Titel: Rösing, über die Verarbeitung des Zinkschaumes.
Autor: Rösing, B.
Fundstelle: 1887, Band 263 (S. 87–94)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj263/ar263043

Ueber die Destillation und elektrolytische Verarbeitung des Zinkschaumes; von B. Rösing.1)

Mit Abbildungen auf Tafel 6.

Bei der Werkbleientsilberung durch Zink, welche zuerst 1841 von Karsten (vgl. auch 1852 126 366) bei Versuchen über die Legirungen des Zinkes und Bleies zufällig entdeckt, später aber von Alex. Parkes (vgl. 1850 118 153. 1851 119 466. 1852 123 310) von Neuem vorgeschlagen und in England patentirt wurde, fällt nach dem ersten und zweiten Zinkzusatze ein an Silber reicher Zinkschaum, welcher durch Saigerung eines Theiles seines Bleigehaltes beraubt und dann Reichschaum, concentrirter oder gesaigerter Zinkschaum oder Zinkstaub genannt wird.

Der gesaigerte Schaum, dessen Menge je nach dem Grade der Saigerung 1,5 (auf der Hütte Mechernich), 6 (Lautenthal), 7 (Omaha) oder höchstens bis 10 Procent des verarbeiteten Werkbleies beträgt, enthält im Allgemeinen 8 bis 25 Proc. Zink, ausnahmsweise bis 45 Proc. (Mechernich) sowie 45 bis 90 Proc. Blei und meist 0,5 bis 2,5 Proc. Silber. Da Blei höchstens 1,5 Proc. Zink in sich aufnehmen kann., so betrachtet Schnabel (vgl. 1881 240 149) den Zinkschaum nicht als eine Legirung, sondern als ein Gemenge von Blei und einer Legirung, wohingegen Rösing denselben als ein Gemenge von zwei Legirungen, nämlich von Silber und Zink haltigem Blei und von Silber und Blei haltigem Zink, aufgefaſst haben will.

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I) Destillation des Zinkschaumes.

Bei der Verarbeitung des Zinkschaumes ist die Destillation als die älteste und am weitesten verbreitete Methode anzusehen. Parkes benutzte anfänglich stehende Röhren nach Art der englischen Zinkgewinnungsmethode, später in England und zu Bleiberg einen belgischen Ofen, wobei sich bald hinsichtlich der Dauerhaftigkeit der Röhren und der Verarbeitung der Rückstände Schwierigkeiten zeigten. Karsten destillirte den Schaum zu Friedrichshütte aus Muffeln. Teichmann und Gerhard benutzten mit Kohle haltigem Futter ausgekleidete Muffeln. Darauf wurde 1870 zu Friedrichshütte ein Gasdoppelofen (Unterwind-Ofen) mit 48 ausgefütterten Muffeln errichtet. Weil jedoch viel Reichblei durch die Muffeln hindurchging und sich in den groſsen Mauermassen ansammelte, so wurde im J. 1875 der Betrieb eingestellt. E. Balbach zu Newark (vgl. 1871 200 * 213) verwendete sodann kleine, meist mit Kokes befeuerte Oefen mit nur einer Retorte, welche behufs leichterer Entfernung des Bleies und der Rückstände aus den Retorten von Faber du Faur kippbar gemacht wurden und dann bessere Erfolge lieferten. Fast auf allen deutschen Werken wird destillirt und haben Herrmann, Landsberg u.a. durch Einführung von Gasöfen und gefütterten Destillirgefäſsen wesentliche Fortschritte herbeigeführt. Die auf englischen, spanischen und französischen Werken angewendeten Graphittiegel zum Destilliren (vgl. 1877 225 67) sind auch in neuester Zeit zu Freiberg i. S. versucht worden.

Um nun auf eine nähere Betrachtung der beim Destilliren des an Silber reichen Zinkschaumes gegenwärtig benutzten Apparate einzugehen, so ist zunächst zu bemerken, daſs dieselben die Erzeugung einer möglichst hohen Temperatur und die vollständige Auffangung des durch etwaiges Zerbrechen des Destillirgefäſses austretenden Metalles gestatten müssen. Je höher die Temperatur, um so schneller und besser verläuft der Prozeſs. So lange Zink vorhanden, ist eine bedeutende Silberverflüchtigung nicht zu befürchten. Sobald die Zinkausströmung schwächer wird, sticht man das Reichblei ab und dieser Zeitpunkt tritt um so früher ein, das Blei wird um so ärmer an Zink und das Zinkausbringen um so höher, je stärker die Hitze. Man unterscheidet Kipp- und feststehende Oefen, letztere in Gestalt von Muffel-, Tiegel-, Retorten- und Röhrenöfen. Kipp- und Tiegelöfen werden meist mit Kokes, Röhrenöfen fast immer mit Gas geheizt, selten mit Kohle.

Kippöfen (vgl. Balbach 1871 200 * 213) sind auf amerikanischen Werken (Aurora, Illinois, Newark, New Jersey, Omaha, Nebraska, Chicago, Pittsburg), ferner in Italien, in Deutschland nur noch zu Mechernich in Anwendung, nachdem Versuche auf Altenau ungünstig ausgefallen. Die Retorte ruht entweder auf einem Gewölbe (Aurora, Omaha) oder auf eisernen, feuerfest übermauerten Trägern (Newark). Der Fuchs liegt oben seitlich (Mechernich) oder, wobei derselbe dichter an die Esse anschlieſst, in der Rückwand (Newark, Aurora) oder im Gewölbe (Omaha). Der Ofen wird um Zapfen in einem Gestelle entweder mittels einer Schnecke (Aurora) oder eines Hebels (Mechernich, Newark, Omaha) gedreht. Die Retorten von Flaschen- oder Birnengestalt bestehen aus Graphit mit 50 bis 60, auch wohl bis 90 Proc. Thon (Mechernich).

Zur Condensation der Zinkdämpfe liegt in Mechernich vor der Retorte eine kurze thönerne Vorlage, aus welcher das Zink in eine untergestellte eiserne Schüssel tröpfelt. Diese ist mit einem Handgriffe versehen und ruht auf einem eisernen, während des Entleerens und Füllens der Retorte zur Seite gestellten Dreifuſse. Aus der Vorlage treten die Dämpfe erst in eine guſseiserne Röhre (sogen. Tute), dann in eine Reihe schmiedeiserner, über einander gesteckter, durch einen Bock gestützter Ansatzröhren |89| (sogen. Allongen oder Ballons). Auf amerikanischen Werken ruht die Vorlage manchmal auf einem Wagen, welcher auch die Mulden für das abgestochene Zink trägt und bei beginnender Destillation vorgefahren wird.

Soll das Zink als Oxyd aufgefangen werden (wie dies z.B. in Newark geschieht), so lutirt man ein thönernes Rohr in die Retorte, dessen einer Schenkel, an dessen Ende das Zink verbrennt, in eine darüber hängende Eisenblechröhre ragt, aus welcher ein Sauger das aufgezogene Oxyd durch einen Zickzackröhrenstrang in 60 Condensationssäcke von je 3m,96 Länge und 74cm Durchmesser wirft. In Berührung mit der Kokesasche haftet dieselbe oft fest an den Retorten, welche dann beim Losbrechen der Schlacke leicht beschädigt werden können. Die Retorten werden entweder durch die Brust, oder nach Herausnahme der Roststäbe von unten eingesetzt und bis zur hellen Rothglut gebracht, bevor sie beschickt werden.

Der Faber du Faur'sche Kippofen (vgl. 1876 219 * 60) hat eine groſse elliptische Retorte mit Gas- oder seitlicher Treppenrostfeuerung, 1t Ladung fassend; über seine Ausführung ist nichts bekannt geworden.

Feststehende Oefen mit Muffeln, Tiegeln oder Röhren. Muffelöfen, wie sie früher zu Friedrichshütte versucht wurden, besitzen nur noch geschichtliches Interesse. Tiegelöfen, auf englischen und französischen Hütten gebräuchlich (vgl. 1877 225 67), nehmen einen Graphittiegel von etwa 50cm Höhe und 30cm Weite mit Haube und eiserner Vorlage auf. Man wendet Posten von 300k bei Kokesfeuerung an, nach deren Abdestillation die Haube abgenommen und das Reichblei ausgekellt wird.

Retortenöfen, für Kokes- und Flammenfeuerung festliegend eingerichtet, enthalten flaschen- oder birnenförmige Destillirgefäſse und sind meist von anderen Constructionen verdrängt.

Hierher gehört u.a. der Ofen von Brodie (vgl. Fig. 7 Taf. 6), früher im Betriebe auf den Montgomery-Werken zu Bloomfield (New-Jersey) und auf den Tatham'schen Delaware Lead Works zu Philadelphia; derselbe enthält 6 Graphitretorten R mit je 225 bis 250k Fassungsraum und Heiſsluftröhren i (Fig. 7 Taf. 6) und das erhaltene Reichblei wird durch ein Stichloch im Boden abgelassen. Die feststehenden Retortenöfen mit Kokesfeuerung (vgl. Fig. 8 Taf. 6) weichen von den Kippöfen nur darin ab, daſs die Retorte R auf einer auf der Hüttensohle ruhenden gemauerten Säule a seitlich aufliegt.

Röhrenöfen, der Thum'schen Construction eines Zinkofens für die Verhüttung Blei und Zink haltiger Erze (vgl. 1875 216 284) nachgebildet, enthalten bei Gasfeuerung ohne (Münsterbusch, Ems, Braubach) oder mit Unterwind geneigte Röhren R (vgl. Fig. 2, 4 und 6 Taf. 6), deren oberes Ende mit einer Vorlage v zur Aufnahme der Zinkdämpfe in Verbindung steht, während durch eine kleine Oeffnung u am unteren Ende das Reichblei abgestochen wird. Die Gase treten durch den Kanal K (Fig. 1, |90| 4 und 5 Taf. 6) in den Ofen, mischen sich bei l mit der Verbrennungsluft, welche sich beim Durchströmen der Kanäle L stark vorgewärmt hat; die Flamme geht durch den Fuchs F ab, umspült den Temperraum T (Fig. 1 und 4) und entweicht dann in eine niedrige Esse. Eine Hilfsfeuerung S (Fig. 1) dient zum Trocknen und Anwärmen des Ofens.

Die auf feuerfesten Stützen s ruhenden Röhren R bestehen entweder ganz aus Graphitmasse (Binsfeldhammer, früher Braubach), oder sind nach Landsberg's Verfahren (vgl. 1881 242 431) mit Graphit gefüttert (Münsterbusch, Ems, Braubach, Friedrichshütte). Das Landsberg'sche (3cm starke) Futter enthält etwa 37 Proc. Kohlenstoff in Form besten Ceylon-Graphites. Die Röhren zu Binsfeldhammer (Fig. 5 und 6) sind von elliptischem Querschnitte, von 60cm Höhe, 70cm Breite und 1t Fassungsraum; sie sind gröſser als die den Landsberg'schen ähnlichen Friedrichshütter Röhren und werden, während letztere stehend, liegend geformt.

Zur Erhöhung der Dauer der Destillirgefäſse dreht man dieselben wohl von Zeit zu Zeit etwas um ihre Achse und sucht eine Bleioxydbildung darin zu vermeiden durch eine stark reducirende Atmosphäre, nöthigenfalls durch eingeworfenes Holz.

Auf den Stolberger Hütten wird das Zink aus den bauchigen Vorlagen v (Fig. 6) ausgekeilt, auf Friedrichshütte aus den annähernd cylindrischen (Fig. 3) abgestochen. An die Vorlagen werden Ansatzröhren (Allongen) mit wagerechter Theilung in der Längsrichtung gesteckt. Zu Ems und Braubach haben die geneigten Vorlagen v eine verschlieſsbare Beschickungsöffnung mit Thonrohr, aus welchem das Zink stetig heraustropft. Entweichende Zinkdämpfe steigen durch die schmiedeiserne Ansatzröhre in eine durch Schieber abschlieſsbare Condensationskammer.

Das Ofengesäſs besteht auf Friedrichshütte aus Magnesiasteinen. Aus schadhaft gewordenen Röhren aussickerndes Blei flieſst auf in die Sohle gelegten Eisenplatten aus dem Ofeninneren ab, oder dasselbe gelangt in unter jeder Röhre liegende guſseiserne geneigte Kästen x (Fig. 3), welche durch passend angeordnete Hohlräume so mit dem Ofeninneren und der äuſseren, mit einem Thonpfropfen abgeschlossenen Luft in Verbindung stehen, daſs das Reichblei schnell und vollständig abflieſsen kann. Der Vorherd zur Aufnahme des Reichbleies ist entweder festliegend (wie H in Fig. 6) oder wie zu Friedrichshütte auf einem Wagen angeordnet und durch Kippen mittels abnehmbarer Handhabe um seine Zapfen zu entleeren. Der Preis für einen Ofen ohne Windleitung, Generator und Gasleitung ist annähernd 2000 M.

Arbeitsmethoden. Zur Erzielung eines möglichst reinen Zinkschaumes muſs je nach der Beschaffenheit des Werkbleies ein Raffiniren desselben stattfinden (z.B. zu Friedrichshütte bloſs durch Einleiten von Dampf während 10 Minuten in das nur etwas Schwefel enthaltende, von Abstrich befreite Blei). Zur Abscheidung von möglichst viel Reichblei aus dem an Silber reichen Zinkschaume vor der Destillation wird derselbe |91| einer Saigerung in guſseisernen Pfannen (Binsfeldhammer), oder besser in einem Kessel (Mechernich) unterworfen. In Braubach wird die Saigerung in einem Entsilberungskessel begonnen und in dem eigentlichen Saigerkessel in Form einer sogen. Calotte ohne Abzapfloch bei schärferem Feuer beendigt. Ohne die Vorlagen (bei Röhrenöfen) zu entfernen, was bei anderen Oefen meist geschehen muſs, wirft man zunächst 1 bis 3 Proc. Holzkohle, dann die passend geformten Schaumstücke in die Röhren, schmilzt in etwa ½ Stunde ein, setzt nach und führt die Destillation bei hoher Temperatur so lange fort, bis nur noch geringe Mengen von Zinkdampf ausströmen. Zeigt sich das Reichblei in dem Destillirgefäſse nicht mehr muſsig – sonst muſs noch unter Zusatz von etwas Holzkohle ½ bis 1 Stunde erhitzt werden (Amerika) –, so wird dasselbe bei Kippöfen durch Neigung derselben entfernt, bei Röhren- und Brodie-Oefen durch Abstechen, sonst durch Ausschöpfen mit Kellen oder nach Steitz's Verfahren, was aber sehr umständlich ist, durch Aushebern mit eisernem Heber.

Das Reichblei läſst man entweder gleich in die Formen, oder in einen festen oder fahrbaren Herd, oder in eine mit Lehm überzogene Gieſskelle, kratzt die Rückstände (Blei, Kohle, Bleioxyd u.s.w.) sorgfältig heraus und verschmilzt sie entweder in kleinen Schachtöfen, oder tränkt sie beim Abtreiben (Ems) oder Werkbleiraffmiren ein (Aurora). Das Zink erfolgt theils metallisch und wird dann wieder zur Werkbleientsilberung benutzt, theils staubförmig (Zinkstaub) in den Ansetzröhren, theils mehr zusammenhängend und mit Bleioxyd zusammengefrittet (als Schmelz) in den Vorlagen. Man führt diese von Silber freien Oxyde entweder in den Prozeſs zurück, oder setzt den Zinkstaub bei der Zinkgewinnung zu und den Schmelz bei der Zink- oder Schachtofenarbeit. Man verarbeitet in Kippöfen Posten von 150 bis 315k in 6 bis 12 Stunden, in Röhrenöfen solche von 250 bis 1000k in 8 bis 24 Stunden. Das Abstechen des Werkbleies und das Ausräumen der Rückstände dauert bezieh. 20 Minuten und 1½ Stunden bei 3 Röhren. Ein Arbeiter besorgt 2 bis 5 Kippöfen, einen Gasofen mit 3 Röhren und einen Brodie-Ofen mit 6 Retorten.

Betriebsergebnisse. Obgleich bei diesem Verfahren Metallverluste mittelbar durch die weiter zu verarbeitenden Rückstände veranlaſst werden, so ist doch das Ausbringen im Vergleiche zu anderen Methoden der Zinkschaumverarbeitung ein sehr gutes, da bei hinreichender Reinheit des Zinkschaumes die Menge der Rückstände keine sehr groſse ist. Man erhält vom Zinkschaume 65 bis 85 Proc. treibwürdiges Reichblei mit 0,75 bis 1,5 Proc. Zink und 1 bis 4, selten bis 8 Proc. Silber, 10 bis 24 Proc. von Silber freies und etwa 1 Proc. Blei enthaltendes Zink, 2 bis 23 Proc. Rückstände, zu Friedrichshütte mit 50 Proc. Blei und 0,5 Proc. Silber, endlich 0,5 bis 5 Proc. Zinkstaub mit etwa 4 Proc. Blei. Der Brennstoffverbrauch beträgt bei Kippöfen 64 Procent des Einsatzes |92| (Omaha) bis 70 Proc. (Aurora), bei Brodie-Oefen 100 bis 114 Proc. (Philadelphia), bei Gasöfen 40 Proc. (Friedrichshütte), 45 Proc. (Binsfeldhammer), 60 Proc. (Ems), 100 bis 170 Proc. (Braubach). Die Retorten der Kippöfen halten durchschnittlich 30, ausnahmsweise 70 Posten aus, in Mechernich 3 bis 4 Wochen, in festen Retortenöfen 30 bis 40 Posten und in Gasöfen etwa 30 Tage. In Bezug auf die Destillationskosten lassen sich genaue Zahlen von allgemeiner Bedeutung nicht geben. Friedrichshütter Verhältnisse vorausgesetzt, würden die Kosten für Arbeitslöhne, Brennstoff, Destillirgefäſse und Metallverlust bei Kipp- und Gasöfen für 1000t Reichschaum bezieh. 37148 und 25902 M. betragen. Eine ausschlaggebende Rolle spielen bei sämmtlichen Methoden: der Preis des Brennstoffes, welcher, wenn hoch, Gasöfen empfehlenswerth macht, die Gröſse und Regelmäſsigkeit des Betriebes, indem bei sehr bedeutender und nicht schnell wechselnder Menge Reichschaum Gasöfen, entgegengesetzten Falles Kippöfen am Platze sein würden. Beispielsweise setzt jeder der 5 Kippöfen in Mechernich Posten von 150 bis 200k in 10 bis 12 Stunden durch, ein Gasofen zu Friedrichshütte mit 3 Röhren jede 250k Post in 8 Stunden bei einem Ausbringen von 70 bis 80 Proc. Reichblei, 13 Proc. Rückständen und bis 10 Proc. Zink.

Vergleich des Destillirens mit anderen Methoden. Das Flansche Schachtofenschmelzen (vgl. 1877 225 67) – nur noch auf kleineren Werken, wie Call in der Eifel, in Anwendung – sowie das Eintränken der reichen Oxyde veranlassen nicht nur annähernd ebenso hohe Kosten wie die Destillation, sondern auch erhebliche Silberverluste ohne Wiedergewinnung des Zinkes und entfernen nicht das schädliche Zink aus dem Hüttenbetriebe. Bei einem Vergleiche mit dem Schnabel'schen combinirten Wasserdampf- und Ammoniakverfahren (vgl. 1878 228 186. 1881 240 149) ergibt sich, daſs gegen dasselbe bei der Destillation ein Minderausbringen von höchstens 12 Proc. Zink stattfindet, dafür aber die Destillation den groſsen Vortheil hat, daſs man dabei nach Belieben das Zink als Metall oder, wenn die Markt- und sonstigen Verhältnisse es wünschenswerth erscheinen lassen, als Oxyd gewinnen kann, welches als Farbe an Güte die aus der ammoniakalischen Zinklösung erhaltene wesentlich übertrifft. Leidet zwar die Destillation auch an Unvollkommenheiten (geringe Wärmeausnutzung, mangelhafte Haltbarkeit der Gefäſse u.s.w.), so ist sie doch der nur in Lautenthal eingeführten Ammoniaklaugerei überlegen und es erscheint deshalb vollkommen begreiflich, daſs jeder Techniker, unter dessen Verantwortung die Zinkschaumverarbeitung eingeführt oder neu gestaltet werden soll, das allgemein erprobte und weniger Anlagekosten erfordernde Destillirverfahren vorzieht.

II) Elektrolytische Zinkschaumverarbeitung.

Da die vorstehend beschriebene Verarbeitung des Zinkschaumes noch immer schwerwiegende Nachtheile besitzt, so ist versucht worden, auf dem Wege der Elektrolyse eine zweckmäſsigere Methode zur Verarbeitung des Schaumes einzuführen. |93| In der Berg- und Hüttenmännischen Zeitung, 1886 S. 463 berichtet B. Rösing ausführlicher über die elektrolytische Entzinkung des Reichschaumes zu Friedrichshütte nach dem Verfahren des Kgl. Hüttenamtes daselbst (vgl. 1886 259 291). Auch am Harz zu Lautenthal von Carl Schnabel und zu Oker von Bräuning sind früher Versuche gemacht worden, den Zinkschaum elektrolytisch zu verarbeiten. Indessen sollen die Erfolge weder in wirthschaftlicher Beziehung, noch in Bezug auf die Güte des Productes besonders günstig ausgefallen sein. Bei der elektrolytischen Verarbeitung des Reichschaumes zu Friedrichshütte wird dieser bekanntlich als Anode in eine als Elektrolyt dienende Zinklösung geführt. Beim Durchleiten des Stromes schlägt sich auf der Kathode aus der Zinklösung Zink nieder, während der frei gewordene elektro-negative Bestandtheil des Zinksalzes einen entsprechenden Theil Zink von der Anode in Lösung bringt.1)

Diese elektrolytische Zinkschaumverarbeitung unterscheidet sich von anderen elektrometallurgischen Prozessen, wie z.B. der Raffination des Kupfers (vgl. 1886 262 275), der Keith'schen Werkbleientsilberung (vgl. 1878 229 * 534. 230 75. 328) und dem Herrmann'schen Verfahren der Reinigung von Handelszink (vgl. 1885 258 165), besonders dadurch, daſs das aus dem zu verarbeitenden Material elektrolytisch zu entfernende Metall bei allen diesen Verfahren der weitaus überwiegende Bestandtheil ist, während hier das Zink oft nur den zehnten Theil der ganzen Masse ausmacht. Sobald daher das im Schaume vorhandene Zink, welches von dem Elektrolyten berührt wurde, in Lösung gegangen ist, hat sich eine Oberfläche gebildet, welche aus Blei und Silber, den fast unlöslichen Theilen des Schaumes, besteht. In diesem Augenblicke kann der elektrische Strom unterbrochen werden, da je nach der Spannung desselben entweder bald nur Wasserstoffentwickelung eintreten, oder der Strom bei den unlöslichen Anoden von selbst aufhören würde.

Es ist einleuchtend, daſs die Entzinkung des Schaumes um so vollständiger ist, je gröſser die Berührungsfläche des Schaumes und des Elektrolytes ist. Aus diesem Grunde wird der Schaum, da wegen seiner Sprödigkeit dünne Platten sich aus demselben nicht herstellen lassen, in pulverisirtem Zustande angewendet. Dies hat zur Folge, daſs die Elektroden eine wagerechte Lage erhalten müssen. In runden hölzernen Elektrolysirbottichen liegt auf dem Boden eine mit Zinkschaum bedeckte Bleiplatte, welche als Anode dient; ihr gegenüber ruht auf isolirenden Stützen die Kathode in Gestalt eines Zinkbleches. Um eine Strömung der Flüssigkeit (des Elektrolyten) zu unterhalten, werden mehrere Bottiche oder Wannen derart über einander gestellt, daſs die Flüssigkeit, welche der obersten Wanne von einem höher liegenden Behälter zugeführt wird, durch einen in jeder Wanne angebrachten Abfluſs von Wanne zu Wanne flieſst; aus der untersten Wanne flieſst sie dann in einen Behälter, um von Neuem verwendet zu werden. Die Masse an der Anode besteht, nachdem der elektrische Strom eine Zeitlang gewirkt hat, aus einer von Zink freien Rinde und einem unveränderten Kern, welchen man durch Saigern von jener trennt und von Neuem elektrolytisch verarbeitet. Auf diese Weise wechseln Entzinkung durch Elektrolyse und Entbleiung durch Saigerung fortwährend mit einander ab. Das bei ersterer entstehende Zink wird, damit geringe Mengen darin enthaltenen Silbers und Bleies nicht verloren gehen, wiederum zur Ent-silberung von Werkblei benutzt; das bei der Saigerung fallende Reichblei andererseits wird durch den Treibprozeſs auf Silber zu gute gemacht. Die bei dieser Arbeit erzeugte Glätte wird zu Blei reducirt.

Rösing hat auch Versuche theils mit gekörntem, theils mit plattenförmigem Zinkschaum behufs Ermittelung des zweckmäſsigsten Elektrolytes angestellt und dabei folgende Beobachtungen gemacht: 1) Bei Anwendung von verdünnter Kalilauge von 1,26 sp. G. enthielt der |94| schwammige Niederschlag viel (0,223 Proc.) Silber, etwas Blei und Kupfer. 2) Ammoniak ergab genau denselben Erfolg wie Kalilauge. Genauere Ermittelungen mit gemessenen Strömen wurden dadurch von vorn herein überflüssig. 3) Salmiaklösung als Elektrolyt lieferte einen Niederschlag mit 77 Proc. Blei und etwas Silber. 4) Ein Zusatz von Alkohol zu den vorstehend genannten Elektrolyten verminderte zwar die Löslichkeit des Bleies, beeinträchtigte aber auch die Lösung des Zinkes und der Alkohol wurde schnell oxydirt. 5) Auch bei der Anwendung einer mit Ammoniak versetzten Lösung von schwefelsaurem Ammonium wurde der Niederschlag nicht unerheblich Silber haltig und enthielt auch ein wenig Blei. 6) Versetzt man eine Lösung von schwefelsaurem Zink mit schwefelsaurem Ammonium, so wird der Niederschlag sehr dicht und glänzend, aber er ist wiederum reich an Silber. Bei einem der Versuche enthielt der Schaum vor dem Versuche 14,68 Zink und 1,93 Silber, nach beendigter Elektrolyse 11,55 Zink und 1,24 Silber; es hatte sich somit der Zinkgehalt um 3,13 Proc. vermindert, aber es waren auch 0,69 Proc. Silber in Lösung gegangen. 7) Auch ein Zusatz von schwefelsaurem Natrium zu der Zinksulfatlösung ergab einen Niederschlag, welcher neben etwas Blei Silber enthielt. 8) Die günstigsten Ergebnisse in Bezug auf die Reinheit des Zinkniederschlages lieferte eine reine Zinksulfatlösung. Bei Versuchen in kleinerem Maſsstabe, bei welchen die Elektroden eine Gröſse von 400qc hatten, war der Niederschlag völlig frei von Silber und enthielt auch nur wenig Blei; bei gröſseren Versuchen war es allerdings nicht immer zu vermeiden, daſs die möglichst schnell umströmende Lauge feine Theilchen des pulverisirten Zinkschaumes mechanisch in den Niederschlag führte, welcher dadurch manchmal ein wenig Silber haltig wurde.

Das vorstehend beschriebene Verfahren, welches sich als die zweckmäſsigste unter den bisher bekannten Methoden herausgestellt hat, ist also wesentlich gekennzeichnet durch die abwechselnde Analyse und Saigerung, sowie durch die Anwendung feinkörnigen Materials auf wagerecht angeordneten Bleiplatten, von denen der Strom in die Zinkschaumanoden geführt wird.

Auszugsweise nach der Zeitschrift für Berg-, Hütten- und Salinenwesen, 1886 Bd. 34 * S. 91 ff. Vgl. auch Berg- und Hüttenmännische Zeitung, 1886 * S. 421.

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Nach der zur 100jährigen Jubelfeier der kgl. Friedrichshütte bei Tarnowitz herausgegebenen Festschrift (Verlag von Ernst und Korn in Berlin) ist dieses patentirte elektrolytische Verfahren mit Rücksicht auf die höheren Anlagekosten gegenüber dem Destillationsverfahren wieder aufgegeben.

Red.

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