Titel: Ueber schädliche Industriegase.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1886, Band 262/Miszelle 6 (S. 142–143)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj262/mi262is03_06

Ueber schädliche Industriegase.

M. Ogata (Archiv für Hygiene, 1884 S. 223) untersuchte die Giftigkeit der Schwefligsäure, wie sie der Athemluft in Bleichereien, Ultramarinfabriken (vgl. 1876 221 468), Hopfenschweflungsanstalten, Hüttenwerken, Schwefelsäurefabriken u. dgl. beigemischt sein kann. Während Hirt (Gewerbekrankheiten S. 15) offenbar fälschlich angibt, daſs Arbeiter sogar in einer Athemluft, welche 1 bis 3 Proc. Schwefligsäure enthält, lange Zeit völlig gesund bleiben, zeigt Ogata, daſs ein Gehalt von 0,04 Proc. nach einigen Stunden Athemnoth bewirkt. Ihm selbst war es nicht möglich, in einer Luft mit 0,05 Proc. Schwefligsäure einen vollen Athemzug zu nehmen. In Luft mit 0,06 Proc. starben Mäuse schon nach 2 Stunden. Die Schwefligsäure ist ein heftiges Blutgift.

K. B. Lehmann (daselbst 1886 S. 16) zeigt, wie völlig falsch die Angaben von Hirt (Gasinhalationskrankheiten) über die Giftigkeit der Salzsäure, des Chlores u. dgl. sind. Schon bei 0,01 Proc. Salzsäuregas in der Luft zeigen sich Reizerscheinungen, bei 0,1 bis 0,15 Proc. sterben Thiere in wenigen Stunden.

Ammoniak kommt in Frage bei Eismaschinen, in Leuchtgasfabriken, Ammoniaksodafabriken, bei der Herstellung von Silberspiegeln, in Kattundruckereien u.s.w. Schon bei 0,05 Proc. Ammoniakgehalt der Luft zeigen sich Reizerscheinungen, bei 0,6 Proc. trat der Tod von Thieren zuweilen schon nach 1½ Stunden ein. Einige Thiere ertragen mehr. Kohlensaures Ammonium wirkt wie freies Ammoniak.

Ein kräftiger Mann fand die Luft bereits bei 0,005 Proc. Chlorwasserstoff |143| unerträglich, so daſs die Luft in Fabriken höchstens 0,01 Proc. enthalten sollte und nicht, wie Hirt angibt, bis 1 Proc.

Menschen können ferner bei einiger Gewöhnung 0,03 bis 0,05 Proc. Ammoniak vertragen. Gröſserer Ammoniakgehalt ist in Arbeitsräumen jedenfalls unzulässig, da hierbei bereits Entzündungserscheinungen und Brechreiz eintreten. (Vgl. 1876 220 87.)

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