Titel: Ursachen der Verwitterung von Bausteinen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1886, Band 262/Miszelle 10 (S. 190–191)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj262/mi262is04_10

Ursachen der Verwitterung von Bausteinen.

Prof. Thomas Egleston in New-York hat die wichtige Frage über die Ursachen der Verwitterung von Bausteinen auf Grund umfassender Untersuchungen eingehend behandelt und über seine Ermittelungen einen Vortrag in der American Society of Civil Engineers gehalten.

Hiernach verwittert Granit im Allgemeinen unter günstigen Luft- und Witterungsbedingungen kaum merklich. Wie zerstörend aber ungünstige solche Bedingungen wirken können, davon liefert der egyptische Obelisk im Centralparke von New-York ein bemerkenswerthes Beispiel. Nach einer mehr als 2000jährigen Dauer in trockenem Klima zeigte derselbe, als er im J. 1880 nach New-York versetzt wurde, kaum eine Spur irgend welcher Beschädigung, während er jetzt, nach etwa 5 Jahren, einer raschen Vernichtung entgegen geht.

Die zu Bauzwecken verwendeten Sandsteine sind gemeiniglich zu unterscheiden in solche, welche ein organisches, ein Eisen haltiges, ein kalkiges oder kieseliges Bindemittel enthalten. Die ersteren zerfallen sehr schnell, die mit Eisen haltigen Bindemitteln sind sehr unsicher; ebenso werden die Sandsteine mit kalkigem Bindemittel allmählich vom Wetter angegriffen und zwar besonders an Bauten in groſsen Städten, so daſs nur ein kieseliges Bindemittel die Steine vor dem zeitlichen Verfall sichert.

Von den Kalksteinen werden sowohl die reinen kohlensauren Kalke, als die reinen Dolomite allgemein nicht leicht vom Wetter angegriffen; dagegen ist bei den Steinen, welche eine Mischung aus beiden vorgenannten Arten darstellen, die Gefahr naheliegend, daſs der kohlensaure Kalk zwischen den Dolomittheilen ausgewaschen und die Festigkeit des Steines dadurch untergraben wird. Die Erscheinung, daſs die Verwitterung von Quadern nahe an der Erdoberfläche am gröſsten ist und mit der wachsenden Höhe abnimmt, läſst sich folgendermaſsen erklären: Die Luft in groſsen Städten enthält einen erheblichen Betrag an Säuren und Schwefligsäure, welche insbesondere an solchen Stellen schädlich wirken, die durch aufsteigende Erdfeuchtigkeit oder in Folge schlechter Ableitung des aufschlagenden und abtropfenden Regenwassers von Nässe durchzogen werden. In höheren Luftschichten vermischen sich dagegen die genannten Gase so sehr mit reiner Luft, daſs ihr verderblicher Einfluſs verringert wird und bald ganz aufhört. Die Zerstörung vollzieht sich unter Einwirkung der mit Groſsstadtgasen geschwängerten Luft auf die von Feuchtigkeit durchzogenen Steine derart, daſs das aus kohlensaurem Kalk bestehende Bindemittel, als in Kohlensäure haltigem Wasser leichtlöslich, aus den Steinen allmählich ausgewaschen wird.

Eine fernere, bisher kaum beachtete Ursache des Verfalles von Bausteinen an städtischen Gebäuden ist der abschleifenden Einwirkung des vom Winde gegen die Steinflächen geworfenen Straſsenstaubes zuzuschreiben. Die Zerstörung, welche hierdurch herbeigeführt wird, ist gröſser, als man anzunehmen geneigt ist. Egleston setzte eine groſse Anzahl Steine von verschiedener Härte und Oberfläche einem Sandgebläse aus und fand, daſs nicht ein einziger Stein, selbst nicht ein Diamant, fest genug war, dem Angriffe auch nur für kurze Zeit zu widerstehen (vgl. Tilghman 1871 201 29. 1872 206 * 265. 1874 212 * 14). Die genauere Untersuchung des in groſsen Städten erzeugten Staubes hat ergeben, daſs er aus einer Anzahl verschiedener Stoffe besteht, namentlich scharfem Quarzsand, einem merkbaren Betrage von Eisen und anderen Bestandtheilen, die zwar an sich weniger hart, aber doch scharf genug sind, um die Oberfläche der Quader abzuschleifen. Auf vielen Kirchhöfen wurde diese Thatsache dadurch festgestellt, daſs da, wo auf den Denkmälern eingemeiſselte Inschriften |191| der herrschenden Windrichtung ausgesetzt stehen, der Stein soweit weggeschliffen war, daſs die Buchstaben kaum noch erkennbar sind.

Endlich findet Egleston, daſs an den Bauwerken früherer Jahrhunderte eine gröſsere Sorgfalt in der Auswahl gleichartiger und durch ihre Bindemittel eine lange Dauer verbürgender Steine erkennbar ist als an den Denkmälern unserer Zeit und daſs unsere Architekten bei der Bildung der Gesimse und Wasserschläge es oft an der nöthigen Vorsorge fehlen lassen, das aufschlagende und abtropfende Niederschlagswasser unschädlich zu machen.

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