Titel: Ueber Erdöl von Baku.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1886, Band 262/Miszelle 9 (S. 47)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj262/mi262is01_09

Ueber Erdöl von Baku.

Prof. D. J. Mendelejeff, welcher beauftragt ist, den jetzigen Stand der kaukasischen Erdölgewinnung an Ort und Stelle kennen zu lernen, sprach sich in einer der letzten Versammlungen der technischen Gesellschaft in Baku, nach Mittheilung der russischen Zeitschrift Technik, 1886 Nr. 109, über die dortige Industrie dahin aus, daſs die Verarbeitung des Bakuschen Erdöles wegen der Verschiedenheit in der Zusammensetzung dieser Naturproducte nicht nach der in Amerika üblichen Weise geschehen darf. Auf Grund seiner Untersuchungen kommt Mendelejeff zu der Ansicht, daſs man aus dem Erdöle von Baku, anstatt der bis jetzt gewonnenen 30 Proc. 50 Proc. Leuchtöl gewinnen kann, welches bei sorgfältiger Reinigung in gewöhnlichen, gut eingerichteten Brennern vorzüglich brennt. Das neue Leuchtöl, von Mendelejeff „Bakuol“ genannt, hat einen Entflammungspunkt von 40 bis 50° und kann seiner Billigkeit und Nichtfeuergefährlichkeit wegen dem amerikanischen Leuchtöle in jeder Hinsicht an die Seite gestellt werden.

Die Naphtarückstände dürften nach Mendelejeff's Ansicht fernerhin auch eine bessere Verwerthung erhalten wie nur als Heizmaterial. Abgesehen von den Schmierölen und anderen Producten, welche daraus gewonnen werden, sollen noch 30 Proc. als Leuchtöl Verwendung finden. Diese, mit dem Bakuol vermischt, also 80 Procent des Rohöles darstellend, können auf besonderer Lampe, welche von der Petersburger chemischen Gesellschaft unter dem Namen „Ragosin“ (vgl. 1883 250 409) ausgezeichnet wurde, mit bestem Erfolge gebrannt werden.

Die Erschöpfung der Erdölquellen in Baku ist nach Mendelejeff's Ansicht für die nächste Zukunft nicht zu befürchten; denn daſs zur Gewinnung der Naphta jetzt tiefer gebohrt werden muſs wie früher, ist ganz natürlich. Die Ausströmung der Gase, welche unter einer über 40m dicken Erdschicht sich befanden und nur durch Erdrisse emporquellen konnten, ist jetzt erleichtert durch die vielen Bohrlöcher; der Druck der Gase auf die Naphta ist also naturgemäſs geringer geworden, das Oel steigt deshalb nicht mehr so hoch und, um auf Oel zu kommen, muſs tiefer gebohrt werden.

Durch Versuche hat Mendelejeff gefunden, daſs in der Oel führenden Sandschicht 5 G.-Th. Sand mit 1 G.-Th. Naphta getränkt sind. Da die bis jetzt in der Umgebung von Baku gewonnene Naphta ungefähr 8 Millionen Tonnen gleich ist und das Naphtafeld auf 160km berechnet ist, so kann die Tiefe der erschöpften Oel führenden Schicht ungefähr zu 625mm angenommen werden. Die Naphtaschicht hat aber in der Umgebung von Baku, wie geologische Untersuchungen gezeigt haben, eine Mächtigkeit von einigen Meter. (Vgl. C. Engler 1886 260 337 ff.)

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