Titel: Purves' Flammrohre mit angewalzten Versteifungsringen und Festigkeitsversuche mit denselben.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1886, Band 261/Miszelle 4 (S. 547–548)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj261/mi261mi12_4

Purves' Flammrohre mit angewalzten Versteifungsringen und Festigkeitsversuche mit denselben.

Am 1. Juni d. J. fanden, wie Engineering, 1886 Bd. 41 S. 590 mittheilt, auf dem der Firma John Brown and Camp, gehörigen Atlas Steel Works in Sheffield in Gegenwart einer Anzahl der hervorragenden Marine-Ingenieure Englands bemerkenswerthe Versuche über die Festigkeit von Feuerbüchsen gegen äuſseren Druck statt, welche, wie aus beistehender, dem Engineer, 1886 Bd. 62 * S. 480 entnommener Schnittfigur zu ersehen ist, nach einem neuen Verfahren aus ringförmig gerippten Platten hergestellt werden. Diese Flammrohre mit angewalzten Versteifungsringen sind von David Purves in London (* D. R. P. Kl. 13 Nr. 36123 vom 1. December 1885) angegeben.

Textabbildung Bd. 261, S. 547

Zu den Versuchen waren zwei Feuerbüchsen in voller Gröſse, welche in ihren Abmessungen nur unbedeutend von einander abwichen, in cylindrische Kessel eingenietet worden, um in denselben durch Preſswasser bis zur völligen Zerstörung zusammengedrückt zu werden. Die Kessel hatten 1219mm Durchmesser und 28mm,6 Wandstärke und bestanden aus weichem Stahl; an den Enden wurden die Kessel durch eine geflanschte Platte geschlossen, an welche sich die Feuerbüchse genau so ansetzte wie an die wirkliche Kesselstirnwand. Beide Feuerbüchsen bestanden aus weichem Stahl und hatten je 12mm,7 Wandstärke; die ringsum laufenden verstärkten Rippen, womit die Platten gewalzt werden, hatten bei der einen Platte 228mm, bei der anderen 305mm Abstand. Geschlossen waren die beiden Feuerbüchsen in der Längsnaht durch eine innen |548| aufgenietete Lasche. Der innere Durchmesser der beiden Feuerbüchsen betrug 965mm.

Das erste der beiden Rohre wurde zusammengedrückt bei 54at, während das zweite Rohr 57at,3 Druck aushielt. Diese Drucke wurden durch verschiedene vorher eingestellte Manometer gemessen. Bei dem zweiten Versuche wurden jedoch noch Manometer des Handelsamtes in Gebrauch genommen, welche einen etwas geringeren Druck, nämlich nur 54at,8 zeigten. Nimmt man diese Angabe als richtig an, so muſs immerhin der Umstand, daſs ein Rohr von 990mm äuſserem Durchmesser und nur 12mm,7 Wandstärke erst bei 55at zusammengedrückt wurde, sehr zufriedenstellend erscheinen.

Nach dem Berichte, welchen seiner Zeit W. Parker an Lloyds Register über die Festigkeit gewellter Flammrohre erstattet hat (vgl. 1883 249 9), konnte der Widerstand derselben gegen Zusammendrücken durch die Formel p =1120 (δ – 3) : d ausgedrückt werden, worin p den Druck in Atmosphären, δ und d die Wanddicke bezieh. den Durchmesser in Millimeter bedeuten. Leider ist in dieser Formel der Einfluſs der Länge nicht berücksichtigt, wie auch bei den Brown'schen Versuchen die Länge der Feuerbüchsen nicht angegeben ist. Man wird aber wohl kaum fehlgehen, wenn man dieselbe zu dem üblichen Maſse von ungefähr 1m,8 annimmt. Wendet man diese Formel auf den vorliegenden Fall an, so findet sich, daſs ein gewelltes Flammrohr von gleichen Abmessungen p = 11at,1 ergeben würde (vgl. auch S. 156 d. Bd.); es kann also durch die sich hiernach ergebende etwa 5 fache Sicherheit thatsächlich die Festigkeit der neuen. Brown'schen gerippten Feuerbüchsen angenommen werden.

Ein Punkt, worin die neuen Feuerbüchsen den gewellten überlegen sind, ist deren groſse Widerstandsfähigkeit in der Längsrichtung, während die Ausdehnung der Wellrohre unter Druck sehr bemerklich ist, wie dies auch Parker in seinem Berichte hervorhebt. Dieser Umstand nöthigt jederzeit, eine Anzahl von Ankern zur Unterstützung der Kesselstirnplatten in der Umgebung der Feuerbüchse anzubringen.

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