Titel: v. Mertens' bez. Brunlechner's Bestimmung des Sumpfgases.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1887, Band 263 (S. 234–236)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj263/ar263096

Apparate zur Bestimmung des Sumpfgases in Grubenwettern.

Mit Abbildungen auf Tafel 14.

Der von Coquillion und Schondorff (1878 227 * 262) construirte und Grisoumeter genannte Apparat zur Bestimmung von Kohlenwasserstoffen in Gasen hat den Uebelstand, daſs man nach jeder Verbrennung den Apparat abkühlen lassen muſs, bevor man die eingetretene Contraction ablesen kann. P. v. Mertens hat nun nach der Zeitschrift für analytische Chemie, 1886 Bd. 26 * S. 42 einen ähnlichen Apparat ausführen lassen, bei welchem die Verbrennung in einem gesonderten Theile desselben ausgeführt wird, wodurch eine Abkürzung der Arbeitszeit ermöglicht werden soll.

Der in Fig. 14 bis 17 Taf. 14 dargestellte Apparat besteht aus dem Meſsrohre M, der sogen. Niveauröhre N und der Absorptionsröhre A, welche sieb in einem mit Wasser gefüllten prismatischen Glasgefäſse G befinden. Auſserdem sind mit diesen Röhren in Verbindung die Flasche W und die Verbrennungspipette T. Das Meſsrohr enthält vom Nullpunkte bis zum Hahne 1 50cc, der engere 20cc enthaltende Theil desselben ist in 0cc,1 getheilt. Das Standrohr N dient zur bequemen Ablesung und steht mit dem Meſsrohre nicht in unmittelbarer Verbindung. Die umgebogenen Enden des Meſs- und des Standrohres sind durch Kautschukschläuche an Messingröhrchen r befestigt, welche mit der Waschflasche W in Verbindung stehen. Die Hähne 1, 3 und 4 sind rechtwinkelig gebohrt (vgl. Fig. 15 und 16). Der Hahn 2 besitzt dagegen gerade Bohrung und vermittelt die obere Verbindung zwischen den beiden Schenkeln der U-förmigen Absorptionsröhre A; der vordere Schenkel ist mit Glasröhrchen |235| gefüllt und der hintere Schenkel geht als weites Rohr bis über den Deckel des Kastens G, woselbst es mittels eines Stopfens mit umgebogenem Glasröhrchen geschlossen wird, um das Füllen und Entleeren zu erleichtern.

Die Verbrennungspipette T ist nach Art der Hempel'schen Pipetten construirt und enthält die Palladiumblech-Spirale, welche durch den elektrischen Strom zum Glühen gebracht wird. Diese Pipette ist mit dem Hahne 4 durch einen capillaren Schlauch verbunden, welcher einfach dadurch hergestellt wird, daſs man einen dünnen capillaren Schlauch in einen gröſseren einschiebt und nun die überstehenden Enden des gröſseren Schlauches auf die Glasröhren schiebt, bis die Enden des dünneren Schlauches knapp an diese anliegen.

Die Arbeit mit dem Apparate ist folgende: Man öffnet Hahn 3, bringt Hahn 1 in die Stellung ab (Fig. 15) und preſst aus der Wasserflasche W mittels des Beutels B1 bei geöffnetem Quetschhahne 6 Wasser in das Meſsrohr M, bis dieses vollkommen gefüllt ist; dann schlieſst man Hahn 6 und bringt Hahn 1 in die Stellung ad. Jetzt schlieſst man an das Glasrohr e die Flasche mit der Gasprobe an und läſst das Gas durch den Stutzen d entweichen, bis alle Luft verdrängt ist. Darauf bringt man Hahn 1 in die Stellung ab und füllt das Meſsrohr bis unter den Nullpunkt mit Gas, worauf Hahn 3 geschlossen wird. Nun preſst man mit Hilfe der Wasserflasche das Gas im Meſsrohre zusammen, bis das Wasser am Nullpunkte steht, schlieſst den Quetschhahn 6 und öffnet Hahn 3 für einen Augenblick, wodurch das Gas auf den Atmosphärendruck gebracht wird. Will man sich überzeugen, ob richtig auf den Nullpunkt eingestellt ist, so braucht man nur das Standrohr durch Oeffnen des Hahnes 5 mit dem Meſsrohre in Verbindung zu setzen und das in demselben befindliche Wasser langsam abflieſsen zu lassen, bis die Flüssigkeit in beiden Röhren gleich hoch steht. Der Hahn 5 wird wieder geschlossen und das Gas wiederholt nach der Röhre A zur Absorption der Kohlensäure gebracht und deren Menge abgelesen, wobei zu berücksichtigen ist, daſs die Ablesung Cubikcentimeter in 50cc angibt. Darauf bringt man Hahn 1 in die Stellung bc, öffnet Hahn 4 und führt das Gas in die Verbrennungspipette T. Diese ist vor dem Versuche ganz mit Wasser gefüllt worden, einschlieſslich des capillaren Schlauches und der Glasröhre bis zum Hahne 1. Nach dem Hinüberpressen des Gases läſst man Wasser nachströmen, bis dieses in der Wölbung der Pipette T zum Vorscheine kommt. Die Palladiumspirale wird in den Strom von 3 Bunsen-Elementen eingeschaltet und während 5 Minuten in heller Rothglut erhalten. Dann unterbricht man den Strom, läſst abkühlen, drückt das Gas mit Hilfe des Ballens B2 in die Meſsrohre und von da sogleich in die Absorptionsröhre. Nach erfolgter Absorption liest man die Volumenverminderung in der Meſsrohre unter Mitbenutzung des Standrohres ab. Die Anzahl der absorbirten Cubikcentimeter durch 3 dividirt gibt den Gehalt an Methan in 50cc Gas an; mit ⅔ multiplicirt erhält man die Volumprocent.

Wenn es sich darum handelt, viele Gasproben zu untersuchen, so kann man an den Stutzen f, ähnlich wie bei g; eine zweite Verbrennungspipette ansetzen und abwechselnd in der einen Pipette verbrennen, während man aus der anderen das Gas in die Absorptionspipette überführt; dadurch vermeidet man unnöthige Arbeitspausen. Bei Gasgemischen von 10 und mehr Proc. Methan wird das zu untersuchende Gas in der Meſsrohre derart mit Luft verdünnt, daſs man zuerst 30cc Gas in der Pipette abmiſst und dann bis zum Nullpunkte, also 20cc Luft nachsaugt.

Dieser Apparat ist auf dem Erzherzoglichen Steinkohlenbergbau zu Karwin, Oesterr.-Schlesien, in täglichem Gebrauche.

Der von Aug. Brunlechner in Klagenfurt (* D. R. P. Kl. 42 Nr. 37546 vom 23. März 1886) vorgeschlagene, selbstthätig wirkende Apparat zur quantitativen Bestimmung des Grubengases bezieh. zum Erkennen des Auftretens von Schlagwettern in Grubenräumen ist auf der erhöhten Abgabe von Elektricität einer Thermobatterie begründet, welche bei dem durch Anwesenheit von Grubengas hervorgerufenen lebhafteren Glühen einer Platinspirale auftritt.

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Der Apparat besteht nach Fig. 18 Taf. 14 aus den Messingblechkammern K1 und K2, von denen die erste gasdicht abgeschlossen, die zweite dagegen mehrfach durchlocht ist. Die Löcher sind mit Drahtsieb von 0mm,25 starkem Messingdraht und 225 Maschen auf 1qcm verschlossen. Auſserdem ist die Kammer K2, deren dicht schlieſsender Boden aufklappbar ist, noch mit einem gleichen Drahtsiebe N eingehüllt. Weiter besitzt der Apparat eine thermo-elektrische Batterie T, in deren Stromkreis der Multiplicator M mittels der Klemmen k1 und k2 eingeschaltet ist, ein Element E, durch dessen Thätigkeit die beiden in diesen Stromkreis eingeschalteten Platinspiralen S1 und S2 zur schwachen Rothglühhitze erwärmt werden, und zwei vergoldete Strahlschirme H1 und H2; ersterer ist am Boden fest, letzterer in der Richtung der Thermobatterie mittels der Schraube J verstellbar. Die Schirmständer tragen die Klemmen für die Platinspiralen, der Ständer des Schirmes H2 trägt auch noch ein kleines Stückchen Platinmohr P, welches im Brennpunkte des Spiegels stehend, von der Spirale umkreist ist. Ein Holzkästchen L dient dem Apparate als Unterstützung sowie zur Unterbringung des Elementes E und ein starkes Messingdrahtgitter schützt den Apparat gegen äuſsere Zufälligkeiten.

Man erkennt die Anwesenheit von Kohlenwasserstoffgas durch die Gröſse des Ausschlages der Multiplicatornadel, nach Procent des Gases, nachdem die Skala einmal durch Versuche festgestellt ist.

Der Strom des Elementes E bringt die Spiralen S1 und S2 in Rothglut; beide entsenden die gleiche Wärmemenge zu den Enden der Thermobatterie. Die Schraube J ermöglicht die genaueste Einstellung des Schirmes H2 derart, daſs die Thermobatterie in gewöhnlicher Luft stromlos bleibt und die Magnetnadel des Multiplicators auf den Nullpunkt einspielt. In Luft, welche Kohlenwasserstoff auch nur in geringer Menge enthält, muſs die Spirale S2 und der Platinmohr lebhafter erglühen, sendet sonach eine gröſsere Wärmemenge zur Thermobatterie als die Spirale S1 und ruft einen Thermostrom sowie den Ausschlag der Multiplicatornadel hervor, der um so gröſser ist, je lebhafter die Verbrennung erfolgt, d.h. je gröſser der Gasgehalt der Grubenluft sich stellt. Einer Gefahr durch Entzündung des Gases im Inneren der Kammer K2 ist durch die beiden Gasnetze vorgebeugt und es läſst sich auch noch ein dritter Gasmantel zwischen dem Schirme H2 und der Thermobatterie mit meſsbarer Entfernung leicht herstellen; auch ist durch handliche Einrichtung der Klemme s die sofortige Stromunterbrechung, somit ein Erlöschen der Spiralen möglich.

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