Titel: Algaborilla, ein natürlicher gelber Farbstoff.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1886, Band 262/Miszelle 14 (S. 288)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj262/mi262is06_14

Algaborilla, ein natürlicher gelber Farbstoff.

G. H. Hurst theilt in Romen's Journal, 1886 S. 205 mit, daſs eine den Namen Algaborilla führende Schote eine Tanninart enthalte, welche zum Gelbfärben benutzt werden könne. Die Schoten stammen von zwei Baumarten: Prosopis pallida und Prosopis Algarobo, welche in den Gebirgsgegenden Südamerikas zu Hause sind, und werden durch die Benennung negro und blanco unterschieden, kommen aber gewöhnlich gemischt im Handel vor. Beide Sorten enthalten eine groſse Menge einer Tanninart, welche in dem faserigen Netzwerk der Schote, in der Decke, abgelagert ist und zwar in den Blanco-Schoten in Form einer krystallinischen, leicht in Wasser löslichen, glänzendgelben Masse, während das Tannin der Negro-Schoten härter, dunkler und in Wasser schwerer löslich ist. Die Samenkörner, welche von 1 bis zu 6 in der Schote befindlich sind, enthalten gar keinen Farbstoff und bilden 18 bis 22 Procent vom Gewichte derselben. Die Schotenschalen bestehen zu 52 bis 55 Proc. aus einer löslichen Masse, in welcher 27 bis 29 Proc. reines Tannin enthalten sind; auſserdem besitzen die Schalen einen Wassergehalt von 18 Proc.

Mit Zinn-Antimon-Blei- oder Thonerdesalzen gibt der Farbstoff gelbe Niederschlage, von denen der mit Zinnsalzen der glänzendste ist. Der beim Färben mit irgend einem Beizmittel erhaltene Farbton ist kein glänzendes Gelb, wie man es mit Gelbholz erzielt, sondern nähert sich mehr dem Strohgelb. Um mit Zinnsalz als Beize zu färben, wird Baumwolle in gewöhnlicher Weise mit diesem Salze behandelt, ein Färbebad mit 7 bis 10 Proc. Algaborilla hergestellt, zum Kochen erhitzt und die Baumwolle hineingegeben. Man bearbeitet sie darin einige Zeit, läſst das Bad kalt werden, spült und trocknet die Baumwolle. Die erhaltene Farbe ist ziemlich echt und widersteht schwachen Säuren, Alkalien verändern die Farbe in Braun. Mit Eisenbeizen gibt Algaborilla hübsche, grauschwarze Schattirungen und wenn gut gebeizt ist, so sind 5 bis 7 Proc. Schalen genügend, um dunkle Töne zu erzielen. Wolle läſst sich gerade so gut mit Algaborilla färben als Baumwolle.

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