Titel: Oppermann's Herstellung hohler Glascylinder.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1886, Band 262 (S. 15–16)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj262/ar262007

Oppermann's Herstellung von hohlen Glascylindern durch Ausziehen.

Mit Abbildungen auf Tafel 3.

Die zur Herstellung von Tafelglas nöthigen Hohlcylinder, sogen. Walzen, werden meist durch Blasen, also Handarbeit, erzeugt. Martin Andr. Oppermann in Charleroi, Belgien (* D. R. P. Kl. 32 Nr. 36214 vom 7. November 1885) hat nun ein Verfahren angegeben, durch welches die Erzeugung der Glascylinder mittels mechanisch betriebener Apparate möglich sein soll. Wird nämlich in flüssiges Glas ein fester Körper getaucht und derselbe dann senkrecht aufwärts von der Glasoberfläche ab bewegt, so daſs das an den Körper sich hängende Glas Gelegenheit findet, sofort zu erstarren, so kann eine Glasstange vom Querschnitte des Körpers erzeugt werden. Ist der das Glas ausziehende Körper von ringförmigem Querschnitte, so wird entsprechend ein Hohlcylinder gebildet; hierbei ist es nöthig, Luft unter Druck in den Cylinder einzuführen. Die äuſsere Abkühlung der sich bildenden Glaswalze, welche |16| die Wandstärke der letzteren bestimmt, indem durch starke Kühlung das Glas schneller hart und weniger ausgezogen wird, kann ebenfalls am besten durch gepreſste Luft bewirkt werden.

Einen zur Ausführung dieses Verfahrens bestimmten Apparat veranschaulicht Fig. 5 Taf. 3. Die ringförmige, mit einem eingehakten Stiele b versehene Pfanne a, mittels welcher das Glas aus dem Schmelzofen geschöpft wurde, wird auf den Tisch c gestellt und durch Klammern oder sonstwie auf demselben befestigt. Die Ringform d zur Bildung des hohlen Glascylinders ist wegen der leichten Auswechselung bei Abnutzung an einem hohlen Nabenstücke e befestigt und durch dieses mit der Schraubenspindel f verbunden. In der Nabe e ist die Luftklappe v (vgl. Fig. 4 Taf. 3) angebracht, durch welche atmosphärische Luft in den sich bildenden Glascylinder treten kann, wenn in denselben nicht durch das Rohr r Preſsluft eingeblasen wird. Die Mutter für die Schraubenspindel f, die mit einer eingehobelten Nuth sich an einem in dem Auge g gesteckten Keile führt und dadurch gegen Drehung gesichert ist, bildet das Kegelrad k, welches durch ein gleiches Rad k1 von der Handkurbel h aus gedreht wird und somit die Ringform d langsam senkrecht von dem Glase in der Pfanne a entfernt. Das Rohr r ist durch ein Gelenkrohr r1 mit der Zuleitung r2 für die Preſsluft verbunden, so daſs die Einführung der letzteren in die Form d während der ganzen Aufwärtsbewegung erfolgen kann. Die äuſsere Abkühlung des Glascylinders geschieht durch Preſsluft aus dem von Säulen S gestützten Rohre R, dessen einzelne Ausmündungsröhrchen s durch Kegelventile w zu schlieſsen sind. Die Röhrchen s blasen die Luft in einen kegelförmigen Hohlring K, durch dessen Höher- oder Tieferstellung der ausströmende Ringstrahl von Preſsluft im Antreffen an die Bildungsstelle des Glascylinders und damit die Abkühlung geregelt wird. Hierzu ist der Ring K an mehrarmigen Hebeln l aufgehängt, welche auf dem Rohre R drehbar angeordnet sind und durch deren Gewichte m das Gewicht des Kegelringes K ausgeglichen wird. Die Hebel l sind durch die Arme n an einen Ring o angeschlossen, durch dessen Drehung die Stellung von K bewirkt wird.

Fig. 4 Taf. 3 veranschaulicht noch die Vorrichtung zum Abschneiden der genügend langen Glaswalze. An der Form d ist ein mit Handgriff p versehener Ring q drehbar, welcher an einem Arme t den drehbar angeschlossenen Diamant u trägt. Der Arm t wird durch eine Feder x in der Höhe erhalten, oder wenn derselbe herunter geschlagen ist, durch die Feder x der Diamant u an den Glascylinder gedrückt, wobei gleichzeitig der Ring q gedreht wird. Eine gleiche Vorrichtung ist auch an dem Tische c angebracht, nur daſs dort der Arm mit dem Diamante in die Höhe geschlagen werden muſs, wenn der Glascylinder nahe der Pfanne abgeschnitten werden soll.

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