Titel: Thermische Nachwirkungen bei Metallen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1886, Band 262/Miszelle 6 (S. 333)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj262/mi262is07_06

Thermische Nachwirkungen bei Metallen.

Wiederholt hat man darauf hingewiesen, daſs bei gehärtetem Stahl thermische Nachwirkungen ähnlicher Art auftreten müſsten wie bei Glas. Es sind mehrfache Erscheinungen bekannt geworden, welche diese Annahme bestätigen. Für ihre Richtigkeit zeugen auch gelegentliche Erfahrungen der Normal-Aichungs-Commission (vgl. deren Mittheilungen, Juni 1886 S. 13), welche zur Anstellung besonderer noch nicht abgeschlossener Versuche geführt haben.

Die Arbeiten gingen von der Beobachtung aus, daſs Stücke aus gehärtetem Stahl durch Erwärmung auf mäſsig hohe Temperaturen dauernde Gröſsenänderungen von nicht unerheblichem Betrage erleiden. So fand man für Scheiben aus glashartem Stahl, deren Durchmesser sorgfältig gemessen war, nachdem sie vorübergehend auf etwa 100° erwärmt worden, eine durchgängige Verkleinerung des Durchmessers. Fortgesetzte Versuche erwiesen, daſs jede erneute Erwärmung auf eine höhere Temperatur als zuvor eine weitere Verkleinerung zur Folge hatte. Als man z.B. bei einer Scheibe von 22mm,5 Durchmesser die Erwärmung zuletzt bis zum braungelben Anlaufen, also annähernd bis zu 250° gesteigert hatte, erwies sich der Durchmesser insgesammt bis um 0mm,04 oder um 0,0018 seines Anfangswerthes verkürzt.

Auffallender noch war das Verhalten einiger Endmaſsstäbe aus gehärtetem Stahl, welche einer anderen als mittlerer Zimmertemperatur nicht ausgesetzt waren und gleichwohl eine allmähliche Verkürzung wahrnehmen lieſsen. Bei einem Stabe von 100mm Länge erreichte die Gesammtverkürzung in einem Zeiträume von 5 Monaten 0mm,012; die Längenänderung war anfänglich am gröſsten, sie verringerte sich von Monat zu Monat.

Uebrigens sind auch bei Stäben aus Messing derartige Nachwirkungserscheinungen beobachtet worden. Als ein messingenes Strichmaſs von 1m Länge bis zur Zinnschmelzhitze erwärmt wurde, ergab sich nach der Abkühlung auf mittlere Zimmertemperatur eine Verlängerung des Stabes bis um nahezu 0mm,07. Der Stab wurde in den ersten Wochen nach jener Erhitzung wiederholt gemessen, ohne daſs zunächst eine weitere Veränderung seiner Länge sich ergab; als er indessen nach etwa 2 Jahren aufs Neue einer Messung unterzogen wurde, war ein Theil jener Aenderung verschwunden, doch überstieg die Länge des Stabes ihren ursprünglichen Werth noch immer um ein Beträchtliches. Ein anderer Stab dieser Art, einem physikalischen Institute gehörig und 1878 angefertigt, gelangte bei der Commission 1881 zu einer ersten und 1885 zur wiederholten Längenbestimmung. Bei der letzteren fand er sich nun um 0mm,03 kürzer als bei der ersteren, obwohl er in der Zwischenzeit gröberen mechanischen oder auſsergewöhnlichen thermischen Beeinflussungen nicht ausgesetzt war.

Aehnliche Erscheinungen sind auch bei feineren messingenen Hohlmaſsnormalen beobachtet worden, welche, ohne in Gebrauch gekommen zu sein, nach 10jähriger sorgfältiger Aufbewahrung durchgängig eine Verkleinerung des Raumgehaltes zeigten.

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