Titel: Langhobelmaschinen mit freier Arbeitseite.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1886, Band 262 (S. 300–301)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj262/ar262105

Langhobelmaschinen mit freier Arbeitseite.

Mit Abbildungen auf Tafel 20.

Von E. A. Walker in Philadelphia werden nach G. Richards' Construction Langhobelmaschinen gebaut, welche eine freie Arbeitseite1) ähnlich wie unsere bekannten Querhobelmaschinen gewähren. In Fig. 1 und 2 Taf. 20 ist nach dem American Machinist, 1886 Nr. 10 * S. 1 bezieh. Nr. 33 * S. 7 eine solche Maschine kleinerer Ausführung dargestellt.

Auf dem zu beiden Seiten des Fuſses ausragenden Bette B bewegt sich ein Schlitten S, welcher quer zur Bettführung einen wagerechten, frei vorragenden Arm A besitzt. An der Prismenführung dieses Armes wird durch eine Schraubenspindel der Stahlhalterschlitten T nach gewöhnlicher Art eingestellt. Der Schlitten S wird durch eine starke Schraubenspindel bewegt, deren Antrieb mittels offenen und gekreuzten Riemens erfolgt. Die Bewegung des Schlittens wird durch die Verschiebung der Riemen umgekehrt. Um die Umkehrung auf einen möglichst kurzen Weg des Schlittens an den Enden seines ganzen Hubes zu beschränken, muſs die Trägheit umlaufender Massen, also die Schwungrad Wirkung der auf der Bewegungsspindel sitzenden Antriebscheiben verringert werden. Aus diesem Grunde wird die mittlere feste Riemenscheibe R von doppelter Riemenbreite aus Holz gemacht, während die beiden auſsenliegenden, losen, einfach breiten Scheiben R1 und R2 aus Eisen gegossen sind. Der Hub wird durch den Anschlag eines Führungsauges am Schlitten S an Stellringen einer Steuerstange s begrenzt, welche parallel über dem Bette liegt und über oder durch den Schlitten S geht; beim Antreffen des Schlittens an die Stellringe wird diese Stange mitgenommen, die Riemengabel verstellt und der Hubwechsel erreicht. Da alle drei Scheiben R, R1 und R2 zusammen bloſs vier Riemenbreiten besitzen, so läuft ein Riemen stets auf der Festscheibe R. Um nun die Maschine ganz abzustellen, muſs jener Riemen für sich allein auf seine Losscheibe gebracht werden, was durch eine besondere Verschiebung der entsprechenden Riemengabel erfolgt, wozu diese Gabeln auf Zapfen an der Steuerstange s drehbar sitzen.

Sinnreich ist die Ableitung der Schaltbewegung von der Hauptbewegung. Längs der hinteren Bettseite ist ziemlich auf die ganze Länge derselben eine schwache Zahnstange angeschraubt. Mit dieser steht ein Getriebe r im Eingriffe, dessen Welle quer in dem Schlitten S gelagert und an deren vorderem Ende eine Schlitzkurbel aufgesteckt ist. Eine kleine Schubstange verbindet die letztere mit dem schwingenden Schalthebel auf der Schraubenspindel des Armes A. Während des Schlittenlaufes dreht das Zahnstangengetriebe die Schlitzkurbel und |301| diese versetzt den Schalthebel in Schwingungen, deren Anzahl von der Hublänge der Schlittenbewegung abhängt. Es ist selbstverständlich, daſs die Schaltung nur während des Rücklaufes erfolgen kann, demnach der Schaltkegel in die Zähne des Schaltrades entsprechend eingelegt werden muſs. Da die Schaltung des Stahles unabhängig von der Hublänge bleiben muſs, ist mittels der Schlitzkurbel eine Vorkehrung getroffen, die Schaltungsgröſsen nach Belieben einzustellen. Auch ist bei schweren Maschinen eine selbstthätige senkrechte Verschiebung des Stahlträger, wie bei den gewöhnlichen Hobelmaschinen vorgesehen.

Eine werthvolle Eigenschaft dieser Hobelmaschine bildet die Unabhängigkeit derselben von den Gröſsenverhältnissen des Werkstückes und ferner jene schon den Querhobelmaschinen zukommende Eigenthümlichkeit des bewegten Werkzeuges. Als Nachtheil muſs hingegen die ungünstige Hebelwirkung zwischen Schnittdruck und Druck in den Schlittenführungen angesehen werden, wodurch der Gang der Maschine erschwert, oder die Genauigkeit der Arbeit beeinträchtigt wird. Immerhin ist diese Seitenhobelmaschine als ein entschiedener Fortschritt in der Entwickelung der Hobelmaschinen zu betrachten und es dürften die angeführten Uebelstände jedenfalls zu vermeiden sein, sobald die der Maschine zugemuthete Arbeitsleistung derselben angemessen bleibt.

Richards'sche Hobelmaschinen und namentlich auch solche von schwererer Gattung werden in England von Smith und Coventry in Manchester gebaut. Fig. 5 Taf. 20 zeigt ein Schaubild einer Maschine der letzteren Art, welche ein Arbeitsfeld von 1m Breite zu 9m Länge beherrscht und drei Aufspanntische besitzt.

Die der Revue industrielle, 1886 * S. 394 entnommenen Fig. 3 und 4 Taf. 20 erläutern die Verwendungsart der Maschine bei der Bearbeitung der Schieberspiegel an Dampfcylindern und beim Hobeln von Nuthen in Wellen und Riemenscheiben u. dgl. Jedenfalls scheint dieser Hobelmaschine eine weitere Verbreitung gesichert, wie dies die vielen Ausführungen in England und Nordamerika in neuester Zeit bekunden.

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Vgl. auch Billeter 1877 226 549. Asquith 1878 230 * 397. Buckton 1879 234 154.

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