Titel: Ueber Neuerungen an Vertikalkesseln.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1887, Band 263 (S. 261–266)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj263/ar263102

Ueber Neuerungen an Vertikalkesseln.

(Patentklasse 13. Fortsetzung des Berichtes S. 165 d. Bd.)

Mit Abbildungen auf Tafel 9 und 15.

Die unter Benutzung von Wasserröhren getroffenen neueren Anordnungen von stehenden Dampfkesseln sind nicht weniger zahlreich als die mit Rauch- oder Heizröhren. Die neueren Formen mit Wasserröhren stellen mitunter ziemlich schwierige Forderungen an die Ausführung.

Der in Fig. 2 Taf. 15 dargestellte Kessel von L. Rohnstadt in Frankfurt a. M. (* D. R. P. Nr. 34777 vom 28. August 1885) zeigt eine eigenthümliche Gestaltung der Feuerbüchse, sowie eine besondere Verbindung zwischen dem Schornsteine und dem Kesseldeckel. Die Feuerbüchse ist in ihrem oberen, von Röhren durchzogenen Theile viereckig, um den Röhren eine leicht und sicher herzustellende Verbindung zu bieten; der untere Theil aber geht allmählich aus der vierseitig pyramidalen in die Kegelform über und vermittelt so den Anschluſs an den äuſseren cylindrischen Kesselmantel.

Um den Anschluſs zwischen Schornstein und Kesseldeckel zu bewerkstelligen, ist zunächst auf den letzteren ein Winkelring w aufgenietet, dessen aufrechter Rand auſsen kegelförmig abgedreht ist, so daſs derselbe in eine scharfe Schneide ausläuft. Die Befestigung an dem cylindrischen, etwas starkwandigen Rauchabzugsrohre R erfolgt nun durch einen kegelförmig ausgedrehten Schrumpfring r, welcher erforderlichen Falles, selbst im Betriebe des Kessels, durch Hammerschläge noch weiter angezogen werden kann.

Für die bekannten kegelförmigen sogen. Galloway-Röhren, welche so vielfach zur Versteifung von Flammrohren in Dampfkesseln unter gleichzeitiger Erhöhung der Verdampfungsfähigkeit verwendet werden, hat Edw. J. Curtin in Bristol nach Engineer, 1886 Bd. 61 * S. 215 eine neue Befestigungsart angegeben und solche Röhren auch für die Feuerbüchsen von Vertikalkesseln benutzt. Wie aus Fig. 8 Taf. 15 zu ersehen ist, bleiben bei der neuen Befestigung die Versteifungsröhren, welche sonst an beiden Enden geflanscht werden muſsten, ganz glatt und es erhalten die Löcher in der Feuerbüchse einen nach auſsen aufgekrempten Rand, an welchen die Rohre angenietet werden. Hierbei kann natürlich den Versteifungsröhren auch cylindrische Form gegeben, ebenso die Blechdicke derselben schwächer, bis zu 5 oder 6mm, genommen werden. Als Vortheil der neuen Befestigungsart springt in die Augen, daſs die Flanschen und Vernietungen dem Angriffe der Flamme, welcher oft sehr heftig erfolgt, ganz entzogen sind. Will man mit solchen Röhren alte Galloway-Röhren bei Flammrohrkesseln ersetzen, so werden durch die alten Nietlöcher erst Winkelringe von Stahl als Flanschen befestigt, an welche man dann die glatten Röhren annietet.

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H. Fletcher in Gateshead-on-Tyne bringt den sogen. „Cestus“-Kessel (T. Joicey's Patent vgl. 1885 258 * 1) in der durch Fig. 6 Taf. 15 veranschaulichten Form zur Ausführung. Die Feuerbüchse besteht ähnlich wie bei der älteren Form aus zwei mit den dünnen Enden gegen einander gesetzten abgestumpften Kegeln. Durch diese Anordnung bildet sich zwischen Feuerbüchse und Kesselmantel ein ringförmiger Raum von solcher Gröſse, daſs ein Mann zur Reinigung und Untersuchung des Kessels hineinkriechen kann, was bei anderen Anordnungen von Vertikalkesseln nicht immer angeht; zu diesem Behufe ist in dem Kesselmantel ein Mannloch angebracht. Ein zweites Mannloch führt weiter oben in den Dampfraum des Kessels und gewährt so Zugang zu den oberhalb der Feuerbüchsdecke gelegenen Theilen. Im oberen Theile der Feuerbüchse sind vier schräg geneigte, genietete Wasserrohre angebracht, welche, während sie gleichzeitig zur Versteifung des Kessels dienen, eine gute Wasserströmung und eine erhöhte Verdampfungsfähigkeit herbeiführen. Diese Röhren sind zum Zwecke der Reinigung und der Ausbesserung von oben und unten leicht zugänglich. Zwei Zugrohre führen von der Feuerbüchsdecke nach dem Rauchabzuge; die Stellung dieser Rohre bewirkt, daſs die Flamme mit der ganzen Heizfläche in Berührung geräth, indem sich dieselbe in dem oberen Kegel auszubreiten und die Röhren zu umspülen gezwungen sieht. Diese zwei weiten oberen Zugrohre bilden gleichzeitig auch eine gute Verankerung zwischen der Feuerbüchsdecke und dem Dache des Kessels. Die Feuerthür liegt etwas über dem Roste, der auf einem Ringe aufruht. Nach dem Iron, 1886 Bd. 27 * S. 522 ist die Strömung im Kessel eine so wirksame, daſs sich kein Kesselstein an den Wänden ansetzen soll, sondern alle Niederschläge sich am Boden sammeln, von wo sie leicht abgeblasen werden können.

Bei einem Versuche, welcher mit einem solchen Kessel von 1524mm Durchmesser und 3800mm Höhe an Bord des kleinen Schraubendampfers Dunbar in Newcastle angestellt wurde, erhielt man in Zeit von 45 Minuten mit magerer Kohle von Northumberland Dampf und verdampfte in 40 Minuten 424k Wasser mit 43k Kohlen, d.h. 9k,87 Wasser mit 1k Kohle. Der Kessel war 15 Monate alt und, trotzdem derselbe fortwährend theils mit Süſs-, theils mit Salzwasser in Betrieb gewesen war, völlig rein und frei von Kesselstein.

D. Nicholson in Middlesbrough-on-Tees (Englisches Patent 1885 Nr. 7321) ordnet nach Fig. 4 Taf. 15 über der Feuerkammer B noch eine besondere liegende Verbrennungskammer C von cylindrischer Form an, welche von vier schräg gegen einander versetzt stehenden Wasserröhren durchzogen wird. Die Kammer C steht durch zwei Stutzen D mit der Feuerbüchse in Verbindung. Die Stutzen D sind auf der wegen ihrer ebenen Form bedenklich erscheinenden Feuerbüchsdecke aufgenietet. In die Kammer C, welche von auſsen durch die Thür G zugänglich ist, |263| soll durch in der letzteren vorgesehene stellbare Oeffnungen den Flammen frische Luft zugeführt und dadurch eine vollkommenere Verbrennung erzielt werden. Damit diese von auſsen zugeführte Luft gegen die aus D aufsteigenden Flammen trifft, ist in der Kammer C der Schirm K angeordnet.

In ähnlicher Weise bringt auch M. Straker in Durham (Englisches Patent 1885 Nr. 14585) eine besondere Verbrennungskammer über der Feuerbüchse an. Diese Kammer C (Fig. 3 Taf. 15) besitzt eiförmige Gestalt, wird nur von einem kegelförmigen und senkrecht in der Mitte stehenden Wasserrohre E durchzogen und ihre Verbindung mit der Feuerbüchse bloſs durch ein einseitig liegendes Rohr D derart hergestellt, daſs bei L gewissermaſsen eine die bessere Verbrennung unterstützende Feuerbrücke gebildet wird. Die Kammer C ist von auſsen nur durch den Rauchabzug zugänglich und soll am Boden stets eine geringe Menge unentflammbaren Oeles (vgl. K in Fig. 3), welches durch ein besonderes Röhrchen ununterbrochen zugeführt wird, enthalten. Die stattfindende Verdampfung des Oeles, wobei die Dämpfe sich mit den Heizgasen mischen, soll nach Straker's Meinung deren vollkommene Verbrennung befördern, den Rauch also vermeiden!

Der besonderen Verbrennungskammer geben W. Clarke, A. H. Chapman, C. A. Parsons und J. Fourneaux in Gateshead-on-Tyne (Englisches Patent 1885 Nr. 13090) eine Ringform. Die Feuerbüchse B selbst hat, wie aus Fig. 5 Taf. 15 zu entnehmen ist, Kegelform erhalten und aus derselben treten die Flammen durch einen oder zwei Stutzen in die ringförmige Verbrennungskammer C, welche einen dreieckigen Querschnitt besitzt. Durch den ersteren Stutzen entgegengesetzt laufende Stutzen gelangen die Heizgase dann in eine zweite kegelförmige Kammer D, welche der Feuerbüchse entgegengesetzt steht, und aus derselben in den Schornstein. Ergibt diese Anordnung auch ohne Röhren eine ziemlich groſse Heizfläche, so dürfte doch die Form der Verbrennungskammer wegen ihrer schwierigeren Reinigung Bedenken erregen.

Will. Whittle in Smethwick hat seinem sogen. „Staffordshire-Kessel“ (vgl. 1881 239 * 254) neuerdings nach Engineering, 1885 Bd. 40 * S. 474 bezieh. Iron, 1886 Bd. 28 * S. 81 die in Fig. 1 Taf. 15 dargestellte Form gegeben, in welcher derselbe von Burlingham, Ines und Paternoster in Hitchin, namentlich als Kessel für Locomobilen mit stehender Dampfmaschine, ausgeführt wird. Die ganze Heizfläche des Kessels wird von der Feuerbüchse allein gebildet; dieselbe ist von kegelförmiger Gestalt und auſsen mit einem Mantel umgeben, innerhalb dessen das Wasser, welches sich an der Feuerbüchse sehr rasch erhitzt, in die Höhe steigt, wodurch eine kräftige Strömung hervorgebracht wird. Am unteren Theile des Kessels, wo der Wasserraum enger wird, ist ein seitliches Rohr R angebracht, um das kältere Wasser von auſsen her dem inneren Raume zuzuführen.

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Zur Benutzung der Abhitze von Oefen in Eisenwerken hat man die Anordnung dieses Kessels sehr zweckmäſsiger Weise so getroffen, daſs zwei oder mehr kegelförmige Feuerbüchsen mit einem wagerechten Cylinderkessel zusammenhängen, der als Dampfsammler dient und von welchem die Umlaufröhren R herabgehen.

Die beiden noch zu besprechenden Formen sind eigentlich mehr stehende Wasserröhrenkessel und besonders als Dampferzeuger für Kleindampfmaschinen berechnet, ohne jedoch auszuschlieſsen, daſs sie auch für gröſsere Leistungen ausgeführt werden können.

Den sogen. „Friedrich-Kessel“ bauen Friedrich und Jaffé in Wien auch für gröſsere Leistungen bis zu 15 Pferd. Dieser in Fig. 7 Taf. 15 dargestellte Kessel besteht nach dem Metallarbeiter, 1886 * S. 148 aus einem cylindrischen Oberkessel, dessen obere Hälfte, der Dampfdom, nach Lösen einer Flanschenverschraubung abnehmbar ist; bei gröſseren Kesseln wird die Zugänglichkeit durch ein Mannloch im Deckel bewirkt. Der untere Theil des Oberkessels trägt die ganze Ausrüstung, ausgenommen das Manometer. In den Boden dieses Kessels sind die senkrechten Siederöhren, nach Art der Fieldröhren, eingesetzt (vgl. 1886 259 * 6) und hängen von hier in den Feuerraum hinab. Der obere Kesselboden wird durch ein Paar Querträger und Zugstangen entsprechend verankert. Die Siederöhren sind in üblicher Weise mit besonderen Umlaufröhren versehen; ihre unteren Enden sind nicht verschweiſst, sondern besitzen aufgeschraubte Böden, was für die Reinigung groſse Vortheile hat Da die Feuergase, ehe sie an die Rohrböden gelangen, erst die ganze Rohrlänge bestreichen, ist ein solcher Verschluſs wohl zulässig. Der ganze Kessel ist in einfachster Weise in einen gemauerten Ofen eingesetzt, aus welchem sich derselbe ohne alle Schwierigkeit herausheben läſst, ohne daſs dabei Kessel oder Ofen irgend eine Beschädigung zu gewärtigen hätten. Die Feuerung erfolgt mittels Fülltrichter und Treppenrost; das Brennmaterial kann Kohle, Holz, Lohe o. dgl. sein und braucht nur von Stunde zu Stunde aufgegeben zu werden. Kleine Kessel (bis 10 Pferd) werden mit eisernen Oefen versehen. Bis zu 15 Pferd sollen diese Kessel concessionsfrei in und unter bewohnten Räumen aufgestellt werden können.1)

Der von Sachs und Bolte in Berlin ausgeführte Kleinmotor „Victoria,“ bei welchem die Kleindampfmaschine entweder unmittelbar am Dampferzeuger befestigt oder getrennt von demselben aufgestellt werden kann, besitzt einen Dampfkessel nach Fig. 9 bis 11 Taf. 15 (vgl. auch H. Bolte * D. R. P. Nr. 35714 vom 8. December 1885). Das Hauptgewicht ist bei |265| diesem Kessel auf leichte äuſsere und innere Reinigung, als einen der wesentlichsten Punkte bei Anlage von Röhrenkesseln, gelegt. Aus diesem Grunde ist die Ummantelung der Röhrenbündel abnehmbar, so daſs die Rohre ganz frei zu liegen kommen, und es sind nur gerade beiderseits offene Wasserröhren verwendet. Diese Rohre a und b sind an ihrem unteren Ende in einem den Rost umgebenden guſseisernen Schlammsammelrohre d und mit ihrem oberen Ende in dem Boden eines cylindrischen, aus starkem Blech zusammengeschweiſsten Dampfsammlers c befestigt; letzterer ist noch etwa bis zu ¼ seiner Höhe mit Wasser gefüllt. Die Wasserröhren sind in zwei Kreisen auf dem Schlammsammelrohre angeordnet, wovon die auf dem inneren Kreise liegenden etwas schräg stehen und mit ihrer Ummantelung e in dem ersten, die auf dem äuſseren Kreis befindlichen Röhren in dem zweiten Zuge liegen. Die Umhüllung g der äuſseren Rohre besteht aus einem Doppelmantel mit zwischen befindlicher Luftschicht, so daſs die Wärmeausstrahlung möglichst beschränkt wird. Die Feuergase umspülen vom Roste f aufsteigend die engeren Rohre b, treten dann über den Kegel e in den zweiten Zug, wo die weiteren Siederohre a ihrer Wirkung ausgesetzt sind, und gehen durch den Rauchrohrstutzen i (Fig. 11) in den Schornstein. Die kräftige Wirkung der Feuergase auf die inneren Rohre von kleinem Durchmesser verursacht in denselben eine sehr lebhafte Verdampfung und ein rasches Aufsteigen von Dampf und Wasser; das Wasser in den weiteren auſsen liegenden Röhren dringt nach und nimmt wiederum denselben Weg, so daſs eine lebhafte Wasserströmung in dem Kessel stattfindet.

Da sämmtliche Siederohre keinerlei Krümmungen haben, stehend angeordnet und an beiden Enden offen sind, so ist es den Unreinigkeiten des Speisewassers nicht gut möglich, sich an den Rohrwänden abzusetzen, zumal auch die lebhafte Strömung in den Röhren einer Ablagerung entgegensteht. Etwaige Ablagerungen müssen sich vielmehr in dem Schlammsammler d, durch welchen das Wasser fortwährend hindurchgeht, absetzen. Da dieses Rohr auſserhalb des Feuers liegt, so brennen sich hier die etwaigen Rückstände nicht fest, sondern scheiden sich in demselben in Schlammform ab. Groſse Reinigungslöcher h (Fig. 10), welche an diesem Schlammrohre auſsen angebracht und sehr leicht zugänglich sind, ermöglichen die Entfernung des Schlammes in bequemster Weise. Die Anordnung des geschweiſsten Dampfsammlers ermöglicht einen sehr groſsen Dampfraum, wodurch der Druck ohne besondere Aufmerksamkeit stets gleich bleibt. Die Umhüllung g des Dampferzeugers besteht aus vier Theilen, welche durch ein Paar Handgriffe sofort abgenommen werden können. Durch Abnehmen des Deckels vom Dampfsammler sind sämmtliche Rohre auch von innen zugänglich und können in gerader Richtung, von oben nach unten, durchstoſsen und auch mit Leichtigkeit ausgewechselt werden. Im oberen Theile des Dampfsammlers |266| ist ein Wasserabscheider in Form einer einfachen Siebplatte f mit Schirm eingeschaltet, durch welchen der Dampf auf einen hohen Trockenheitsgrad gebracht werden soll. Die Regulirung des Feuers geschieht in einfacher Weise mittels eines Luftschiebers.

Angestellte Versuche und Erfahrungen sollen einen durchschnittlichen Kohlen verbrauch von etwa 2k,5 für Stunde und Pferd ergeben haben, so daſs die Unterhaltungskosten bei Berliner Kohlenpreisen sich auf etwa 4,5 Pf. für Stunde und Pferd belaufen. Die Feuerung kann derart eingerichtet werden, daſs Holzabfälle allein, oder solche mit geringer Kohle untermischt als Brennmaterial verwendet werden können.

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In den groſsartig ausgestatteten Geschäftsräumen des neuen Rothberger'schen Hauses am Stefansplatz in Wien wird die elektrische Lichtanlage durch vier solche im Kellerraume aufgestellte „Friedrich-Kessel“ von je 12 Pferd betrieben, während ein fünfter Kessel zur Aushilfe bleibt. Die Anlage ist trotz der schwierigen Bauverhältnisse zur vollkommensten Zufriedenheit ausgeführt worden.

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