Titel: Siewerdt's Herstellung von Schrauben u. dgl.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1886, Band 262 (S. 397–399)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj262/ar262136

Siewerdt's selbstthätige Maschine zur Herstellung von Schraubenbolzen, Fischbandknöpfen u. dgl.

Mit Abbildungen auf Tafel 26.

Eine selbstthätige Maschine, die aus einer festgehaltenen Stange oder einem Drahte durch Formmesser eines kreisenden Fräskopfes kleinere Gegenstände von beliebiger Gestalt nach einander ausarbeitet und die fertig gedrehten Stücke absticht, welche also ähnlich wie die Maschine von Gebrüder Heyne (vgl. 1882 246 * 455) arbeitet, hat A. Siewerdt in Oerlikon bei Zürich (* D. R. P. Kl. 49 Nr. 35375 vom 24. Juli 1885) construirt. Diese in Fig. 1 Taf. 26 in ihrer Gesammtanordnung, in Fig. 2 bis 4 Taf. 26 mit ihrem Fräskopf und dessen Messerstellung veranschaulichte Maschine besitzt eine im Gestelle durch die Mutter b festgehaltene Hohlachse a, auf welcher der mittels einer an denselben angegossenen Riemenscheibe R angetriebene Messerkopf d drehbar ist. Auf die Hohlachse a ist eine am vorderen Ende mit einem Gewindebunde versehene Hülse c aufgesteckt, welche den Messerkopf d in einer bestimmten Lage auf a festhält und gleichzeitig die Vorschiebung der Messer gegen das Arbeitstück dadurch bewirkt, daſs der Gewindebund beim Drehen des Messerkopfes das kleine, in Fig. 1 schwarz angedeutete Schneckenrad in Drehung versetzt, welches durch die Räder g auf die Schnecke h (vgl. Fig. 2) treibt. Die Schnecke h greift in die äuſsere Verzahnung des im Inneren mit excentrischen Schubflächen versehenen Ringes i ein. Innerhalb desselben sind in der Stirnscheibe des Kopfes d Führungen für die Messerhalter k (vgl. Fig. 3 und 4) eingehobelt und diese werden, |398| wie gleichzeitig die Schnecke h und der Ring i, durch die Deckplatte e im Kopfe d festgehalten. Während der Ring i bei seiner Drehung die Halter k mit den Messern gegen das Werkstück vorschiebt, werden die Halter durch die in denselben liegenden Schraubenfedern m fortwährend in Berührung mit den einander völlig gleichen Schubcurven des Ringes i gehalten. Hat also der Ring i durch die Differentialbewegung ⅙ Drehung auf d ausgeführt und dabei die Messer M zum Abstechen des fertig gedrehten Stückes A1 (Fig. 4) und zum Abdrehen eines neuen Bolzens A2 genügend weit vorgeschoben, so springen die Werkzeuge M in Folge der Einwirkung der Federn m plötzlich zurück, um den zu verarbeitenden Draht a1 behufs Vorschiebens frei zu geben und bald darauf mit der Ausarbeitung eines neuen Bolzens wieder zu beginnen.

Während des Arbeitens der Messer M bewirkt die hinter der Antriebscheibe R auf den Messerkopf d aufgesetzte Schnecke n die Schaltung zum Lösen und Vorschieben des Werkstückes a1 um die zu einem neuen Bolzen erforderliche Länge. Die Schnecke n setzt nämlich das Rad o und das Rädergetriebe p, q, r in Bewegung; auf der Achse des Rades r sitzt aber die Curvenscheibe s fest, welche mittels des am Arme u des Gestelles aufgehängten Hebels t die in die Hohlachse a hineingeschobene, an ihrem vorderen kegelförmigen Ende dreitheilig aufgespaltene, also federnde Doppelhülse yz beeinfluſst.

Die innere Hülse z, auf welcher die äuſsere Hülse y vor- und rückwärts geschraubt werden kann, dient zur Einstellung der erforderlichen Festklemmung von a1 mittels der kegelförmigen, auswechselbaren und federnden Backen der Hülse y während der Arbeit der Messer M. Durch den Hebel t wird der Draht a1 so lange festgehalten, bis die Messer M einen fertigen Bolzen abgeschnitten haben. In demselben Augenblicke zieht dann der Hebel t in Folge der Daumenscheibe s die Hülse z etwas zurück, so daſs die Klemmbacken der Hülse y den Draht a1 frei geben. Alsdann schiebt der in dem geschlitzten Rohre w geführte Kolben a2, an welchen die über die Rolle v des Gestellarmes u gelegte und mit einem Gewichte belastete Schnur s1 angeknüpft ist, den Draht a1 um die zu einem neuen Bolzen erforderliche Länge durch den Messerkopf d vor, welcher dann von Neuem in Thätigkeit tritt.

Auf der Achse der Daumenscheibe s sitzt noch eine ähnliche Scheibe b1, welche in Verbindung mit der Schubstange c1 und dem Hebel d1 den verstellbaren Längenanschlag e1 des durch die Gewichtsschnur s vorgeschobenen Drahtes gegen letzteren vorschiebt. Dieser Anschlag wird in seine frühere Stellung durch die Feder f1 zurückgedrückt, sobald a1 wieder festgespannt, also zum Bearbeiten bereit ist. Dieses Zurücktreten des Anschlages e1 ist erforderlich, damit der vorher gedrehte und zum Abstechen fertige Bolzen o. dgl. frei in den Wassersammler und Spankasten g1 abfallen kann.

Zum genauen Einstellen der drei Arbeitsmesser in Bezug auf den |399| Mittelpunkt der Scheibe d ist eine Regulirschraube h1 (Fig. 3 und 4) an den Messerhaltern k angebracht, welche in den Gleitstücken i1 vor- und rückwärts gezogen und dann der Messerhalter k durch Anziehen der Mutter k1 festgestellt wird.

Während der Dreharbeit ist zum Kühlen der Stähle und zum Wegschwemmen der Späne eine groſse Wasser menge nöthig. Zu diesem Zwecke ist eine Pumpe P angeordnet, welche vom Deckenvorgelege aus beständig angetrieben wird, ihr Wasser dem Hauptständer L der Maschine entnimmt und dasselbe in einen über der Maschine angebrachten Behälter schafft; von letzterem aus wird das Wasser mittels eines Schlauches durch einen am Maschinengestelle angebrachten Hahn und durch zwei in der feststehenden Hohlachse a eingegossene Kanäle sowie durch den Messerkopf d hindurch den Messern zugeführt. Dieses Wasser wird dann von dem Spankasten g1 wieder aufgefangen und durch eine in letzteren eingelegte Siebplatte und das Rohr r1 hindurch wieder dem Hohlständer L zugeführt. Der Schmierapparat n1 führt durch die Bohrung im Maschinengestelle und durch ein an jenen sich anschlieſsendes Bohrloch der Hohlachse a hindurch genügend Schmiermaterial der Stirnscheibe des Messerkopfes d zu und sucht ein Warmlaufen von d auf a zu verhindern.

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