Titel: Ueber die Zunahme der Geschwindigkeit des Windes mit der Höhe.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1886, Band 262/Miszelle 2 (S. 428–429)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj262/mi262is09_02

Ueber die Zunahme der Geschwindigkeit des Windes mit der Höhe.

Mit der Entfernung von der Erdoberfläche nimmt auch die Geschwindigkeit der Luftströmungen zu, wie aus verschiedenen neuerdings gemachten Versuchen hervorgeht. Fines in Perpignan beobachtete nach dem Bulletin d'Encouragement, 1886 S. 55 die Angaben von Anemometern, welche 7, 18 und 31m über dem Erdboden befestigt waren. Die Zunahme der Geschwindigkeit des Windes auf freiem Felde und in Städten drückt sich durch folgende Zahlen aus, welche Mittelwerthe darstellen:

In der Stadt Auf freiem Felde In der Stadt
Höhe 7m 7m 18m 31m
Geschwindigkeit1) 1 1,23 1,63 1,61

Die groſsen Unregelmäſsigkeiten der Dachvorsprünge in den Städten bedingen also eine nicht unwesentliche Verringerung der Windgeschwindigkeit.

Aehnliche Versuche hat auch P. Dechevreus auf dem Observatorium von Zi-Ka-Wei in China vorgenommen und gefunden, daſs ein Anemometer in 41m Höhe vom Erdboden eine 17mal gröſsere Geschwindigkeit anzeigte als ein gleiches Instrument in nur 11m Höhe.

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Nach dem Génie civil, 1886 Bd. 9 S. 159 hat Douglas Archibald der British Association seine Beobachtungen über den gleichen Gegenstand vorgelegt. Danach läſst sich das Gesetz der Windgeschwindigkeitszunahme mit der Höhe ausdrücken durch die Formel (V : v) = (H : h)x, wo V und v die Geschwindigkeit des Windes in den Höhen H und h und x ein veränderlicher Exponent ist. Versuche, welche gruppenweise mittels an Papierdrachen befestigter Anemometer vorgenommen wurden, lieferten folgende Ergebnisse:


Nr.
der Gruppe
Zahl der
Beob-
achtungen
Höhe des
oberen
Anemometers
Höhe des
unteren
Anemometers
Minutliche
Windgeschwindigkeit

Mittlerer
Werth x
oben unten
1 7 75m 13m 491m 357m 0,372
2 3 97 39 679 510 0,307
3 8 123 54 518 421 0,275
4 5 167 76 640 538 0,237
5 9 241 146 666 596 0,250
6 10 333 233 680 637 0,194

Diese Zahlen beweisen ebenso die Zunahme der Windgeschwindigkeit mit der Höhe, ausgenommen die Gruppe 5, wo der Werth von x beeinfluſst wurde durch die Einführung des auſsergewöhnlichen Werthes 0,576, entsprechend einer gleich ungewöhnlichen Verminderung der Geschwindigkeit, welche 240m in der Minute nicht überschritt. Dieses Gesetz der Geschwindigkeitszunahme erscheint nachgewiesen bis zu einer Höhe von 550m über dem Meeresspiegel, indem der Beobachtungsort 157m über dem Meeresspiegel lag und bei einem Versuche der Gruppe 6 der Drachen 393m hoch gestiegen war.

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Die hier erwähnten Windgeschwindigkeiten sind selbstverständlich nur ganz mäſsige. Bekannt ist, daſs bei Sturm die Geschwindigkeit des Windes in der Secunde bis zu 36m wächst, also für 1 Minute 2km,16. Man hat z.B. folgende Windgeschwindigkeiten in der Secunde beobachtet: in Greenwich am 8. December 1872 zu 22m,2, in Aberdeen am 27. Januar 1879 (Einsturz der Tay-Brücke) zu 31m,7, in Wien im März 1881 zu 35m,6 (vgl. 1881 241 73) und am 10. December 1884 zu 36m (vgl. 1885 255 43).

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