Titel: Gewinnung der Fett- und Faserstoffe, sowie des fertig gebildeten Ammoniaks aus Spüljauche, Kanalabwässern u. dgl.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1886, Band 262/Miszelle 13 (S. 191–192)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj262/mi262is04_13

Gewinnung der Fett- und Faserstoffe, sowie des fertig gebildeten Ammoniaks aus Spüljauche, Kanalabwässern u. dgl.

Die Verwerthung der Spüljauche aus Städten mit Schwemmkanalisation beschränkt sich zur Zeit lediglich auf ihre Verwendung zur Berieselung sowie auf Darstellung von Düngern durch Klärung und Fällung der Jauche. Dabei hat man immer mehr die Unschädlichmachung dieser Abwässer im Auge als ihre wirkliche Nutzbarmachung, trotzdem die Spüljauche verwendbare Stoffe wie Fette, Faserstoffe und Ammoniak enthält, deren Gewinnung, wenn billig genug durchgeführt, wohl lohnend erscheint. Die Faserstoffe sind in der Spüljauche in Form von Papier, Federn, Haaren, Abfällen von Zeugen und Cellulose verschiedener Herkunft enthalten, die Fette als solche oder als Fettsäuren an Kalk gebunden.

Herm. Wagener und Alex. Müller in Berlin (* D. R. P. Kl. 75 Nr. 36714 vom 28. December 1884) schlagen nun vor, Faser- und Fettstoffe dadurch zu gewinnen, daſs man die Spüljauche über Siebe von verschiedener Maschenweite (5 bis 0qmm,5) laufen läſst. Auch die Fettstoffe sollen auf diese Weise auf den Sieben zurückbleiben, da sie nur zum geringsten Theile in der Jauche vertheilt seien, sondern zu Folge ihrer Klebrigkeit an den Faserstoffen fest haften. Der durch das engste Sieb mit durchgehende feine Schlamm soll, wenigstens in den Berliner Spüljauchen, ärmer an Fett- und Faserstoffen sein als die abgeseihten Stoffe; derselbe soll durch eines der bekannten Fällungsmittel niedergeschlagen und dann trocken destillirt werden.

Die abgeseihten groben Schlammtheile werden zur Zersetzung der Kalkseifen mit Säuren in der Wärme behandelt, in Filterpressen abgepreſst und die Preſskuchen mit einem fettlösenden Mittel (Petroleumäther, Schwefelkohlenstoff) |192| ausgezogen. Die nun zurückbleibenden Faserstoffe werden verschieden verarbeitet, je nach der beabsichtigten Verwendung. Soll daraus z.B. grobe Pappe hergestellt werden, so genügt es, die Faserstoffe durch Waschen völlig zu entsäuern; für feinere Pappe läſst man dieselben noch einen Holländer o. dgl. durchlaufen. Der abgeseihte Schlamm der Berliner Spüljauche enthält 16 bis 20 Proc. Fette und Fettsäuren, 50 bis 60 Proc. Faserstoffe und 6 bis 15 Proc. Mineralbestandtheile. Da Fett und Cellulose keine Dungstoffe sind und die Spüljauchenrieselung durch Verschlickung des Bodens beeinträchtigen, so soll ihre Entfernung auch dann von entschiedenem Vortheile sein, wenn die Spüljauche landwirthschaftlich ausgenutzt wird.

Die entfaserte und entfettete Spüljauche macht man durch Zusatz von Aetzkalk kaustisch, so daſs alles fertig gebildete Ammoniak frei und dadurch leicht flüchtig wird. Diese verdünnte Lösung von Ammoniak wird bei gewöhnlicher Zimmertemperatur in dünner Schicht durch einen möglichst luftleer gepumpten Apparat geleitet, in welchem zugleich eine Säure in groſser Oberfläche zur Absorption des verflüchtigten Ammoniaks dargeboten wird.

Ein Apparat, in welchem die besprochenen Arbeiten vorgenommen werden sollen, ist in der Patentschrift beschrieben. Die Erfinder legen ihrem Verfahren auch in gesundheitlicher Beziehung groſsen Werth bei, da durch dasselbe auch die Desinfection der Abwässer in gründlichster Weise besorgt werde.

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