Titel: A. Halmay's Achslager für Grubenwagen u. dgl.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1887, Band 263 (S. 503–504)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj263/ar263181

A. Halmay's Achslager für Grubenwagen u. dgl.

Mit Abbildungen auf Tafel 30.

Die Vortheile der Hülsenlager und der offenen Gabellager bei Gruben- und Rollbahnwagen hat A. Halmay in Salgo Tarjan, Ungarn (vgl. auch * D. R. P. Kl. 20 Nr. 25006 vom 14. April 1883) durch Einschaltung von Schiebern an den Enden der ovalen Lagerhülsen zum Verschlüsse derselben gegen Oelverluste und Eindringen von Staub zu erreichen gesucht (vgl. Stiennon u.a. 1880 237 * 438, 1881 240 * 255). Die Ausführung der von Halmay entworfenen Lageranordnungen, welche in Fig. 14 bis 20 Taf. 30 veranschaulicht sind, haben Ganz und Comp. in Budapest und Ratibor übernommen; Bergakademie-Direktor St. Farbaky in Schemnitz empfiehlt diese Lager in der Oesterreichischen Zeitschrift für Berg- und Hüttenwesen, 1887 * S. 29 unter eingehender Besprechung jener Umstände, welche zur Construction derselben veranlaſsten.

Bei dem in Fig. 14 und 15 dargestellten Lager sind an die in der ganzen Breite zwischen den Rädern reichende Hülse H an den Enden innere Rippen r angegossen, zwischen welchen das unter Benutzung eines besonderen Dornes eingegossene sogen. Antifrictionsmetall (graues Lagermetall) m gehalten wird. Die Verschluſsschieber a sind nach dem Durchmesser der Achse T etwas kegelförmig ausgedreht, um der Schrägstellung derselben zu genügen, und zwischen Leisten b lothrecht geführt. Von den beiden Laufrädern K wird nur das eine auf der Achse T mittels Keil und Splint befestigt, während das andere lose auf das Ende der Achse gesteckt und durch einen Bund auf derselben der Spurweite entsprechend gehalten wird. Die Hülse H wird ganz mit Schmiermaterial gefüllt, welches man nach Lösen der Schraube X eingieſst.

Bei der Anordnung der Verschluſsschieber a (Fig. 14) wird die Anwendung von Fettschmiere vorausgesetzt. Will man Schmieröl anwenden, so muſs für ein dichteres Anliegen des Schiebers an die Hülsenenden gesorgt werden; dies geschieht durch Verschluſsarten nach Fig. 16 bis 18, wo bei Fig. 16 eine zwischen die Metallkapseln e und f eingelegte Spiralfeder r, bei Fig. 17 eine ringförmige Gummischlaucheinlage k den Metallschieber a, bei Fig. 18 eine Spiralfeder r den aus einer Holz- und Filzlage bestehenden Ring o gegen die Schieberfläche der Hülse andrückt. In den ersten zwei Fällen sind die Metallkapseln e und f zwischen Radnabe und Schieber eingelegt und die Feder übt auf beide Theile – Nabe und Hülse – einen Druck aus; im dritten Falle ist das Federgehäuse am Hülsenende angegossen und die Spiralfeder r übt daher nur gegen den Schieber o einen Druck aus.

Das Füllen der Lagerhülse H erfolgt mit Hilfe einer Spritze, bei welcher durch Zurückziehen des Kolbens durch das Mundstück das Fett oder Oel angesaugt wird, das man dann durch Verschieben des Kolbens in die Lagerhülse H eindrückt. Als Schmiermittel empfiehlt Halmay das von G. Wagenmann in Wien in den Handel gebrachte sogen. „Lubricator“ und das sogen. „consistente Maschinenöl“.

Zum Ausgießen der Hülse H mit Lagermetall bedient man sich der in Fig. 20 Taf. 30 dargestellten Vorrichtung: Der Dorn R ist um 5mm schwächer abgedreht als die Achse, damit derselbe, wenn auch durch Hammerschläge an den Enden etwas platt gedrückt, noch immer durch die Bohrung des Verschluſsschiebers ungehindert durchgehen kann. Der Dorn hat einen Schlitz zur Aufnahme des Keiles p, einen cylindrisch abgedrehten Ansatz B2, dessen Durchmesser gleich dem Durchmesser der Achse, die Länge gleich der Stärke des Verschluſsschiebers ist, und einen Ansatz B1 von ovalem Querschnitte angearbeitet, welcher der Lagerstelle am Hülsenende die Form gibt und dessen Querschnittsbreite gleich dem Achsdurchmesser, vergröſsert um 2mm, und dessen Querschnitthöhe gleich demselben Durchmesser, vergröſsert um 12mm, für das lothrechte |504| Spiel der Achse und dessen Ansatzlänge gleich der Breite der Lagerstelle (gewöhnlich doppelte Achsstärke), vergröſsert um 10mm. Am anderen Hülsenende befindet sich ein Prisma g mit einer Bohrung gleich dem Durchmesser des Dornes, welches zwischen die Führungsleisten b an den Hülsenenden paſst (vgl. Fig. 19) und zur Sicherung der parallelen Lage der Längenachse des Dornes mit der Längenachse der Lagerhülse dient.

Man nimmt eine Lagerhülse H, an deren Enden die Führungsleisten b und die Verschluſsschieberflächen abgehobelt sind, und klemmt sie mit der Lasche C in einen Schraubstock senkrecht ein, schiebt am unteren Hülsenende den eingepaſsten Verschluſsschieber ein, steckt den Dorn R, dessen Ansatz B1 mit ziemlich flüssiger Miniumfirniſsfarbe vorher bestrichen wurde, durch das obere noch unausgegossene Hülsenende und mit dem Ansätze B2 durch den Verschluſsschieber f und schlieſslich den Keil p unten durch, bringt den Ansatz B1 so tief als möglich an den Boden und den Keil p mit den Führungsleisten b in parallele Lage und zieht denselben sodann fest an. Der Dorn R ist dadurch wohl schon richtig befestigt; sicherheitshalber legt man aber noch auf das obere Hülsenende zwischen die Führungsleisten das Prisma g auf, damit hierdurch die Achsen des Dornes und der Hülse sicher parallel stehen; schlieſslich formt man beim Einguſsloche l einen kleinen Lehmtrichter.

Man schmilzt dann eine entsprechende Menge Lagermetall in einem Graphittiegel oder Blechlöffel am Schmiedefeuer und gieſst damit die Lagerstelle aus. Das Ausgieſsen der Lagerstelle am anderen Hülsenende geschieht in ähnlicher Weise; nur muſs der Dorn R jetzt von unten in die Hülse H gesteckt und dann erst der Verschluſsschieber vorgeschoben werden, wie auch nach dem Angieſsen die Vorsicht zu beobachten ist, daſs der Dorn bei der Herausnahme gegen das Innere der Hülse nur so weit zurückgetrieben werde, als es die Herausnahme des Verschluſsschiebers f unumgänglich erfordert, damit der Ansatz B1 die Führung nicht verliere und nach Beseitigung des Schiebers f der Dorn R nach auſsen leicht herausgetrieben werden könne.

Das lothrechte Spiel der Radachse sammt den Oelverschluſsschiebern in der Halmay'schen Lagerhülse ermöglicht, daſs die Räder an unebenen Stellen der Bahn auf den Schienen verbleiben können, verhindert dadurch die Entgleisung und gleichzeitig im Winter die Bildung einer starren Fetthülse im Inneren der Lagerhülse. Die Lagerstellen können auf die beschriebene Art sehr leicht erneuert werden, ohne daſs die Lagerhülse dabei Schaden erleidet; man kann daher erstere recht kurz machen, wodurch der Reibungswiderstand der Achsen verringert wird und Förderwagen daher sehr leicht gehen.

Wenn zum Füllen der Lagerhülsen reine, von sandigen Beimengungen freie Schmiermittel angewendet werden, so bleibt die Achse an der Lagerstelle immer schön blank. Die Bohrung im Oelverschluſsschieber wetzt sich nicht leicht aus, weil auſser dem Eigengewichte des Schiebers keine andere Last senkrecht gegen die Radachse auf denselben wirkt. Die Füllöffnungen sind an den Lagerhülsen gewöhnlich seitlich angebracht; die Füllung derselben geschieht daher am zweckmäſsigsten am Wipper oder auf der Verladerampe, wo man den Wagen mit seiner Längenachse nahezu senkrecht aufkippt.

Halmay machte die Erfahrung, daſs, während eine Maschine 30 mit offenen Lagern versehene Förderwagen über 12mm Bahnsteigung nur mühsam schleppen konnte, dieselbe 60 Förderwagen, welche mit seinen neuen Lagern versehen waren, auf derselben Steigung ganz leicht fortbrachte.

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