Titel: J. V. Meigs' Hochbahn.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1886, Band 261/Miszelle 2 (S. 546–547)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj261/mi261mi12_2

J. V. Meigs' Hochbahn.

Das Bestreben, den Unterbau der Hochbahnen möglichst billig und zugleich so zu gestalten, daſs durch denselben den Straſsen möglichst wenig Luft und Licht entzogen wird, hat zu eigenthümlichen Constructionen geführt. Eine solche ist auch das System von J. V. Meigs in Lowell, Mass. Nach dem Scientific American, 1886 Bd. 55 * S. 21 wurde dasselbe auf einer 1km,6 langen Probelinie in Boston unter den schwierigsten Verhältnissen in Bezug auf Curven und Steigungen mit sehr befriedigendem Erfolge erprobt. Es erfüllt die oben erwähnten Anforderungen ebenso wie die Einschienenbahn von Le Roy-Stone (vgl. 1876 222 * 408), unterscheidet sich aber wesentlich von dieser.

Die eigentliche Bahn besteht für jedes Feld aus einem einzigen, auf den Tragpfeilern ruhenden, eisernen Gesperre von 1m,22 Höhe. An demselben befinden sich ein oberer und ein unterer Geleisträger, zur Aufnahme der 4 Schienen. Die 2 Tragschienen bestehen aus Winkeleisen an der äuſseren Oberkante der hölzernen Langschwellen des unteren Geleisträgers. Am oberen Geleisträger befinden sich 2 senkrechte Schienen für die Gleiträder. Der Abstand der unteren Schienen, an deren Auſsenseite gemessen, d. i. die Spurweite beträgt 0m,57, der Abstand der oberen Schienen 0m,44. Das dem Oberbaue angepaſste Wagengestell |547| hat vier unter einem Winkel von 45° einwärts gestellte Tragräder, zwischen welchen sich 2 wagerechte Gleiträder, eines an jeder Seite, befinden, die durch Federn mit den oberen Schienen in Berührung gehalten werden und die Seitenschwankungen sowie das Entgleisen der Fahrzeuge verhindern sollen. Das Wagengestell dreht sich um einen senkrechten Zapfen oberhalb der Gleiträder. Da alle Räder sich unabhängig von einander bewegen, so können noch Curven von 15m Halbmesser anstandslos befahren werden. Die Wagen sind 15m,2 lang und haben mit Ausnahme des Bodens einen kreisförmigen Querschnitt von 3m,3 Halbmesser. Der Kasten ist aus leichten T-Eisenrippen gebildet, die in Kreisform gebogen sind und zwischen welchen sich innen gepolsterte, auſsen mit Papier und Kupfer bekleidete Füllungen befinden.

Textabbildung Bd. 261, S. 547

Die Locomotive besteht aus einem ähnlichen Wagen, mit einem Untergestelle an jedem Ende wie bei den Personenwagen und ebenso wie diese verkleidet. Auf dem Wagen befinden sich zwei vollständige feststehende Dampfmaschinen, von denen jede nur ein einziges Treibrad bewegt. Der Kessel ist ein Locomotivkessel mit 200 Siederöhren und über den Maschinen angebracht.

Der Schwerpunkt der Maschine und Wagen ist so tief als möglich gebracht, wodurch die Wirkung des Winddruckes verringert wird; die glatte Auſsenfläche des ganzen Zuges vermindert den Luftwiderstand und gestattet eine groſse Fahrgeschwindigkeit.

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