bedingungen für den Entwurf und die Ausführung derselben.

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H. Rietschel: Lüftung und Heizung von Schulen. (Berlin 1886. J. Springer.)

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