Titel: Cassagnes' Steno-Telegraph.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1886, Band 261/Miszelle 6 (S. 353)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj261/mi261mi08_6

Cassagnes' Steno-Telegraph.

Alfr. Cassagnes in Paris, Direktor der Zeitschrift Annales industrielles, hat einen Steno-Telegraphen angegeben, mit welchem in der Zeit vom 28. Oktober bis 7. November 1885 und 11. bis 20. Januar 1886 auf französischen Telegraphenlinien zwei Versuchsreihen durchgeführt worden sind und günstigen Erfolg geliefert haben sollen. Dieser Telegraph schlieſst sich an den mechanischen Stenographen von Michela und de Petro in Turin (vgl. * D. R. P. Kl. 15 Nr. 9240 vom 24. September 1878) an, welcher seit 1880 im italienischen Senat angewendet wird. Michela zerlegt die Wörter in ihre phonetischen Theile, die graphisch mittels einer kleinen Zahl von entsprechend gruppirten Zeichen wiedergegeben werden; Michela's Stenograph enthält eine Klaviatur mit 20 Tasten und 20 zugehörige Typen zum Drucken; das Papier wird um die Breite eines Schriftzeichens fortgerückt, sobald man die gleichzeitig zum Drucken einer Silbe niedergedrückten Tasten löslaſst. Das Lesen der Schriftzeichen soll in 14 Tagen gelernt werden können, das Arbeiten auf der Klaviatur dagegen eine längere Zeit erfordern, da man in 4 bis 5 Monaten erst 150 Wörter in der Minute, 200 Wörter aber erst in 8 Monaten stenographiren lernt. Cassagnes stellt nun nach den Annales industrielles, 1886 Bd. 1 * S. 420 in den beiden Telegraphenstationen synchron laufende Vertheiler1) mit phonischem Rad und der von Delany angewendeten Regelungseinrichtung (vgl. 1885 255 * 328) auf und weist der einen eine Klaviatur mit 20 neben einander liegenden Tasten zu, deren jede beim Niederdrücken in regelmäſsiger Abwechselung von zwei mit dem einen Pole am Ende gelegten Batterien entweder einen positiven, oder einen negativen Strom nach der anderen Station entsendet, woselbst der Strom durch das zugehörige der 20 polarisirten Relais geht und einen Lokalstrom durch den zugehörigen der 20 Elektromagnete des Empfängers schickt. Die 20 Elektromagnete des Empfängers liegen wagerecht in je 3 Reihen über einander zu beiden Seiten des Mittelrahmens und über den obersten beiden Reihen wird der breite Papierstreifen hingeführt; unter dem Papierstreifen liegt ein ebenso breites Band, das mit Druckfarbe getränkt ist, aber merklich langsamer als der Papierstreifen bewegt wird. Die Anker der Elektromagnete liegen unter den Spulen und sind so angeordnet, daſs jeder seinen Druckstempel nach oben bewegt und mittels des Farbebandes auf der Unterseite des Papierstreifens abdruckt. In den Lokalstromkreis ist noch ein 21. Elektromagnet mit eingeschaltet, dessen Anker, wenn die Anker aller Relais in ihre Ruhelage zurückgebracht sind, beim Abfallen ein Schaltrad um einen Zahn dreht und dadurch den Papierstreifen um die Breite eines Schriftzeichens und durch Räderübertragung auch das Farbeband fortbewegt. Wenn man den Vertheilern 3 Gruppen von je 20 Contactplatten gibt und die Contactarme in der Secunde 3 Umläufe machen läſst, kann man in einer 400 bis 500km langen Leitung rund 400 Wörter in der Minute oder 24000 in der Stunde stenotelegraphiren. An Stelle der Sender mit den 20 Tasten hat Cassagnes auch eine selbstthätige Stromgebung mittels gelochter Streifen ins Auge gefaſst.

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Ein anderer Vertheiler für elektromagnetische Empfangstelegraphen, für welche im Geber ebenfalls eine Klaviatur Michela's zur Verwendung kommt, ist von Cassagnes (* D. R. P. Kl. 21 Nr. 33205 vom 25. Februar 1885) angegeben.

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