Titel: Billiges Verfahren zur Herstellung von Natrium und Kalium.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1886, Band 262/Miszelle 11 (S. 486–487)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj262/mi262is10_11

Billiges Verfahren zur Herstellung von Natrium und Kalium.

Nach dem Engineering and Mining Journal, 1886 Bd. 42 S. 235 bez. Journal of the Franklin Institute, 1886 Bd. 122 S. 347 findet das von H. Y. Castner vorgeschlagene |487| Verfahren zur Gewinnung von metallischem Natrium mehr und mehr Beachtung in der Technik. Diese Methode unterscheidet sich in mehreren Punkten wesentlich von der bisher üblichen, bei welch letzterer es durchaus nothwendig ist, die Masse, aus welcher das Natrium destillirt wird, möglichst strengflüssig zu erhalten, um so ein Aufsteigen der specifisch leichteren Kohle an die Oberfläche des geschmolzenen Alkalis, wodurch natürlich die reducirende Wirkung sehr herabgesetzt würde, zu erschweren. In Folge dessen muſs eine sehr groſse Hitze angewendet werden, wenn man erreichen will, daſs auch die inneren Theile der Beschickung bis zur Zersetzungstemperatur erwärmt werden, was zur Folge hat, daſs die schmiedeisernen Destillirgefäſse in kurzer Zeit durchbrennen.

Castner's Verfahren besteht darin, daſs eine Mischung von Eisen und Kohle angewendet wird, indem fein vertheiltes Eisen mit Theer durchrührt und die erhaltene Masse verkokt wird. Es bildet sich dann um jedes Eisentheilchen eine Kohlenschicht und man erhält so ein Reductionsmaterial von ziemlich hohem specifischem Gewichte, so daſs ein Aufsteigen desselben an die Oberfläche des geschmolzenen Alkalis nicht zu befürchten ist. Hierdurch ist Castner in den Stand gesetzt, eine sehr dünnflüssige Mischung zu verarbeiten, und er verwendet deshalb zur Reduction nur so viel Kohle, als theoretisch verlangt ist. Die bei diesem Verfahren erforderliche Hitze bleibt beträchtlich hinter der bisher nothwendigen zurück, weil die Dünnflüssigkeit der Masse eine leichte Fortpflanzung der Warme durch Strömung gestattet. Demzufolge ist es möglich, statt der bisher gebräuchlichen kleinen schmiedeisernen Cylinder große guſseiserne Tiegel anzuwenden, welche die Verarbeitung von bedeutend gröſseren Mengen gestatten. Während nach der bisherigen Methode angeblich nur der dritte Theil des in der Masse enthaltenen Natriums gewonnen wurde, will Castner mit seinem Verfahren 90 Procent der theoretischen Ausbeute erhalten und glaubt das englische Pfund Natrium für weniger als 25 Cents liefern zu können. Der Einfluſs, den eine solche Preisherabsetzung auf die Verwendung des Aluminiums und Magnesiums ausüben würde, liegt auf der Hand.

Die gröſsere Ausbeute hat nach Castner ihre Ursache einerseits in der Vermeidung des Kalkzusatzes, welcher bei dem alten Verfahren nothwendig ist, um das Schmelzen der Masse zu verhindern, wodurch aber ein Theil der Soda durch die Bildung des äuſserst schwer reducirbaren Sodakalkes der Zersetzung entzogen wird; andererseits kann sich wegen der geringen Menge der angewendeten Kohle nur verhältniſsmäſsig wenig Kohlenoxydgas entwickeln, so daſs die Bildung von Kohlenoxydverbindungen des Metalles nach Möglichkeit vermieden wird.

(Diese letzten Ausführungen Castner's können sich wohl nur auf das Kalium beziehen, da das Natrium keine Kohlenoxydverbindungen bildet und die Ausbeute bei gehörig geleiteter Reduction auch nach dem älteren Verfahren nur Wenig hinter der berechneten zurückbleibt (vgl. Graham-Otto: Lehrbuch der Chemie, 1884 Bd. 2 Abth. 3 S. 281 und 284).

K.

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