Titel: Elektrolytische Zerlegung von Fluorwasserstoffsäure.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1886, Band 262/Miszelle 10 (S. 486)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj262/mi262is10_10

Elektrolytische Zerlegung von Fluorwasserstoffsäure.

Moissan berichtet in den Comptes rendus, 1886 Bd. 102 S. 1543 u. Bd. 103 S. 202 über die Zerlegung von wasserfreier Fluorwasserstoffsäure durch den elektrischen Strom. Die Elektrolyse wurde in einem U-förmigen Platinrohre ausgeführt, dessen Oeffnungen durch Fluſsspathstopfen verschlossen wurden, durch welche die Elektroden eingeführt waren; die Kathode bestand aus Platin, die Anode aus einer Legirung von Platin mit 10 Proc. Iridium. Das Platingefäſs wurde während der Durchleitung des Stromes auf einer Temperatur von – 23° erhalten. Da der Leitungswiderstand der wasserfreien Fluorwasserstoffsäure sehr groſs ist, so daſs 20 Bunsen-Elemente keinen merklichen Strom hervorbrachten, wurde derselben, um die Leitungsfähigkeit zu verbessern, etwas geschmolzenes, ebenfalls wasserfreies Fluorwasserstofffluorkalium zugesetzt. Am negativen Pole entwickelte sich Wasserstoff, am positiven aber wurde anfangs, wenn die Fluorwasserstoffsäure nicht vollständig wasserfrei war, Ozon gebildet; alsdann erhielt man jedoch ein Gas von ganz anderen Eigenschaften. Krystallisirtes Silicium verbrannte darin lebhaft zu Fluorsilicium, Bordiamanten zu Fluorbor; eine gleich starke Reaction wurde mit Jod, Schwefel und Phosphor beobachtet. Geschmolzenes Chlorkalium wurde unter Entwickelung von Chlor angegriffen, pulverförmiges Arsen und Antimon verbanden sich mit dem Gase unter Erglühen, Wasser wurde schon in der Kälte unter Bildung von Ozon und Fluorwasserstoff zersetzt. Weniger energisch ist die Einwirkung des Gases auf die meisten Metalle, da, wie es scheint, die an der Oberfläche gebildeten Metallfluorüre die weitere Einwirkung verhindern; jedoch verbrennt Eisen- und Manganpulver unter Funkenbildung bei schwachem Erwärmen. Organische Körper werden sehr energisch angegriffen; Kork, Alkohol, Aether, Terpentinöl, Benzin und Erdöl entflammen, wenn sie mit diesem Gase in Berührung gebracht werden. Ist die Flüssigkeit in der U-Röhre durch die Elektrolyse so weit vermindert, daſs dieses Gas und der an der Kathode abgeschiedene Wasserstoff mit einander in Berührung kommen, so verbinden sie sich unter heftigem Knalle. In Parallelversuchen wurde festgestellt, daſs gasförmiger Fluorwasserstoff weder allein, noch mit Ozon gemischt, die angeführten Reactionen hervorbringt. Da nun die angewendeten Fluorverbindungen auch vollständig chlorfrei waren, so kann dieses Gas nur Fluor selbst oder ein Hyperfluorid des Wasserstoffes sein.

Moissan glaubt bewiesen zu haben, daſs es wirklich Fluor ist. Er leitete (a. a. O. Bd. 103 S. 256) das Gas zuerst durch eine Platinröhre, in welcher sich trockenes Chlorkalium befand, um etwaigen Fluorwasserstoff zu entfernen, dann durch ein Rohr, gleichfalls aus Platin, gefüllt mit Eisendraht, dessen Gewicht vorher genau bestimmt war und das während des Versuches in Rothglut erhalten wurde. Den nicht absorbirten Rest fing er in einem mit Kohlensäure gefüllten Kolben auf; ein Gleiches geschah mit dem am negativen Pole entwickelten Wasserstoff. Nach Beendigung des Versuches hatte sich das Eisen in Eisenfluorür verwandelt und zwar war die Gewichtszunahme, welche dadurch eingetreten war, äquivalent dem gleichzeitig an der Kathode entwickelten Wasserstoffe. Das Gas war vollständig vom Eisen zurückgehalten worden; denn es wurde in dem dahinter gelegten Kolben nach Wegnahme der Kohlensäure nur ein geringer Rückstand eines nicht brennbaren Gases gefunden, dessen Hauptbestandtheil Sauerstoff war, welcher, wie erwähnt, aus dem der Fluſssaure noch anhaftenden Wasser bei der Elektrolyse entstanden sein kann. (Vgl. auch Debray a. a. O. Bd. 103 S. 850.)

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