Titel: E. Thomson's Apparat zum elektrischen Schweiſsen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1887, Band 263 (S. 230–232)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj263/ar263093

E. Thomson's Apparat zum elektrischen Schweiſsen.

Mit Abbildungen.

Nach Mittheilungen, welche Prof. Elihu Thomson von der Thomson-Houston Electric Light Company kürzlich im „Massachusetts Institute of Technology“ gemacht hat (vgl. Engineering, 1887 Bd. 43 * S. 22), werden in den Werken der genannten Gesellschaft alle Eisen- und Kupferdrähte elektrisch geschweiſst.1) Der dickste bisher so geschweiſste Kupferdraht war 12mm,7 stark und forderte einen Strom von 20000 Ampère. Derselbe |231| Strom würde hinreichen, um Eisenstäbe von 25mm Dicke zu schweiſsen, weil der gröſsere Widerstand des Eisens eine stärkere Wärmeentwickelung bedingt. In den Industries, 1887 Bd. 2 * S. 68 ist eine groſse Menge durch Elektricität geschweiſster Gegenstände abgebildet; darunter sind Stäbe aus Eisen, Stahl, Kupfer, Messing, Blei und Zink, Ringe sowie Scheiben aus Schmiedeisen, Guſseisen, Messing, Kupfer, ferner Röhren aus Blei, Eisen u. dgl. m.

Die zum Schweiſsen erforderlichen kräftigen Ströme haben eine nur geringe elektromotorische Kraft, oft nur ½ Volt; auch sind die Ströme nur 1 oder 2 Minuten thätig. Oft wird eine Secundärbatterie benutzt, deren Elemente in Hintereinanderschaltung von einem Stromkreise für elektrische Beleuchtung geladen werden; bei der Benutzung werden die Elemente parallel geschaltet und bieten so einen nur sehr kleinen Widerstand. Da aber die rasche Entladung für Secundärbatterien gefährlich ist, so wird besser ein Inductor als Umformer des Stromes benutzt, dessen beide Rollen entsprechend gewählt werden. Bei Anwendung der Inductoren für die elektrische Beleuchtung (vgl. Gaulard und Gibbs 1885 255 * 156) ist gewöhnlich in der primären Spule ein Strom von 2000 Volt thätig, welcher in der secundären Rolle einen Strom von 50 bis 100 Volt unter entsprechender Erhöhung der Anzahl der Ampère erzeugt; für das Schweiſsen sind bloſs 1 bis 2 Volt erforderlich.

Fig. 1., Bd. 263, S. 231
In Fig. 1 ist eine Form der benutzten Inductoren abgebildet. Der Eisenkern L wird von einem Bündel feiner Eisendrähte gebildet; um denselben ist die primäre Rolle P gewickelt, deren Enden mit einem Wechselstromerzeuger verbunden werden, welcher 50 bis 100 Stromwechsel in der Secunde liefert. Der Eisenkern hat 305mm Länge und 31mm (nach anderen Angaben 57mm) Durchmesser. Die secundäre Rolle S besteht aus 64 zusammengebundenen Kupferdrähten (Nr. 10 der Brown und Sharpe'schen Lehre), welche in 8 neben einander liegenden Windungen parallel um die primäre Rolle gewickelt sind; die Enden derselben sind an zwei Kupferplatten genietet, an welchen Klemmvorrichtungen zur Aufnahme der zu schweiſsenden Stäbe R, R angebracht sind. Eine der Klemmen ist beweglich und wird durch eine Feder beständig gegen die andere gepreſst, so daſs die zu schweiſsenden Stücken an ihren gereinigten und mit Borax o. dgl. Schweiſsmittel bestreuten Enden in guter Berührung erhalten werden. Haben die zu schweiſsenden Theile gleichen elektrischen Widerstand, so bringt man die Schweiſsstelle bitten zwischen die beiden Klemmen, sonst näher an diejenige Klemme, in welcher das Stück mit dem gröſseren Widerstände befestigt ist. Der Widerstand der secundären Rolle ist 0,00015 Ohm; die Stärke der Stromwirkung |232| Wirkung läſst sich durch Verschieben des Kernes L in die primäre Rolle hinein oder aus derselben heraus verändern.

Fig. 2., Bd. 263, S. 232
Eine andere Form des Inductors ist in Fig. 2 abgebildet. Die primäre Rolle P bildet hier einen Ring von 305mm Durchmesser, 57mm (nach anderer Angabe 63mm,5) Breite und 6mm (nach anderer Angabe 19mm und mehr) Dicke und besteht aus vielen Windungen isolirten Kupferdrahtes; die Enden derselben sind wieder mit den Klemmen einer Wechselstrommaschine verbunden. Die secundäre Rolle S ist ein einziger schwerer Kupferstab, der in einer Windung um die primäre Rolle herumgelegt ist; seine Enden sind parallel gebogen und mit den massiven Klemmen verbunden; die Arme können durch die Schraube C von Fig. 2. einander entfernt werden und werden durch die stellbare Feder D gegen einander gezogen. Die primäre und die secundäre Rolle sind mit einer endlosen, wie ein Kern für die primäre und secundäre Rolle wirkende Spule Eisendraht I umhüllt; letztere berührt die Rollen nicht, ist vielmehr auf ein Eisenblech gewickelt, so daſs die secundäre Rolle frei liegt und sammt den Armen in ihrer Beweglichkeit nicht beeinträchtigt ist. Der Widerstand der secundären Rolle beträgt 0,00003 Ohm und liefert unter der Einwirkung eines starken primären Stromes eine elektromotorische Kraft von 2 Volt; in den meisten Fällen wird indessen weniger gebraucht. Im primären Stromkreise wird ein Strom von 20 Ampère und 600 Volt benutzt, der in einer Dynamomaschine von 227k Gewicht erzeugt wird, welche bei 1800 Umdrehungen 25e verbraucht; derselbe erzeugt in der secundären Rolle nahezu 1 Volt und 12000 Ampère. Bei beendeter Schweiſsung wird nicht der secundäre, sondern der primäre Strom unterbrochen, weil dieser minder stark ist. Die Stärke des secundären Stromes wird zweckmäſsig durch Einschaltung von veränderlichen Widerständen in den primären Stromkreis regulirt, damit nicht etwa die zu schweiſsenden Stücke zu stark erhitzt werden; auch der Magnetismus der Feldmagnete der Dynamomaschine kann zu diesem Zwecke veränderlich gemacht werden.

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Wie in der Zeitschrift für Elektrotechnik, 1887 S. 48 bemerkt wird hat Ludwig Mach in Prag schon vor 2 Jahren den Vorschlag gemacht, durch Anwendung von Elektricität zu schweiſsen. (Vgl. F. Wallner's elektrische Glühvorrichtung 1884 254 * 120.)

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