Titel: G. Rohn, über Herstellung von Doppelsammt.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1886, Band 262 (S. 508–518)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj262/ar262177

Ueber Neuerungen bei der Herstellung von Doppelsammt; von G. Rohn.

(Patentklasse 86. Schluſs des Berichtes S. 445 d. Bd.)

Mit Abbildungen im Texte und auf Tafel 29 und 33.

Die Gleichmäſsigkeit der Doppelsammtgewebe ist nicht bloſs von der gleichmäſsigen Zuführung und Spannung der Polketten, sondern auch von jener der Grundketten mit abhängig. Für die letzteren werden gewöhnlich die bekannten Mittel zum Abwinden und zur Vergleichmäſsigung der Spannung benutzt. Etwas abweichend hiervon bringen S. C. Lister und J. Reixach in Bradford (* D. R. P. Nr. 30709 vom 28. December 1883) einen besonderen Kettenbaumregulator in Vorschlag, durch welchen ein plötzliches Nachlassen der Grundkettenspannung verhindert und folglich ein ungleichmäſsiges Anziehen der Grundgewebe durch die Polketten, |509| da ohne Einlegen von Nadeln gearbeitet wird, vermieden werden soll. Gleichzeitig ist die Regulirung der Pollkettenspannung mit den Webschäften für dieselbe in Verbindung gebracht.

Fig. 1 Taf. 33 veranschaulicht die ganze Anordnung eines Webstuhles für Doppelsammt mit diesen Einrichtungen und Fig. 2 eine Seitenansicht des Kettenbaumregulators. Die Führung der Polkette ist ähnlich wie bei Pearson (vgl. Fig. 18 Taf. 29); von den Bäumen P kommend werden die einfachen Ketten unter Vermittelung einer Zwischenwalze l um die Zuführungswalzen C geschlungen, welche wieder eine langsame Drehung von der Kurbelwelle des Webstuhles aus erhalten. Von der zweiten Walze C weg wird die zusammengenommene Polkette in vier Theile getheilt, welche einzeln über die Spannstäbe t gelegt sind und dann in die Schäfte H zu ihrer Bewegung bei der Fachbildung laufen. Die Stäbe t sind wieder durch Schnüre mit Federn f verbunden, welch letztere jedoch an die einen Arme von Hebeln o angehängt sind, deren andere Arme mit den Hebeln I zur Bewegung der Schäfte H verbunden sind. In die Schäfte H sind, wie bereits erwähnt, die Polkettenfäden eingezogen und somit werden auch, wenn diese durch Bewegung der Schäfte ins Ober- oder ins Unterfach kommen, die gleichen Spannstäbe t gehoben oder gesenkt, so daſs die Polkettenfäden keiner gröſseren Anspannung bei der wechselnden Fachbildung unterliegen.

Die beiden Grundketten G kommen von einem gemeinschaftlichen Baume F und sind von demselben weg gemeinschaftlich über die Leitwalzen F1 und F2 geführt, nach welchen die Ketten durch die zur Bestimmung der Florhöhe verstellbar gemachten Walzen L getrennt werden. Die Walze F2 liegt an den Enden von zweiarmigen Hebeln h, an deren andere Enden die Scheibengewichte g angehängt sind; die Hebel h sitzen fest auf der Walze F1, so daſs jede durch Spannungsverminderung oder -Vermehrung herbeigeführte Auf- und Abwärtsbewegung der Walze F2 eine Drehung der Walze F1 im Gefolge hat. Der Lagerzapfen der Walze F1 auf der einen Seite trägt noch den einarmigen Hebel J (vgl. Fig. 2), an welchen ein auf der Rolle J1 befestigter Riemen angehängt ist; von einer Rolle neben der Rolle J1 , welche mit letzterer fest verbunden ist, führt ein gleicher Riemen nach dem wagerecht drehbaren Hebel K, welcher auf der senkrechten Achse K1 lose sitzt und eine in das Schaltrad S eingreifende Klinke k trägt. Die auf diese Weise bei Schwingung des Hebels K der Achse K1 ertheilte Drehung wird durch ein Schneckengetriebe auf den Kettenbaum F übertragen. Die Schwingung wird dem Hebel K durch den einen Arm eines Winkelhebels W ertheilt, dessen anderer Arm durch eine Lenkstange mit der kleinen Kurbel L1 verbunden ist. Die Kurbel L1 wird von der Kurbelwelle B der Ladenbewegung aus unter Vermittelung zweier Stirnräderpaare R1 und R3 und eines Schneckenräderpaares R2 in Umdrehung versetzt. Das Ende des aufrecht stehenden Armes vom Winkelhebel W ist |510| jedoch nicht zwangläufig mit dem Hebel K verbunden, sondern legt sich nur frei an diesen an, wobei diese freie Anlage durch eine auf den Hebel K wirkende Feder gesichert wird.

Wird nun zuviel Kette vom Baume F abgelassen, so hebt sich F2 unter Wirkung der Gewichte g, der Hebel K wird durch die Riemenverbindung aus dem Schwingungsbereiche des Hebels W gezogen und eine weitere Abwickelung des Baumes F hört auf. Vergröſsert sich dann die Kettenspannung, so senkt sich die Walze F2 und damit der Hebel J, die Riemen lassen den Hebel K durch die Wirkung seiner Feder wieder gegen den aufrechten Winkelarm W ziehen und der letztere drückt gegen Ende seiner Schwingung den Hebel K zur Seite, wodurch Kette nachgelassen wird. Da die Kurbel L1 während zweier Drehungen von B einmal umläuft, so wird nach jedem zweiten Schusse der Hebel W schwingen und folglich die Grundkettenspannung geregelt.

Doppelsammt bedarf beim Weben wegen der starken Kreuzung der Polfäden, welche der eingetragene Schuſsfaden anzuziehen hat, eines kräftigen Ladenschlages. Zu diesem Zwecke trennt J. Durand in Lyon (Erl. * D. R. P. Nr. 24383 vom 25. April 1883) in den Laden von mechanischen Webstühlen für Doppelsammt das Blatt von der Schützenbahn und bewegt beide beim Zuschlagen der Lade besonders. Die Lade wird in gewöhnlicher Weise durch die Kurbelwelle G (Fig. 7 Taf. 33) bewegt; doch ist die Lade in zwei Theile A und B zerlegt, die jeder für sich an Armen befestigt sind und um die feste Achse H schwingen. Der hintere Theil B, das Weberblatt, wird, so lange dessen am Schwingungsarme C befestigter Arm E nicht von dem umlaufenden Daumen D beeinfluſst ist, durch eine stellbare Feder F gegen den vorderen Theil A der Lade, die Schützenbahn, gezogen. Der Doppeldaumen D sitzt auf einer Welle, welche von der Kurbelwelle G aus durch Zahnräder halb so schnell wie diese gedreht wird, und dadurch folgt beim Ausschlage der Lade das Blatt der Bahn; beim Zuschlagen der Lade wird dagegen deren hinterer Theil B von dem Daumen D zurückgehalten, bis die Laufrolle am Ende des Armes E von diesem abschnappt und nun die vorher gespannte Feder F zur Wirkung kommen kann.

Während sonst die Nadeln oder Ruthen, welche mitunter im Gebrauche sind, um einen gleichbleibenden Abstand der Grundgewebe und somit eine stets gleiche Polhöhe zu bestimmen und zu sichern, in der Schuſsrichtung nach einer Anzahl Schuſs eingelegt werden, will Ch. Devillaine in Lyon (* D. R. P. Nr. 27066 vom 9. Mai 1883) solche Ruthen in der Kettenrichtung beim Weben feststehend benutzen. Hinter dem Harnisch wird zwischen den Grundketten eine feste Schiene angeordnet, an welcher durch den Harnisch und das Blatt bis in das Gewebe reichende flache Nadeln angehängt sind. Beim Weben mittels Doppellade, wo also zwei Webfächer immer gleichzeitig gebildet werden, können die Nadeln auch ganz fest zwischen diesen angeordnet sein.

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Die bisher betrachteten Einrichtungen an Webstühlen zur Herstellung von Doppelsammt beziehen sich auf Gewebe, bei welchen der Flor von Kettenfäden gebildet wird; es handelte sich also bisher um das Weben von sogen. Doppelkettensammt. Der Flor des Sammtes kann nun aber auch von Schuſsfäden gebildet werden und, wie man einfachen Schuſssammt herstellt, so läſst sich auf ähnliche Weise auch Doppelschuſssammt erzeugen. Einen mechanischen Webstuhl hierzu haben H. L. Morel und J. B. Poncet in Lyon (* D. R. P. Nr. 26657 vom 9. Januar 1883) angegeben. Der Pol schuſsfäden wird dabei mittels einer Rohrnadel, welche diesen Faden in ihrem Inneren aufnimmt, in das von der oberen und unteren Grundkette gebildete Fach in der durch Textfig. 1 veranschaulichten Bindung eingetragen. Diese Rohrnadel hat eine der Breite des herzustellenden Gewebes entsprechende Länge und eine Stärke, in der Höhe bemessen, gleich der doppelten Florhöhe, so daſs die Nadel selbst den Abstand der beiden Grundgewebe bestimmt. Hierzu bleibt auch die in das Fach eingeschobene Nadel während der Eintragung des nächstfolgenden Grundschuſsfadens im Gewebe stehen. Dabei wurde das äuſsere aus der Nadel heraushängende Fadenende gebunden und die Nadel kann nun aus dem Gewebe gezogen werden, so daſs der ganze Polschuſsfaden nun auch innerhalb desselben gebunden wird. Wenn dann die Rohrnadel bei dem Austreten aus dem Gewebe eine neue Fadenlänge aufgenommen hat, wird der Polschuſsfaden zwischen dem Geweberande und der Nadelspitze durchschnitten.

Fig. 1., Bd. 262, S. 511
Um den Polschuſsfaden in so reichlichem und spannungslosem Zustande der Rohrnadel zuzuführen, daſs derselbe bloſs durch seine Rauhheit in der Nadel hängen bleibt und von dieser mitgenommen wird, ist dieser Faden, wie aus Fig. 6 Taf. 33 zu entnehmen, auf einer oberhalb der Kette gelagerten groſsen Spule S aufgewickelt und geht von dieser aus durch Oesen s, welche am Webstuhlobertheile befestigt sind, und über eine an der Seite des Webstuhles angebrachte Drahtöse t zur Rohrnadel N. Zwischen den Oesen s wird der Polschuſsfaden P von Gabeln f erfaſst, welche nach einander auf und nieder gehen und dabei den Faden P von der Spule S abziehen. Die Gabeln f sind auf senkrechten hängenden Bolzen verschiebbar und wird deren Bewegung von Curvenscheiben vermittelt, welche auf Hebel wirken, an denen die Gabeln f gelenkig angeschlossen sind. Den von diesem sogen. Schuſsspender gelieferten Faden P zieht die Rohrnadel N an, welche zum besseren Fassen des Fadens an ihrer Spitze etwas zusammengezogen ist und dadurch den Faden klemmt, ohne ihn jedoch zu durchschneiden oder zu beschädigen. Die Nadel N ist an einem Gleitstücke x befestigt, welches auf einer besonderen an der Lade befestigten Bahn u hin und her geführt wird. Diese Bewegung erfolgt mittels des Gelenkstückes a und des Armes b, welch letzterer an der schwingenden |512| Scheibe A befestigt ist Auf der anderen Seite der Lade wird in gleicher Weise durch die Scheibe B und Gelenkverbindung cd ein Gleitstück y verschoben, welches eine Ruthe Q trägt, die beim Einführen der Nadel N das Fach aus einander zu halten hat. Die schwingenden Scheiben A und B erhalten ihre Bewegung von Excentern auf der Hauptwelle des Webstuhles, welche auf Hebel h wirken, deren Arme durch Ketten mit den Umfangen der Scheiben A und B verbunden sind. Die zwischen diesen angeordnete dritte Scheibe C dient zur Bewegung des Messers zum Zerschneiden des Doppelgewebes.

Ist die Nadel N aus dem Gewebe gezogen, so klemmt sie den abgelassenen Faden während kurzer Zeit fest, um dem Schuſsspender die Förderung einer neuen Schuſslänge zu gestatten. Darauf wird der Faden von einem festen Messer, gegen welches die Lade schlägt, neben der Gewebekante durchschnitten, so daſs die Einführung eines neuen Fadens durch die Nadel N erfolgen kann.

Der auf diese Weise hergestellte sogen. Doppelschuſssammt wird aber in Bezug auf Regelmäſsigkeit und Gleichheit kaum mit Doppelkettensammt in Wettbewerb treten können und thatsächlich auch nur in geringerem Gütegrade ausgeführt.

Die Doppelsammtgewebe müssen nun, um den einfachen Sammt mit Flordecke zu erhalten, zertrennt, die verbindenden Polfäden der beiden Grundgewebe zerschnitten werden. Von der guten Ausführung dieser Arbeit ist besonders das gute Aussehen des Sammtes abhängig und daher dem Zerschneiden des Doppelgewebes eine groſse Aufmerksamkeit zu schenken. Die zahlreichen hierzu vorgeschlagenen Ausführungsarten lassen sich in zwei Richtungen unterscheiden. Das Doppelgewebe wird entweder unmittelbar im Verlaufe seiner Herstellung auf dem Webstuhle selbst oder auf besonderen Apparaten1) im fertigen Stück auf einmal zerschnitten. Beide Verfahren finden sich in der Praxis angewendet und dürfte dem zweiten der Vortheil zuzuschreiben sein, daſs dabei der Weber für die Beaufsichtigung des Webstuhles etwas entlastet wird und dem Zerschneiden selbst eine eingehendere Beobachtung geschenkt werden kann; allerdings ist dabei wieder ein Apparat mehr nöthig und das Doppelgewebe kommt vor dem Zerschneiden auſser Spannung, welche, in gleichmäſsiger Weise wieder zu erreichen, eine entsprechende Anordnung des besonderen Schneidapparates bedingt.

Fig. 2., Bd. 262, S. 512
Abweichend von diesen beiden Verfahren will O. Hallensleben in Chemnitz (* D. R. P. Nr. 32463 vom 22. Februar 1885) das Zerschneiden des Doppelsammtgewebes mit Hilfe der Einlegeruthen bewirken. Die Ruthen erhalten, wie in Textfig. 2 veranschaulicht ist, an dem einen Ende ein Messer, welches beim Ausziehen der Ruthen die Polfäden |513| bis zur nächsten Ruthe zerschneidet. Um die Polfäden dabei besser zusammen zu drängen, erhalten die Ruthen einen linsenförmigen Querschnitt, was sich allerdings wegen möglicher Ungleichheiten der zerschnittenen Gewebe, wie das ganze Verfahren überhaupt, wenig empfehlen dürfte.

Die Schneidapparate für Doppelsammtgewebe, welche unmittelbar an den Webstühlen angebracht werden, arbeiten meistens mit einem in der Breite des Gewebes zwischen den aus einander geführten einfachen Sammtgeweben hin und her bewegten Messer; das letztere ist entweder ein Flachmesser, oder eine umlaufende Messerscheibe. Es werden nun zunächst die Mittel betrachtet werden müssen, welche zur Erzielung der hin und her gehenden Bewegung des Messers angewendet werden.

Bei dem Doppelsammt-Webstuhle von C. Gronert in Berlin (Erl. * D. R. P. Nr. 24209 vom 13. Februar 1883) ist die aus Fig. 3 und 4 Taf. 33 ersichtliche Anordnung getroffen. Von der Ladenkurbelwelle A wird durch ein Stirnräderpaar auf der einen Seite mit halber Geschwindigkeit eine Welle B und auf der anderen Seite durch ein Rad C das groſse Rad H getrieben, dessen Geschwindigkeit sich nach der Art der damit verbundenen Excenter E zur Schaftbewegung richtet. Auf der Welle B sitzt mit Nuth verschiebbar eine Doppelscheibe J, zwischen welche ein Kegel K der senkrecht zu B gelagerten Achse F tritt. Je nach der Anlage des rechten oder linken Kranzes der Doppelscheibe J an K wird die Achse F also rechts oder links umgedreht; die Mitnahme kann dabei durch Reibung oder Verzahnung erfolgen. Auf der Achse F sitzt vorn am Webstuhle die Scheibe S, auf welcher eine endlose Schnur befestigt ist. In diese über die Rollen r geführte Schnur ist der in einer Schwalbenschwanznuth geführte Messerträger M eingeschaltet und derselbe wird also durch die wechselnde Drehung der Scheibe S in der Gewebebreite hin und her verschoben. Diese Bewegung wird von dem Rade H beeinfluſst, welches einen seitlichen, mit einer Erhöhung und daneben befindlicher Vertiefung versehenen Laufkranz besitzt. Gegen diesen wird durch eine Feder O die Stange eines Hebels L, an welchen die Doppelscheibe J anläuft, gedrückt. Auf diese Weise macht das Messer durch entsprechende Verschiebung von J, also während einer Umdrehung von H, immer kurz hinter einander eine Hin- und eine Herbewegung; je nach dem Uebersetzungsverhältnisse zwischen C und H wird also alle 4., 6. u. f. Schuſs das Messer einmal schneiden.

Aus Fig. 4 und 5 Taf. 33 ist auch gleichzeitig ein Aufwinderegulator für die zerschnittenen einfachen Gewebe ersichtlich. Statt der sonstigen mehrfachen Stirnräderübersetzung ist hier nur ein Schneckengetriebe s vorhanden, welches von einem Schaltrade e aus gesteuert wird; das letztere erhält seine absetzende Drehung von dem Klinkenhebel d, dessen freies Ende in einer am Ladenschwengel angebrachten Schlitzführung u gleitet. Um die Aufwindung zu regeln, wird diese Führung u mehr oder weniger schräg eingestellt, Das Schneckenrad a sitzt unmittelbar |514| auf dem unteren Waarenbaume und treibt mittels eines gleichen Rades b gleichzeitig den oberen Baum.

Zur Bewegung des Schneidmessers hat F. A. y Parellada in Barcelona (* D. R. P. Nr. 25254 vom 7. März 1883) die in Fig. 9 Taf. 33 dargestellte Einrichtung getroffen. Das Messer s, welches in einer Schiene v geführt wird, ist in eine Schnur S eingeschaltet, deren beide Theile über Spannrollen r nach dem oben im Webstuhle angeordneten Winkelhebel h geleitet und dort befestigt sind. Der Winkelhebel h wird durch Vermittelung des Zwischenhebels b und der an eine Kurbel angeschlossenen Lenkstange a in Schwingungen versetzt.

Eine gleichbleibende Schärfe des Schneidmessers ist nun zur Erzielung eines glatten Schnittes und damit eines guten Aussehens des Flores Bedingung und bedarf daher das Messer eines öfteren Schärfens. Um nun dieses Schärfen selbstthätig beim Arbeiten des Messers auszuführen, sind die Doppelsammtwebstühle noch mit besonderen Vorrichtungen hierzu auszurüsten. Dieselben bestehen meistens in an den Seiten des Webstuhles angebrachten Schleifklötzchen oder Schleifwälzchen, welche das Messer am Ende jedes Hin- und Herganges berührt.

Die von M. Leach, J. Heaton und J. Bentley in Bradford (* D. R. P. Nr. 31119 vom 30. Mai 1884) angegebene Einrichtung zum Schärfen des Schneidmessers setzt ein flaches Messer voraus. An den Seitengestellwänden des Webstuhles sind lose auf verstellbaren Bolzen drehbar die Schmirgelrollen R (Fig. 8 Taf. 33) angebracht; dieselben sind vorn etwas zugespitzt und werden von einer schnell laufenden Welle des Webstuhles aus jede für sich mittels Schnur angetrieben. Das in die hin und her bewegte Schnur S eingeschaltete, in dem Böckchen M verstellbare Messer s tritt immer am Ende seines Hubes einmal unter die linke, dann unter die rechte Schleifrolle R, so daſs abwechselnd die obere und die untere Messerseite angeschliffen wird. Die Tragbolzen für die Schleifrollen R sitzen an den mittels Schraubenspindeln in der Höhe einstellbaren Böckchen Q für den Führungsträger P des Messerböckchens M, so daſs bei der Stellung des Messerlaufes auch die Schleifrollen folgen.

Ganz ähnlich ist der Schärfapparat von E. Greaves in Bradford (Englisches Patent 1885 Nr. 4003), nur daſs bei demselben ein umlaufendes Scheibenmesser vorausgesetzt wird. Diesem entsprechend sind zum Anschleifen der beiden Flächen zwei Paare von Kegelwalzen A (Fig. 14 Taf. 33) angeordnet, welche unter dem Schneidwinkel des Messers s zu einander stehen.

Die verschiedenen getrennt vom Webstuhle arbeitenden Schneidapparate für Doppelsammtgewebe unterscheiden sich nur durch die Anordnung des Messers; die übrige Einrichtung ist stets die gleiche: Das von dem gebremsten Wickel kommende oder über eine Bremswalze geführte Doppelgewebe wird in einen Spalt geleitet, bei dessen Austritt dasselbe |515| von dem Schneidmesser zertrennt wird. Die beiden erhaltenen einfachen Gewebe werden dann nahezu in einem rechten Winkel zur Richtung des Spaltes über dessen vordere abgerundete Kanten durch mit Nadeln besetzte Walzen abgezogen. Hiervon unterscheidet sich nur der Farran'sche Schneidapparat (vgl. 1882 243 * 305), bei welchem statt der festen kantigen Schienen Walzen zur Bildung des Schnittspaltes benutzt sind.

Bei dem Schneidapparate von Th. Diéderichs in Burgoïn, Frankreich (* D. R. P. Nr. 24144 vom 13. April 1883) wird ein doppeltes Zinkenmesser s (vgl. Fig. 13 Taf. 33) benutzt. Das eine Messer ist feststehend, während das zweite Messer an dem ersten von einer Kurbel mittels der Lenkstange a bewegt hin- und hergleitet und so die zwischen die Zinken getretenen Fäden von den Zinken beider Messer scherenartig zerschnitten werden. Die Einrichtung des Apparates veranschaulicht in einem Schnitte Fig. 12 Taf. 33. Das Doppelgewebe wird in die mittlere Abtheilung des Kastens K gelegt, steigt aus derselben zwischen den Walzen B und C, von welchen die letztere durch ein umschlungenes, beliebig zu beschwerendes Seil S gebremst wird, zwischen die Schienen A, worauf die einfachen Gewebe, von den Walzen D abgezogen, in die Seitenabtheilungen des Kastens K zurückfallen.

Der von Wilh. Vogel in Chemnitz und der Sächsischen Stickmaschinenfabrik in Kappel bei Chemnitz (* D. R. P. Nr. 30766 vom 4. Juli 1884) angegebene Apparat besitzt mehrere an einem biegsamen, endlos umlaufenden Bande befestigte Flachmesser, so daſs in gewissem Sinne eine liegende Bandsäge besteht. Das endlose Stahlband S (Fig. 10 und 11 Taf. 33), an welchem die Messer s in der Höhe stellbar befestigt sind, wird über zwei an den Seiten des Apparates wagerecht gelagerte Scheiben A gelegt, von welchen die eine gegen die andere verstellbar ist und die andere mittels eines halbgeschränkten Riemens angetrieben wird. Unter dem Schnittspalte wird das sonst frei laufende Band von Rollen r unterstützt und die Messer s durch zwei stellbare Schienen t seitlich geführt. Das Schleifen der Messer findet beim Rücklaufe durch Schmirgelrollen statt, gegen welche die Messer durch in Gewichtshebeln ruhende, an die glatte Bandseite sich anlegende Wälzchen gedrückt werden.

O. E. Drown in Savlesville (Nordamerikanisches Patent Nr. 350726 vom 13. August 1884) bringt eine umlaufende Messerkette in Vorschlag. Wie aus Fig. 15 und 16 Taf. 33 zu ersehen ist, sind an den einzelnen Gliedern einer Gelenkkette g, welche zwischen zwei Schienen D geführt wird, flache Messer s befestigt, welche gleichzeitig zwischen den Schienen D gerade gehalten werden. Ueber die Schneidkante der Messer ragen auf beiden Seiten ein wenig die Zinken von stellbaren Stahlkämmen m vor. Die letzteren haben den Zweck, die zwischen die Zinken eingetretenen Florfäden des Doppelsammtgewebes an den Schneidstellen |516| gegen eine seitliche Mitnahme von den Messern s zu schützen und so zu einer gröſseren Gleichmäſsigkeit des Flores der einfachen Gewebe beizutragen. Fig. 17 Taf. 33 veranschaulicht die ganze Anordnung des Schneidapparates. Das Doppelgewebe wird vor der Einführung in den Schneidspalt über zwei entgegengesetzt laufende Walzen B geleitet, so daſs an diesen je eine Gewebeseite zur Anlage kommt. Die Walzen B erhalten am Umfange schraubengangförmig von der Mitte aus eingedrehte Rillen, so daſs die Umfangsflächen als Breithalter wirken und so beide Grundgewebe vor dem Zerschneiden erst seitlich ausgezogen werden. Die endlose Gelenkkette g ist über Zahnscheiben gelegt und wird durch dieselben bewegt. Auf ihrem Rückgange im unteren Theile des Apparates werden die Messer durch Schmirgelscheiben S beständig scharf erhalten.

Der Schneidapparat von Ch. Coupland in Seymour (* D. R. P. Nr. 27184 vom 3. Mai 1883) besitzt eine Reihe umlaufender Kreisscheibenmesser, welche Messerreihe kurz hin und her bewegt wird, wobei gleichzeitig abwechselnd von beiden Seiten ein Schleifen der Messer durch federnde Schleifstücke stattfindet. In Fig. 18 Taf. 33 ist diese Schneidvorrichtung dargestellt. Die den Schneidspalt bildenden Träger A sind hier in Rippenguſs ausgeführt und gegen einander entsprechend der wechselnden Polhöhe des Doppelgewebes senkrecht zu verstellen. Die getrennten einfachen Gewebe werden durch die mit Kratzenbeschlag umwickelten Walzen B abgezogen. Die Spindeln I der Scheibenmesser D sitzen in zweitheiligen Lagerbüchsen J, die in dem Träger G befestigt werden; letzterer erhält durch eine Kurbel und Lenkstange eine langsam hin und her gehende Bewegung. Vor den Messern D sind ober- und unterhalb zwei Achsen K angeordnet, welche langsame Umdrehung erhalten, so daſs bei derselben die Schleifstücke L an denselben immer auf eine kurze Zeit mit den Messern D in Berührung kommen.

Trotz der hohen Umlaufszahl (4500 in der Minute bei einer Schnittgeschwindigkeit von etwa 4500m) sind für den Antrieb der Scheibenmesser D die doch stets sicher wirkenden Zahnräder gewählt. Am unteren Ende jeder Messerspindel I sitzt ein Kegelrad n (vgl. Fig. 19 Taf. 33), in welche Räder gröſsere, auf einer wagerechten Welle sitzende Kegelräder eingreifen. Diese Welle ist in Armen des Trägers G gelagert, sie macht also dessen Verschiebungen mit und wird dabei durch einen Riemen angetrieben. Zu betonen ist die gute Lagerung der Messerspindeln. Die Lagerstelle ist länger als der Durchmesser der Messer D und die Spindel I auf beiden Seiten kegelförmig angedreht, oben etwas sanfter, um beim Klapprig werden durch Abdrehen der Flansche der oberen Lagerbüchshälfte sofort wieder einen dichten Sitz zu erhalten. Die untere Hälfte der Lagerbüchse wird in dem Träger G durch einen Stift r gehalten, an dessen Stelle dieselbe flach angefeilt ist. Jedes Messer kann also schnell und leicht herausgenommen werden. Die |517| Messerspindel I ist in der Mitte etwas ausgekehlt, um das in dem Röhrchen l zugegossene Schmieröl besser zu halten; das letztere wird durch eine in der Spindel I eingedrehte Schraubennuth auch an die obere Lagerstelle befördert. Damit kein Oelverlust stattfindet, erhält die Lagerbüchse J unten eine Stopfbüchse m und am oberen Ende der Lagerbüchse ist auf die Spindel I ein Filzring gesetzt, der von einer Schutzhülse d überdeckt wird. Damit wird gleichzeitig der Zutritt von Staub und Schmutz in das Lager verhindert. Die Messer D werden auf der Spindel I zwischen zwei Mutterscheiben s gefaſst und sind somit lothrecht auf der Spindel I verstellbar.

Die Einrichtung der Schleifachsen K ist aus Fig. 20 und 21 Taf. 33 zu entnehmen. Die Achsen K sind für die Aufnahme der Schleifstücke L eingeschnitten. Diese Bogenstücke L sind aus Holz und mit Röthel o. dgl. belegt; dieselben sitzen auf viereckig gebogenen Federn f, welche an der unteren Seite der Klötzchen b befestigt sind. Diese Klötzchen b sind mittels der Schrauben i radial zur Achse K zu verstellen und werden alle Schrauben i gemeinschaftlich durch eine mittels der Schrauben h zu befestigende Schiene v vor dem Herausfallen aus den Achsen K geschützt.

Bei dem Zerschneiden der Doppelsammtgewebe liegt es sehr nahe, durch eine gegenseitige Verschiebung von Messer und Gewebe an der Schneidstelle eine in beliebiger Form verlaufende Schnittlinie des Doppelgewebes und folglich einfache Sammtgewebe mit ungleichförmiger, gemusterter Haardecke (vgl. Fig. 23 Taf. 33) herzustellen. Solche Stoffe haben sich namentlich für Besatzzwecke gut eingeführt und sollen daher zum Schlüsse dieses vorliegenden Berichtes noch die zwei angegebenen Verfahren zu deren Herstellung besprochen werden.

F. Tonnar in Dülken bei Crefeld (* D. R. P. Nr. 30621 vom 31. Juli 1884) ordnet den am Webstuhle angebrachten Schneidapparat für diesen Zweck um. Wie aus Fig. 22 Taf. 33 zu entnehmen ist, bleibt die Führungsschiene M für das verschiebbare Flachmesser s fest stehen. Dagegen wird das Doppelgewebe an der Schneidstelle zwischen zwei unter einander verbundenen Leisten l gefaſst, welche durch die auf dem Excenter e ruhenden Führungsstifte f in langsame, auf und nieder gehende Bewegung versetzt werden. Das Excenter e ist durch Aufschieben eines excentrischen Ringes auf ein Excenter in seiner Hubhöhe stellbar und wird von dem unteren Abzugsbaume B angetrieben. Die hierbei erhaltenen einfachen Sammtgewebe zeigen eine wellenförmig verlaufende Flordecke, weshalb solcher Sammt auch kurz Wellensammt genannt wird. Statt des Excenters e kann auch eine Musterkette mit verschieden hohen Gliedern in Anwendung kommen, so daſs die Schnittfläche sehr mannigfaltig erhalten werden kann. Weiter läſst sich auch zu gleichem Zwecke, wie in Fig. 22 punktirt angedeutet ist, statt des Gewebes die Führungsschiene M des Schneidmessers in kurze schwingende Bewegungen versetzen.

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F. Colombet und Comp. in St. Etienne (* D. R. P. Nr. 28125 vom 30. Januar 1884) lassen die Führungen für das Messer und das Doppelgewebe ruhig stehen, geben dagegen der Führung die gewünschte Form. Das Doppelgewebe liegt dabei, wie in Fig. 24 Taf. 33 veranschaulicht ist, an der Schneidstelle in Wellenform und der gerade Schnitt bringt also zwei Wellensammte (vgl. Fig. 23) hervor. Bei diesen verlaufen jedoch die Wellen in der Schuſsrichtung, während bei dem Tonnar'schen Verfahren dies in der Kettenrichtung erfolgt. Statt der festen Führungsformleisten kann man auch Formwalzen (vgl. Fig. 25 Taf. 33) anwenden.

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Vgl. Farran 1882 243 * 305.

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