Titel: H. Gollner, über Lastenhebmaschinen.
Autor: Gollner, H.
Fundstelle: 1887, Band 263 (S. 401–408)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj263/ar263148

Ueber Lastenhebmaschinen; von Prof. H. Gollner in Prag.

(Patentklasse 35. Fortsetzung des Berichtes S. 309 d. Bd.)

Mit Abbildungen auf Tafel 12, 18 und 24.

Zu der besprochenen Reihe von Aufzuganlagen mit Preſswasserbetrieb theils in mittelbarer, theils in unmittelbarer Wirkung sei noch ein Aufzug mit Handbetrieb beschrieben, welcher geeignet ist, unter Voraussetzung zutreffender Verhältnisse gute Dienste zu leisten. Dieser von Duquesnay entworfene Handaufzug soll sich nach dem Portefeuille des Machines, 1885 * S. 117 zur Anwendung empfehlen, wenn aus verschiedenen Stockwerken eines Gebäudes Lasten zu fördern sind und wenn insbesondere der Dienst zwischen den einzelnen Stockwerken in kleinen Zwischenräumen, also ziemlich häufig gewechselt werden soll. Der Aufzug ist doppeltwirkend, d.h. derselbe besitzt zwei Förderkörbe, von denen einer steigt, während sich der andere senkt, und ist zugleich von mittelbarer Wirkung, nachdem zur Lastenforderung zunächst Seile, ferner Leit- und Kraftrollen zur Anwendung kommen müssen.

Die grundlegende Idee des Aufzuges ist aus Fig. 3 Taf. 24 zu ersehen. In dieser bedeuten M und M1 Kraftrollen, welche gleichzeitig mittels eines Seiles mit einem Hilfshaspel A in Verbindung stehen; bei Bethätigung dieses Hilfshaspels können diese Kraftrollen gehoben und gesenkt bezieh. in eine gewisse Höhenlage gebracht werden, die von dem Stockwerke im Gebäude abhängt, in welches oder aus welchem Lasten gefördert werden sollen. Nur der Deutlichkeit halber sind M und M1 in Fig. 3 aus einander gelegt; in Wirklichkeit sind diese Kraftrollen in eine bewegliche zweirollige Flasche eines Seilflaschenzuges vereinigt. E und E1 sowie F und F1 sind Leitrollen, welche über der höchsten Stelle der Gesammtförderhöhe angeordnet sind und jene Seile aufzunehmen haben, welche endlich mit den zu fördernden Lasten P und P1 verbunden sind. Diese Lasten haben demnach eine gleichzeitige aber entgegengesetzte Bewegung.

Eine Hebung oder Senkung der Kraftrollen M und M1 um die Strecke l bedingt die Senkung oder Hebung der Lasten P und P1 um die Strecke 2l. Werden die beiden Kraftrollen M und M1, wie schon angedeutet, in eine Flasche vereinigt, so bilden dieselben mit den beiden Leitrollen Fund F1 einen gewöhnlichen vierrolligen Seilflaschenzug, durch dessen Anordnung für eine Verschiebung der beweglichen Flasche M, M1 um die Strecke l eine gegenseitige Verschiebung der Lasten P und P1 um 4l erreicht sein muſs.

Sind h1 und h2 die Höhenunterschiede zwischen dem ersten und zweiten bezieh. dem zweiten und dritten Stockwerke im Gebäude und war der Aufzug augenblicklich für die Förderung von Lasten aus dem Erdgeschosse in das erste Stockwerk eingestellt, so müssen die Förderkörbe behufs Einstellung des Aufzuges für die Förderung von Lasten |402| in das zweite Stockwerk vom Erdgeschosse aus um h1, also die bewegliche Flasche um ¼h1 gegenseitig verstellt werden; für die Förderung in das dritte Stockwerk ist weiters eine Senkung derselben Flasche um ¼h2 nothwendig. Durch eine Hebung der Flasche wird im umgekehrten Wege die Förderung der Lasten aus tieferen Stockwerken vermittelt.

Die Ausführung dieses Aufzuges, wie dieselbe in der staatlichen Tabak-Niederlage in Saint Marcellin errichtet ist, veranschaulichen Fig. 1 und 2 Taf. 24. 4 Holzsäulen S erheben sich in der ganzen Höhe des Gebäudes; sie erhalten Gleitschienen zur Führung der Förderkörbe P und P1 und nehmen zugleich den Haspel A, die Stellvorrichtung V (Hilfshaspel) sowie die Lager für die oberen Leitrollen F und F1 auf. Die Haspeltrommel ist durch eine Seilrolle A ersetzt, welche durch die Kurbeln h mit Stirnradübersetzung bethätigt wird. Das um die Rolle A geschlungene Seil wird weiters um die Leitrollen E, E1 gelegt, welche die Seilstränge an die lose zweirollige Flasche M abgeben, um deren Rollen das Seil gelegt wird, worauf die beiden freien Enden um die oberen Leitrollen F und F1 an die Förderkörbe P und P1 abgeleitet und an letztere befestigt werden. Der schon Eingangs erwähnte Hilfshaspel V besteht aus einer Seilrolle, deren Welle mittels des Schneckenradvorgeleges W und des Handrädchens v bethätigt wird. Marken m, welche auf eine leicht ersichtliche Weise an den Holzsäulen S angebracht sind, bezeichnen jene Stellungen der beweglichen Flasche M, welche der Förderung der Lasten in die einzelnen Stockwerke entsprechen.

Das Geschwindigkeitsverhältniſs für die Last- und Kraftbewegung beträgt 4,6; die mittlere Förderlast erreicht 80k, welche von zwei Arbeitern, die an den Kurbeln k thätig sind, überwunden wird. Die Förderhöhen für die einzelnen Stockwerke sind bezieh. 5m,0, 8m,8 und 12m,6. Bei entsprechend eingerichtetem Dienste können 50 bis 55 Ladungen, welche in den einzelnen Stockwerken vertheilt sind und eine Gesammtlast von mehr als 4000k ergeben, in der Stunde gefördert werden.

Die angegebene Vorrichtung behufs Verstellung der beweglichen Flasche könnte schlieſslich auch bei anderen Aufzügen für Förderungen aus gleichen Höhen angewendet werden, um den Einfluſs der Seillängung auszugleichen und genau eine bestimmte Förderhöhe zu erreichen.

Die Gruppe von Hebmaschinen, welche durch die Anordnung und Verwerthung eines sogen. Auslegers gekennzeichnet sind, ist in die Maschinen- wie Baupraxis unter dem gemeinsamen Namen Krahne eingeführt. Werden die Krahne mit den bisher behandelten Hebmaschinen hinsichtlich Förderhöhe, Gröſse der Förderlast, bezüglich der Fördergeschwindigkeit und Richtung der Lastenhebung in Vergleich gesetzt, so ergibt sich die Kennzeichnung der Krahne als Lastenfördermaschinen nach folgenden Richtungen: Die mit Ausleger ausgerüsteten Hebmaschinen dienen zur Förderung von sehr verschiedenen Lastgröſsen auf verhältniſsmäſsig |403| geringe Höhen mit geringer Fördergeschwindigkeit in wagerechter wie senkrechter Richtung und zwar derart, daſs durch die Sondereinrichtungen dieser Hebmaschinen eine gewisse, nach Umständen sehr entwickelte Arbeitsfläche bezieh. ein bestimmter Arbeitsraum durch Verbindung der früher bezeichneten Förderrichtungen für Förderzwecke beherrscht werden kann, wodurch die so hervorragende Verwendungsfähigkeit dieser Gruppe der Groſs-Hebezeuge für Massenförderungen oder für ungewöhnliche Groſs-Lasten gesichert ist. Diese Arbeitsfläche, welche für feststehende Ausführungen der Krahne nur eine verhältniſsmäſsig geringe Entwickelung zuläſst, kann für die beweglichen Krahntypen nach einer Hauptrichtung sozusagen unbegrenzt angenommen werden, in welchem Umstände ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal gegenüber den übrigen Hauptformen der Hebmaschinen gelegen ist.

Durch den Ausleger ist nicht allein die erwähnte Arbeitsfläche gegeben; derselbe vermittelt weiters noch die Möglichkeit, die Krahne an beliebigen Verwendungsstellen zu verwerthen, für welche andere Hebmaschinen unter sonst gleichen äuſseren Umständen nicht mehr zulässig sind. Aus diesen Gründen muſs eben der Ausleger als kennzeichnender Bestandtheil dieser Gruppe von Hebmaschinen erkannt werden.

Das über Krahne vorliegende, zu besprechende neuere Material ist sehr umfangreich; dieser Umstand sowie die zahlreichen Constructions- und Verwendungsformen und die nicht weniger wechselnden Aufstellungs- wie Betriebsweisen dieser Arbeitsmaschinen begründen eine besondere Gruppirung derselben. Hierbei können die Verwendungsstellen oder die Betriebsmethoden, die Art und Weise der Bethätigung der Krahne, als maſsgebend angenommen werden. Mit Rücksicht auf den erstgenannten Umstand können: a) Lagerhäuser- und Werkstätten-Krahne, b) Krahne für Werks- und Schiffsplätze, ferner für Docks, Hafen, c) Schiffskrahne unterschieden werden. Für den Zweck des vorliegenden Berichtes erscheint es zweckmäſsiger, die Krahne nach der Art und Weise ihres Antriebes zu gliedern und daher hervorzuheben: a) Handkrahne, b) Dampfkrahne, c) Preſswasser-Preſsluftkrahne, d) Krahne mit Seilbetrieb. Die bezeichneten Antriebsweisen werden für feststehende und bewegliche Krahne derselben Gruppe angewendet; dieselben bedingen wenigstens in gewissen Richtungen den Constructionstypus dieser Arbeitsmaschinen, welcher weiters auch von dem Zwecke und der Verwendungsstelle derselben bei gegebenen Kraftmitteln beeinfluſst wird, sowie umgekehrt bei in vorhinein gegebener Verwendungsstelle derselben Maschinen und freier Wahl der Kraftmittel sowohl die Betriebsmethode, als auch der Constructionstypus der Maschine bestimmt erscheint.

Es muſs sofort hervorgehoben werden, daſs die Handkrahne, obschon für einfache Verhältnisse vollberechtigt und als billige wie sparsame Hebmaschinen zu verwerthen, verhältniſsmäſsig selten unter den neueren Krahnen von bemerkenswerther Einrichtung und Verwendung |404| vorkommen, welche Thatsache jedenfalls in der im Allgemeinen nur geringen Leistungsfähigkeit derselben sowie in den hohen Betriebskosten für groſse Förderlasten begründet erscheint. Die Förderung von Groſs-Lasten mit Hand ist eine Ausnahme und bestimmt durch Sonder Verhältnisse bedingt.

Eine sehr zweckmäſsige und nicht unerwähnt bleiben sollende Vervollständigung der Krahnhaspel für Handbetrieb ist durch die Ausbildung und Einführung der Sperr- oder Sicherheitskurbeln1) und Bremsen gewonnen worden, welche für Hand-Drehkrahne wie für Laufkrahne eine bemerkenswerthe Anwendung finden und den für Handkrahne bestehenden Vortheil des sofortigen Antriebes und der Möglichkeit des sofortigen Abstellens mit Rücksicht auf die erreichbare wesentlich gröſsere Betriebssicherheit erhöhten.

Die Handkrahne kommen je nach Umständen als Dreh- oder Laufkrahne zur Verwendung und die Verbindung beider Krahntypen gewährt weiters in manchen Fällen groſse praktische Vortheile, wenn nämlich die Aufstellung der bezeichneten Erahne so getroffen wird, daſs der eine Krahn zur Uebernahme der Förderlast vom Nachbarkrahne zum Weiterschaffen derselben ausgenutzt werden kann. Aus diesem Grunde wird nach Umständen ein System von Hebe- und Transportkrahnen mit Berücksichtigung obiger Bedingungen bei Durchführung eines einheitlichen Constructionstypus oder bei Verbindung der Dreh- und Laufkrahn-Systeme angeordnet.

Nachstehend sind Ausführungen von Handkrahnen besprochen, zunächst zwei Laufkrahne für Lasten, welche nach ihrer Groſse, 3t und 150t, gleichsam als Grenzlasten bezeichnet werden könnten. Die Gegenüberstellung dieser Grenzfälle erscheint daher beachtenswerth.

Der 3t-Laufkrahn wurde als Werkstättenkrahn für eine Spannweite von 7m,76 von der Werkzeug- und Maschinenfabrik Oerlikon bei Zürich ausgeführt. Die Gesammtanlage wie die Einzelanordnung zeichnet sich durch Einfachheit und Zweckmäſsigkeit aus. Zur Unterstützung der Laufschienen für die Träger T (Fig. 12 Taf. 24) sind I-Träger L angeordnet, welche sich einerseits auf Wandlager W stützen, andererseits mit Winkeln W1 verbunden sind, welche an die Tragsäulen S des Werkraumes gekuppelt sind. Zum Fortbewegen des Krahnes sind an beiden Enden der Träger T Laufwerke vorgesehen, welche durch Stirnrädergetriebe bei s in Drehung versetzt werden. Für die beiden Getriebe dient die gemeinsame Welle v, die mittels Seiltriebes S1 bethätigt |405| wird. Dieser Antrieb gestattet die Längsbewegung des ganzen Laufkrahnes von der Sohle des Werkraumes aus in ebenso sicherer wie bequemer Weise. Zum Heben der Last dient eine Laschenkette, welche von der Kettenscheibe k (Fig. 11) der Laufkatze K aufgenommen wird, die wieder mittels des vorgelegten Seiltriebes S2 von unten bethätigt werden kann. Für die Querbewegung der Katze ist keine besondere Einrichtung getroffen, welcher Umstand bei der Kleinheit der zu fördernden Lastgröſse weniger ins Gewicht fällt.

Der Laufkrahn mit Handbetrieb für die Höchstlast von 150t ist für das russische Stahlwerk in Abouchoff bei St. Petersburg nach Engineer, 1884 Bd. 58 * S. 332 von Easton und Anderson in Ipswich ausgeführt worden.

Das Stahlwerk zu Abouchoff war gezwungen, seine Einrichtungen für die Geschütz-Erzeugung bedeutend zu vergröſsern, nachdem die Länge und das Gewicht der Geschütze in den letzten 15 Jahren erstaunlich zunahm. Der verantwortliche Leiter des Werkes, Admiral Kolokoltzoff, verstand es, die Leistungsfähigkeit desselben auf der Höhe der Zeit zu erhalten und die Leistungen des Woolwicher Arsenales und jenes zu Elswick in der Erzeugung von Hinterlader-Stahlgeschützen bis zu 400mm Kaliber und 80t Gewicht zu übertreffen. Die Errichtung tragfähiger Laufkrahne bildete aber eine Hauptschwierigkeit, weil die lichte Höhe der Werkstätten ungenügend, sowie die Anbringung der Laufschienen an den bestehenden Mauerwerken umständlich war. Easton und Anderson führten für die Drehereien Krahne mit Drahtseilbetrieb für 60t Tragfähigkeit aus. Es muſste endlich nach weiterer Vergröſserung der Gewichte der Geschütze zur Kuppelung zweier Krahne für 120t mit Benutzung eines Traghebels geschritten werden und zwar derart, daſs je einer der beiden Theilkrahne ein Ende des Hebels zu tragen hatte, in dessen Mitte sich der Lasthaken befand. Auf diese Weise beschaffte man sich für gewöhnliche Lastgröſsen sehr handliche Krahne und erhielt für die eigentlichen Groſslasten (150t) einen Zwillingkrahn von entsprechender Leistungsfähigkeit.

Zum Zwecke der Verschiffung von Geschützen, deren Gewicht mehr als 60t betrug, muſsten Sondereinrichtungen geschaffen werden, nachdem die von Easton und Anderson ausgeführten Quaikrahne für 60t Lastgewicht nicht mehr ausreichten. Als es sich darum handelte, die neuen schweren Geschütze in Barken zu laden, beschloſs Kolokoltzoff ein mit der Newa in Verbindung stehendes Dock herzustellen und für dasselbe einen aus zwei 75t-Krahnen bestehenden Zwillingskrahn von 150t Tragfähigkeit zu beschaffen, wobei der als ausreichend befundene, früher erwähnte Traghebel der 60t-Krahne in Verwendung kam. Quer über das Dock wurde auf 4 Säulen die Laufbahn des Krahnes gelegt, auf welcher zwei durch den Traghebel gekuppelte Laufwägen verkehrten. Die schweren Geschützrohre wurden mittels Eisenbahn dem Krahne zugefahren, von dem Eisenbahnwagen abgehoben, wagerecht auf der Laufbahn bis zu dem Dock gefahren und endlich in die Barken niedergelassen.

Jeder Laufwagen ruht auf vier Achsen, die in einem Drehschemel untergebracht sind, und der Traghebel ist an den Wagen so aufgehängt, daſs die Last eines Laufwagens auf dessen Laufachsen möglichst vortheilhaft vertheilt wird. Der Traghebel ist aus Blech und Winkeleisen zusammengenietet, besitzt kastenförmigen Querschnitt und eine Spannweite von 4m,88. Der eigentliche Krahnhaspel für je einen Laufwagen enthält eine achteckige Trommel zur Aufnahme der 41m,5 langen Lastkette von 54mm Eisen stärke. Das freie Ende der Kette fällt in einen Kasten, während das tragende Ende derselben von einem zweirolligen Flaschenzuge aufgenommen wird. Die Senkrecht-Förderung erfolgt unter Ausnutzung von drei Stirnradvorgelegen mittels Handkurbeln. Die zweite Vorgelegewelle ist mit einer Bandbremse und mit Differential-Sperrklinken versehen, welche erstere durch Schraube bethätigt werden kann; hierbei kann die Lösung der Bremse wie das Senken der Last ohne die Auslösung |406| der Sperrklinken erfolgen. Die Bewegung der beiden mächtigen Lautwägen erfolgt unter Anwendung von drei Stirnrad- und zwei Kegelrad-Vorgelegen ebenfalls mittels Handkurbeln. Die Träger für die Laufwägen sind von kastenförmigem Querschnitte aus Stahlblechen gefertigt und ruhen auf Stahlsäulen.

Ein freistehender Drehkrahn mit Handbetrieb für 61 Tragfähigkeit nach der Anordnung von Dujour und Blanchi findet sich in Armengaud's Publication industrielle, 1885 Bd. 29 * S. 337 beschrieben. Dieses Krahnsystem ist durch die Anwendung einer einzigen Welle im Krahnhaspel mit veränderlicher Geschwindigkeit, sowie durch die selbstthätige Begrenzung der Gröſse der Förderlast ausgezeichnet. Da das Krahngerüst als solches nichts wesentlich Neues hinsichtlich seiner Gestaltung und Construction bietet, so sollen im Folgenden nur die Sondereinrichtungen, wie der Haspel und die Vorrichtung zum Begrenzen der Förderlastgröſse, erläutert werden.

Bei der Beschreibung des von der Compagnie des Fonderies et Forges de L'Horme ausgeführten Krahnes werden einleitend die Grundsätze entwickelt, nach welchen die Haspel der Erahne überhaupt entworfen werden sollen. Dieselben beziehen sich ganz richtig auf die nothwendig groſse Einfachheit, d. i. kleinste Anzahl der Bestandtheile des Haspels, ferner auf die Beschränkung der Berührungspunkte des Haspels mit dem Krahngerüste, endlich auf den Bedarf von Sondereinrichtungen, durch welche eine gefährliche Ueberlastung des Krahnes, ein Bruch seiner wesentlichen Bestandtheile hintangehalten und die Sicherheit der beim Erahne beschäftigten Personen gewährleistet ist. Die gewählte Haspelconstruction entspricht wohl nur einigen der erwähnten Bedingungen vollkommen. Der Haspel besitzt nur eine Welle, nimmt einen sehr beschränkten Raum ein und besitzt selbstthätige Aus- und Einrückvorrichtungen, durch welche bei der Senkung der Last die Drehung der Handkurbeln verhindert wird. Der Haspel ist ferner mit einer stets thätigen Bremse versehen, welche im Stande ist, die Förderlast sofort aufzuhalten, wenn während der Hebung derselben die Handkurbeln frei werden oder wenn während der Senkung derselben der Bremshebel nicht bethätigt wird. Der Haspel gestattet ferner zwei Geschwindigkeitsumsetzungen, welche ohne Störung der Förderung ausgenutzt werden können, und ist endlich mit einer Einrichtung versehen, welche die Kurbelwelle selbstthätig ausrückt, wenn eine Förderlast gehoben werden soll, welche die Tragfähigkeit des Krahnes überschreitet.

Fig. 4, 9 und 10 Taf. 24 lassen die Einrichtung des Haspels erkennen. Derselbe liegt zwischen den beiden Trägern A (Fig. 4) des Erahnauslegers, welche an dieser Stelle entsprechend durch Verbindungen a abgesteift sind. Die einzige Welle e bewegt sich im Inneren eines Kegels E, welcher dem mit dem einen Haspelschilde verbundenen Träger E2 angehört. Die Welle e nimmt an den Enden zwei Handkurbeln, in der Mitte ein aufgekeiltes Stirnrad f, zwei Scheiben F und G, |407| eine Kettenscheibe h für die Gelenkkette, welche zur Förderung verwendet wird, und noch eine verschiebbare Kuppelungshülse K auf, welche gegen den Reibungskegel E1 einwirken kann. Wird für die Hebung der Last die Welle e gedreht, so wird die Hülse K den Reibungskegel E1 wegen den angeordneten Schraubenflächen an den Kuppelungszähnen mitzunehmen suchen; für den entgegengesetzten Drehsinn der Welle e wird E1 gegen das Innere von E gedrängt und durch die Reibung zwischen E1 und E die Bewegung der Welle e gehemmt. Die Scheibe G trägt zwei Achsen g, an deren Enden die Stirnräder f1 und g1 aufgekeilt sind. Die Getriebe f1 greifen in das Rad f auf der Welle e und in das Hohlrad F1 der Scheibe F, die Getriebe g1 in das Hohlrad H1 der Scheibe H ein.

Wird die Scheibe F durch Bremsung festgehalten, hingegen die Scheibe G frei gelassen, so wird bei Bethätigung der Handkurbeln Folgendes erreicht: Dreh- und Umlaufbewegung von f1 und g1, Drehbewegung von H sowie e und zwar mit einer Geschwindigkeit, welche von dem Unterschiede der Durchmesser der Getriebe f1 und g1 abhängig ist. Wird die Scheibe G festgehalten und die Scheibe F drehbar gemacht, so müssen die Getriebe g1 unmittelbar die Drehbewegung der Scheibe H hervorrufen und zwar in demselben Sinne wie früher, wenn der Durchmesser von g1 gröſser als jener von f1 ist; im Gegenfalle würde der entgegengesetzte Drehsinn für H erreicht werden. Nach den thatsächlich ausgeführten Umsetzungen ist für den Stillstand von G die Geschwindigkeit der Drehbewegung von e im Verhältnisse von 5,35 : 1 zu jener, welche durch den Stillstand von F erreicht werden kann.

Behufs Feststellung der Scheiben F und G sind dieselben mit den Bremsbändern f2 und g2 versehen, deren Enden mit den Hebeln f3 und g3 (Fig. 9 und 10) verzapft sind. Diese Hebel stehen einander gegenüber und sind auf der Achse m festgekeilt, welche durch den Handhebel M bethätigt werden kann, derart, daſs nach Bedarf das Bremsband f2 oder g2 angezogen wird. Die Achse m trägt eine drehbare Hülse h1 mit Hebeln zur Aufnahme der Enden des dritten Bremsbandes h2, welches um die Scheibe H geschlungen ist; die Hülse h1 hat einen besonderen Arm, der die Zugstange h3 aufnimmt, welche mit dem um K drehbaren Handhebel I1 verbunden ist. Bei Erhebung von I1 wird das Bremsband h2 angezogen, das Gegengewicht L gesenkt, die Scheibe F festgehalten und die Scheibe G frei gemacht; bei Erhebung des Gegengewichtes L wird dagegen die Scheibe G durch das zugehörige Bremsband g2 festgehalten. Die Bewegung des Handhebels I1 hat aber in Folge Anordnung des Gestänges r2 mit dem Hebel r am äuſseren Ende des Auslegers (Fig. 6 und 7 Taf. 24) einen Einfluſs auf die Lage eines Kolbens in dem Cylinder P, dem Hauptbestandtheile der Einrichtung zur Begrenzung der Gröſse der Förderlast.

Die Lastkette ist bei j am Ausleger A befestigt, umfaſst das bewegliche |408| Gegengewicht I (vgl. auch Fig. 5), welches eine entsprechende Führung zwischen den Trägern des Auslegers A findet, umläuft die feste Leitrolle J, gibt einen Strang nach abwärts zum Haspel, umfaſst die Kettenscheibe h (Fig. 4), entwickelt sich weiter längs des Auslegers nach auſsen, läuft dann um die Leitrolle N (Fig. 6) am Ende des Auslegers, fällt nach abwärts zur Kraftrolle, deren Haken die Förderlast aufnimmt, und gibt endlich den letzten Strang S nach aufwärts zur Verbindung mit dem Hebel r und der Kolbenstange des Cylinders P ab. Der Cylinder P ist um Zapfen drehbar angeordnet und dessen Kolben mittels Brahma'scher Liderung gedichtet, welche mit Rücksicht auf die Natur und Pressung der in dem Cylinder eingebrachten Flüssigkeit zulässig ist. Der Kolben ist noch mit den Kanälen p1 (Fig. 8 Taf. 24) und dem Lederklappenventile p2 versehen, welche für den Aufwärtsgang des Kolbens die über dem Kolben befindliche Flüssigkeit in den Raum p unter den Kolben treten lassen. Weiter ist der Cylinder P mit dem Umlaufskanale o versehen, welcher in die angefügte Federbüchse Q führt und die gepreſste Flüssigkeit (verdünnter Alkohol oder säurefreies Glycerin, destillirtes Wasser, sogen. Vulkanöl u.s.w.) bei Eröffnung des Verbindungsventiles q aus dem Raume p unter dem Preſskolben in jenen über demselben treten läſst. Es ergibt sich, daſs die Abwärtsbewegung des Preſskolbens, d.h. der mit demselben verbundene Kettenstrang S nur bei entsprechender Eröffnung des Ventiles q möglich ist, welches wieder durch die Druckkraft der belastenden Spiralfeder gegen seinen Sitz gepreſst wird, daſs also die einstellbare Federbelastung des Ventiles eigentlich derjenige Theil der Einrichtung ist, welcher die gewünschte Begrenzung der Förderlast nach oben hin vermittelt.

Das Spiel der ganzen Einrichtung ist demnach folgendes: Für Förderlasten bis zur Grenzlast bleibt der Preſskolben in seiner oberen Stellung. Bei Erreichung der Grenzlast wird durch die Pressung der Flüssigkeit in P das Ventil q geöffnet und sinkt der Preſskolben sammt dem Kettenstrange S, wodurch die Erhebung der Förderlast verhindert wird. Gleichzeitig wird auch der Winkelhebel r gedreht, das Gestänge r2 gehoben und, wie schon früher erwähnt, die Bremse h2 angezogen, also der Haspel abgestellt.

Ueberblickt man die beschriebenen Einrichtungen, so ist anzuerkennen, daſs der Lastbegrenzer zweckmäſsig ist, aber gewiſs noch durch eine Bufferfeder vervollständigt werden sollte, um die gegen harte Stöſse bekanntlich sehr empfindliche Laschenkette gegen den gefährlichen Einfluſs der Stöſse zu schützen. Der Haspel ist allerdings nur hinsichtlich der Zahl seiner Wellen gegen die gewöhnlichen Handhaspel sehr vereinfacht; das eigentliche Zwischengetriebe sowie die drei Bandbremsen stören hingegen die gewünschte Einfachheit der Construction in entschiedener Weise.

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Vgl. Stauffer-Mégy 1876 222 * 532. Stegmeyer 1879 233 * 298. Becker bez. Actiengesellschaft Weser 1880 235 * 13. * 100. Zobel 1880 237 * 276. Wiesche 1881 239 * 100. Henkel 1881 240 * 424. Uebersicht, Weidtmann bez. Duisburger Maschinenfabrik 1882 243 * 22. * 272. * 363. Bourgougnon 1882 246 * 450. Meinecke 1883 247 * 114. Burgdorf 1883 248 * 442. Mohr 1884 253 * 266. 1885 256 * 101. * 154. Zobel 1884 253 * 447. Dahlhaus 1885 258 * 108. Bagge 1886 259 * 442. Uebersicht 1886 261 * 154.

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