Titel: Versuche mit Gaskohlen über den Verlauf des Destillationsprozesses.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1886, Band 262/Miszelle 5 (S. 141–142)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj262/mi262is03_05

Versuche mit Gaskohlen über den Verlauf des Destillationsprozesses.

Ueber die im Auftrage des Deutschen Vereins von Gas- und Wasserfachmännern auf der Münchener Gasanstalt ausgeführten Versuche mit Gaskohlen und den Verlauf des Destillationsprozesses hat H. Bunte auf der diesjährigen Jahresversammlung des genannten Vereins berichtet. Obgleich diese Untersuchungen noch nicht ganz beendet sind, lassen sich aus den bisherigen, im Journal für Gasbeleuchtung, 1886 * S. 589 und 617 abgedruckten Mittheilungen schon einige Schlüsse ziehen, welche für die Beurtheilung der Gaskohlen und ihr Verhalten bei der Leuchtgasbereitung von allgemeinem Interesse sind. Während man bisher fast allgemein der Ansicht war, daſs die Elementaranalyse über die Eigenschaften der Kohlensubstanz und über deren Verhalten bei der Destillation keinen Aufschluſs gibt, haben die Versuche gezeigt, daſs zwischen der chemischen Zusammensetzung der Kohle und den wichtigsten Eigenschaften derselben, welche bei der Leuchtgasbereitung in Frage kommen, ein inniger Zusammenhang besteht, durch welchen die Elementaranalyse eine erhöhte Bedeutung gewinnt. Als charakteristischer Bestandtheil wurde der Sauerstoffgehalt der Kohle ins Auge gefaſst und gezeigt, welchen Einfluſs derselbe auf die Menge und Art der gasförmigen und flüssigen Destillationsproducte ausübt.

Diese Anschauung hat in jüngster Zeit eine willkommene Bestätigung gefunden durch die Berichte der Pariser Gasgesellschaft über die seit mehreren Jahren auf dem Gaswerke zu La Villette angestellten Untersuchungen über Gaskohlen, welche im Journal de l'éclairage au gaz, Juli 1886, mitgetheilt werden. Hiernach wurden von 1874 bis 1884 in der Versuchsgasanstalt zu La Villette 1012 Versuche mit 59 verschiedenen Sorten Gaskohlen ausgeführt; von diesen 59 Sorten wurden 23, welche für die Pariser Gasgesellschaft besonderes Interesse besitzen, genauer untersucht und zu jeder Versuchsreihe je 36000k Kohle verwendet. Neben dieser Vergasung im Groſsen, zu welcher eine aus 2 Siebener-Oefen bestehende Versuchsanstalt dient, wurden die zum Versuche bestimmten |142| Kohlen sowohl, wie die bei der Destillation erhaltenen Producte einer eingehenden chemischen Untersuchung im Laboratorium unterzogen. Auf diese Weise wurde ein auſserordentlich reiches Beobachtungsmaterial geschaffen, welches den im Berichte angeführten allgemeinen Schlüssen als sichere Stütze dient. Zur allgemeinen Charakterisirung der Gaskohlen und für die Eintheilung derselben wird ebenfalls der Gehalt an Sauerstoff, welcher bei den untersuchten Kohlensorten von 5 bis 12 Gew.-Proc. beträgt, als Ausgangspunkt genommen und es werden 5 Typen aufgestellt, welche sich je um 1,5 bis 2 Proc. im Sauerstoffgehalte von einander unterscheiden. Die gezogenen Schlüsse: „Je gröſser der Sauerstoffgehalt der Kohle, um so gröſser ist die Menge der in der Hitze flüchtigen Bestandtheile, Theer und Ammoniakwasser; die Ausbeute an Koke und Gas vermindert sich dagegen mit zunehmendem Sauerstoffgehalte und mit zunehmendem Sauerstoffgehalte der Kohle steigt auch die Menge des in der Rohkohle enthaltenen hygroskopischen Wassers“ stimmen mit den Bunte'schen ganz überein.

Besonders beachtenswerth sind die Mittheilungen des französischen Berichtes über den Benzolgehalt des Leuchtgases. Nach diesen Angaben ist bei den verschiedenen Kohlensorten der Gehalt des Leuchtgases an aromatischen Kohlenwasserstoffen, also hauptsächlich Benzol, ziemlich fest und beträgt auf 1cbm Leuchtgas 39g, wovon 30g Benzol und 9g Toluol und Homologe, dem Volumen nach zusammen etwa 10l,5 dampfförmige Kohlenwasserstoffe der aromatischen Reihe oder 1,05 Vol.-Proc. Neben diesen Kohlenwasserstoffen sind im Gase noch schwere Kohlenwasserstoffe enthalten, welche nicht der aromatischen Reihe angehören (wie Aethylen, Propylen, Acetylen) und zwar beträgt das Volumen derselben zwischen 2,5 und 4,8 Proc. des Gases. Während Benzol und analoge Verbindungen sich bei der Abkühlung des Gases auf – 70° fast vollständig abscheiden, bleiben die übrigen Kohlenwasserstoffe im Gase zurück. An diese Thatsachen werden weitere Betrachtungen geknüpft über das Verhältniſs der im Leuchtgase vorhandenen Menge schwerer Kohlenwasserstoffe zu der im Theere zurückbleibenden Menge derselben; das Ergebniſs dieser Studien ist fast genau dasselbe, welches im Journal für Gasbeleuchtung, 1886 S. 500 ausgesprochen ist, nämlich, daſs von den werthvollen lichtgebenden Bestandtheilen unter normalen Verhältnissen 94 Proc. im Gase enthalten sind und daſs also nur etwa 6 Proc. im Theere zurückbleiben. Bunte kam zu dem Verhältnisse 96 Proc. und 4 Proc. Diese Ziffern zeigen somit, wie wenig Interesse diejenigen Prozesse beanspruchen können, welche darauf abzielen, das im Theere verbleibende Benzol in das Gas zurückzuführen.

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