Titel: Trennung thierischer Fasern von Pflanzenfasern mittels Fluorwasserstoffsäure.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1886, Band 262/Miszelle 13 (S. 239–240)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj262/mi262is05_13

Trennung thierischer Fasern von Pflanzenfasern mittels Fluorwasserstoffsäure.

Die Trennung der Wolle von beigemengten pflanzlichen Stoffen wird seither entweder durch Maschinen, wie beim Entkletten, oder durch Carbonisation, wie bei der Wiedergewinnung von Seide- oder Wollbeimengungen, oder durch Anwendung von Salzsäure oder Schwefelsäure in beiden angeführten Fällen bewerkstelligt. Sowohl Carbonisation, wie Säuren greifen die thierische Faser aber bis zu einem gewissen Grade an, theils durch die beim Carbonisiren nothwendige hohe Temperatur, theils durch die übrigen chemischen Behandlungen, denen die Fasern unterzogen werden müssen. Beide Verfahren sind auch nicht geeignet zur Wiedergewinnung der beigemengten Seide aus Stoffen, in welchen die Seide mit Pflanzenfasern, wie Baumwolle, Nessel u.s.w., vermischt ist.

A. Bielefeld in Paris (D. R. P. Kl. 29 Nr. 36784 vom 26. Januar 1886) bedient sich zur Trennung der Flußsäure in gasförmigem oder flüssigem Zustande. Die Säure, welche sehr stark Wasser entziehend wirkt, carbonisirt die Pflanzenfasern, während sie in genügender Verdünnung die thierische Faser in keiner Weise angreift. Bei Anwendung gasförmiger Säure bringt man die vorher stark mit Wasser durchtränkten Gewebe in Kammern, welche aus einem von Fluſssäure nicht angreifbaren Materiale hergestellt oder wenigstens damit gefüttert sind, z.B. Bleiplatten. Die Säure stellt Bielefeld aus Kryolith und Schwefelsäure her und gewinnt dabei als Nebenprodukt Alaun. Die gasförmige Fluſssäure löst sich rasch in dem die Stoffe durchtränkenden Wasser und carbonisirt die Pflanzenfaser, ohne die Thierfaser zu beschädigen. Es genügt gewöhnlich, die Säure eine Stunde einwirken zu lassen; dann nimmt man die Stoffe aus der Kammer, wäscht sie mit Wasser gut aus, trocknet sie rasch in einer Trockenkammer und behandelt sie in einer Schlagmaschine zur Absonderung der nun in Staub zerfallenden Pflanzenfaser.

Bei Anwendung der Fluorwasserstoffsäure in flüssigem Zustande bedient man sich hölzerner, mit Bleiplatten ausgeschlagener Kufen, gibt eine bestimmte Menge Wasser hinein und zersetzt darin Fluſsspath bezieh. Kryolith mit der genau berechneten Menge Schwefelsäure. Man bringt die Stoffe in dieses Bad, läſst sie 1 bis 2 Stunden darin und hält die Temperatur auf 70°. Dann folgt starkes Ausspülen, Ausschleudern, rasches Trocknen und Schlagen.

Das Verfahren eignet sich zum Entkletten roher, gewaschener oder gewebter Wolle, zum Wiedergewinnen von Wolle oder Seide aus Stoffen oder |240| Lumpen, oder zur Trennung von thierischen Fasern, wie Haare, welche mit Pflanzenfasern untermengt sind.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Orte
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: