Titel: Verwendung von schottischen Oelschiefern zur Leuchtgasbereitung.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1886, Band 262/Miszelle 10 (S. 286–287)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj262/mi262is06_10

Verwendung von schottischen Oelschiefern zur Leuchtgasbereitung.

In der Jahresversammlung der North British Association of Gas Managers am 22. Juli d. J. zu Edinburg wurde nach Industries, 1886 Bd. 1 S. 163 hauptsächlich über die Frage der Herstellung eines billigen Leuchtgases verhandelt und dabei Nachdruck auf die Verwendung von Oelschiefern gelegt. Nach den gemachten Angaben arbeiten schon jetzt viele Fabriken mit einem Rohmateriale, welches zu einem nicht unbedeutenden Theile aus Oelschiefern besteht. Mc Crae aus Dundee theilte mit, daſs seine Gesellschaft zwischen 12000 bis 15000t Oelschiefer kauft, was ¼ des jährlichen Verbrauches an Rohmaterial bedeute. Einen gleichen Procentsatz verarbeiten andere Werke seit 3 Jahren während der Winterzeit und Wilson aus Coatbridge hob hervor, daſs seine Gesellschaft ohne die Verwendung von Oelschiefern längst nicht mehr arbeiten könnte, denn nicht weniger als 40 bis 50 Procent ihres Rohmaterials bestehen aus Oelschiefer. Nach einer Mittheilung des Vorsitzenden Mitchell liefert der Oelschiefer ein sehr gutes Leuchtgas, aber keine brauchbaren Nebenproducte. Die Ausbeute an Oel läſst sich allerdings durch Mäſsigung der Temperatur bei der Destillation steigern; das dann erhaltene Leuchtgas genügt jedoch nicht mehr den an ein gutes Gas zu stellenden Anforderungen. Bei den durch auswärtige Nachfragen verursachten steigenden Preisen der Cannelkohle ist es für England beruhigend, groſse Vorkommen von Oelschiefern und unechten Cannelkohlen zu besitzen, welche zu einem groſsen Theile für die Oelgewinnung zwar untauglich sind, aber noch einen guten Rohstoff für die Leuchtgasfabrikation abgeben.

Nach Mittheilungen von Pinno in der Zeitschrift für Berg-, Hütten- und Salinenwesen, 1886 S. 129 wird jedoch auch ein groſser Theil der geförderten Schiefer auf Oel verarbeitet. Im J. 1884 wurden in Schottland, England und Wales 1518871 engl. Tonnen Oelschiefer gewonnen. Aus 1 Tonne engl. Schiefer erhält man 20 Gallonen (zu 4l,54) Oel und 50 bis 60 Pfund (zu 454g) Salmiak, was also eine jährliche Gewinnung von 30377420 Gallonen, d.h. gegen 138 Mill. Liter Oel und 38 Mill. Kilogramm Salmiak bedeutet. Damit wird nicht nur |287| der eigene Oelbedarf Englands gedeckt, sondern es geht noch ein beachtenswerther Theil, besonders die geringere und ungleichmäſsigere Waare, ins Ausland und findet in der Streichholzdarstellung in Schweden und Norwegen und zur Kerzenfabrikation in Amerika, Australien und Afrika Verwendung. Auch in der deutschen Mineralöl-Industrie macht sich der englische Wettbewerb fühlbar, indem einerseits der englische Markt für deutsche Waare verschlossen ist, andererseits englisches Paraffin wegen seines billigen Preises und seiner Geruchlosigkeit hier eingeführt wird, um im Gemische mit einheimischem Fabrikat verwendet zu werden.

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