Titel: J. Biel, über neuere Erdöllampen.
Autor: Biel, J.
Fundstelle: 1887, Band 263 (S. 293–295)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj263/ar263112

Ueber neuere Erdöllampen; von J. Biel.

Im St. Petersburger Polytechnischen Vereine berichtete J. Biel1) über neuere Erdöllampen.

Zunächst sind die Uebelstände, welche sich beim Gebrauche der alten Brenner, z.B. der Kosmosbrenner, gezeigt haben, hervorgehoben. Da der Docht nicht rund gewebt sein kann, sondern ein Flachdocht durch ein auf zwei Seiten der Dochthülse eingreifendes Getriebepaar allmählich zusammengeführt wird, so schieben sich die beiden Dochtseiten oft ungleichmäſsig vor, so daſs ein nachträgliches Zuschneiden des Dochtes erforderlich wird. Ferner lagern sich in dem Inneren des Brenners leicht Dochtreste und andere Unreinigkeiten ab, welche einerseits durch die Erhitzung des Brenners in Brand gerathen und dadurch zu Explosionen Veranlassung geben können, andererseits den Luftzug beschränken. Endlich ist man bei den Kosmosbrennern auſserordentlich abhängig von der richtigen Form des Cylinders. Bekanntlich wird durch die Einschnürung des Lampenglases der äuſsere Luftstrom stärker in die Flamme hineingedrängt, während der innere Luftstrom unverändert bleibt. Dadurch wird die Flamme sehr bedeutend in die Länge gezogen und ihre Lichtentwickelung ist durchaus abhängig von dem Punkte, wo der äuſsere Luftstrom in die Flamme hineingetrieben wird. Dieser Punkt liegt bei russischem Erdöl etwas niedriger als beim amerikanischen und man müſste daher im Handel zwei Sorten von Cylindern führen. Bei den im J. 1886 neu in den Handel gekommenen Rundbrennern – von Stobwasser für eine Lampe mit gleichbleibendem Oelspiegel (vgl. auch Witting 1886 262 * 76), von Henkle für die Rochesterlampe (vgl. 1886 262 * 75) bezieh. von Schuster und Baer für die deutsche Reichslampe (vgl. 1886 260 * 178) – ist das Bestreben erkenntlich, diese angeführten Uebelstände zu vermeiden; hier ist der todte Raum im Inneren vermieden, indem der Luft zuführende innere Cylinder durch den Oelbehälter hindurch geführt ist; die herabfallende Dochtkohle sammelt sich in Folge dessen unter dem Oelbehälter., wo sie hinlänglich weit von der Flamme entfernt ist, um nicht durch die Hitze in Brand gerathen zu können. Da nun dieses innere Rohr oben und unten denselben Durchmesser hat, so ist auch wieder der rundgewebte Docht in Anwendung gekommen, zum Theile in der zuerst von R. Ditmar in Wien angewendeten Form, welcher den Docht nach dem zu erfüllenden Zwecke in zwei Theile zerlegte: einen unteren grob gewebten Saugdocht und einen oberen feiner gewebten Brenndocht (vgl. auch 1885 257 * 511), von denen nur der letztere erneuert zu werden braucht. Ein ungleichmäſsiges Emporschieben der Dochtseiten kann also bei den genannten Lampen nicht vorkommen. Von Rundbrennern, welche keine Einschnürung am Cylinder |294| bedürfen, sind die sogen. Solarbrenner mit Brennscheibe bekannt und zu dieser Lampenart gehören auch die Rochester- und die deutsche Reichslampe. Diese Lampen haben das Eigenthümliche, daſs ein Brenner als solcher eigentlich nicht vorhanden ist, sondern nur einzelne, nicht zusammengelöthete Theile. Indem nämlich das innere, Luft zuführende Rohr fest mit dem Oelbehälter verbunden ist, bleibt nur die äuſsere Dochthülse lose und zwischen beiden befindet sich der Docht.

Die mit diesen Lampen vorgenommenen photometrischen Messungen führten zu folgenden, in der Tabelle zusammengestellten Ergebnissen. Die Versuche mit jeder Lampe dauerten je 6 Stunden und wurden mit amerikanischem Erdöle (sogen. Astralöl) bezieh. mit russischem Erdöle (sogen. Specialöl) vorgenommen. Die Ziffern für die Lichtstärke in Normalkerzen sind Mittel aus mehreren (gewöhnlich 3) Versuchsreihen; der Oelverbrauch ist in Gramm angegeben:

Deutsche Reichslampe
16''' Docht
Deutsche Reichslampe
20''' Docht
Astralöl Specialöl Astralöl Specialöl
Stündlicher Oelbedarf g 89,0 92,5 86,6 90,4 131,4 122,4 126,0 129,2
Gefundene Lichtstärke NK 29,05 30,24 28,4 29,62 36,0 33,36 31,03 35,0
100 Lichtst. verbrauchen g 306,9 305,8 305,3 305,2 365,0 366,9 370,2 369,2
Rochesterlampe Stobwasser-Lampe
Stündlicher Oelbedarf g 109,4 108,4 104,33 113,3 32,0 34,8 32,6 34,4
Gefundene Lichtstärke NK 29,47 29,27 28,29 30,63 10,3 11,25 10,5 11,1
100 Lichtst. verbrauchen g 371,2 370,1 369,0 369,9 310,7 309,0 310,5 310,0

Zwei andere Lampen mit Flachdochtbrennern, von Hitchcock bezieh. von Kumberg, beruhen beide auf dem Prinzipe, unter Vermeidung jeglichen Lampencylinders der Flamme von unten die nöthige Luft zuzuführen. Hitchcock bewirkt dies durch einen Federmotor nebst Luftturbine, Kumberg dadurch, daſs er über der Flamme eine Glocke aufhängt, welche die durch die Flamme erwärmte und in schnellere Bewegung versetzte Luft auffängt und dieselbe durch ein zweckmäſsig gebogenes Rohr von ziemlicher Weite von unten in die Flamme einführt.

Die photometrischen Versuchsergebnisse sind bei Hitchcock's Lampen sehr wechselnd, je nachdem man die Federkraft des Motors von Anfang bis zu Ende des Versuches in gleicher Spannung erhält, oder erst nach Verlauf von mindestens 6 Stunden wieder von Neuem aufzieht. In letzterem Falle muſs man die anfangs bis zur höchsten Lichtwirkung aufgeschraubte Flamme wieder nach und nach niedriger schrauben, weil sie sonst zu rauchen beginnt. Bei der Messung der Lichtstärke ist es nothwendig, zwei Versuchsreihen zu gleicher Zeit vorzunehmen, eine von der Breitseite und eine von der schmalen Seite der Flamme. (Vgl. A. van Eyndhoven 1878 229 449.)

Versuche mit stündlich frisch (I) bezieh. nach 4stündigem Brennen (II), ferner mit anfangs stündlich, dann 3 Stunden nicht weiter (III) angespanntem Motor (die ersten zwei Versuchsreihen mit Specialöl, die 3. Reihe mit Astralöl) ergaben:

|295|
I II III
Lichtstärke NK 14,5 bez. 8,0 14,7 bez. 7,7 (Anf.)
11,85 „ 7,4 (Ende)
15,56 bez. 9,0 (stündl.)
13,04 „ 8,0 (Ende)
Durchschn. Lichtst. 11,52 10,4 11,86
Stündl. Verbrauch. g 36,5 38,0 41,1
100 Lichtst. verbr. g 324,4 365,0 346,2

Zwei andere Versuche mit amerikanischem sogen. Astralöle ergaben:

Lichtstärke NK 10,9 bez. 7,1 10,02 bez. 7,57
Durchschnittl. Lichtstärke 9 8,76
Stündlicher Verbrauch g 30 33,3
100 Lichtstärken verbrauchen g 333,3 380,0

Der Versuch hat also mit russischem Erdöle (sogen. Specialöl) im Durchschnitte einen Verbrauch von 344g,7 und mit amerikanischem Erdöle (sogen. Astralöl) 353g,1 auf 100 Lichtstärken ergeben.

Eine vorläufige Untersuchung der Lampe von Kumberg ergab 11 Lichtstärken bei 40g oder 100 Lichtstärken bei 363g,6 Verbrauch.

Schlieſslich theilt Biel noch vergleichende Versuche an verschiedenen Constructionen von sogen. 14'''-Brennern mit, nachdem dieselben für den Gebrauch des russischen Kerosins abgeändert waren:


Art des 14'''-Brenners
Durchschn. Licht-
stärke während
6 Stunden
Stündlich ver-
braucht bei
6 stünd. Versuch
100 Lichtstärken
verbrauchen
stündlich
Kumberg's Patent 10,0 NK 31,3g 313g
Stobwasser's Solarbrenner 10,3 37,0 360
Victoriabrenner 10,4 33,5 322,4
Stobwasser's Kosmosbrenner 10,4 33,7 324,3
Kobosew's Kreuzbrenner 10,75 44,0 409,3
Kumberg's Pyronaphtbrenner 12,2 39,3 322,0
Will und Wessel's Solarbrenner 13,1 46,6 355,0
Mitrailleusenbrenner 13,6 46,0 338,0
Kordig's Heliosbrenner 13,75 40,4 294,0
Schuster und Baer's Solarbrenner 13,85 40,5 292,5

Biel macht noch darauf aufmerksam, daſs man die mit Brennscheiben versehenen Brenner auch ohne solche benutzen kann, wenn man die Lampe mit einem eingeschnürten Glase von geeigneter Länge versieht.

|293|

Vom Verfasser gef. eingesendeter Abzug des Sitzungsprotocolles vom 27. März 1886. (Vgl. auch Biel 1884 254 119.)

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