Titel: A. Leonhardt's Darstellung gelber Azofarbstoffe, sog. Azophosphine.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1886, Band 262 (S. 283–284)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj262/ar262102

Darstellung gelber Azofarbstoffe aus Metanitroanilin o. dgl. und Metaphenylendiamin.

Der unter dem Namen Chrysoidin bekannte Farbstoff wird durch Einwirkung von Diazobenzol auf Metaphenylendiamin erhalten. Verwendet man nun statt des Diazokörpers dessen Nitrosubstitutionsproduct, so bilden sich, wie A. Leonhardt und Comp. in Mühlheim in Hessen (D. R. P. Kl. 22 Nr. 37021 vom 5. August 1885) gefunden haben, basische Nitrokörper, welche Seide, Wolle und Baumwolle gelb bis braun färben. Diese Farbstoffe werden mit dem Namen Azophosphine belegt.

Besonders geeignet zur Gewinnung dieser Farbstoffe sind die Metanitroderivate des Anilins, Ortho- und Paratoluidins und der Amidobenzoësäure, deren Diazoverbindungen, mit Phenylendiamin in Reaction gebracht, Farbstoffe von rein gelbem, Phosphin ähnlichem Farbtone liefern. An Stelle von Phenylendiamin kann natürlich auch Toluylendiamin Verwendung finden; die damit erzeugten Farbstoffe haben mehr röthliche Töne.

Die Azophosphine sind sich in ihren Eigenschaften sehr ähnlich; sie bilden braunrothe bis schwarzbraune Pulver, welche in Wasser leicht löslich sind. In Folge Anwesenheit einer Nitrogruppe werden die Salze durch gröſsere Mengen Wasser leicht zersetzt und müssen deshalb die Lösungen stets mit einigen Tropfen Säure sauer gehalten werden. Man unterscheidet die einzelnen Glieder dieser Farbstoffgruppe am besten durch Ausfärben.

Die Sulfosäuren der Azophosphine sind durch unmittelbare Sulfurirung nur schwierig zu gewinnen; dagegen kann ein in diese Klasse gehöriger Körper leicht erhalten werden durch Diazotirung der von Post und Hartung (Liebig's Annalen, 1880 Bd. 205 S. 102) beschriebenen m-Nitroanilinsulfonsäure und Vereinigung der Diazoverbindung mit Phenylendiamin.

Zur Gewinnung der Farbstoffe verfährt man am besten nach folgenden Vorschriften:

a) 13k,8 Metanitranilin werden in 24k Salzsäure und 200l Wasser gelöst und durch Zusatz einer Lösung von 7k Natriumnitrit diazotirt. Das Reactionsproduct wird nach einigem Stehen mit einer wässerigen Lösung von 18k salzsaurem Metaphenylendiamin in 200l Wasser vereinigt. Der Farbstoff entsteht sofort und wird durch Umlösen und Aussalzen gereinigt. Die Base des so erhaltenen Farbstoffes läſst sich sowohl durch langsames Erkalten der verdünnten |284| dünnten wässerigen Lösung, als auch aus Spiritus in Krystallen erhalten; der Schmelzpunkt ist zu 204° gefunden worden. Saure Reductionsmittel entfärben die Farbstofflösung unter Bildung von Polyaminen welche mit Oxydationsmitteln, z.B. Eisenchlorid, unbeständige röthliche Färbungen annehmen.

b) 15k,2 Metanitroorthotoluidin (Schmelzpunkt 107°) bezieh. Metanitroparatoluidin (Schmelzpunkt 78°) werden in ganz derselben Weise diazotirt und mit 18k salzsaurem Metaphenylendiamin vereinigt.

Die Farbstoffe entstehen ebenfalls sofort und werden wie beschrieben isolirt und gereinigt; sie unterscheiden sich von dem aus Metanitranilin erhältlichen durch einen etwas rötheren Farbton, sind aber in Bezug auf allgemeine Eigenschaften demselben gleich.

c) 20k,4 metanitramidobenzoësaures Natron aus symmetrischer Dinitrobenzoësäure werden in 200l Wasser gelöst, mit einer wässerigen Lösung von 7k Natriumnitrit und 24k Salzsäure diazotirt und mit 18k salzsaurem Phenylendiamin in 200l Wasser gemengt.

Das salzsaure Salz des Farbstoffes scheidet sich unmittelbar aus und wird durch Umlösen gereinigt. Es unterscheidet sich von den besprochenen Farbstoffen durch einen mehr gelben Farbton.

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