Titel: Neuerungen in der Darstellung von Strontium- und Bariumverbindungen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1886, Band 262/Miszelle 12 (S. 287–288)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj262/mi262is06_12

Neuerungen in der Darstellung von Strontium- und Bariumverbindungen.1)

Um die Hydrate von Strontium oder Barium zu gewinnen, verfährt J. Mactear in London (Englisches Patent 1886 Nr. 5170, vgl. Journal of the Society of Chemical Industry, 1886 S. 430) derart, daſs die Sulfate von Strontium oder Barium mit etwas mehr als der äquivalenten Menge von schwefelsaurem Natron und einem Kohlen haltigen oder anderen reducirenden Materiale gemischt in einem Ofen bis zur Reduction der Sulfate zu Sulfiden erhitzt werden. Die Masse wird darauf in heiſsem Wasser gelöst und aus der Lösung das Strontium- oder Bariumhydrat durch Auskrystallisiren gewonnen. Das Natriumsalz wird hierbei in Natriumhydrosulfid übergeführt, welches in der Mutterlange bleibt und nach dem Eindampfen der letzteren wieder in Mischung mit Kohle zur Reduction von neuen Mengen von Strontium- oder Bariumsulfat benutzt werden kann. Bei dem gewöhnlichen Verfahren wird das Strontium- oder Bariumsulfid durch Auflösen in Hydrat und Hydrosulfid gespalten, welch letzteres als Nebenproduct gewonnen wird. Im vorliegenden Falle kann dasselbe durch Zusammenbringen mit einer Lösung von Natriumsulfid in Hydrat umgewandelt werden, während das Natriumsulfid in Hydrosulfid übergeht und wieder, wie oben, in den Prozeſs eingeführt werden kann.

Zur Reinigung von krystallisirtem Strontiumhydroxyd werden nach E. F. Trachsel in Neath (D. R. P. Kl. 75 Nr. 36057 vom 17. November 1885) die Krystalle des Hydroxydes Sr(OH)2 + 8 H2O getrocknet, am besten in Muffelöfen, bis sie nur noch etwa 1 Mol. Wasser enthalten, was einem Gehalte an Strontiumoxyd von etwa 70 Proc. entspricht. Ein Trocknen über diesen Punkt hinaus ist nicht nothwendig, kann aber angewendet werden. Es genügt in manchen Fällen schon, die Krystallmasse so weit zu entwässern, bis der Gehalt an Strontiumoxyd etwa 50 Proc. beträgt. Durch diesen Trockenprozeſs werden die Eisenverbindungen, welche hauptsächlich die Miſsfärbung der Krystalle verursachen, oxydirt; weiter wird vorhandenes Strontiumsulfid zum gröſsten Theile in farbloses Strontiumthiosulfat übergeführt. Beim Wiederauflösen der Krystalle schlägt das durch die Kohlensäure der Luft gebildete Strontiumcarbonat die |288| nun in oxydischer Form vorhandenen Eisenverbindungen mit nieder. Auf diese Weise genügt eine einzige Krystallisation, um das Strontiumhydroxyd in farblosen Krystallen zu erhalten. Man umgeht den nach dem bisher üblichen Reinigungsverfahren nicht zu vermeidenden Verlust und zugleich kann wesentlich schneller gearbeitet werden, so daſs man in denselben Krystallisirräumen ungleich gröſsere Mengen reines Strontiumhydroxyd gewinnen kann als in derselben Zeit nach dem älteren Verfahren.

Zur Darstellung von Barium- und Strontiumchlorid schlägt J. Mactear in London (Englisches Patent 1886 Nr. 1915) vor, die Sulfate von Barium oder Strontium mit Chlorcalcium und Holzkohle o. dgl. gemischt und unter Zusatz einer geringen Menge Kreide oder Kalkstein in einem Ofen stark zu erhitzen. Die abziehenden Feuergase werden zum Trocknen des Calciumchlorides benutzt. Die erhaltene Masse besteht aus Barium- oder Strontiumchlorid und Calciumsulfid oder Calciumoxysulfid. Durch Auslaugen erhält man daraus das Barium- oder Strontiumchlorid frei von Sulfiden.

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Vgl. Leplay's Ofen S. 221 d. Bd.

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